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Kranich
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Artikel aus: Lexikon der Kampfkünste<br.>Nachbearbeitet von: Stephanie Kaiser

Der Kranich (chin. - 鶴, jap. kaku und tsuru) ist ein chinesisches Symbol der Langlebigkeit. In den chinsischen Kampfkünsten ist er Vorbild in der Entwicklung des Kranichstils (hèquan - 鹤拳) innerhalb der Tiersysteme (wǔxíngquán). Der Kranich ist in allen chinesischen Künsten ein weit bekanntes Tier und eines der am häufigsten abgebildeten Tiere. Es gibt vier Kranicharten: schwarz, weiß, gelb und blau.

Vorkommen und Arten

In Asien beziehungswiese China vertreten sind der Schwarzhalskranich (Grus nigricollis), der Graue Kranich (auch Eurasischer Kranich), der Mönchskranich (Grus monacha) und der Mandschurenkranich (Grus japonensis). Der Mandschurenkranich wird künstlerisch sehr häufig dargestellt. In China zählt er aufgrund seines inzwischen auf 1700 und 2000 dezimierten Wildbestandes heute zu den geschützten Arten ersten Grades. Die Rote Liste der IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Resources) führt den Mandschurenkranich als stark gefährdet.

Der Kranich als Symbol

In China

Der Kranich ist nach dem Phönix (fèng huáng - 鳳凰) der wichtigste Vogel in der asiatischen Mythologie. Der Symbolgehalt des Kranichs ist vielfältig. Grundsätzlich symbolisiert er die Langlebigkeit. Dies drückt sich besonders in der gemeinsamen Darstellung mit Sonne ( - 日), Wolken (yún - 云), Felsen, Wasser (shuǐ - 水), Hirsch ( - 鹿), Schildkröte (guī - 龟), Kiefer (sōng - 松), Bambus (zhú - 竹) und Pfirsich (táo - 桃) aus. Gleichzeitig steht der Kranich auch für den Wunsch nach Erfolg und gesellschaftlichem Aufstieg.

In Japan

In Japan gilt der Kranich, der monogam lebt, als Zeichen für Treue, Liebe und langanhaltendes Eheglück und ist deshalb auf allen Hochzeitskimonos abgebildet.

Der Kranich in der Mythologie

Legenden zufolge erreichen Kraniche ein sehr hohes Alter und es heißt, dass er in seinem sechshundertsten Lebensjahr keinerlei Nahrung mehr zu sich nimmt, sondern ausschließlich Wasser zum Leben brauche. Von allen Kranichen wird dem „Schwarzen Kranich“ die längste Lebenszeit zugesprochen.

Der Kranich in den Kampfkünsten

Der Kranich ist neben dem Drachen (lóng - 龍), dem Tiger ( - 虍), dem Leopard (bào - 豹) und der Schlange (shé - 蛇) eines der klassischen fünf Tiere des shǎolínquán (少林拳 - Shǎolín-Faust) und ein Standardtier der wǔqínquán (五禽拳 - „fünf Tierfäuste“).

Kranich und Handhaltung in den Kampfkünsten

Die Bewegungen des Kranichs haben eine bestechende Natürlichkeit und sind elegant und kraftvoll zugleich. Er drückt sowohl Gelassenheit und Anmut aus, als auch eine aristokratische Haltung. Der Kranich war der Ursprung zweier großer Kampfkunstsysteme im Alten China: im Norden entwickelte ein Shǎolín-Mönch ein Kranichsystem (hèquan), das heute allgemein unter der südchinesischen Bezeichnung hopgar bekannt ist, da es sich später in Südchina verbreitete. Dort entwickelte das hèquan mehrere Stile. In Fuzhou z.B. entwickelte eine Nonne ein Kranichsystem (báihèquán - weiße Kranichfaust), das als hakutsuru ken alle okinawanischen Karate-Stile wesentlich beeinflusste. Viele chinesische Gesandte auf Okinawa (Kumemura) waren Meister des báihèquán. Auf der Grundlage dieses und anderer Systeme entstand das bubishi (jap.: 武備志), eine der wichtigsten Kampfkunstabhandlungen in der chinesischen Geschichte. Das chinesische Dokument (densho) unbekannter Herkunft behandelt mehrere chinesische Stile: báihèquán, hèquán, luo-hanquán, shǎolínquán, usw..

Studien Informationen

Siehe auch: Shǎolín quánfǎ | Hèquán | Báihèquán | Wǔxíngquán |

Literatur

  • Werner Lind: Lexikon der Kampfkünste. BSK-Studien 2010.
  • Wolfram Eberhard: Lexikon Chinesischer Symbole. Die Bildsprache der Chinesen. Heinrich Hugendubel, München 2004, ISBN 3-89631-428-9, S. 163-164.
  • Josef Guter: Lexikon der Götter und Symbole der Alten Chinesen. Marix, Wiesbaden 2004, ISBN 3-937715-04-5, S. 192-194.