Shuri

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Shuri (jap.: 首里) ist heute ein Stadtteil von Naha. Ehemals eigenständig, war es Hauptstadt und Königssitz des Königreiches Ryūkyū. Ursprünglich als Festungsstadt angelegt, die den Königspalast umgab, verlor Shuri seine Position als Hauptstadt, als das Königtum abgeschafft wurde und die Stadt in die Präfektur Okinawa integriert wurde. 1896 wurde Shuri zu einem Ku (Bezirk) von Naha, der Hauptstadt der Präfektur, erklärt. Allerdings wurde es 1921 wieder zeitweise selbständig. Shuri wurde dann 1954 zum zweiten Mal nach Naha eingemeindet.

Schloss Shuri (okin.: Sui) wurde erbaut unter Shunbajunki, der von 1237 bis 1248 im nahegelegenen Palast von Urasoe herrschte. Einhundert Jahre später sollte Okinawa in die drei Königreiche von Hokuzan, Nanzan und Chūzan gespalten werden, und ein weiteres Jahrhundert später wurden diese vereint zum Ryūkyū-Königreich. Allerdings war die Insel als Königreich nicht wirklich geeint und politisch organisiert. Vielmehr wurde sie von lokalen Fürsten (按司, anji) beherrscht, die dem Herrn von Urasoe untergeben waren.

Der Historiker George H. Kerr beschreibt Schloss Shuri als „eine der prächtigsten Palastanlagen der Welt, welche die umliegenden Länder meilenweit überragt und es erlaubt nach allen Seiten hin am Horizont das Meer zu sehen.“

Ab dem Jahr 1266, trieb Okinawa Tribut von den umliegenden Inseln Iheya, Kumejima und Kerama, sowie von den weiter entfernt gelegenen Amami-Inseln ein. Regierungsbüros zur Verwaltung dieser Tribute wurden im Hafen von Tomari eingerichtet, der direkt unterhalb des Schlosses im Norden lag.

Shō Hashi, der von 1422 bis 1439 als erster König das vereinigte Königreich Ryūkyū regierte, erklärte Shuri zu seiner Hauptstadt und überwachte den Ausbau von Palast und Stadt. Shuri blieb dann für ungefähr 550 Jahre königliche Hauptstadt. In Nachfolgekriegen wurde das Schloss in den 1450er Jahren bis auf die Grundmauern niedergebrannt, dann aber wiederaufgebaut und sowohl Schloss als auch Stadt wurden unter König Shō Shin, der von 1477 bis 1526 herrschte, verschönert und erweitert. Zusätzlich zur Konstruktion der steinernen Drachensäulen und anderer Dekorationen des Palastes selbst, wurde 1492 der buddhistische Tempel Enkaku-ji auf dem Gelände des Schlosses errichtet, der Tempel Sōgen-ji an der Straße nach Naha ausgebaut und 1501 wurden die Bauarbeiten am Tamudun vollendet, das fortan als königliches Mausoleum diente.

Während des gesamten japanischen Mittelalters und der frühen Moderne standen fast alle Einwohner Shuris in einer gewissen Beziehung zum Königshof. Während Naha der wirtschaftliche Nabel des Königreiches war, blieb Shuri das politische Zentrum. In Shuri zu leben wurde deshalb bis ins 20. Jahrhundert als sehr prestigeträchtig angesehen.

Samurai-Truppen des japanischen Daimyats von Satsuma eroberten am 5. April 1609 Schloss Shuri. Die samurai zogen sich aber bald zurück, setzten König Shō Nei wieder ein und übergaben Schloss und Stadt wieder der Bevölkerung Okinawas. Dennoch blieb das Königreich von da an ein Vasallenstaat unter der Oberherrschaft Satsumas, überdauerte als solcher jedoch noch weitere 250 Jahre. Der amerikanische Commodore Perry drang, als er in den 1850er Jahren nach Okinawa kam, zwei mal in Schloss Shuri vor, aber ihm wurde eine Audienz mit dem König in beiden Fällen versagt.

Das Königreich wurde offiziell abgeschafft, als Truppen des japanischen Kaiserreiches unter Matsuda Michiyuki am 27. März 1879 zum Schloss vordrangen und Prinz Nakijin die Papiere mit der Entscheidung aus Tōkyō vorlegten. König Shō Tai und sein Hof wurden aus dem Schloss entfernt, das von da an von einer japanischen Garnison gehalten und dessen Haupttore versiegelt wurden. Das Schloss und nahegelegene Wohnsitze von Adligen des Hofes fielen in den darauffolgenden Jahren dem Verfall anheim, und der Lebensweise der Aristokratie von Shuri wurde der Boden entzogen: Königliche Ruhegehälter wurden stark reduziert oder gar ganz abgeschafft und das Einkommen aus den Ländereien der Adligen versiegte. Dienstboten wurden entlassen und die aristokratische Bevölkerung der Stadt verteilte sich auf der Suche nach Anstellungen in Naha, auf dem Land oder den japanischen Hauptinseln.

Daten der Volkszählung aus 1875-1879 zeigen, dass ungefähr die Hälfte der okinawaischen Bevölkerung im Großraum Naha-Shuri lebte. Shuri hatte weniger Haushalte als Naha, aber jeder Haushalt bestand durchschnittlich aus mehr Personen. Ungefähr 95.000 Einwohner in 22.500 Haushalten, aus einer Gesamtzahl von 330.000 Untertanen des Ryūkyū-Königreiches, gehörten zu jener Zeit dem Adel an, und die meisten davon lebten in und um Shuri. In den folgenden Jahren jedoch sank die Bevölkerungszahl und mit ihr verlor Shuri an Einfluss, während Naha wuchs.

Verstärkter öffentlicher Druck mit dem Ziel des Wiederaufbaus und der Bewahrung der historischen Stätten von Shuri setzte in den 1910er Jahren ein. 1928 wurde Schloß Shuri zum Nationaldenkmal erklärt und ein Vierjahresplan zum Wiederaufbau wurde vorgelegt. Weitere historische Monumente Shuris wurden kurze Zeit später ebenfalls unter Schutz gestellt.

Obwohl die Garnison des japanischen Militärs, die Schloss Shuri ursprünglich seit 1879 besetzte, bereits 1896 abgezogen war, machte man das Schloss und eine Reihe von Tunneln und Höhlen darunter zum militärischen Hauptquartier der japanischen Streitkräfte auf Okinawa während des Zweiten Weltkrieges. Die Stadt erlitt im Oktober 1944 die ersten Luftangriffe alliierter Verbände. Vorbereitung und Organisation der Zivilbevölkerung für diesen Fall waren äußerst unzureichend. Bürokraten, sämtlich Einheimische der Präfektur, waren alle an Verpflichtungen und militärische Befehle gebunden, und trieben nur geringen Aufwand zum Schutz der Zivilbevölkerung, ihrer Häuser, Schulen und historischen Denkmäler. Man überließ die Zivilisten ihrem Schicksal, sich selbst, ihre Familien und Besitztümer zu schützen und in Sicherheit zu bringen.

Der Schatzkämmerer der okinawaischen Königsfamilie kehrte im März 1945 zum Familiensitz in Shuri zurück und versuchte eine große Zahl von wertvollen Artefakten in Sicherheit zu bringen, angefangen von Kronen, die dem König vom chinesischen Kaiserhof zugestanden worden waren, bis hin zu offiziellen königlichen Porträts. Einige dieser Gegenstände wurden in Schatzkammern gesperrt, andere jedoch einfach in der Erde vergraben oder hier und da unter Laub und Gewächsen um Shuri herum verborgen. Die Herrenhäuser wurden am 6. April durch ein Feuer zuerstört, und die okinawaischen Wachen, die der Kämmerer ernannt hatte, wurden vom japanischen Militär, das von da an das Gelände besetzt hielt, fortgeschickt.

Da Shuri das Zentrum der Japanischen Verteidigung war, stellte es für den amerikanischen Angriff in der Schlacht von Okinawa von März bis Juni 1945 das wichtigste Ziel dar. Schloss Shuro wurde von der USS Mississippi dem Erdboden gleich gemacht und ein Großteil der Stadt wurde im Verlauf der Schlacht zerstört.

In den Nachkriegsjahren wurde die Stadt wiederaufgebaut. Die Universität Ryūkyū wurde 1950 auf dem Gelände der Ruinen von Schloss Shuri eingerichtet, wobei man jedoch später den Sitz verlegte. Heute liegen Campus in Ginowan und Nakagusuku. Die Mauern des Schlosses wurden kurz nach dem Ende des Krieges bereits wiederaufgebaut und die Restauration der zentralen Palasthalle (Seiden) wurde 1992 vollendet, zum 20. Jahrestag des Endes der amerikanischen Besatzung auf Okinawa.

Studien Informationen

Siehe auch: Portal:Okinawa | Japanische Präfekturen | Präfektur Okinawa | Nansei-Inseln | Ryūkyū-Inseln | Ryūkyū-Königreich

Literatur

  • George H. Kerr: Okinawa - The Hisory of an Island People. Tuttle, 2000.
  • Werner Lind: Lexikon der Kampfkünste. BSK-Studie, 2009.
  • Werner Lind: Okinawa Karate., Sportverlag Berlin 1998.
  • Shoshin Nagamine: The Essence of Okinawan Karate. Tuttle, 1976.
  • Richard Kim: The Weaponless Warriors. Ohara, 1974.
  • Morio Higaonna: Okinawa Goju ryū. Minamoto Research, 1985.
  • Mark Bishop: Okinawan Karate. A & B Black, 1989
  • Pierre Portocarrero: Tode les origines du Karate do. Sedirep.
  • George W. Alexander: Okinawa Island of Karate. Yamazato, 1991.
  • Kenji Tokitsu: Histoire du Karate do. SEM 1979.
  • Hokama Tetsuhiro: Timeline of Karate history. 2007.

Weblinks

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