Lexikon der Kampfkünste

Aus Budopedia
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Das Lexikon der Kampfkünste ist ein Forschungsprojekt des Budo Studien Kreises (BSK) über die Kampfsysteme der Welt, das 1982 von Werner Lind als Datenbank iniziiert und 1986 im Kreis seiner Schüler zum ersten Mal veröffentlicht wurde. Beginnend mit 1996 wurde es vom Sportverlag Berlin in einer ersten Edition veröffentlicht und 1999 folgten mehrere erweiterte Editionen auch in Fremdsprachen. Im Jahr 2001 erschien eine Neuauflage in der Econ-Ullstein Verlagsgruppe GmbH & Co. KG, München.<br.>Dem Lexikon der Kampfkünste zugrunde liegt eine umfangreiche Datenbank des BSK, die das veröffentlichte Manuskript um ein Mehrfaches übersteigt. Diese Datenbank konzentriert seit 30 Jahren die Kampfkunststudien und alle BSK-Forschungen in einem einzigen Sammelwerk, aus dem sowohl das Lexikon als auch alle weiteren BSK-Veröffentlichungen und die Inhalte von Budopedia stammen.<br.>Um die Veröffentlichung des Lexikons überhaupt zu ermöglichen haben sich nahezu alle hochgraduierten Kampfkunstexperten und Stilvorstände in Deutschland, viele in Europa und manche weltweit aktiv beteiligt, wofür ich ihnen dankbar bin.<br.> An einer Neuauflage wird intensiv gearbeitet. Zunächst aber etabliert der BSK das Internetportal Budopedia, das für Diskussionen und Kritiken offen ist.

Entstehungsgeschichte des „Lexikon der Kampfkünste“

von Ursel Arnold

Als das „Lexikon der Kampfkünste“ von sensei Werner Lind 1996 in seiner ersten Auflage veröffentlicht wurde, hat es die Kampfkunstwelt ziemlich durcheinandergewirbelt - es war damals und ist noch heute das Thema in Gesprächen mit Kampfkunstanhängern aus allen Disziplinen. Eine Flut von Briefen mit Anregungen, Kritiken und äußerst hilfreichen Informationen überschwemmte den BSK und wartete auf Antwort und Auswertung. Es gab Enthusiasten und Neider, Befürworter und Kritiker, die durch unzählige Artikel in internationelen Kampfkunstzeitschriften zu dem Werk Stellung nahmen. Jeder versuchte aufzuzeigen, was man hätte besser machen können, was aus seiner Sicht falsch war oder unvollständig erläutert wurde. Noch heute erreichen uns jeden Tag Briefe und E-mails, die zeigen, dass das Budō-Lexikon keinen Kampfkunstanhänger gleichgültig gelassen hat. Wir haben versucht, die Vielzahl an Informationen auszuwerten und ein neues Konzept zu gründen, das möglichst vielen verschiedenen Interessen und Bereichen gerecht wird. Nach wie vor ist das Buch kein „Who is who in Budō“, denn als solches war es nie gedacht, doch wir denken, dass wir auch in dieser Hinsicht die wichtigsten Informationen für Deutschland bzw. Europa aufgenommen haben.<br.>An dieser Stelle möchte ich erwähnen, wie das Buch entstanden ist. In den 80er Jahren fand sich unter der Leitung von sensei Werner Lind eine kleine Gruppe von Budō-Enthusiasten zusammen, die sich vorgenommen hatte, die klassischen Kampfkünste in ihrer gesamten Tiefe und Breite zu erforschen und sich nicht mit dem zufrieden zu geben, was in Propaganda-Veröffentlichungen publiziert wurde. Es war ein Forschen aus persönlichem Interesse, um unsere Kampfkunst auszuloten. An eine Veröffentlichung dachte zu diesem Zeitpunkt niemand. Ziemlich bald stellten wir fest, dass es auf dem deutschen Markt nur sehr wenig Informationen gab, und so wählten wir ein vielleicht etwas unkonventionelles Vorgehen. Wir teilten die Weltkarte in einzelne Gebiete auf, und jeder aus unserer Gruppe übernahm einen Teil. Der jeweils Verantwortliche hatte die Aufgabe, alles herauszufinden, was es über seinen Teil zu erfahren gab. Damals haben wir soviel Geld ausgegeben, dass wir unsere eigene Schule (Budōkan Bensheim) finanziell kaum noch über Wasser halten konnten. Doch wir wollten alles, was es zu erforschen gab, und waren bereit, dafür auch alles zu riskieren.<br.>Im Verlauf der Zeit trugen wir die wohl umfangreichste Kampfkunstbibliothek zusammen, die man sich damals vorstellen konnte (inzwischen umfasst sie mehr als 1.500 Bücher und ca. 1.000 Videos). Allerdings waren die meisten in fremden Sprache geschrieben (deutsche Veröffentlichen waren in dieser Zeit kaum zu gebrauchen), und so folgten zunächst viele Jahre an Übersetzungen, in denen wir mehr als 50 Bücher übersetzten und zahllose Artikel auswerteten. Es war eine aufregende Zeit, denn mit jeder Übersetzung ergaben sich neue Erkenntnisse - Altes wurde verworfen, neue Verbindungen hergestellt, geprüft, erneut verworfen usw. Um unsere Erkenntnisse zu verifizieren (damals gab es kein Internet), bemühten wir uns um Kontakte zu den Großmeistern der verschiedenen Stile und sind eigentlich immer auf große Hilfsbereitschaft gestoßen. Doch unser sensei forderte uns zusätzlich auf, es nicht bei einem theoretischen Verständnis zu belassen. „Theorie ist gut und wichtig“, sagte er, „aber verstehen kann man nur in der Übung.“ Und so haben wir zahllose Stil-Konzepte im Training erprobt und versucht, ihre Inhalte zu erfassen.<br.>Alles, was wir theoretisch und praktisch über die Kampfkünste erfuhren, floss damals in unserem Budō-Lexikon zusammen. Zunächst war es ein reines Sammelwerk, doch später ergaben sich immer komplexere Zusammenhänge, die überarbeitet werden wollten. Unser Kreis (Budo Studien Kreis) war inzwischen durch verschiedene Veröffentlichungen und Seminare von sensei Werner Lind weitgehend bekannt. Es kamen Freunde und Mitinteressenten aus allen Fachrichtungen hinzu, die nach ihren Möglichkeiten einzelne Bereiche überarbeiteten. Es waren Mediziner, Sinologen, Japanologen, Geschichtsforscher, Heilpraktiker, Zeichner und nicht zuletzt Kampfkunstmeister aus den verschiedensten Disziplinen. Man kann die geleistete Arbeit nicht messen, und rückwirkend betrachtet scheint sie fast unmöglich.<br.>Inzwischen sind viele Jahre vergangen, in denen wir uns bemüht haben, die Problematiken der Vorgängerversionen des Lexikons auszuräumen. Der Text wurde in großem Umfang neu gefasst und den zwischenzeitlichen Forschungsergebnissen angepasst. Das Volumen wurde wesentlich erweitert, so dass ein vollkommen neues Buch entstand.<br.>Die Arbeit der heutigen Geschichtsforscher in Sachen budō kann gar nicht hoch genug bewertet werden. Ihnen alleine ist es zu verdanken, dass die klassischen Systeme nicht von der jahrelang vorherrschenden Tendenz zur Oberfläche und der technischen „Bereinigung“ durch die Wettkampfsysteme hinweggespült wurden. Jetzt, da eine Rückbesinnung auf traditionelle Werte und tiefere Inhalte der Kampfkünste deutlich wird, sind die Forscher unsere einzige Verbindung zu dem, was die Kampfkünste zu allen Zeiten von Wert sein ließ.<br.>Das neue „Lexikon der Kampfkünste“ (2010) ist das Ergebnis von mehr als dreißig Jahren der intensiven Forschung in den Kampfkünsten und sicherlich die umfangreichste Arbeit über dieselben, die je veröffentlicht wurde. Sie umfasst die Erfahrung von sensei Werner Lind, der vor fünfundvierzig Jahren mit der Übung des shōtōkan ryū begann und hieraus das Shōtōkan Kenpo entwickelt hat. Seiner unermüdlichen Hingabe und Begeisterungsfähigkeit ist es zu verdanken, dass dieses Werk realisiert werden konnte. Der Wert dieser Arbeit ist kaum zu ermessen.<br.>Viele seiner hochrangigen Schüler die inzwischen selbst unterrichten, haben nach besten Kräften bei der Erarbeitung verschiedener Themen mitgeholfen. Es wurden stapelweise fremdsprachige Bücher aus der ganzen Welt zusammengetragen und komplett oder auszugsweise übersetzt, um an Informationen aus den verschiedensten Bereichen zu gelangen. Auch ein eingehendes Studium der asiatischen Geschichte, Philosophie und Denkweise war erforderlich, um die Hintergründe und die Entwicklung der Kampfkünste nachvollziehen zu können. All dies wurde als Bezeichnung in die Enzyklopädie aufgenommen, Verbindungen wurden hergestellt, Zusammenhänge erforscht und neue Informationen stets ergänzt.<br.>Das „Lexikon der Kampfkünste“ ist kein herkömmliches Sport-Lexikon, sondern ein Lehrbuch. Es befasst sich mit den Wurzeln der Kampfkünste auf der ganzen Welt, mit ihrer Tradition, Geschichte und Philosophie und viel weniger mit den modernen Organisationen. Dazu gehören auch die Waffensysteme, die Gesundheitslehren, die Atemtechniken, die Ansichten der Meister, die Lehre von den verletzlichen oder tödlichen Punkten und vieles mehr.<br.>Inspiriert durch das breite Studium der klassischen Kampfkünste und der unzähligen Nachfragen über seine Arbeiten, hat sensei Werner Lind im Jahre 1990 den Budo Studien Kreis (BSK) ins Leben gerufen, der inzwischen vielen Kampfkunstanhängern in der ganzen Welt ein Begriff geworden ist. Der BSK bemüht sich, allen Anfragen über die Kampfkünste nach Möglichkeit zu entsprechen. In diesem Rahmen wird am „Lexikon der Kampfkünste“ beständig weiter gearbeitet, neue Informationen werden eingefügt und Lücken geschlossen. Auf dieser Grundlage entstand das Internet-Projekt „Budopedia“.<br.>Mancher Leser wird wohl das Lexikon aufschlagen, weil er nach der Erklärung eines ihm unbekannten Begriffes sucht. Was ihn erwartet, ist jedoch keine knappe Aussage, wie sie in den bekannten Lexika westlichen Zuschnitts enthalten sind, sondern es öffnet sich ein Ausschnitt in die asiatische Denk- und Lebensweise, mit der auch die Kampfkünste untrennbar verbunden sind.

Inhalte des Lexikon der Kampfkünste

von Ursel Arnold

Die Neuauflage des Lexikons lehnt an die japanische Begriffs-Transkription der Universität aus Heidelberg an und kann - entsprechend seiner spezifischen Inhalte - auch als Begleiter durch ein entsprechendes Studium verwendet werden. Das Buch bietet einen roten Faden und die gleichzeitige Literaturempfehlung für mehrere Themen, wie z.B. japanische Geschichte, japanische Sprache, japanische Literatur, japanische Gesellschaft und manch anderes. Obwohl der Hauptpunkt auf bushidō, budō und bujutsu liegt, werden auch weitere Themen sehr ausführlich behandelt und mit weiterführender Literatur dokumentiert.<br.>Wir möchten hier ein verständliches Werk auch für Nichtjapaner über die Kampfkünste bieten, indem wir sowohl Sprachwissenschaft als auch inhaltliche Verständnisfragen berücksichtigen. Ein japanisches Budō-Lexikon sieht sicherlich anders aus, da in ihm ein Grundverständnis der Sprache angenommen wird, die den meisten Nichtjapanern fehlt. Daher erklären wir auch etymologische Begriffe, jedoch nur soweit, wie sie im Zusammenhang zu den inhaltlichen Texten nötig sind.<br.>Dieses 2010 komplett neu überarbeitete Buch soll also kein Kanji-Lexikon sein, taucht aber tief in diese Domäne ein. Anders, als die Kampfkunst-Lexika aus Japan, in denen man verständicherweise auf Kanji-Erklärungen verzichtet, soll es dem nichtjapanischen Leser Zusammenhänge deutlich machen, die über die Begriffserklärungen der kanji zu einem weiterführenden Verständnis reichen und die zusammenhängenden Prinzipien erläutern. Aus diesem Grund konnten wir auf linguistische Erklärungen nicht vollständig verzichten.<br.>Gleichzeitig werden Begriffe und Themen aus den Kulturen Ostasiens aufgegriffen und zusätzlich oder verbindend erläutert. Sie alle hängen mit der Entwicklung und Interpretation der ostasiatischen Kampfkünste zusammen und werden aus diesem Grund hier mit dokumentiert.<br.>Die nunmehr erschienene vierte Auflage des Budō-Lexikons wurde durch die große Nachfrage der vorherigen Ausgaben bedingt, deren Erstauflage 1996 auf dem deutschen Büchermarkt erschienen ist. Täglich erhalten wir Briefe aus dem In- und Ausland, die uns ermutigten, die Arbeit an diesem Werk fortzusetzen, das Buch komplett neu zu überarbeiten und die neuesten Erkenntnisse zu intergrieren. Natürlich ist die Arbeit an einem solch umfangreichen Werk auch mit dieser Veröffentlichung nicht abgeschlossen - und kann auch nie abgeschlossen werden. Wie uns das Leben mit jedem neuen Tag auch neue Erfahrungen offenbart, sind auch die Kampfkünste unerschöpflich und können von niemandem in einem Buch ausgelotet werden. Trotzdem haben wir uns redlich bemüht, die Wesensinhalte des budō so genau wie möglich zu erfassen und darzustellen.<br.>Der Budo Studien Kreis dankt seinen vielen Freunden für die Unterstützung, die uns durch ihre Beiträge zuteil wurden. Vorstände und Hauptlehrer der meisten Organisationen haben uns ohne Eigennutz geholfen. Obwohl dieses Werk kein „Who´s Who“ in den Kampfkünsten ist, sondern traditionelle Inhalte in den Vordergund stellt, erfuhren wir allseits eine breite und uneigennützige Zustimmung.<br.>Natürlich gab es auch Kritik - vielerorts berechtigt und notwendig - sie brachte uns stets neue Erkenntnisse und hat uns geholfen, Fehler auszuräumen. Auch wenn für einige Budō-Literaten das Lexikon als Konkurrenz verstanden wurde und ein ewiges Ärgernis war und auch in Zukunft bleiben wird, wurden wir doch von unzähligen Menschen unterstützt und zur Weiterarbeit ermutigt. Durch den regen Zuspruch, den es auf dem Markt erfuhr und durch die persönliche Beteiligung einiger hundert Kampfkunstmeister im In- und Ausland ist es inzwischen weit mehr als nur ein Budō-Lexikon - es ist unser aller Buch geworden.

Raubkopien

von Werner Lind, Dezember 2012

Leider gibt es auch negative Begleiterscheinungen. Mehrere Buchveröffentlichungen bestehen aus Kopien der BSK-Skripten, ohne Erwähnung der Urheberrechte z.T. auch von meinen ehemaligen Schülern. Es ist mir unangenehm, dieses Thema überhaupt zu erwähnen, da es dem Geist des budō sicher keine Ehre erweist. Darauf möchte ich auch nicht näher eingehen, denn jeder Leser kann sich darüber selbst ein Bild machen.

Roland Habersetzer

Tatsache aber ist, dass auch das Lexikon mehrfach mißbraucht wurde. Die dreisteste aller Raubkopien stammt von Roland Habersetzer aus Frankreich.<br.>Der Sportverlag Berlin (Verleger und Linzenzinhaber des „Lexikons der Kampfkünste“) fragte 1996 / 97 bei dem französischen Verlag amphora nach, ob Interesse an einer Übersetzung und einer Veröffentlichung in Frankreich bestehen würde. Die Anfrage gelangte zu Roland Habersetzer, dem Editionsleiter in Sachen budō für den Amphora-Verlag. Dieser erklärte seinem Arbeitgeber, dass eine Übersetzung nicht nötig wäre, denn er könnte ein solches Lexikon in kürzester Zeit selbst liefern... zumal sowieso alles aus seinen Büchern abgeschrieben wurde!<br.>Daraufhin übersetzte er nahezu eins zu eins das Lexikon des BSK - sowohl in Inhalt, Aufmachung und Stil - und veröffentlichte es im September 2000 unter seinem eigenen Namen. Im Vorspann vergisst er nicht zu erwähnen, dass sein Lexikon auf intensiven Studien beruht aber auch Sekundärliteratur, wie die von Werner Lind hinzugezogen hat.<br.> Weder ich selbst, noch meine langjährigen Mitarbeiter und weitere hunderte Zuträger zu diesem Werk können sich das eklären. Wofür wir 30 Jahre der täglichen und akribischen Arbeit brauchten, macht Habersetzer im Handumdrehen... Er sitzt vor einem weißen Blatt und gründet über Nacht ein Enzyklopedie der Kampfkünste...<br.>Doch er hat die unzähligen Fehler der Erstausgabe (1996) mit kopiert und war auch in der zweiten Ausgabe nicht in der Lage, sie zu korrigieren.

Literatur

  • Lexikon der Kampfkünste. China, Japan, Okinawa, Korea, Vietnam, Thailand, Burma, Indonesien, Indien, Mongolei, Philippinen, Taiwan u. a. Sportverlag, Berlin 1999, ISBN 3-328-00838-1.