Bào

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Artikel aus: Lexikon der Kampfkünste<br.>Nachbearbeitet von: Stephanie Kaiser

Der Leopard, auch Panther (chin. bào (pao) 豹, jap. hyō) ist unter anderem ein chinesisches Symbol für Grausamkeit und Wildheit. Er ist aber auch Emblem für Tapferkeit, kriegerische Tugenden, sowie Mut, Freude und Glück.

Vorkommen und Arten

Der Leopard ist nach dem Tiger, Löwen und Jaguar die viertgrößte lebende Großkatze (Pantherinae). Die in Asien beziehungsweise auch China heimischen Leoparden (Panthera pardus) sind der Nordchinesische Leopard (Panthera pardus japonensis), der Amur-Leopard (Panthera pardus orientalis) und der dort sehr selten im Hochgebirge, wie beispielsweise auch dem Kūnlún shān, ‎lebende Schneeleopard (Panthera uncia), auch Irbis genannt. Leoparden gelten weltweit als gering gefährdet, wohingegen die letzten drei genannten Arten von der IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Resources) als bedroht, vom Aussterben bedroht oder als stark gefährdet eingestuft und auf der „Roten Liste gefährdeter Arten“ geführt werden.

Im Vergleich zum afrikanischen Raum finden sich in Südasien die häufigsten Leoparden mit schwarzer Färbung (sogenannte „Schwärzlinge“), die allgemein als „Schwarze Panther“ oder nur „Panther“ bezeichnet werden. Neben dem Leoparden weist auch der auf den amerikanischen Kontinenten heimische Jaguar (Panthera onca) häufig die schwarze Fellfarbe auf, der die einzige Großkatze der „Neuen Welt“ ist. Die schwarze Fellfärbung ist lediglich eine Form des Melanismus [1]. Sie sind, wie auch die „weißen (Bengalischen) Tiger“ oder „weißen Löwen“, keine eigene Unterart.

Darstellung und Symbolik

Der Leopard wird nur selten bildlich dargestellt. Ist der Leopard auf einem sogenannten Mandarintuch in gestickter Form abgebildet, steht er in der Ming- und Qing-Dynastie für den 3. beziehungsweise 4. Rang eines Generals. Dieser Rang kann entweder durch den Leopard oder den Tiger (虍 - ) gekennzeichnet sein. Der Löwe (獅 – shī) bzw. das chinesische Einhorn (麒麟 - qílín) bezeichnete jeweils den 1. Militärrang. Der Panther (Schwarzer Panther) war hingegen das Symbol des 6. beziehungsweise 7. Ranges, der am Ende der Qing-Dynastie vom Nashorn (犀牛 - xīniú) symbolisiert wurde. Die durch die Großkatze gekennzeichneten Ränge drückten die Fähigkeiten eines Militärs im Kampf aus.

Der Leopard allein steht symbolisch für die „Zähmung der Wildheit“. Ist er hingegen mit einer oder mehreren Elstern (鹊 - qué) zusammen abgebildet, kündigt ein solches Bild bevorstehende Freude an. Zudem bedeutet pao auch „verkünden“.

Über die Gestalt der Göttin Xīwángmǔ (西王母), der „Königinmutter des Westens“, heißt es in der chinesischen Mythologie, dass sie den Schwanz eines Leoparden besaß und das Gebiss eines Tigers hatte. Darstellungen zeigen sie außerdem auf einem als „Leopardenthron“ bezeichneten Thron.

Der Leopard in der Literatur

In Erzählungen oder Volksmärchen kommt der Leopard nicht so häufig wie der Tiger vor. In „Der Panther“ beispielsweise wird die Grausamkeit des Tieres besonders verdeutlicht, der eine Mutter und deren Sohn frisst und sich in der übernommenen Rolle als falsche Mutter schließlich Zutritt zur restlichen Familie verschafft. Die Geschichte endet mit dem Tod des Panthers, der von den beiden Töchtern überlistet wurde. Ähnliche Erzählungen gibt es mitunter auch über den Tiger. Aus Afrika sind Märchen überliefert, in denen Leoparden oftmals ebenfalls die Rolle des „bösen Wolfs“ zukommt.

In der Literatur findet sich außerdem eine weitere Erwähnung des Leopardenschwanzes, der an Kriegswagen ein Ehrenabzeichen war. Da der Leopard als grausames und wildes Tier galt, ist das Wort bào/pao wegen seiner Bedeutung in Westchina ein Tabu.

Der Leopard in den chinesischen Kampfkünsten

Leopard und Leopardenfaust

Der Leopard ist neben dem Drachen (龍 – lóng), dem Tiger (虍 - ), dem Kranich (鶴 - ) und der Schlange (蛇 - shé) eines der klassischen fünf Tiere des shǎolínquán (少林拳 - Shǎolín-Faust) und ein Standardtier der wǔqínquán (五禽拳 - „fünf Tierfäuste“).

  • Bàoquán (豹拳): Der Stil des Leoparden beruht auf schnellen Reaktionen, großer Gewandtheit und einem starken Kampfgeist. Der Leopard kämpft geradlinig, meist aus der Katzenstellung, und verwendet Schläge mit dem Handballen oder mit dem Gelenk des Mittelfingers. Die Kraft kommt aus dem Unterarm und Ellbogen, die Fauststöße schnappen nach der Aktion zurück. Seine blitzschnellen Angriffe, oft auch durch Sprünge, machen ihn zum schnellsten Tierstil.

Wie viele andere Tiere in den Kampfkünsten, kommt der Leopard nicht nur in seinem eigenen Tierstil vor. So findet sich beispielsweise im tàijíquán der sogenannte „Leopardschritt“.

Anmerkungen und Verweise

[1] Melanismus: leitet sich vom Griechischen melas ab, was „schwarz“ bedeutet. Es bezeichnet in der Wissenschaft eine übermäßige Pigmentierung und Ablagerung an Melaninen (rötliche, braune oder schwarze Pigmente) in Haut, Haaren oder Schuppen, die von der Norm der Art abweicht.

Studien Informationen

Siehe auch: Bàoquán (Leopardenboxen/Leopardenfaust) | Bàoxíngquán (Leoparden-Tierboxen) | Shǎolín quánfǎ | Shǎolín wǔxíng bāfǎquán | Wǔxíngquán

Literatur

  • Wolfram Eberhard: Lexikon Chinesischer Symbole. Die Bildsprache der Chinesen. Heinrich Hugendubel, München 2004, ISBN 3-89631-428-9, S. 217-218.
  • Josef Guter: Lexikon der Götter und Symbole der Alten Chinesen. Marix, Wiesbaden 2004, ISBN 3-937715-04-5, S. 205.
  • Werner Lind: Lexikon der Kampfkünste. BSK-Studien 2010.
  • Jeremy Roberts: Chinese Mythology A-Z. 2nd Edition, Chelsea House Publications 2009, ISBN 978-1-60413-436-0, S. 72.
  • Richard Wilhelm: Der alte Drachenbart. Märchen aus China. Diederichs, München 2008, ISBN 978-3-7205-3069-9, S. 24-27.
  • Clemens Zerling: Lexikon der Tiersymbolik. Mythologie – Religion – Psychologie. Drachen, Klein Jasedow 2012, ISBN 978-3927369-61-0, S. 191-193.