Karate: Unterschied zwischen den Versionen

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==Geschichte des Karate==
 
Hauptartikel: [[Karate-Geschichte]]
 
 
 
===Okinawanischer Ursprung===
 
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===Von China nach Okinawa===
 
Hauptartikel: [[Tōde]] | [[Okinawate]]
 
 
 
===Von Okinawa nach Japan===
 
 
 
===Kata in Japan===
 
 
 
Dies waren die politischen  Zustände, mit denen das okinawanische karate  konfrontiert war, als es ab  1921 durch verschiedene Lehrer nach Japan  kam. Die Meister der ersten  Generation (Funakoshi Gichin, Miyagi  Chōjun, Mabuni Kenwa, Motobu Chōki,  u.a.) trafen auf eine  imperialistische Haltung, die sich danach  verzehrte, die chinesische  Mandschurei in das japanische Reich zu  integrieren. In diesen Jahren  war den Japanern alles Chinesische  verhasst, und eine Kampfkunst, die  als tōde (Hand aus China) bezeichnet  wurde, hatte daher in dieser von  Nationalismus und Militarismus  geprägten Umgebung kaum eine Chance,  etabliert oder gar verbreitet zu  werden. So wurde die Bezeichnung tōdi  (Hand aus China) in karate (leere  Hand) geändert. Auch viele der  traditionellen kata erhielten neue,  japanische Namen:
 
 
 
 
 
Dies waren die politischen Zustände, mit denen das okinawanische  karate konfrontiert war, als es ab 1921 durch verschiedene Lehrer nach  Japan kam. Die Meister der ersten Generation ([[Funakoshi Gichin]], [[Miyagi Chōjun]], [[Mabuni Kenwa]], [[Motobu Chōki]],  u.a.) trafen auf eine imperialistische Haltung, die sich danach  verzehrte, die chinesische Mandschurei in das japanische Reich zu  integrieren. In diesen Jahren war den Japanern alles Chinesische  verhasst, und eine Kampfkunst, die als tōde (Hand aus China) bezeichnet  wurde, hatte daher in dieser von Nationalismus und Militarismus  geprägten Umgebung kaum eine Chance, etabliert oder gar verbreitet zu  werden. So wurde die Bezeichnung tōdi (Hand aus China) in karate (leere  Hand) geändert. Auch viele der traditionellen kata erhielten neue,  japanische Namen:
 
  
Es war abzusehen, dass der dai nippon butokukai  keine okinawanisch/chinesische Kampfkunst akzeptieren würde. Um die  Anerkennung dieser Organisation zu erreichen, war es notwendig, karate  als typisch japanische Kampfkunst zu definieren. Dafür war eine Reihe  von Auflagen zu erfüllen, die schließlich zu vielen Veränderungen des  karate in Japan führten sollten. Darunter war die bereits erwähnte  Veränderung des ersten Schriftzeichens, die Übernahme des vom butokukai  vorgegebenen Graduierungssystems (dankyū seido), das damit verbundene  Tragen schwarzer (später auch farbiger) Gürtel, das Üben in Uniformen  (karategi) und später die Veränderung des karate in einen  Wettkampfsport. Alle Auflagen wurden nach und nach erfüllt, 1933 wurde  karate vom butokukai anerkannt, und 1936 wurde der entscheidene Schritt  zur Japanisierung des karate durch ein Übereinkommen mehrerer  maßgeblicher Karatemeister vollzogen. Karate dō wurde zur japanischen  Kampfkunst erklärt, und der butokukai errichtete sogar auf Okinawa eine  Zweigstelle, durch die er neben jūdō und kendō das karate als japanische  Kunst in sein Mutterland reimportierte.
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Viele der auf Okinawa  verbliebenen Meister waren zunächst mit den Bestimmungen des butokukai  nicht einverstanden und ignorierten diese weitgehend. Doch die  politische Macht lag längst beim butokukai, und offiziell wurden in  Japan die Stile shōtōkan ryū, shitō ryū, gōjū ryū und wadō ryū als die  Hauptstile des karate erklärt. Im Dezember 1941 wurde eine Statistik  über die Wirksamkeit der einzelnen Budo-Disziplinen  erstellt, und im folgenden Jahr wurden sie direkt den  Regierungsministerien (Erziehung, Krieg, Marine, Wohlfahrt und nationale  Angelegenheiten) unterstellt. Heute kann die - zumindest äußerliche - Japanisierung des karate auf Okinawa als fast abgeschlossen betrachtet  werden: weißer dōgi, schwarze und farbige Gürtel sowie  Graduierungssysteme und die Bezeichnung karate dō (Weg der leeren Hand)  sind in den meisten Stilen zur Selbstverständlichkeit geworden.
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== Geschichte des Karate ==
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→ ''Hauptartikel:'' [[Karate-Geschichte]]
  
====Veränderte Strukturen====
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=== Okinawanischer Ursprung ===
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→ ''Hauptartikel:''[[Te]]
  
Trotz  den Veränderungen in Japan, die das Karate wegen den politischen  Wirren  jener Zeit machen mußte (®Butokuden), ist es unverständlich,  warum es  nach seiner weltweiten Verbreitung all jene Werte aufgegeben  hat, die es  über zwei Jahrtausende überleben ließ. Wir glauben, daß der  Grund dafür  in der Entmündigung der Ryū und in ihrer Abhängigkeit von  machtorientierten Organisationen liegt, die nach dem Weltkrieg eigene  Interessen vor Wert und Inhalt zu stellen begannen.
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=== Von China nach Okinawa ===
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→ ''Hauptartikel:'' [[Tōde]] | [[Okinawate]]
  
Die Kata hat  seit zwei Jahrtausenden einen inneren Sinn und eine äußere Form. Der  innere Sinn ist durch die Form verdeckt, und das Wesen der  Kampfkunstübung bestand seit jeher darin, durch die Übung der Form den  Sinn zu suchen. Man nennt ihn ®Gokuhi (innere Geheimnisse) oder ®Okuden  (versteckt Überliefertes). Die Gokuhi überlieferten sich durch die  Zeiten immer im Hintergrund der Formen über die ununterbrochene  Erbfolge  der Meister, die aus den Reihen der „inneren Schüler“ (®Uchi  deshi)  oder „Schüler im Schatten“ (®Kage deshi) kamen. Die Form  (®Waza)  hingegen wurde seit altersher immer schon von jenen Schülern  überdreht,  die sich dadurch persönliche Vorteile erhofften.
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=== Von Okinawa nach Japan ===
  
Bis  zur Unterordnung der Kampfkunst-Ryū unter die großen Organisationen  konnte  aber diese Tendenz keinen Fuß fassen, denn die Person des  Meisters war die Kontrollstation in der Kampfkunstüberlieferung. Ohne ''menkyo kaiden'' konnte niemand die Kampfkünste unterrichten. Die traditionellen  Überlieferungslinien, die den Stammbaum der Kampfkunstahnen aufzeigen  und in den ''ryū'' von Generation zu Generation weitergeführt wurden, ließen keinen  Nichtmeister zu. Heute haben sich solche Entscheidungen in die oberen  Etagen der Organisationen verlagert, in denen selten Meister, dafür aber  umso mehr Funktionäre sitzen. Die Kampfkünste sind zum Geschäft  geworden und brauchen keinen Inhalt, sondern eine glänzende  Hülle.
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=== Kata in Japan ===
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Dies waren die politischen Zustände, mit denen das okinawanische ''karate'' konfrontiert war, als es ab 1921 durch verschiedene Lehrer nach Japan kam. Die Meister der ersten Generation ([[Funakoshi Gichin]], [[Miyagi Chōjun]], [[Mabuni Kenwa]], [[Motobu Chōki]], u.a.) trafen auf eine imperialistische Haltung, die sich danach verzehrte, die chinesische Mandschurei in das japanische Reich zu integrieren. In diesen Jahren war den Japanern alles Chinesische verhasst, und eine Kampfkunst, die als ''[[tōde]]'' (Hand aus China) bezeichnet wurde, hatte daher in dieser von Nationalismus und Militarismus geprägten Umgebung kaum eine Chance, etabliert oder gar verbreitet zu werden. So wurde die Bezeichnung ''tōde'' (Hand aus China) in ''karate'' (leere Hand) geändert. Auch viele der traditionellen ''[[Kata (Form)|kata]]'' erhielten neue, japanische Namen:
  
So gibt es seit dem Bestehen der großen Föderationen zwei Überlieferungslinien in den Kampfkünsten -  die äußere Linie der Föderationen und die innere Linie der Meister. Auf  der äußeren Linie gibt es die Kata nur als Form und wird von den  Übenden als Überbleibsel einer überholten Tradition angesehen, weil  niemand sie übersetzen kann.
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Es war abzusehen, dass der ''[[dai nippon butokukai]]'' keine okinawanisch/chinesische Kampfkunst akzeptieren würde. Um die Anerkennung dieser Organisation zu erreichen, war es notwendig, ''karate'' als typisch japanische Kampfkunst zu definieren. Dafür war eine Reihe von Auflagen zu erfüllen, die schließlich zu vielen Veränderungen des ''karate'' in Japan führten sollten. Darunter war die bereits erwähnte Veränderung des ersten Schriftzeichens, die Übernahme des vom ''butokukai'' vorgegebenen Graduierungssystems (''[[dankyū seido]]''), das damit verbundene Tragen schwarzer (später auch farbiger) Gürtel, das Üben in Uniformen (''[[karategi]]'') und später die Veränderung des ''karate'' in einen Wettkampfsport. Alle Auflagen wurden nach und nach erfüllt. 1933 wurde ''karate'' vom ''butokukai'' anerkannt und 1936 wurde der entscheidende Schritt zur Japanisierung des ''karate'' durch ein Übereinkommen mehrerer maßgeblicher Karatemeister vollzogen. ''Karate dō'' wurde zur japanischen Kampfkunst erklärt und der ''butokukai'' errichtete sogar auf Okinawa eine Zweigstelle, durch die er neben ''[[jūdō]]'' und ''[[kendō]]'' das ''karate'' als japanische Kunst in sein Mutterland reimportierte.
  
Als die Kata nach Japan gelangten  und sich dort die Wettbewerbstendenz entwickelte, wurden die ®Bunkai  verändert. Die inneren Aspekte wurden vernachlässigt, und da die nur  formelle Technik dadurch unglaubwürdig wurde, mußte sie anders  interpretiert werden. Die auf Vitalpunkte zielenden subtilen Techniken  der Selbstverteidigung wurden ohne psychologischen Hintergrund  unterrichtet, und die ®Kyūsho (Körperpunkte, ®Jintai kyūsho) wurden  überhaupt nicht mehr gelehrt. So wurde der Selbstverteidigungsinhalt  zusammen mit allen esoterischen Aspekten der Kata vernachlässigt und  ihre Form auf ähnliche Bewertungskriterien wie beim Bodenturnen  ausgerichtet. Dadurch verlor das Karate seine Eigenschaft als   Selbstverteidigungskunst und gewann durch die Gründung des  wettbewerbsorientierten Kämpfens einen rein sportlichen Inhalt. Die  Übenden begannen in diesem Konzept eigene Auffassungen des Kämpfens zu  entwickeln, die nicht mehr konform mit der Jahrtausende alten Lehre der  Kata waren. Diese Kampfauffassungen (®Jiyū kumite) werden heute in   nahezu allen Dōjō der Welt als Karate dō bezeichnet.
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Viele der auf Okinawa verbliebenen Meister waren zunächst mit den Bestimmungen des ''butokukai'' nicht einverstanden und ignorierten diese weitgehend. Doch die politische Macht lag längst beim ''[[butokukai]]''. Offiziell wurden in Japan die Stile ''[[shōtōkan ryū]]'', ''[[shitō ryū]]'', ''[[gōjū ryū]]'' und ''[[wadō ryū]]'' als die Hauptstile des ''karate'' erklärt. Im Dezember 1941 wurde eine Statistik über die Wirksamkeit der einzelnen Budō-Disziplinen erstellt, und im folgenden Jahr wurden sie direkt den Regierungsministerien (Erziehung, Krieg, Marine, Wohlfahrt und nationale Angelegenheiten) unterstellt. Heute kann die - zumindest äußerliche - Japanisierung des ''karate'' auf Okinawa als fast abgeschlossen betrachtet werden: weißer ''[[dōgi]]'', schwarze und farbige Gürtel sowie Graduierungssysteme und die Bezeichnung ''[[karatedō]]'' (Weg der leeren Hand) sind in den meisten Stilen zur Selbstverständlichkeit geworden.
  
Das wahre  Karate dō konzentriert sich nach wie vor auf die Kata. In dieser Übung  (®Geiko und ®Kata geiko) wird der Weg (®Dō) mit all seinen vielfältigen  Inhalten im Selbst nachvollzogen und in Erfahrungen umgesetzt. Viele  der  heutigen Karate Trainer wissen nicht, daß der Karate Wettkampf erst  in Japan entstand und in den traditionellen Dōjō in dieser Weise  überhaupt  nicht existierte. Die Gründung der modernen Kumite Auffassung  durch die JKA (s. dort) führte damals zum endgültigen Bruch mit  Meister Funakoshi  (®Shōtōkan) und entwickelte sich zu jener Abzweigung,  die sich danach  weltweit als Sport-Karate verbreitete.
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==== Veränderte Strukturen ====
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Trotz der Veränderungen in Japan, die das ''karate'' wegen der politischen Wirren jener Zeit machen musste (''butokuden''), ist es unverständlich, warum es nach seiner weltweiten Verbreitung all jene Werte aufgegeben hat, die es über zwei Jahrtausende überleben ließ. Wir glauben, dass der Grund dafür in der Entmündigung der ''[[ryū]]'' und in ihrer Abhängigkeit von machtorientierten Organisationen liegt, die nach dem Weltkrieg eigene Interessen vor Wert und Inhalt zu stellen begannen.
  
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Die ''kata'' hat seit zwei Jahrtausenden einen inneren Sinn und eine äußere Form. Der innere Sinn ist durch die Form verdeckt, und das Wesen der Kampfkunstübung bestand seit jeher darin, durch die Übung der Form den Sinn zu suchen. Man nennt ihn ''[[gokuhi]]'' (innere Geheimnisse) oder ''[[okuden]]'' (versteckt Überliefertes). Die ''gokuhi'' überlieferten sich durch die Zeiten immer im Hintergrund der Formen über die ununterbrochene Erbfolge der Meister, die aus den Reihen der „inneren Schüler“ (''[[uchi deshi]]'') oder „Schüler im Schatten“ (''[[kage deshi]]'') kamen. Die Form (''[[waza]]'') hingegen wurde seit altersher immer schon von jenen Schülern überdreht, die sich dadurch persönliche Vorteile erhofften.
  
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Bis zur Unterordnung der Kampfkunst-Ryū unter die großen Organisationen konnte aber diese Tendenz keinen Fuß fassen, denn die Person des Meisters war die Kontrollstation in der Kampfkunstüberlieferung. Ohne ''[[menkyo kaiden]]'' konnte niemand die Kampfkünste unterrichten. Die traditionellen Überlieferungslinien, die den Stammbaum der Kampfkunstahnen aufzeigen und in den ''ryū'' von Generation zu Generation weitergeführt wurden, ließen keinen Nichtmeister zu. Heute haben sich solche Entscheidungen in die oberen Etagen der Organisationen verlagert, in denen selten Meister, dafür aber umso mehr Funktionäre sitzen. Die Kampfkünste sind zum Geschäft geworden und brauchen keinen Inhalt, sondern eine glänzende Hülle.
  
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So gibt es seit dem Bestehen der großen Föderationen zwei Überlieferungslinien in den Kampfkünsten - die äußere Linie der Föderationen und die innere Linie der Meister. Auf der äußeren Linie gibt es die ''kata'' nur als Form und wird von den Übenden als Überbleibsel einer überholten Tradition angesehen, weil niemand sie übersetzen kann.
  
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Als die Kata nach Japan gelangten und sich dort die Wettbewerbstendenz entwickelte, wurden die ''[[bunkai]]'' verändert. Die inneren Aspekte wurden vernachlässigt, und da die nur formelle Technik dadurch unglaubwürdig wurde, musste sie anders interpretiert werden. Die auf Vitalpunkte zielenden subtilen Techniken der Selbstverteidigung wurden ohne psychologischen Hintergrund unterrichtet, und die ''[[kyūsho]]'' (Körperpunkte, ''jintai kyūsho'') wurden überhaupt nicht mehr gelehrt. So wurde der Selbstverteidigungsinhalt zusammen mit allen esoterischen Aspekten der ''kata'' vernachlässigt und ihre Form auf ähnliche Bewertungskriterien wie beim Bodenturnen ausgerichtet. Dadurch verlor das ''karate'' seine Eigenschaft als Selbstverteidigungskunst und gewann durch die Gründung des wettbewerbsorientierten Kämpfens einen rein sportlichen Inhalt. Die Übenden begannen in diesem Konzept eigene Auffassungen des Kämpfens zu entwickeln, die nicht mehr konform mit der Jahrtausende alten Lehre der ''kata'' waren. Diese Kampfauffassungen (''[[jiyū kumite]]'') werden heute in nahezu allen ''[[dōjō]]'' der Welt als ''karatedō'' bezeichnet.
  
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Das wahre ''karatedō'' konzentriert sich nach wie vor auf die ''kata''. In dieser Übung (''[[geiko]]'' und ''kata geiko'') wird der Weg (''[[Dō (Weg)|dō]]'') mit all seinen vielfältigen Inhalten im Selbst nachvollzogen und in Erfahrungen umgesetzt. Viele der heutigen Karate-Trainer wissen nicht, dass der Karate-Wettkampf erst in Japan entstand und in den traditionellen ''dōjō'' in dieser Weise überhaupt nicht existierte. Die Gründung der modernen Kumite-Auffassung durch die [[Japan Karate Association]] (JKA) führte damals zum endgültigen Bruch mit Meister Funakoshi (''shōtōkan'') und entwickelte sich zu jener Abzweigung, die sich danach weltweit als Sport-Karate verbreitete.
  
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[[dōjō]]
  
 
OKINAWA JAPAN
 
OKINAWA JAPAN
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Es  war abzusehen, dass der ''[[dai nippon butokukai]]''  keine okinawanisch/chinesische Kampfkunst akzeptieren würde. Um die  Anerkennung dieser Organisation zu erreichen, war es notwendig, karate  als typisch japanische Kampfkunst zu definieren. Dafür war eine Reihe  von Auflagen zu erfüllen, die schließlich zu vielen Veränderungen des  karate in Japan führten sollten. Darunter war die bereits erwähnte  Veränderung des ersten Schriftzeichens, die Übernahme des vom butokukai  vorgegebenen Graduierungssystems (dankyū seido), das damit verbundene  Tragen schwarzer (später auch farbiger) Gürtel, das Üben in Uniformen  (karategi) und später die Veränderung des karate in einen  Wettkampfsport. Alle Auflagen wurden nach und nach erfüllt, 1933 wurde  karate vom butokukai anerkannt, und 1936 wurde der entscheidene Schritt  zur Japanisierung des karate durch ein Übereinkommen mehrerer  maßgeblicher Karatemeister vollzogen. Karate dō wurde zur japanischen  Kampfkunst erklärt, und der butokukai errichtete sogar auf Okinawa eine  Zweigstelle, durch die er neben jūdō und kendō das karate als  japanische  Kunst in sein Mutterland reimportierte.
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==== Ankunft in Japan ====
 
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Trotz angestrengter Bemühungen der traditionellen okinawanischen Lehrer, die ab 1922 ''karate'' in Japan zu unterrichten begannen (Funakoshi, Mabuni und Miyagi), erfuhr die ''kata'' in Japan einen gewaltigen Verlust an traditionellen Werten und durch die darauffolgende Versportlichung einen vollkommenen Niedergang in den Bereichen ihrer esoterischen Struktur (''[[gokuhi]]'').
Viele der auf  Okinawa  verbliebenen Meister waren zunächst mit den Bestimmungen des  butokukai  nicht einverstanden und ignorierten diese weitgehend. Doch  die  politische Macht lag längst beim butokukai, und offiziell wurden  in  Japan die Stile shōtōkan ryū, shitō ryū, gōjū ryū und wadō ryū als  die  Hauptstile des karate erklärt. Im Dezember 1941 wurde eine  Statistik  über die Wirksamkeit der einzelnen Budo-Disziplinen  erstellt, und im folgenden Jahr wurden sie direkt den  Regierungsministerien (Erziehung, Krieg, Marine, Wohlfahrt und  nationale  Angelegenheiten) unterstellt. Heute kann die - zumindest äußerliche -  Japanisierung des karate auf Okinawa als fast abgeschlossen betrachtet  werden: weißer dōgi, schwarze und farbige Gürtel sowie  Graduierungssysteme und die Bezeichnung karate dō (Weg der leeren Hand)  sind in den meisten Stilen zur Selbstverständlichkeit geworden.
 
 
 
====Ankunft in Japan====
 
 
 
Trotz   angestrengter Bemühungen der traditionellen okinawanischen Lehrer, die   ab 1922 Karate in Japan zu unterrichten begannen (®Funakoshi, ®Mabuni  und ®Miyagi), erfuhr die Kata in Japan einen gewaltigen Verlust an   traditionellen Werten und durch die darauffolgende Versportlichung einen vollkommenen Niedergang in den Bereichen ihrer esoterischen Struktur (®Gokuhi).
 
 
 
Als das okinawanische Karate in den  zwanziger Jahren  nach Japan kam, war das Inselreich eifrig bestrebt,  den später im  Weltkrieg gipfelnden japanischen Imperialismus auszubauen  (®Butokukai).  Nationalistische Tendenzen wurden von den politischen  Organisationen  eifrig geschürt, denn man bereitete sich auf die  politische und  wirtschaftliche Einflußnahme auf den asiatischen  Kontinent vor.  Besonders die ®Mandschurei war für japanische Interessen  vorrangig. Die  ®Takushoku Universität bildete eigens dafür Experten  aus. In dieser Zeit  der nationalistischen Überheblichkeit, besonders  gegenüber den  Chinesen, kam Meister Funakoshi von Okinawa nach Japan.
 
 
 
In  den  dreißiger Jahren, als der Krieg gegen China vorbereitet wurde,  waren  alle Bezeichnungen chinesischen Ursprungs in Japan verboten.  Dies  veranlaßte den Meister, die alten chinesischen Kata Namen  (einschließlich der Bezeichnung Karate) in japanische Begriffe  umzuändern, was in Okinawa zwar zu großem Aufruhr führte, sich jedoch  letztendlich durchsetzte (®Kara). Dies ist der Grund, warum heute eine  Kata unter drei verschiedenen Namen bekannt sein kann: die  ursprüngliche  chinesische Bezeichnung, die okinawanische phonetische  Wiedergabe der  chinesischen Bezeichnung und die japanische Veränderung  des Begriffes.  So wurde z.B. die Kūshankū (chinesisch) in Kōsōkun  (okinawanisch) und  dann in Kankū (japanisch) umbenannt.
 
  
Nicht  alle der heute  bekannten Kata haben japanische Namen. Meister Funakoshi  benannte nur  jene Kata um, die er vor dem Weltkrieg als stilspezifisch  lehrte. So  konnten viele jener Kata, die erst nach dem Krieg nach  Japan kamen, ihre  chinesischen oder ihre okinawanischen Bezeichnungen  behalten.
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Als das okinawanische ''karate'' in den zwanziger Jahren nach Japan kam, war das Inselreich eifrig bestrebt, den später im Weltkrieg gipfelnden japanischen Imperialismus auszubauen (''[[butokukai]]''). Nationalistische Tendenzen wurden von den politischen Organisationen eifrig geschürt, denn man bereitete sich auf die politische und wirtschaftliche Einflussnahme auf den asiatischen Kontinent vor. Besonders die Mandschurei war für japanische Interessen vorrangig. Die Takushoku-Universität bildete eigens dafür Experten aus. In dieser Zeit der nationalistischen Überheblichkeit, besonders gegenüber den Chinesen, kam Meister Funakoshi von Okinawa nach Japan.
  
Die  Bezeichnungen der Kata sind jedoch nicht immer  identisch oder auch nur  annähernd ähnlich mit dem alten chinesischen Dao, was die Erforschung  ihrer Geschichte sehr erschwert. Manchmal  wurden sie auf Okinawa nicht  unter ihren ursprünglichen Bezeichnungen, sondern unter den Namen derer,  die sie aus China mitbrachten,  weitergeführt (z.B Kūshankū). Als man  sie in Japan umbenannte, suchte  man nach einer Bezeichnung, die auf den  äußeren Anschauungsaspekt der Kata paßte. Das alte chinesische Dao trug  immer eine Bezeichnung, die sich auf die innere Struktur bezog.
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In den dreißiger Jahren, als der Krieg gegen China vorbereitet wurde, waren alle Bezeichnungen chinesischen Ursprungs in Japan verboten. Dies veranlasste den Meister, die alten chinesischen Kata-Namen (einschließlich der Bezeichnung ''karate'') in japanische Begriffe umzuändern, was in Okinawa zwar zu großem Aufruhr führte, sich jedoch letztendlich durchsetzte (''kara''). Dies ist der Grund, warum heute eine ''kata'' unter drei verschiedenen Namen bekannt sein kann: die ursprüngliche chinesische Bezeichnung, die okinawanische phonetische Wiedergabe der chinesischen Bezeichnung und die japanische Veränderung des Begriffes. So wurde z.B. die ''kūshankū'' (chinesisch) in ''kōsōkun'' (okinawanisch) und dann in ''kankū'' (japanisch) umbenannt.
  
So wird z.B. in Japan die Kata ''[[chinte]]'' mit "seltene Hand" übersetzt, und man sagt, dies käme daher, dass sie selten geübt wird. Doch das ''chin'' in der ''chinte'' ist die okinawanische Bezeichnung für die chinesischen ''[[dianxue]]''. Dasselbe Ideogramm existiert noch in den ''kata'' ''sanchin'', ''sōchin'',  ''seienchin'', ''shisōchin'' und ''chinto'' (''gankaku''), die alle auf die Schulen der chinesischen ''dianxue'' verweisen.
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Nicht alle der heute bekannten ''kata'' haben japanische Namen. Meister Funakoshi benannte nur jene ''kata'' um, die er vor dem Weltkrieg als stilspezifisch lehrte. So konnten viele jener ''kata'', die erst nach dem Krieg nach Japan kamen, ihre chinesischen oder okinawanischen Bezeichnungen behalten.
  
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Die Bezeichnungen der ''kata'' sind jedoch nicht immer identisch oder auch nur annähernd ähnlich mit dem alten chinesischen ''Dao'', was die Erforschung ihrer Geschichte sehr erschwert. Manchmal wurden sie auf Okinawa nicht unter ihren ursprünglichen Bezeichnungen, sondern unter den Namen derer, die sie aus China mitbrachten, weitergeführt (z.B. ''kūshankū''). Als man sie in Japan umbenannte, suchte man nach einer Bezeichnung, die auf den äußeren Anschauungsaspekt der ''kata'' passte. Das alte chinesische ''Dao'' trug immer eine Bezeichnung, die sich auf die innere Struktur bezog.
  
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So wird z.B. in Japan die ''kata'' ''[[chinte]]'' mit „seltene Hand“ übersetzt, und man sagt, dies käme daher, dass sie selten geübt wird. Doch das ''chin'' in der ''chinte'' ist die okinawanische Bezeichnung für die chinesischen ''[[diǎnxué]]''. Dasselbe Ideogramm existiert noch in den ''kata'' ''[[sanchin]]'', ''[[sōchin]]'', ''[[seienchin]]'', ''[[shisōchin]]'' und ''[[chinto]]'' (''[[gankaku]]''), die alle auf die Schulen der chinesischen ''diǎnxué'' verweisen.
  
===Von Japan in die Welt===
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=== Von Japan in die Welt ===
  
==Philosophie des Karate==
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== Philosophie des Karate ==
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===Die Lehre vom Weg (dō)===
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=== Die Lehre vom Weg (dō) ===
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====Kontemplative Philosophie====
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==== Kontemplative Philosophie ====
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Die ''[[kaisetsu]]''
  
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==== Shōtō nijūkun (20 Regeln) ====
  
====Shōtō nijūkun (20 Regeln)====
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==== Dōjōkun - Verhaltensregeln im Dōjō ====
  
====Dōjōkun - Verhaltensregeln im Dōjō====
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== Etikette des Karate ==
 
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==Etikette des Karate==
 
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====Meditative Zeremonien====
 
  
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* '''[[Mokusō]]''' - Meditation
 
* '''[[Mokusō]]''' - Meditation
 
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====Karate-Kleidung====
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=== Karate als Weg (''[[dō]]'') ===
 
 
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== Studien Informationen ==
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'''Siehe auch:''' [[Portal: Karate]] | [[Okinawanische Kampfsysteme]] | [[Karate]] | [[Karate-Geschichte]] | [[Karate-Etikette]] | [[Karate-Philosophie]] | [[Karate-Methoden]] | [[Karate-Training]] | [[Karate-Lehrer]] | [[Karate-Stile]] | [[Karate-Organisationen]] | [[Karate-Graduierungen]] | [[Karate-Ausdrücke]]
  
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=== Literatur ===
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* [[Werner Lind]]: ''Lexikon der Kampfkünste'', BSK-Studien 2010.
 +
* Werner Lind: ''Budo - der geistige Weg der Kampfkünste'', Scherz 1991.
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* Werner Lind: ''Okinawa Karate'', Sportverlag Berlin 1998.
 +
* Werner Lind: ''Karate Grundlagen'', BSK 2005.
 +
* Werner Lind: ''Karate Kihon'', BSK 2007.
 +
* Werner Lind: ''Karate Kumite'', BSK 2010.
 +
* Werner Lind: ''Karate Kata'', BSK 2011.
 +
* Shoshin Nagamine: ''The Essence of Okinawan Karate'', Tuttle 1976.
 +
* Richard Kim: ''The Weaponless Warriors'', Ohara 1974.
 +
* Morio Higaonna: ''Okinawa Goju ryū'', Minamoto Research, 1985.
 +
* Mark Bishop: ''Okinawan Karate'', A & B Black 1989.
 +
* Pierre Portocarrero: ''Tode les origines du Karate do'', Sedirep.
 +
* George W. Alexander: ''Okinawa Island of Karate'', Yamazato 1991.
 +
* Kenji Tokitsu: ''Histoire du Karate do'', SEM 1979.
 +
* Hokama Tetsuhiro: ''Timeline of Karate history'', 2007.
  
 
+
=== Weblinks ===
 
 
==Studien Informationen==
 
 
 
'''Siehe auch:'''
 
* [[Portal: Karate]]
 
* [[Karate-Geschichte]]
 
* [[Karate-Etikette]]
 
* [[Karate-Philosophie]]
 
* [[Karate-Methoden]]
 
* [[Karate-Training]]
 
* [[Karate-Lehrer]]
 
* [[Karate-Stile]]
 
* [[Karate-Organisationen]]
 
* [[Karate-Graduierungen]]
 
* [[Karate-Ausdrücke]]
 
 
 
===Literatur===
 
 
 
* Werner Lind - ''Lexikon der Kampfkünste'', BSK-Studien 2010
 
* Werner  Lind - ''Budo - der geistige Weg'', Scherz 1991
 
* Werner  Lind - ''Okinawa Karate'', Sportverlag Berlin 1998
 
* Werner  Lind - ''Karate Grundlagen'', BSK 2005
 
* Werner  Lind - ''Karate Kihon'', BSK 2007
 
* Werner  Lind - ''Karate Kumite'', BSK 2010
 
* Werner  Lind - ''Karate Kata'', BSK 2011
 
* Shoshin Nagamine - ''The Essence of Okinawan Karate'', Tuttle 1976
 
* Richard Kim - ''The Weaponless Warriors'', Ohara 1974
 
* Morio Higaonna - ''Okinawa Goju ryū'', Minamoto Research, 1985
 
* Mark Bishop - ''Okinawan Karate'', A & B Black 1989
 
* Pierre Portocarrero - ''Tode les origines du Karate do'', Sedirep
 
* George W. Alexander - ''Okinawa Island of Karate'', Yamazato 1991
 
* Kenji Tokitsu - ''Histoire du Karate do'', SEM 1979
 
* Hokama Tetsuhiro - ''Timeline of Karate history'', 2007.
 
 
 
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Geschichte des Karate

Hauptartikel: Karate-Geschichte

Okinawanischer Ursprung

Hauptartikel:Te

Von China nach Okinawa

Hauptartikel: Tōde | Okinawate

Von Okinawa nach Japan

Kata in Japan

Dies waren die politischen Zustände, mit denen das okinawanische karate konfrontiert war, als es ab 1921 durch verschiedene Lehrer nach Japan kam. Die Meister der ersten Generation (Funakoshi Gichin, Miyagi Chōjun, Mabuni Kenwa, Motobu Chōki, u.a.) trafen auf eine imperialistische Haltung, die sich danach verzehrte, die chinesische Mandschurei in das japanische Reich zu integrieren. In diesen Jahren war den Japanern alles Chinesische verhasst, und eine Kampfkunst, die als tōde (Hand aus China) bezeichnet wurde, hatte daher in dieser von Nationalismus und Militarismus geprägten Umgebung kaum eine Chance, etabliert oder gar verbreitet zu werden. So wurde die Bezeichnung tōde (Hand aus China) in karate (leere Hand) geändert. Auch viele der traditionellen kata erhielten neue, japanische Namen:

Es war abzusehen, dass der dai nippon butokukai keine okinawanisch/chinesische Kampfkunst akzeptieren würde. Um die Anerkennung dieser Organisation zu erreichen, war es notwendig, karate als typisch japanische Kampfkunst zu definieren. Dafür war eine Reihe von Auflagen zu erfüllen, die schließlich zu vielen Veränderungen des karate in Japan führten sollten. Darunter war die bereits erwähnte Veränderung des ersten Schriftzeichens, die Übernahme des vom butokukai vorgegebenen Graduierungssystems (dankyū seido), das damit verbundene Tragen schwarzer (später auch farbiger) Gürtel, das Üben in Uniformen (karategi) und später die Veränderung des karate in einen Wettkampfsport. Alle Auflagen wurden nach und nach erfüllt. 1933 wurde karate vom butokukai anerkannt und 1936 wurde der entscheidende Schritt zur Japanisierung des karate durch ein Übereinkommen mehrerer maßgeblicher Karatemeister vollzogen. Karate dō wurde zur japanischen Kampfkunst erklärt und der butokukai errichtete sogar auf Okinawa eine Zweigstelle, durch die er neben jūdō und kendō das karate als japanische Kunst in sein Mutterland reimportierte.

Viele der auf Okinawa verbliebenen Meister waren zunächst mit den Bestimmungen des butokukai nicht einverstanden und ignorierten diese weitgehend. Doch die politische Macht lag längst beim butokukai. Offiziell wurden in Japan die Stile shōtōkan ryū, shitō ryū, gōjū ryū und wadō ryū als die Hauptstile des karate erklärt. Im Dezember 1941 wurde eine Statistik über die Wirksamkeit der einzelnen Budō-Disziplinen erstellt, und im folgenden Jahr wurden sie direkt den Regierungsministerien (Erziehung, Krieg, Marine, Wohlfahrt und nationale Angelegenheiten) unterstellt. Heute kann die - zumindest äußerliche - Japanisierung des karate auf Okinawa als fast abgeschlossen betrachtet werden: weißer dōgi, schwarze und farbige Gürtel sowie Graduierungssysteme und die Bezeichnung karatedō (Weg der leeren Hand) sind in den meisten Stilen zur Selbstverständlichkeit geworden.

Veränderte Strukturen

Trotz der Veränderungen in Japan, die das karate wegen der politischen Wirren jener Zeit machen musste (butokuden), ist es unverständlich, warum es nach seiner weltweiten Verbreitung all jene Werte aufgegeben hat, die es über zwei Jahrtausende überleben ließ. Wir glauben, dass der Grund dafür in der Entmündigung der ryū und in ihrer Abhängigkeit von machtorientierten Organisationen liegt, die nach dem Weltkrieg eigene Interessen vor Wert und Inhalt zu stellen begannen.

Die kata hat seit zwei Jahrtausenden einen inneren Sinn und eine äußere Form. Der innere Sinn ist durch die Form verdeckt, und das Wesen der Kampfkunstübung bestand seit jeher darin, durch die Übung der Form den Sinn zu suchen. Man nennt ihn gokuhi (innere Geheimnisse) oder okuden (versteckt Überliefertes). Die gokuhi überlieferten sich durch die Zeiten immer im Hintergrund der Formen über die ununterbrochene Erbfolge der Meister, die aus den Reihen der „inneren Schüler“ (uchi deshi) oder „Schüler im Schatten“ (kage deshi) kamen. Die Form (waza) hingegen wurde seit altersher immer schon von jenen Schülern überdreht, die sich dadurch persönliche Vorteile erhofften.

Bis zur Unterordnung der Kampfkunst-Ryū unter die großen Organisationen konnte aber diese Tendenz keinen Fuß fassen, denn die Person des Meisters war die Kontrollstation in der Kampfkunstüberlieferung. Ohne menkyo kaiden konnte niemand die Kampfkünste unterrichten. Die traditionellen Überlieferungslinien, die den Stammbaum der Kampfkunstahnen aufzeigen und in den ryū von Generation zu Generation weitergeführt wurden, ließen keinen Nichtmeister zu. Heute haben sich solche Entscheidungen in die oberen Etagen der Organisationen verlagert, in denen selten Meister, dafür aber umso mehr Funktionäre sitzen. Die Kampfkünste sind zum Geschäft geworden und brauchen keinen Inhalt, sondern eine glänzende Hülle.

So gibt es seit dem Bestehen der großen Föderationen zwei Überlieferungslinien in den Kampfkünsten - die äußere Linie der Föderationen und die innere Linie der Meister. Auf der äußeren Linie gibt es die kata nur als Form und wird von den Übenden als Überbleibsel einer überholten Tradition angesehen, weil niemand sie übersetzen kann.

Als die Kata nach Japan gelangten und sich dort die Wettbewerbstendenz entwickelte, wurden die bunkai verändert. Die inneren Aspekte wurden vernachlässigt, und da die nur formelle Technik dadurch unglaubwürdig wurde, musste sie anders interpretiert werden. Die auf Vitalpunkte zielenden subtilen Techniken der Selbstverteidigung wurden ohne psychologischen Hintergrund unterrichtet, und die kyūsho (Körperpunkte, jintai kyūsho) wurden überhaupt nicht mehr gelehrt. So wurde der Selbstverteidigungsinhalt zusammen mit allen esoterischen Aspekten der kata vernachlässigt und ihre Form auf ähnliche Bewertungskriterien wie beim Bodenturnen ausgerichtet. Dadurch verlor das karate seine Eigenschaft als Selbstverteidigungskunst und gewann durch die Gründung des wettbewerbsorientierten Kämpfens einen rein sportlichen Inhalt. Die Übenden begannen in diesem Konzept eigene Auffassungen des Kämpfens zu entwickeln, die nicht mehr konform mit der Jahrtausende alten Lehre der kata waren. Diese Kampfauffassungen (jiyū kumite) werden heute in nahezu allen dōjō der Welt als karatedō bezeichnet.

Das wahre karatedō konzentriert sich nach wie vor auf die kata. In dieser Übung (geiko und kata geiko) wird der Weg () mit all seinen vielfältigen Inhalten im Selbst nachvollzogen und in Erfahrungen umgesetzt. Viele der heutigen Karate-Trainer wissen nicht, dass der Karate-Wettkampf erst in Japan entstand und in den traditionellen dōjō in dieser Weise überhaupt nicht existierte. Die Gründung der modernen Kumite-Auffassung durch die Japan Karate Association (JKA) führte damals zum endgültigen Bruch mit Meister Funakoshi (shōtōkan) und entwickelte sich zu jener Abzweigung, die sich danach weltweit als Sport-Karate verbreitete.

dōjō

OKINAWA JAPAN

Pinan Heian

Naihanchi Tekki

Passai Bassai

Kūshankū Kankū

Wanshū Enpi

Seisan Hangetsu


OKINAWA JAPAN


Niseishi Nijūshiho

Useishi Gojūshiho

Rōhai Meikyō

Chintō Gangaku

Pechurin Sūpārinpei

Seienchin Saipa


Ankunft in Japan

Trotz angestrengter Bemühungen der traditionellen okinawanischen Lehrer, die ab 1922 karate in Japan zu unterrichten begannen (Funakoshi, Mabuni und Miyagi), erfuhr die kata in Japan einen gewaltigen Verlust an traditionellen Werten und durch die darauffolgende Versportlichung einen vollkommenen Niedergang in den Bereichen ihrer esoterischen Struktur (gokuhi).

Als das okinawanische karate in den zwanziger Jahren nach Japan kam, war das Inselreich eifrig bestrebt, den später im Weltkrieg gipfelnden japanischen Imperialismus auszubauen (butokukai). Nationalistische Tendenzen wurden von den politischen Organisationen eifrig geschürt, denn man bereitete sich auf die politische und wirtschaftliche Einflussnahme auf den asiatischen Kontinent vor. Besonders die Mandschurei war für japanische Interessen vorrangig. Die Takushoku-Universität bildete eigens dafür Experten aus. In dieser Zeit der nationalistischen Überheblichkeit, besonders gegenüber den Chinesen, kam Meister Funakoshi von Okinawa nach Japan.

In den dreißiger Jahren, als der Krieg gegen China vorbereitet wurde, waren alle Bezeichnungen chinesischen Ursprungs in Japan verboten. Dies veranlasste den Meister, die alten chinesischen Kata-Namen (einschließlich der Bezeichnung karate) in japanische Begriffe umzuändern, was in Okinawa zwar zu großem Aufruhr führte, sich jedoch letztendlich durchsetzte (kara). Dies ist der Grund, warum heute eine kata unter drei verschiedenen Namen bekannt sein kann: die ursprüngliche chinesische Bezeichnung, die okinawanische phonetische Wiedergabe der chinesischen Bezeichnung und die japanische Veränderung des Begriffes. So wurde z.B. die kūshankū (chinesisch) in kōsōkun (okinawanisch) und dann in kankū (japanisch) umbenannt.

Nicht alle der heute bekannten kata haben japanische Namen. Meister Funakoshi benannte nur jene kata um, die er vor dem Weltkrieg als stilspezifisch lehrte. So konnten viele jener kata, die erst nach dem Krieg nach Japan kamen, ihre chinesischen oder okinawanischen Bezeichnungen behalten.

Die Bezeichnungen der kata sind jedoch nicht immer identisch oder auch nur annähernd ähnlich mit dem alten chinesischen Dao, was die Erforschung ihrer Geschichte sehr erschwert. Manchmal wurden sie auf Okinawa nicht unter ihren ursprünglichen Bezeichnungen, sondern unter den Namen derer, die sie aus China mitbrachten, weitergeführt (z.B. kūshankū). Als man sie in Japan umbenannte, suchte man nach einer Bezeichnung, die auf den äußeren Anschauungsaspekt der kata passte. Das alte chinesische Dao trug immer eine Bezeichnung, die sich auf die innere Struktur bezog.

So wird z.B. in Japan die kata chinte mit „seltene Hand“ übersetzt, und man sagt, dies käme daher, dass sie selten geübt wird. Doch das chin in der chinte ist die okinawanische Bezeichnung für die chinesischen diǎnxué. Dasselbe Ideogramm existiert noch in den kata sanchin, sōchin, seienchin, shisōchin und chinto (gankaku), die alle auf die Schulen der chinesischen diǎnxué verweisen.

Von Japan in die Welt

Philosophie des Karate

Hauptartikel: Karate-Philosophie

Die Lehre vom Weg (dō)

Hauptartikel: Budō |

Kontemplative Philosophie

Die kaisetsu

Shōtō nijūkun (20 Regeln)

Dōjōkun - Verhaltensregeln im Dōjō

Etikette des Karate

Hauptartikel: Karate-Etikette

Meditative Zeremonien

Karate-Kleidung

Training des Karate

Hauptartikel: Karate-Training

Karate-Kihon

Hauptartikel: Karate-Kihon

Karate-Kumite

Hauptartikel: Karate-Kumite

Karate-Kata

Hauptartikel: Karate-Kata

Methoden des Karate

Hauptartikel: Karate-Methoden

Karate als Weg ()

Karate als Sport

Lehrer des Karate

Hauptartikel: Karate-Lehrer

Stile des Karate

Hauptartikel: Karate-Stile

Organisationen des Karate

Hauptartikel: Karate-Organisationen

Graduierungen im Karate

Hauptartikel: Karate-Graduierungen

Studien Informationen

Siehe auch: Portal: Karate | Okinawanische Kampfsysteme | Karate | Karate-Geschichte | Karate-Etikette | Karate-Philosophie | Karate-Methoden | Karate-Training | Karate-Lehrer | Karate-Stile | Karate-Organisationen | Karate-Graduierungen | Karate-Ausdrücke

Literatur

  • Werner Lind: Lexikon der Kampfkünste, BSK-Studien 2010.
  • Werner Lind: Budo - der geistige Weg der Kampfkünste, Scherz 1991.
  • Werner Lind: Okinawa Karate, Sportverlag Berlin 1998.
  • Werner Lind: Karate Grundlagen, BSK 2005.
  • Werner Lind: Karate Kihon, BSK 2007.
  • Werner Lind: Karate Kumite, BSK 2010.
  • Werner Lind: Karate Kata, BSK 2011.
  • Shoshin Nagamine: The Essence of Okinawan Karate, Tuttle 1976.
  • Richard Kim: The Weaponless Warriors, Ohara 1974.
  • Morio Higaonna: Okinawa Goju ryū, Minamoto Research, 1985.
  • Mark Bishop: Okinawan Karate, A & B Black 1989.
  • Pierre Portocarrero: Tode les origines du Karate do, Sedirep.
  • George W. Alexander: Okinawa Island of Karate, Yamazato 1991.
  • Kenji Tokitsu: Histoire du Karate do, SEM 1979.
  • Hokama Tetsuhiro: Timeline of Karate history, 2007.

Weblinks