Dōjō

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Dōjō (jap.: 道場), der Ort, an dem der Weg () geübt wird ( - Weg, - Ort). Die Übung des Weges (keiko) gewinnt an Inhalt und Klarheit, wenn die Verbundenheit zwischen Wegschüler (deshi) und dōjō gegeben ist. Deshalb ist in der Weglehre (oshi) das dōjō kein Trainingsraum, sondern ein heiliger Ort, den man auch noch „Raum der Erleuchtung“ nennt. Die Bezeichnung dōjō bezieht sich auf den Raum, in dem die Übung stattfindet, doch sie steht symbolisch für die Beziehungstiefe eines Übenden zu seiner Kunst.

Inhaltsverzeichnis

Der Begriff

Ursprünglich kommt der Begriff dōjō aus dem Buddhismus und bezeichnete einen Ort der Selbstfindung und der Meditation. Später veränderte er seine Bedeutung, und man verstand darunter den Ort, an dem die Kampfkünste geübt werden. Der Sinn jedoch blieb derselbe. Für jeden ernsthaft Übenden ist das dōjō auch heute eine Stätte der Meditation und Konzentration, ein geehrter Ort des Lernens, der Brüderlichkeit, der Freundschaft und des gegenseitigen Respektes. Es ist mehr als nur ein Begriff - es steht symbolisch für den Weg () der Kampfkunst.

Folgende Begriffe sind ihm zugeordnet:

  • Kamiza 上座 - „Ehrenplatz“, für Hochgraduierte und Gäste, gegenüber von shimoza.
  • Shimoza 下座 - unterer Sitz, unterer Platz, gegenüber von kamiza.
  • Shimoseki 下席 - untere Seite, Platz der Schüler während des Trainings.
  • Jōseki 上席 - obere Seite, Platz der Lehrer während des Trainings.
  • Shōmen 正面 - vordere Seite.
  • Toguchi 戸口 - Eingang (zum dōjō), gewöhnlich auf der Shimoza-Seite
  • Honbu dōjō 本部道場 - Hauptdōjō
  • Shibu dōjō 支部道場 - Zweigstelle

Begriffe aus den Shintō-Dojo:

  • Kamiza 神座 - „Sitz der Götter“, Schrein, begriffsgleich mit shinzen.
  • Shinzen 神前 - „Sitz der Götter“, Schrein, begriffsgleich mit kamiza.

Bedeutung des Dōjō

Im philosophischen Verständnis kann sich der Begriff dōjō auf jeden Ort beziehen, an dem ein Mensch im Sinne des budō seinen Geist und Körper in der Wegübung konzentriert. Darüber hinaus jedoch kennzeichnet die Art der Beziehung, die ein Übender zu seinem eigenen dōjō unterhält, seine Bemühung um gerechtes Denken und gerechtes Verhalten. Die rechte Beziehung zum dōjō ist ein Teil der Wegübung selbst. Sie besteht aus dem Streben, durch selbstlose Hingabe dem Geist des budō zu dienen und den persönlichen Fortschritt, den ein Übender in einem dōjō macht, durch ehrliche Wertbezeugung wieder auszugleichen.

Für einen echten Wegschüler (deshi) ist sein dōjō ein zweites Zuhause. Durch eine solche Dōjō-Beziehung entsteht ein ausgleichender Wert, durch den der Einzelne reifen und der Budō-Geist (shin) im dōjō gedehein kann. Egoistische Menschen, die ein dōjō nur als Trainingsraum nutzen, können daran nicht teilhaben. Ein dōjō lebt durch die Zugeständnisse seiner Übenden an das Ideal der Kampfkunst. Nur auf diese Weise findet ein Übender den Zugang zum Weg.

In jedem dōjō gibt es einen sensei und mehrere Fortgeschrittene (sempai), von denen manche selbst Meister (kaiden und kodansha) sind. Die Schüler eines dōjō (mudansha), die die Kampfkünste lernen wollen, zählen erst dann zum Kreis der Wegschüler (yūdansha), wenn sie die tiefe Bedeutung der Dōjō-Beziehung (shitei) durch ihre Haltung (shisei) verstehen und achten gelernt haben. Es gibt keine Fortgeschrittenen, die von einem dōjō mehr nehmen, als sie geben. In diesem Punkt unterscheiden sich die dōjō des Weges von den Sporthallen. Die körperliche Übung (shōsa) kann dieselbe sein, doch erst die rechte Haltung (shisei) ermöglicht Fortschritt auf dem Weg.

Gestaltung des Dōjō

Jedes dōjō des Weges hält einen traditionellen Standard von Einfachheit und Schönheit (furyū, sabi und wabi). Es ist nach Möglichkeit geräumig, jedoch stets makellos sauber. In manchen dōjō gibt es Kunstgegenstände, die von Schülern des dōjō gefertigt wurden. Jedoch gleich seiner Dekoration strahlt es immer eine Atmosphäre von Würde aus. In den alten dōjō war an der vorderen Wand (shōmen) ein Schrein (kamiza), der symbolisch dafür stand, dass das dōjō den höheren Werten und Tugenden des Weges gewidmet ist und nicht allein der physischen Übung. Das optische Aussehen eines dōjō widerspiegelt die Qualität der Übung, die in ihm betrieben wird.

Die vordere Wand des dōjō nennt man shōmen (vordere Seite), und dies ist der Ort der Ehre (rei). In vielen traditionellen dōjō hängt dort ein Bild des Stilgründers an der Wand. In der shintoistischen Religion ist shōmen eine Art Altar, den man shinzen (Ort Gottes) oder kamiza (Sitz der Götter) nennt. Die Lehrer (renshi, kyōshi und hanshi) sitzen im dōjō immer auf der linken Seite des shōmen (jōseki, obere Seite), während die Schüler in abnehmender Rangordnung auf der entgegengesetzten Seite (shimoseki, untere Seite) sitzen. Die dem shōmen gegenüberliegende Seite nennt man shimosa (Eingangsseite des dōjō).

Verhalten im Dōjō

In einem traditionellen dōjō sind die Verhaltensformen und gegenseitigen Umgangsformen (sahō) aller Übenden in einem Regelsystem zusammengefasst, das aus der dōjōkun abgeleitet ist. Diese zumeist aus zehn Regeln bestehenden Verhaltensanleitungen sind auf einem makimono aufgeschrieben und hängen nahe am Eingang des dōjō. In einem guten dōjō entsprechen sie den Lernmaßstäben und den Prinzipien des Budō-Weges. Ein fortgeschrittener Schüler der Kampfkünste (yūdansha) unterscheidet sich von einem Anfänger (mudansha) dadurch, dass er die Bedeutung dieser Regeln wahrlich verstanden hat, während der Anfänger dazu angehalten werden muss, sie als Regelsystem zu achten.

Studien Informationen

Siehe auch: Portal:Karate | Dōjōkun | Budō-Gemeinschaft | Sahō | Sōji |

Literatur

  • Werner Lind: Lexikon der Kampfkünste. BSK-Studien 2010.
  • Werner Lind: Budo - der geistige Weg der Kampfkünste. Scherz 1991.
  • Werner Lind: Okinawa Karate. Sportverlag Berlin 1998.
  • Werner Lind: Karate Grundlagen. BSK 2005.
  • Werner Lind: Karate Kihon. BSK 2007.
  • Werner Lind: Karate Kumite. BSK 2013.
  • Shoshin Nagamine: The Essence of Okinawan Karate. Tuttle 1976.
  • Richard Kim: The Weaponless Warriors. Ohara 1974.
  • Morio Higaonna: Okinawa Goju ryū., Minamoto Research, 1985.
  • Mark Bishop: Okinawan Karate. A & B Black 1989.
  • Nakamura Tadashi: Karate, Technique and Spirit., Shufunotomo,
  • Pierre Portocarrero: Tode les origines du Karate do. Sedirep.
  • Kenji Tokitsu: Histoire du Karate do. SEM 1979.