Dankyū seido

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Artikel von: Werner Lind
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Der Begriff dankyū seido (段級制度) bezeichnet ein Grad- und Lizenzsystem für Fortschrittsstufen im budō, das 1883 von Kanō Jigorō für jūdō im butokukai entwickelt wurde. Es entstammt dem Lizenzsystem menkyo aus den alten Stilen (koryū) des bujutsu und etablierte sich später unter der Bezeichnung kyūdan in allen Systemen des japanischen būdō.

Inhaltsverzeichnis

Kanō und der Butokukai

Im Zuge der Entwicklung des japanischen budō trat Kanō Jigorō sehr früh dem butokukai bei. Er gehörte dort sofort zu den einflussreichsten Personen, da er nicht nur der Begründer des kōdōkan jūdō war, sondern nach einer Lehrerlaufbahn an verschiedenen Schulen inzwischen als höherer Beamter im Erziehungsministerium arbeitete. Bereits im Jahr 1889 hatte er sein Kampfkunstkonzept in dem Vortrag „Über jūdō im Allgemeinen sowie seinen Wert für die Erziehung“ der „Großjapanischen Gesellschaft für Erziehung“ vorgestellt. In der Sektion jūjutsu des butokukai war er der Vorsitzende im Ausschuss, der die Beurteilungskriterien und Regelwerke für die Wettkämpfe und die zu verwendenden kata bestimmte. 1905 erhielten er und zwei andere Meister mit dem Titel hanshi die höchste Lehrerlizenz. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass 1899 die einheitlichen Jūjutsu-Wettkampfregeln und 1906 die in der butokukai einheitlich zu verwendenden jūjutsu kata im Wesentlichen denen aus dem kōdōkan jūdō entsprachen.

Dabei war das Verhältnis zwischen dem dai nippon butokukai und Kanō keineswegs immer ungetrübt. Beispielsweise gab es einen heftigen Streit in der Graduierungsfrage. Der butokukai beanspruchte für sich das Lehrlizenzvergaberecht, Kanō wollte jedoch an dem von ihm für das kōdōkan jūdō geschaffenen dankyū seido festhalten, weshalb er den ersten drei Dan-Graden seines Systems die Lizenzen des butokukai gleichsetzte. Für alle höheren Dan-Grade gab es jedoch keine Entsprechung. Die Auseinandersetzung endete letztlich damit, dass der butokukai Kanōs Graduierungssystem übernahm und auf die anderen Sektionen (kendō, naginatadō, kyūdō) übertrug.

Kanōs Lizenz Konzept

Bei der Entwicklung des jūdō scheute sich Kanō Jigorō nicht, die alten Lizenz-Konzepte (menkyo) durch neue (kyūdan) zu ersetzen, die er in seinem eigenen Lizenzsystem (dankyū seido) einbrachte.

Da er jūdō in erster Linie als gesundheitsfördernde Leibesübung und nicht als Selbstverteidigung auffasste, eliminierte er alle Techniken mit Verletzungsrisiko. Dem sportlichen Leistungsvergleich im Training (randori) und im Wettkampf (shiai) gab er in seinem Konzept bewusst viel Raum, weil er sich davon eine hohe Motivation der Übenden und gleichzeitig eine Stärkung aller Muskelpartien versprach. Mit diesem Ansatz rückte er bewusst die Formen (kata), die in den althergebrachten Kampfkunstsystemen (koryū) das Zentrum jeder Übung waren, etwas in den Hintergrund.

Wie alle anderen Bestandteile der koryū unterzog er auch das Menkyo-System der koryū (alte Stile) einer kritischen Prüfung hinsichtlich seiner Zeitgemäßheit und der Tauglichkeit für sein eigenes Konzept. Er bemerkte, dass das alte Lizenz-System nur mit einer hohen Eigenmotivation der Übenden funktionierte, da zum Teil Jahre vergingen, bis der persönliche Fortschritt dem Schüler durch den Lehrer eines ryū erstmals zertifiziert wurde. Deshalb ersetzte er bereits im Jahr 1883 die alten Dan-Zertifikate durch ein eigenes Graduierungssystem (dankyū seido), durch das die Übenden permanent äußere Lernanreize erhalten sollten. In vorher bestimmten zeitlichen Abständen konnten sie bei entsprechender Leistungssteigerung Grade innerhalb einer symbolischen Hierarchie erringen und somit ihren Status in der Gemeinschaft der Übenden neu definieren. Kanō unterschied dabei grundsätzlich zwischen „Nichtgraduierten“ (mudansha - Personen ohne dan) und „Graduierten“ (yūdansha - Personen mit einem Grad). Die mudansha wurden als „Schülergrade“ zunächst in drei Fortschrittsstufen (hei - die dritte; otsu - die zweite, - die erste) untergliedert, später differenzierte Kanō sechs „Klassen“ (kyū) für Erwachsene und fünf weitere Klassen für Kinder. Die Anzahl der zu erreichenden Dan-Graduierungen (dan) war zunächst nicht festgelegt. Tomita Tsunejirō und Saigō Shiro wurden 1883 als erste von Kanō zum 1. dan (shodan) graduiert, noch im gleichen Jahr erhielten sie den 2. dan (nidan) und 1885 den 4. dan (yondan). Zu Beginn des 20. Jahrhunderts bestimmte man die Anzahl der Dan-Grade mit zehn.

Wahrscheinlich trugen die yūdansha schon ab 1886 schwarze Schärpen, um die Graduierung im Training sichtbar zu machen. Ab 1907 wurden die Schärpen durch Gürtel ersetzt. Die mudansha wurden seit 1923 durch die Farben Hellblau (6. kyū), Weiß (5.-4. kyū) und Hellbraun (3.-1. kyū) ausgewiesen. Sieben Jahre später erfolgte auch bei den yūdansha eine farbliche Differenzierung: Sie trugen dann schwarze (1.-5. dan), rot-weiß-geblockte (zunächst 6.-9., später 6.-8. dan) und rote Gürtel (10. dan, später auch 9. dan).

1911 erfüllte sich für Kanō einen lange gehegten Wunsch: Das Erziehungsministerium erteilte die Erlaubnis, die „Kunst der Sanftheit“ (jūjutsu) und das „Schwertfechten“ (gekiken) in den Lehrplan der Mittelschulen aufzunehmen. 1926 wurden die beiden Schulfächer dann offiziell in jūdō und kendō umbenannt.

Studien Informationen

Siehe auch: Graduierungssystem | Kyūdan | Menkyo | Butokukai | Prüfungsprogrammn |

Literatur

  • Werner Lind: Karate Grundlagen, Kihon, Kata, Kumite. BSK 2005.
  • Francis Didier: Karate dō - L´Esprit Guerrier. Sedirep 1988.
  • Werner Lind: Budo - Der geistige Weg der Kampfkünste. O.W. Barth 1993.
  • Werner Lind: Lexikon der Kampfkünste. BSK 2010.

Weblinks