Dàojiā
Artikel aus: Lexikon der Kampfkünste<br.>Nachbearbeitet von: Stephanie Kaiser
Dàojiā (chin.: 道家) auch tao chia, ist die „Schule/Lehre (jiā - 家) des Weges (dào - 道)“ und die chinesische Bezeichnung für den philosophischen Daoismus. Man kann im Daoismus zwei große Richtungen unterscheiden: Zum einen den philosophischen Daoismus, der zumeist von Einsiedlern ausgeübt wurde und den religiösen, volkstümlichen Daoismus (dàojiào - 道教).
Inhaltsverzeichnis
Der philosophische Daoismus
Die philosophische Schule des Daoismus ist eine der bedeutendsten vier chinesischen Schulen (jiā) und gleichzeitig eine der „100 Schulen“ in der Zeit der „Streitenden Reiche“ (481-221 v.Chr.). Das Wesen der Schule ist die Philosophie des dào von Láozī, die auf dem Wechselspiel von Yīn und Yáng beruht. Zum dào gehört auch dé (德), das mit „Tugend“ oder „Wirkkraft“ übersetzt wird.
Die beiden bedeutendsten Texte des Daoismus sind das Dàodéjīng (chin.: 道德经 / 道德經) von Láozī und „Das wahre Buch vom südlichen Blütenland“ von Zhuāngzǐ, die erste große Prosadichtung Chinas. Die Autoren beider Werke gelten als die Begründer des philosophischen Daoismus. Die Werke sind künstlerisch einzigartig: das Dàodéjīng knapp und konzentriert in seinen Aussagen, das Buch von Zhuāngzǐ mit einer Fülle von Bildern und Gleichnissen in geschliffener Prosa geschrieben. Beide Werke sind Höhepunkte chinesischer Dichtung und Philosophie. Die Erben Láozīs und Zhuāngzǐs waren Lie zi und Yang Chu.
Inhalte
Zu den bedeutendsten Praktiken des philosophischen Daoismus gehören die Meditation und das Nachahmen des dào im eigenen Denken und Handeln. Mittels beider versucht man die Vereinigung mit dem natürlichen dào. An überweltlichen Ereignissen, wie z.B. das Erlangen der Unsterblichkeit, die im religiösen Daoismus eine bedeutende Rolle spielt, sind die Philosophen dieser Schule nicht interessiert. Die zentrale Position in der Philosophie des dào hält der Begriff wúwéi (无为 (無為 – „absichtsloses Handeln“). Ethisch steht die Philosophie im krassen Widerspruch zum Konfuzianismus, dessen Grundtugenden rén (jen – „Geisteshaltung der Zuneigung und Nachsicht“) und yì („Einhaltung der Regeln des gesellschaftlichen Lebens“) er ablehnt, da sie ihrer Meinung nach die reine menschliche Natur verschleiern und das dào stören.
Der philosophische Daoismus spielte bei der Gründung des chán - 禪 / 禅 (siehe auch: Bodhidharma) eine bedeutende Rolle. Von allem Anfang an nahm er auf die Entwicklung des chán Einfluss, festigte sich jedoch mit seinem Gedankengut erst ab dem 6. Patriarchen des chán, Huìnéng, endgültig.
Studien-Informationen
Siehe auch: Daoismus | Japanischer Daoismus (dōkyō) | Dàojiào
Literatur
- Werner Lind: Lexikon der Kampfkünste. BSK-Studien 2010.