Kōgaku shin: Unterschied zwischen den Versionen

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Version vom 8. September 2013, 17:41 Uhr

Artikel aus: Lexikon der Kampfkünste<br.>Nachbearbeitet von:


Kōgaku shin (jap.: 向学心) bedeutet wörtlich „hinwenden zum Lernen von Herzen“, Lernbereitschaft, im übertragenen Sinn „Halte deinen Geist zum Lernen offen.“ Wichtiger Leitsatz der Budō-Philosophie (kaisetsu, neshin und shōshin).

Erklärung

Es ist die Aufgabe des Schülers, sich für den Weg bereit zu halten und die richtigen Voraussetzungen in sich zu gründen, durch die er lernen kann. So selbstverständlich dies scheinen mag, neigt der Mensch doch immer wieder dazu, bereits vorher zu wissen. Dann wollen Schüler oft selbst entscheiden, was in der Budō-Übung wichtig und unwichtig ist. Das, was sie noch nicht verstanden haben, lassen sie außer acht und müssen oft weite Umwege gehen, um letztendlich einzusehen, dass das Vertrauen in die größere Erfahrung der bessere Lernweg ist.

In einer echten Budō-Lehre (oshi) bestimmt nie die Meinung des Schülers das Geschehen, sondern der Erfahrungsvorsprung des Lehrers, zu dem sich der Schüler durch seine Haltung bekennt. Richtig und falsch in der Weglehre unterliegt nicht der Beweispflicht, in ihr gibt es keinen Meinungskampf zwischen Lehrer und Schüler und keine Gemeinschaftsabstimmung über die Gesetzmäßigkeiten der Übung. Dort, wo Schüler dies beanspruchen, bevor sie selbst Meister sind, zieht sich der Lehrer zurück. Wo die Haltung fehlt, gibt es kein budō.

Lernen in einem dōjō bedeutet, eine dem Budō-Geist entsprechende Herausforderung mit sich selbst anzunehmen und unter der Aufsicht eines Meisters (sensei) selbst die Meisterschaft anzustreben. Doch bevor die Meisterschaft nicht vom Meister bestätigt wird, bringt die Unterbrechung des Lernprozesses, gleich auf welcher Stufe, den Schüler wieder an den Anfang zurück. Im budō gibt es keine Fortschrittshierarchien unterhalb der Meisterstufe. Es geht um das Wegverständnis (dō (Weg)), und dieses ist nicht in Etappen zu erreichen. Die Meisterschaft beginnt dort, wo eine Wegeinsicht erreicht wird. Erst danach lässt sie sich selbständig ausbauen.

Die Wegeinsicht kann mit den herkömmlichen Lernmethoden nicht erreicht werden. Ihre Prozesse (jitoku) unterscheiden sich grundlegend von jener Auffassung des Lernens, in der der Schüler nach Wissen oder Können strebt. Ein solcher Fortschritt kommt nicht aus dem Lernen selbst, sondern aus der menschlichen Nähe zum Meister. Dafür trägt die Haltung des Schülers (shisei) die alleinige Verantwortung. Vernachlässigt er sie, gibt es keine Lehrer/Schüler Beziehung (shitei). Daher besteht Lernen im budō aus dem beständigen Kümmern um die rechte Haltung, dank der ein Zugang zu höheren Erfahrungen möglich wird.

Oft können Schüler diesen Weg nicht erkennen und stehen in falschen Haltungen fest. Dies sind Grenzen, und es gibt viele einleuchtende Begründungen, warum man sie nicht berührt. Doch in Wahrheit ist es das unüberwundene Ich, das den Menschen vom Weg trennt. Wenn er vor diesem Hindernis steht, ist es einfacher zu erklären, der Weg sei falsch, als die eigene Haltung zu betrachten. Es gibt für jedes Scheitern einleuchtende Begründungen, doch dies ändert nichts am Scheitern selbst. Gleich der begründenden Logik, weiß dieser Mensch nur so viel, wie er unterhalb der unüberschrittenen Grenze wissen kann.

Studien Informationen

Siehe auch: Kaisetsu | Budō | Dō (Weg) | Neshin | Shōshin | OshiSenseiJitoku | Shisei | Shitei

Literatur

  • Werner Lind: Lexikon der Kampfkünste. BSK-Studien 2010.

Weblinks