Dan

Aus Budopedia
Wechseln zu: Navigation, Suche
120px-Qsicon Ueberarbeiten.svg.png Der Inhalt dieser Seite ist nicht vollständig und muss überarbeitet werden.

Artikel aus: Lexikon der Kampfkünste
Nachbearbeitet von: Werner Lind

Der Begriff dan (jap.: 段) steht im Japanischen allgemein für eine Abstufung. In den Kampfkünsten wird er nicht nur zur Bezeichnung des Fortschrittsgrades eines Übenden im Graduierungssystem (kyūdan) verwendet, sondern z.B. auch, um die Höhenstufe einer Technik zu benennen (gedan, chūdan, jōdan), oder um verschiedene Formen einer Kata-Gruppe zu unterscheiden (z.B. tekki shodan, tekki nidan, tekki sandan). Im Graduierungssystem (kyūdan) des budō bedeutet die Zuerkennung eines Dan-Grades den Abschluss der Grundausbildung (mudansha) und den Eintritt in die Stufe der dansha. Letztere berechtigt zum Tragen eines schwarzen Gürtels (kuro obi).

Inhaltsverzeichnis

Dan-Grade in der Gesellschaft

Der Begriff dan bezeichnet einen Rang, eine Stufe oder einen Grad. Das Prinzip durchzieht die gesamte japanische Gesellschaft und regelt die hierarchische Position des Einzelnen im sozialen Zusammenleben:

  • Mudansha (Personen ohne dan) - einfache Menschen, ohne besondere Bedeutung für die Allgemeinheit.
  • Dansha (Personen mit dan) - höhergestellte Positionen (z.B. Lehrer, Ärzte, Wissenschaftler) in der japanischen Gesellschaft.

Dan-Grade im Budō

Das Graduierungssystem (kyūdan) des budō besteht aus einer Vorstufe (mudansha - Personen ohne dan), gefolgt vom System der dansha (Personen mit dan). Die mudansha klassifizieren sich in einer absteigenden Struktur der kyū (9. bis 1. kyū), die dansha sind Rangbezeichnungen für Schwarzgurtträger von (1. bis 12. dan).
Die Dan-Grade (dansha) des budō sind Graduierungen für Fortgeschrittene und bezeichnen die Träger des schwarzen Gürtels (kuro obi). Sie unterscheiden sich in die Kategorien yūdansha (1. bis 4. dan) und kōdansha (5. bis 10. dan). Während für die ersten Dan-Grade (yūdansha) noch technische Prüfungen abgelegt werden müssen, werden die Grade der kōdansha oft in Anerkennung ihrer geistigen Fortschritte und Lehrkompetenzen verliehen. Häufig ist damit auch die Berechtigung verbunden, alternativ zum Schwarzgurt einen rot-weiß geblockten Gürtel (6. bis 8. dan) oder einen roten Gürtel (9. und 10. dan) zu tragen.
Das vollständige Graduierungssystem (kyūdan), in dem sowohl die mudansha als auch die (yūdansha und kōdansha) klassifiziert werden, wurde 1926 von Funakoshi Gichin aus dem dankyū seido des butokukai übernommen und im japanischen karate eingeführt. Mit unterschiedlichen Auslegungen hat das System der dansha auch heute noch Gültigkeit:

Dan-Grade im Budō
  • Yūdansha - Fortgeschrittene mit Dangraden
Shodan - 1. Dangrad - schwarz
Nidan - 2. Dangrad - schwarz
Sandan - 3. Dangrad - schwarz
Yondan - 4. Dangrad - schwarz
  • Kōdansha - Meister mit hohen Dangraden
Godan - 5. Dangrad (renshi) - schwarz
Rokudan - 6. Dangrad (renshi) - schwarz
Nanadan - 7. Dangrad (kyōshi) - schwarz/rot
Hachidan - 8. Dangrad (kyōshi) - schwarz/rot
Kūdan - 9. Dangrad (hanshi) - rot
Jūdan - 10. Dangrad (hanshi) - rot

Verglichen mit dem Werdegang eines Handwerkers wäre das begriffliche Äquivalent zum mudansha der „Lehrling“, dem yūdansha entspräche der „Geselle“, und dem kōdansha käme der „Meister der Handwerkskunst“ gleich. Der Vergleich bezieht sich dabei weniger auf ähnlich lange Zeitabschnitte im Ausbildungsprozess, sondern dient vielmehr dem inhaltlichen Verständnis der beiden großen Gruppen von Dan-Graden, da in westlichen Ländern noch immer die irrige Annahme existiert, dass derjenige, der einen Schwarzgurtgrad erlangt hat, ein Meister der Kampfkunst sei.

Yūdansha

Die yūdansha befinden sich in einer höheren Stufe des Schülertums (deshi) im budō und sind berechtigt den schwarzen Gürtel (kuro obi) zu tragen. Die Yūdansha-Stufe enthält die Graduierungen vom 1. bis zum 4.dan (shodan, nidan, sandan und yondan). Man nennt sie auch die „Stufe der Krieger“. Sie bezeichnet jenen Abschnitt, in dem der Übende ein Experte in der Technik und im Kampf werden kann.
Die yūdansha umfassen zwei hauptsächliche Abschnitte der Budō-Lehre (oshi):

  • Omote (vordergründige Lehre) - Vertiefung und Perfektion der bisher erlernten Techniken.
  • Ura (hintergründige Lehre) - Zugang zu den philosophieschen Hintergründen des Weges () im budō
Yūdansha - fortgeschrittene Schüler mit Schwarzgurtgraden

Omote - Vordergrund

  • Shoden (初伝) - Einweihung in die Formtradition
- 1. Dan (shodan)
  • Chūden (中伝) - mittlere Einweihung in die Formtradition
- 2. Dan (nidan)

Ura - Hintergrund

  • Okuden (奥伝) - Einweihung in die Hintergründe der Tradition
- 3. Dan (sandan)
  • Kaiden (皆伝) - vollständige Einweihung in die Tradition
- 4. Dan (yondan)

Kodansha

Die kodansha sind selbständige Lehrer (sensei) des Weges () in den Stufen ha und ri und definieren sich durch die Titel renshi, kyōshi und hanshi. Alle kodansha stehen in einer beständigen Herausforderung gegenüber dem höchstmöglichen Ideal und suchen die geistige Perfektion.

Kodansha - Meister und Lehrer des Budō
- 5. Dan (godan), ab 30 Jahren
- 6. Dan (rokkudan), ab 35 Jahren
  • Kyōshi - Experte des Unterrichts; Gelehrter
- 7. Dan (shichidan), ab 42 Jahren
- 8. Dan (hachidan), ab 50 Jahren
  • Hanshi - modellhafter Gelehrter
- 9. Dan (kudan), ab 60 Jahren
- 10. Dan (jūdan), ab 70 Jahren

Studien Informationen

Siehe auch: Kyūdan | Japanische Kampfkunst | | BSK-Graduierungen

Literatur

  • Werner Lind: Budo, der geistige Weg der Kampfkünste. O. W. Barth 1992.
  • Werner Lind: Lexikon der Kampfkünste. BSK 2010.
  • Werner Lind: Karate Grundlagen, Kihon, Kata, Kumite. BSK 2005.