Europäische Kampfsysteme: Unterschied zwischen den Versionen

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(Europäische Kampfsysteme)
 
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== Europäische Kampfsysteme ==
 
== Europäische Kampfsysteme ==
Erst das europäische Mittelalter brachte mit dem Rittertum eine Klasse hervor, für die die Kampfkünste nicht nur einen kriegerischen Anwendungswert, sondern auch eine persönliche Verpflichtung zu angemessenem Verhalten bedeutete. Ähnlich wie die japanischen ''[[samurai]]'' verbanden die Ritter ihren Stand mit einem eigenen Kodex, in dem ihre Waffen eine zentrale Rolle spielten. Über die damaligen Techniken ist heute nur wenig bekannt, man weiß jedoch, daß die jungen Ritter sehr streng erzogen wurden. Hierzu gehörten neben harten körperlichen Übungen mit ihren Waffen das Reiten, die Falkenjagd und das Ringen, aber auch Gesang, Tanz und die Formen des gesellschaftlichen Umgangs. Die Fortschritte in ihren Künsten konnten die Ritter auf Turnieren erproben, welche allerdings auch immer wieder verwendet wurden, um persönliche Rivalitäten auszutragen. So kam es anfangs oft zu schweren Verletzungen und Todesfällen, was zur Aufstellung strenger Turnierregeln führte.<br.>Die mittelalterlichen Kampfkünste waren ausschließlich Adeligen vorbehalten. Im Laufe der Zeit versuchten die führenden Meister unter ihnen, einen Ehrenkodex aufzustellen, der ihre Lebensweise rechtfertigen und ihr Maß und Ziel geben sollte. Da diese Lebensweise das Töten von Menschen mit inbegriff stand sie im Widerspruch zur christlichen Lehre, was zu verschiedenen Spekulationen über die geschichtliche Herkunft der Ritterethik geführt hat. In jedem Fall fand der Ritterkodex in Europa nicht jenen Rückhalt in Religion und Philosophie, wie dies in Asien geschah. So wandten sich viele Ritter einem mystisch-asketischen Leben zu und widmeten sich pseudochristlichen Zielen. In der Folge entstanden Ritterbünde mit sehr exklusiven und geheimen Anhängern, die zum Teil auch heute noch bestehen (z.B. Templer und Malteser).<br.>Außerhalb der Rittergemeinschaften wurden die Kampfkünste nicht geübt. Erste Hinweise auf andere Kampfsysteme findet man erstmals im 15. Jahrhundert in England, wo sogenannte „Meister der edlen Künste der Selbstverteidigung“ Schüler annahmen und diese im Gebrauch des Kurzstabs, des Schwertes und des Schildes sowie des unbewaffneten Faustkampfes unterrichteten. Über ihre Systeme ist wenig bekannt, jedoch weiß man, dass sie hoch angesehen waren und von König Heinrich VIII. königliche Privilegien erhielten.<br.>Im Jahre 1719 ließ sich ein Mann namens James Figg in London nieder und bezeichnete sich selbst als „Meister aller Klassen“ in den Systemen der Selbstverteidigung. Er hatte viele Schüler, wurde aber auch oft von anderen Kämpfern herausgefordert. Es heißt, daß er bis zum Jahr 1733 keinen Kampf verlor, was ihm große Bekanntheit einbrachte. Aus seinem System entwickelte sich im Laufe der Zeit ein neuer Kampfstil: das [[Boxen]].<br.>Nach der Einführung der Feuerwaffen um 1600 fand wie in anderen Ländern auch das Schwert keinerlei Verwendungsmöglichkeit mehr im Kampf. Es kam erst im 18. Jahrhundert wieder zur Geltung, als es in sportlichen Wettkämpfen eingesetzt wurde und allmählich ein Stil des Sportfechtens entstand.<br.>In Frankreich wurde seit vielen Jahrhunderten das [[Savate]] (auch Chausson) geübt, ein den asiatischen Kampfkünsten sehr ähnliches System, aus dem sich später das französische Boxen entwickelte. Diese Methode wird in Frankreich heute noch hauptsächlich als Vollkontakt praktiziert und ist in verschiedenen entsprechenden Föderationen organisiert.<br.>Außer dem Rittertum fand keines der europäischen Kampfsysteme Wurzeln in der Philosophie und Lebensanschauung einer Gesellschaftsgruppe. Stets wurden diese Systeme zu Zwecken der Selbstverteidigung, der Körperertüchtigung oder zum sportlichen Kräftemessen geübt. So konnte keines von ihnen die Tiefe der technischen und psychischen Kapazität erlangen, die den asiatischen Kampfkünsten eigen ist.
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Erst das europäische Mittelalter brachte mit dem Rittertum eine Klasse hervor, für die die Kampfkünste nicht nur einen kriegerischen Anwendungswert, sondern auch eine persönliche Verpflichtung zu angemessenem Verhalten bedeutete. Ähnlich wie die japanischen ''[[samurai]]'' verbanden die Ritter ihren Stand mit einem eigenen Kodex, in dem ihre Waffen eine zentrale Rolle spielten. Über die damaligen Techniken ist heute nur wenig bekannt, man weiß jedoch, dass die jungen Ritter sehr streng erzogen wurden. Hierzu gehörten neben harten körperlichen Übungen mit ihren Waffen das Reiten, die Falkenjagd und das Ringen, aber auch Gesang, Tanz und die Formen des gesellschaftlichen Umgangs. Die Fortschritte in ihren Künsten konnten die Ritter auf Turnieren erproben, welche allerdings auch immer wieder verwendet wurden, um persönliche Rivalitäten auszutragen. So kam es anfangs oft zu schweren Verletzungen und Todesfällen, was zur Aufstellung strenger Turnierregeln führte.<br.>Die mittelalterlichen Kampfkünste waren ausschließlich Adeligen vorbehalten. Im Laufe der Zeit versuchten die führenden Meister unter ihnen, einen Ehrenkodex aufzustellen, der ihre Lebensweise rechtfertigen und ihr Maß und Ziel geben sollte. Da diese Lebensweise das Töten von Menschen mit inbegriff stand sie im Widerspruch zur christlichen Lehre, was zu verschiedenen Spekulationen über die geschichtliche Herkunft der Ritterethik geführt hat. In jedem Fall fand der Ritterkodex in Europa nicht jenen Rückhalt in Religion und Philosophie, wie dies in Asien geschah. So wandten sich viele Ritter einem mystisch-asketischen Leben zu und widmeten sich pseudochristlichen Zielen. In der Folge entstanden Ritterbünde mit sehr exklusiven und geheimen Anhängern, die zum Teil auch heute noch bestehen (z.B. Templer und Malteser).<br.>Außerhalb der Rittergemeinschaften wurden die Kampfkünste nicht geübt. Erste Hinweise auf andere Kampfsysteme findet man erstmals im 15. Jahrhundert in England, wo sogenannte „Meister der edlen Künste der Selbstverteidigung“ Schüler annahmen und diese im Gebrauch des Kurzstabs, des Schwertes und des Schildes sowie des unbewaffneten Faustkampfes unterrichteten. Über ihre Systeme ist wenig bekannt, jedoch weiß man, dass sie hoch angesehen waren und von König Heinrich VIII. königliche Privilegien erhielten.<br.>Im Jahre 1719 ließ sich ein Mann namens James Figg in London nieder und bezeichnete sich selbst als „Meister aller Klassen“ in den Systemen der Selbstverteidigung. Er hatte viele Schüler, wurde aber auch oft von anderen Kämpfern herausgefordert. Es heißt, dass er bis zum Jahr 1733 keinen Kampf verlor, was ihm große Bekanntheit einbrachte. Aus seinem System entwickelte sich im Laufe der Zeit ein neuer Kampfstil: das [[Boxen]].<br.>Nach der Einführung der Feuerwaffen um 1600 fand wie in anderen Ländern auch das Schwert keinerlei Verwendungsmöglichkeit mehr im Kampf. Es kam erst im 18. Jahrhundert wieder zur Geltung, als es in sportlichen Wettkämpfen eingesetzt wurde und allmählich ein Stil des Sportfechtens entstand.<br.>In Frankreich wurde seit vielen Jahrhunderten das [[Savate]] (auch Chausson) geübt, ein den asiatischen Kampfkünsten sehr ähnliches System, aus dem sich später das französische Boxen entwickelte. Diese Methode wird in Frankreich heute noch hauptsächlich als Vollkontakt praktiziert und ist in verschiedenen entsprechenden Föderationen organisiert.<br.>Außer dem Rittertum fand keines der europäischen Kampfsysteme Wurzeln in der Philosophie und Lebensanschauung einer Gesellschaftsgruppe. Stets wurden diese Systeme zu Zwecken der Selbstverteidigung, der Körperertüchtigung oder zum sportlichen Kräftemessen geübt. So konnte keines von ihnen die Tiefe der technischen und psychischen Kapazität erlangen, die den asiatischen Kampfkünsten eigen ist.
  
 
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Die Kampfkunstgeschichte [[Griechenland]]s liegt weitgehend im Dunkeln, zeugt jedoch gleichzeitig von den ältesten Bemühungen in diese Richtung. 1.500 v.Chr wurden bereits auf Kreta Fresken gefunden, die Kampfszenen jeder Art dokumentieren. Die erste nachweisbare Erwähnung findet der Waffentanz [[Pyrrhiche]] und verschiedene Formen des Ringens. Bereits in der Frühgeschichte Griechenlands wurden [[Ringen]], [[Boxen]] und [[Pakration]] als Wettkampf betrieben.<br.>Bereits 700 v.Chr. wurde das Ringen zur Olympische Disziplin und als Teil des Pethalon (Fünfkampf) ausgeübt. Es entstanden viele Ring- und Boxschulen. Die Boxer bandagierten ihre Hände und Unterarme mit Leder und häufig wurden metallische Gewichte in diese Handschuhe (Caestus) eingelegt. Die Boxkämpfe (Pygme) endeten oft mit schweren Verletzungen.<br.>650 v.Chr. wurde das Pankration in die olympische Disziplin aufgenommen. Dies war eine Kombination aus allen bisher bekannten Kampfmethoden und nicht selten war der Ausgang solcher Kämpfe tödlich.
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Die Kampfkunstgeschichte [[Griechenland]]s liegt weitgehend im Dunkeln, zeugt jedoch gleichzeitig von den ältesten Bemühungen in diese Richtung. 1.500 v.Chr wurden bereits auf Kreta Fresken gefunden, die Kampfszenen jeder Art dokumentieren. Die erste nachweisbare Erwähnung findet der Waffentanz [[Pyrrhiche]] und verschiedene Formen des Ringens. Bereits in der Frühgeschichte Griechenlands wurden [[Ringen]], [[Boxen]] und [[Pankration]] als Wettkampf betrieben.<br.>Bereits 700 v.Chr. wurde das Ringen zur Olympische Disziplin und als Teil des Pethalon (Fünfkampf) ausgeübt. Es entstanden viele Ring- und Boxschulen. Die Boxer bandagierten ihre Hände und Unterarme mit Leder und häufig wurden metallische Gewichte in diese Handschuhe (Caestus) eingelegt. Die Boxkämpfe (Pygme) endeten oft mit schweren Verletzungen.<br.>650 v.Chr. wurde das Pankration in die olympische Disziplin aufgenommen. Dies war eine Kombination aus allen bisher bekannten Kampfmethoden und nicht selten war der Ausgang solcher Kämpfe tödlich.
  
 
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Heute ist [[Jugoslawien]] in mehrere autonome Länder gesplittet ([[Serbien]], [[Kroatien]], [[Slowenien]], [[Bosnien-Herzegowina]], [[Mazedonien]] und [[Montenegro]]).<br.>Die Kampfsysteme im alten Jugoslawien etablierten sich hauptsächlich in zwei Gebieten: Belgrad (heutige Hauptstadt von [[Serbien]]) und Zagreb (heutige Hauptstadt von [[Kroatien]]). Die wichtigsten Kampfkünste sind ''[[jūdō]]'' und ''[[karate]]'', in denen die Jugoslawen zu den führenden europäischen Nationen gehörten.<br.>Im östlichen Teil Jugoslawiens dominiert das ''[[shōtōkan ryū]]'' unter [[Jorga Ilija]] (angeschlossen an die [[IAKF]]), während im westlichen Teil das Budōkai von [[Topic Emin]] (angeschlossen an die [[WAKO]]) mit einigen Shōtōkan- und Shukokai-Einflüssen am populärsten ist. Diesen Organisationen gehören 70 Prozent der ''karateka'' an. ''[[Taekwondo]]'' kam nur in Kroatien zu einer gewissen Popularität, während ''[[kenpō]]'' nur in vereinzelten Gruppen geübt wird.
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Heute ist [[Jugoslawien]] in mehrere autonome Länder gesplittet ([[Serbien]], [[Kroatien]], [[Slowenien]], [[Bosnien-Herzegowina]], [[Mazedonien]] und [[Montenegro]]).<br.>Die Kampfsysteme im alten Jugoslawien etablierten sich hauptsächlich in zwei Gebieten: Belgrad (heutige Hauptstadt von [[Serbien]]) und Zagreb (heutige Hauptstadt von [[Kroatien]]). Die wichtigsten Kampfkünste sind ''[[jūdō]]'' und ''[[karate]]'', in denen die Jugoslawen zu den führenden europäischen Nationen gehörten.<br.>Im östlichen Teil Jugoslawiens dominiert das ''[[shōtōkan ryū]]'' unter [[Ilija Jorga]] (angeschlossen an die [[IAKF]]), während im westlichen Teil das Budōkai von [[Topic Emin]] (angeschlossen an die [[WAKO]]) mit einigen Shōtōkan- und Shukokai-Einflüssen am populärsten ist. Diesen Organisationen gehören 70 Prozent der ''karateka'' an. ''[[Taekwondo]]'' kam nur in Kroatien zu einer gewissen Popularität, während ''[[kenpō]]'' nur in vereinzelten Gruppen geübt wird.
  
 
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1980 - In Paris wird die European Kung fu Union gegründet.
 
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== Studien Informationen ==
 
== Studien Informationen ==

Aktuelle Version vom 29. Januar 2012, 11:48 Uhr

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Die frühesten belegbare Hinweise auf die Kampfsysteme Europas findet man in der Geschichte des alten Griechenlands. Bereits damals wurden Kampftechniken im Rahmen der frühen Olympischen Spiele als Sport ausgeübt. Die Wettbewerbe hatten noch einen starken Bezug zur militärischen Realität, denn man bestritt sie mit den gebräuchlichen Kriegswaffen: Speer, Lanze und Schwert.<br.>Es wurden jedoch auch verschiedene Arten des Boxens und des Ringens verwendet. Das bekannteste System aus dieser Zeit wird heute als Pankration bezeichnet, eine Kampfmethode, die früher nicht selten mit dem Tod des Unterlegenen endete.

Europäische Kampfsysteme

Erst das europäische Mittelalter brachte mit dem Rittertum eine Klasse hervor, für die die Kampfkünste nicht nur einen kriegerischen Anwendungswert, sondern auch eine persönliche Verpflichtung zu angemessenem Verhalten bedeutete. Ähnlich wie die japanischen samurai verbanden die Ritter ihren Stand mit einem eigenen Kodex, in dem ihre Waffen eine zentrale Rolle spielten. Über die damaligen Techniken ist heute nur wenig bekannt, man weiß jedoch, dass die jungen Ritter sehr streng erzogen wurden. Hierzu gehörten neben harten körperlichen Übungen mit ihren Waffen das Reiten, die Falkenjagd und das Ringen, aber auch Gesang, Tanz und die Formen des gesellschaftlichen Umgangs. Die Fortschritte in ihren Künsten konnten die Ritter auf Turnieren erproben, welche allerdings auch immer wieder verwendet wurden, um persönliche Rivalitäten auszutragen. So kam es anfangs oft zu schweren Verletzungen und Todesfällen, was zur Aufstellung strenger Turnierregeln führte.<br.>Die mittelalterlichen Kampfkünste waren ausschließlich Adeligen vorbehalten. Im Laufe der Zeit versuchten die führenden Meister unter ihnen, einen Ehrenkodex aufzustellen, der ihre Lebensweise rechtfertigen und ihr Maß und Ziel geben sollte. Da diese Lebensweise das Töten von Menschen mit inbegriff stand sie im Widerspruch zur christlichen Lehre, was zu verschiedenen Spekulationen über die geschichtliche Herkunft der Ritterethik geführt hat. In jedem Fall fand der Ritterkodex in Europa nicht jenen Rückhalt in Religion und Philosophie, wie dies in Asien geschah. So wandten sich viele Ritter einem mystisch-asketischen Leben zu und widmeten sich pseudochristlichen Zielen. In der Folge entstanden Ritterbünde mit sehr exklusiven und geheimen Anhängern, die zum Teil auch heute noch bestehen (z.B. Templer und Malteser).<br.>Außerhalb der Rittergemeinschaften wurden die Kampfkünste nicht geübt. Erste Hinweise auf andere Kampfsysteme findet man erstmals im 15. Jahrhundert in England, wo sogenannte „Meister der edlen Künste der Selbstverteidigung“ Schüler annahmen und diese im Gebrauch des Kurzstabs, des Schwertes und des Schildes sowie des unbewaffneten Faustkampfes unterrichteten. Über ihre Systeme ist wenig bekannt, jedoch weiß man, dass sie hoch angesehen waren und von König Heinrich VIII. königliche Privilegien erhielten.<br.>Im Jahre 1719 ließ sich ein Mann namens James Figg in London nieder und bezeichnete sich selbst als „Meister aller Klassen“ in den Systemen der Selbstverteidigung. Er hatte viele Schüler, wurde aber auch oft von anderen Kämpfern herausgefordert. Es heißt, dass er bis zum Jahr 1733 keinen Kampf verlor, was ihm große Bekanntheit einbrachte. Aus seinem System entwickelte sich im Laufe der Zeit ein neuer Kampfstil: das Boxen.<br.>Nach der Einführung der Feuerwaffen um 1600 fand wie in anderen Ländern auch das Schwert keinerlei Verwendungsmöglichkeit mehr im Kampf. Es kam erst im 18. Jahrhundert wieder zur Geltung, als es in sportlichen Wettkämpfen eingesetzt wurde und allmählich ein Stil des Sportfechtens entstand.<br.>In Frankreich wurde seit vielen Jahrhunderten das Savate (auch Chausson) geübt, ein den asiatischen Kampfkünsten sehr ähnliches System, aus dem sich später das französische Boxen entwickelte. Diese Methode wird in Frankreich heute noch hauptsächlich als Vollkontakt praktiziert und ist in verschiedenen entsprechenden Föderationen organisiert.<br.>Außer dem Rittertum fand keines der europäischen Kampfsysteme Wurzeln in der Philosophie und Lebensanschauung einer Gesellschaftsgruppe. Stets wurden diese Systeme zu Zwecken der Selbstverteidigung, der Körperertüchtigung oder zum sportlichen Kräftemessen geübt. So konnte keines von ihnen die Tiefe der technischen und psychischen Kapazität erlangen, die den asiatischen Kampfkünsten eigen ist.

Europaweite Kampfsysteme

Ringen -

  • Freistilringen
  • Griechisch/Römisches Ringen

Boxen -

Fechten -

  • Schwert -
  • Florett -
  • Degen -
  • Säbel -
  • Dolch -
  • Lanze (Speer) -
  • Rapier -

Bogenschießen -

Landesspezifische Kampfsysteme

Frankreich

  • Savate

England

  • Boxen

Griechenland

  • Pankration

Italien

  • Griechisch/Römisches Ringen

Schottland

  • Corno breton

Island

  • Glimae

Schweiz

  • Schwingen

Russland

  • Sambo

Griechenland

Hauptartikel: Griechische Kampfsysteme

Die Kampfkunstgeschichte Griechenlands liegt weitgehend im Dunkeln, zeugt jedoch gleichzeitig von den ältesten Bemühungen in diese Richtung. 1.500 v.Chr wurden bereits auf Kreta Fresken gefunden, die Kampfszenen jeder Art dokumentieren. Die erste nachweisbare Erwähnung findet der Waffentanz Pyrrhiche und verschiedene Formen des Ringens. Bereits in der Frühgeschichte Griechenlands wurden Ringen, Boxen und Pankration als Wettkampf betrieben.<br.>Bereits 700 v.Chr. wurde das Ringen zur Olympische Disziplin und als Teil des Pethalon (Fünfkampf) ausgeübt. Es entstanden viele Ring- und Boxschulen. Die Boxer bandagierten ihre Hände und Unterarme mit Leder und häufig wurden metallische Gewichte in diese Handschuhe (Caestus) eingelegt. Die Boxkämpfe (Pygme) endeten oft mit schweren Verletzungen.<br.>650 v.Chr. wurde das Pankration in die olympische Disziplin aufgenommen. Dies war eine Kombination aus allen bisher bekannten Kampfmethoden und nicht selten war der Ausgang solcher Kämpfe tödlich.

Italien

Hauptartikel: Römische Kampfsysteme

Die Träger der römischen und der später Kampfsysteme aus Italien waren die Gladiatoren des Römischen Reiches. Sie fochten anfangs mit dem Gladius (Kurzschwert), das auch auf dem Schlachtfeld verwendet wurde. Von den Griechen übernahmen die Römer das Ringen (Griechisch/Römisches Ringen) und später das Pankration, das mit dem Caestus (metallbeschwerten Handschuh) ausgeführt wurde. Offene Wettkämpfe fanden in groß angelegten Arenen (Kolosseum) auf Leben oder Tod statt.<br.>Im 12. Jahrhundert erfuhr das Fechten einen großen Aufschwung und etablierte sich als die wichtigste Kampfkunst Italiens. Allmählich lösten Florett und Degen das Schwert ab. Die italienischen Fechtschulen galten jahrhundertelang als die besten in Europa.

Frankreich

Hauptartikel: Französische Kampfsysteme

Wie überall in der Welt war auch in Frankreich das Ringen die erste dokumentierte Kampfmethode. Im Mittelalter aber war das Fechten die bekannteste Kampfform. Schon im Jahre 1630 gelang es den französischen Fechtmethoden sich gegen die italienischen Schulen durchzusetzen, die als die höchsten in Europa galten. Die beliebteste Waffe war das Florett.<br.>1820 wurde von Michel das Savate entwickelt. Später vermischte Lecour diese Methode mit dem Chausson, das in Bordeaux geübt wurde, und nannte dieses System „Boxe Francaise“ oder vereinfacht „Savate“. 1877 veröffentlichte Charlemont das erste Fachbuch über diese Kunst, nachdem er Elemente des englischen Boxens zugefügt hatte. Um dieselbe Zeit entickelte sich innerhalb des Savate auch die Verwendung bretonischer Stocktechniken zur Selbstverteidigung, die man als „La Canne“ bezeichnet. Heute ist das französische Boxen vom Erziehungsministerium als Schulsport anerkannt.

England

Hauptartikel: Englische Kampfsysteme

Die ältesten Überlieferungen der Kampfkünste aus England beschreiben mehrere Formen des Ringens, von denen das „Cornwall-Ringen“ (Corno-breton) eine der beliebtesten Formen war. In Schottland benutzte man den Hammer als Wurfwaffe, um Duelle oder Wettkämpfe auszutragen.<br.>Im Mittelalter wurden, wie überall in Europa, die Kriegsmethoden der Ritter intensiviert. 1540 gründete Heinrich VIII. die „Gilde der Londoner Fechtlehrer, doch die europaweit bekannte italienische Fechtschule war auch in England maßgebend und wurde den einheimischen Künsten jahrhundertelang vorgezogen. Im 16. Jahrhundert entstanden aber mehrere Formen des englischen Boxens, die 1720 in der Boxschule von James Figg zu einem System entwickelt wurden. Jack Broughton erfand 1740 den Boxhandschuh und stellte die ersten Kampfregeln auf. 1747 erschien das erste Lehrbuch über das Boxen.

Deutschland

Hauptartikel: Deutsche Kampfsysteme

Deutschland hat eine alte Kriegertradition. Schon die alten Germanen übten sich im Fechten mit dem Speer (Ger) und Schwert, (Kurz- und Langschwert), im Ringen und im Bogenschießen. Über Jahrhunderte hinweg fanden Turniere und Wettkämpfe im Stechen und Fechten statt. Schließlich wurden etwa 1.500 die „Fechter Genossenschaften“ gegründet, in denen der Umgang mit verschiedenen Kriegswaffen gelehrt wurde.<br.>Die älteste Dokumentation über mittelalterliche Kampfkünste in Deutschland stammt aus Talhoffers „Fechtbuch“ aus dem Jahre 1443 und aus dem „Ringkampf Lehrbuch“ von Meister Ott. 1512 erschien ein „Fechtbuch“ mit Zeichnungen von Arbrecht Dürer und 1537 „Ringkunst“ von Fabian von Auerswald. Kurz darauf veröffentlichte Joachim Meyer sein Buch „Freyfechter und Burger zu Strassburg“, durch das die deutsche Fechtkunst vollkommen reformiert wurde. Professionelle Fechtlehrer zogen von Stadt zu Stadt und unterrichteten den Umgang mit Dolch, Schwert, Lanze, Säbel, Degen und Rapier. Einer der bekanntesten Fechtlehrer jener Zeit war Wilhelm Kreußler.<br.>Die Einführung der Schußwaffen verdrängte danach die klassischen mittelalterlichen Kampfsysteme und etablierte eine landesweit organisierte Gilde der Sportschützen, die bis heute existiert. Doch wenig später wurden die mittelalterlichen Künste als Sport entdeckt und überlebten bis in die heutige Zeit, hauptsächlich als Fechten und Ringen.

Jugoslawien

Hauptartikel: Jugoslawische Kampfsysteme

Heute ist Jugoslawien in mehrere autonome Länder gesplittet (Serbien, Kroatien, Slowenien, Bosnien-Herzegowina, Mazedonien und Montenegro).<br.>Die Kampfsysteme im alten Jugoslawien etablierten sich hauptsächlich in zwei Gebieten: Belgrad (heutige Hauptstadt von Serbien) und Zagreb (heutige Hauptstadt von Kroatien). Die wichtigsten Kampfkünste sind jūdō und karate, in denen die Jugoslawen zu den führenden europäischen Nationen gehörten.<br.>Im östlichen Teil Jugoslawiens dominiert das shōtōkan ryū unter Ilija Jorga (angeschlossen an die IAKF), während im westlichen Teil das Budōkai von Topic Emin (angeschlossen an die WAKO) mit einigen Shōtōkan- und Shukokai-Einflüssen am populärsten ist. Diesen Organisationen gehören 70 Prozent der karateka an. Taekwondo kam nur in Kroatien zu einer gewissen Popularität, während kenpō nur in vereinzelten Gruppen geübt wird.

Russland

Hauptartikel: Russische Kampfsysteme

Der beliebteste Kampfsport in Russland und seiner zugehörigen Völker ist das Ringen. Man kennt im Gebiet der alten UdSSR mehr als 20 Arten von verschiedenen Ringkämpfen. Aus ihnen entwickelte sich in den 30er Jahren das Sambo.

Einfluss aus Asien

Erst zu Anfang des 20. Jahrhunderts hielten verschiedene Asiatische Kampfsysteme ihren Einzug in Europa und erfreuen sich heute zunehmender Beliebtheit.


1764 - Erster Kontakt der spanischen Eroberer mit dem philippinischen Kali.

1830 - In Genua wird der erste europäische Savate-Club gegründet.

1882 - Charles Lecour gründet in Paris eine Schule für farnzösisches Boxen, als Synthese zwischen Savate und englischem Boxen.

1905 - Guy de Montgaillard führt Jiu Jitsu in Frankreich ein.

1906 - Koizumi Gunji bringt Jūdō nach England. Agitaro Ono unterrichtet Jiu Jitsu an der Militär-Akademie Berlin/Lichterfelde. Erich Rahn unterrichtet Jūdō/Jiu Jitsu in Deutschland.

1912 - E. J. Harrison veröffentlicht das erste europäische Buch über die asiatischen Kampfkünste, „The Fighting Spirit of Japan“.

1914 - Maurice Minne unterrichtet Jūdō in Brüssel.

1918 - Koizumi Gunji gründet den Budōkwai in London.

1920 - Carolo Oletti unterrichtet Jūdō in Rom.

1922 - Erich Rahn besiegt Hans Reuter aus München und wird als Erster deutscher Jiu Jitsu Meister.

1924 - Der Deutsche Jiu Jitsu Club des Reichsverbandes wird gegründet.

1925 - Die erste Jiu Jitsu Zeitschrift Europas erscheint in Deutschland.

1929 - In London findet der erste europäische Jūdō-Wettkampf zwischen dem Budōkwai und dem Jiu Jitsu Club Frankfurt statt.

1930 - Tibor Vincze bringt Jūdō nach Ungarn.

1932 - Gründung der European Jūdō Federation. Alfred Rhode veranstaltet das erste internationale Jūdō-Sommerlager in Frankfurt.

1933 - Kanō Jigorō besucht Europa. Jūdō beginnt das Jiu Jitsu zu verdrängen.

1934 - Maurice Van Nieuwenhuizen bringt Jūdō nach Holland.

1935 - Kawaishi Mikinosuke gründet in Paris den ersten französisch-japanischen Jūdō-Club.

1936 - Französischer Jiu Jitsu Club, gegründet von M. Feldenkreis, mit Kawaishi M. als Hauptinstruktor.

1940 - Paul Maury-Bonet gründet die Französische Jiu Jitsu Föderation.

1943 - Erste frönzösische Jūdō-Meisterschaft

1945 - Gründung der European Jūdō Union.

1950 - In Italien wird die International Jūdō Federation gegründet.

1951 - Bruno Adler führt Jūdō in Schweden ein. In Paris findet die erste europäische Jūdō Meisterschaft statt. In Jugoslawien wird das erste Jūdō-Dōjō gegründet.

1952 Kanō Risei wird Präsident der International Jūdō Federation. Ungarn gründet seine nationale Jūdō Föderation. Jūdō wird in Irland eingeführt.

1953 - Dr. Aldo Torti wird Präsident der European Jūdō Union. In Hamburg wird der Deutsche Jūdō Bund gegründet.

1954 - Henry D. Plee gründet in Paris die Französische Akademie für asiatische Kampfkünste und unterrichtet Karate.

1957 - Murakami Tetsuji gründet in Paris ein Shōtōkan dōjō. Jürgen Seydel bringt Karate nach Deutschland. Gerhard Gosen unterrichtet in Schweden Aikidō, Karate und Taijiquan.

1960 - Karate wird von Trin Tam Tam nach Jugoslawien (Zagreb) gebracht.

1961 - Jürgen Seydel gründet die erste deutsche Karate Föderation. Anton Geesink wird in Paris Jūdō-Weltmeister.

1962 - Jūdō wird in Finland eingeführt. Ōyama bringt Kyokushin-Karate nach Europa.

1963 - Irland gründet seine nationale Jūdō Föderation. Robert von Sandor und Roald Knutsen bringen Kendō nach Schweden. Frankreich, Belgien und England organisieren den ersten europäischen Karate-Wettbewerb.

1964 - Attila Mezsaros bringt Karate nach Schweden. Murakami Tetsuji unterrichtet Karate in Jugoslavien.

1965 - Charles Palmer wird Präsident der International Jūdō Federation. Pierre Baruzy gründet die französische Föderation für Savate.

1966 - Die European Karate Union, mit Jacques Delcourt als Präsident, wird gegründet. In Paris findet das erste europäische Karate-Tournier statt. Gerd Wischnewski bringt Aikidō nach Deutschland. In England wird die Karate Union of Great Britain gegründet. Jürgen Seydel und Mike Anderson gründen die Deutsche Karate Union. In Holland wird die Taekwondo Organisation gegründet. Dominique Valera wird Karate-Europameister.

1967 - In Finland wird Wadō ryū Karate eingeführt. Gründung des Budo-Zirkels Kiel e.V., des Vorgängers der EWTO.

1968 - Die All European Karate Federation wird gegründet.

1969 - Die jugoslawische Karate Föderation wird gegründet. In Deutschland wird Kyudo eingeführt. In Schweden wird die nationale Kendō Föderation gegründet.

1970 – Keith R. Kernspecht bringt Wingchun nach Deutschland.

1972 - Die All European Karate Federation wird in die European Amateur Karate Federation umgewandelt. Jūdō wird in München zur olympischen Disziplin.

1973 - Die British Kendō Renmei wird gegründet. Terry O´Neill bringt das „Fighting Arts Magazin“ auf den Markt.

1974 - Lee Joo Suh bringt Taekwondo nach Schweden. Georg Brückner veranstaltet die erste Europameisterschaft im All-Style Karate (Vorhgänger des Kickboxens) in Berlin.

1975 - Zarko Modric führt Vollkontak Karate in Zagreb ein. Santhas Supastrapong bringt thailändische Kampfkunst nach Deutschland.

1976 - In Barcelona wird die European Taekwondo Union gegründet. Großmeister Leung Ting, eingeladen von Keith R. Kernspecht, bringt WingTsun nach Europa.

1977 - Gründung der European Jūjutsu Federation (EJJF) in Rom, Präsident Rinaldo Orlandi. Georg Brückner und Mike Anderson gründen in Berlin die World All-Style Karate Organization (WAKO). Keith R. Kernspecht holt die Escrima Lehrer Rene Latosa (USA) und Bill Newman (GB) nach Deutschland.

1978 - In Schweden wird die Wushu Federation gegründet. Georg Brückner organisiert die erste Vollkontakt-Weltmeisterschaft der WAKO in Berlin.

1980 - In Paris wird die European Kung fu Union gegründet.

Studien Informationen

Siehe auch: Europa | Kampfsysteme der Welt

Literatur

Weblinks