Kyūdō

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Artikel aus: Lexikon der Kampfkünste
Nachbearbeitet von: Julia Sigges

Kyūdō (弓道) bezeichnet den japanischen Weg () des Bogens (yumi), der aus einem alten moralischen Kodex (kyūba no michi / yumiya no michi) und einer Kriegstechnik (kyūjutsu) zu einer Übung der Persönlichkeit (budō) entwickelt wurde. Im kyūdō geht es nicht um einen Wettbewerb des Schießens und Treffens, sondern um die Entwicklung von innerer Stärke (ki).

Inhaltsverzeichnis

Geschichte und Definition

Nachdem das kriegerische kyūjutsu (Technik des Bogens) durch die Einführung der Feuerwaffen (arkebuse) im sengoku jidai seine kriegerische Bedeutung verloren hatte, geriet das japanische Bogenschießen zunächst in Vergessenheit, entstand aber im 16. Jahrhundert als kyūdō (Weg des Bogens) neu. Den erstmaligen Gebrauch des Begriffes kyūdō schreibt man Morikawa Kozan zu, einem Experten aus dem yamato ryū, welches früher für sein kyūjutsu und jūjutsu berühmt war. Morikawa machte 1664 die Übung mit Pfeil (ya) und Bogen (yumi) zu einer geistigen Disziplin und entwickelte daraus eine Übung () zur Vervollkommnung der Persönlichkeit. Das Konzept wurde von mehreren Stilen des japanischen Bogenschießens übernommen, obwohl man sich untereinander in der Ausführung der ritualisierten Kyūdō-Kata (kei) grundlegend voneinander unterschied.
Im meiji jidai (ab 1868) versuchte man, einen einheitliche Bewegungsablauf (kata 型, im kyūdō wird der Begriff kei 型 verwendet) für alle noch existierenden Kyūdō-Stile (kyūdō ryū) zu etablieren, doch dieser Versuch scheiterte am Widerstand der einzelnen Stilvorstände. Es gelang keine Einigung in den ritualisierten Übungsabläufen (kei) des Bogenschießens (kyūdō) und die Hauptstile, vor allem ogasawara ryū, heki ryū und honda ryū blieben nach wie vor unter der Eigenbestimmung ihrer Meister und übten unterschiedliche Formen.
Doch 1933 zwang der mit politischer Macht ausgestattete butokukai die Stilvorstände des kyūdō zur Vereinigung in einem technischen Forum und versuchte mit den jeweiligen Hauptlehrern der ryū eine einheitliche Form (kei) abzustimmen, die zukünftig als Grundlage für die Übung des kyūdō dienen sollte. Doch auch dieser Versuch scheiterte, denn die Kyūdō-Meister konnten sich nur bezüglich der Zeremonie und Etikette (sharei) einigen. Über die technischen Methoden des Schießens (shahō) und insbesondere über die Technik des Hebens und Ziehens des Bogens (uchiokoshi) wurde vehement gestritten. Bis heute gibt es darin keine Einigkeit.

Methoden des Kyūdō

Durch die Veränderung des jutsu zum (Weg) wird kyūdō in Japan heute oft als Disziplin zur Entwicklung der Persönlichkeit geübt und als meditative Zen-Kunst empfunden. Diese Definition trifft jedoch nur auf jene Schulen zu, in deren Übung tatsächliche Praktiken der Weglehre enthalten sind. Viele Kyūdō-Stile der Moderne betonen hingegen nur den praktischen Aspekt des Schießens und Treffens und entwickeln zunehmend mehr den Aspekt des Wettkampfes.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die vielen unterschiedlichen ryū des Bogenschießens gezwungenermaßen vereinheitlicht aber es etablierten sich zwei grundlegend unterschiedliche Auffassungen:

  • Sharei () - Orientierung des Bogenschießens auf die Entwicklung von menschlichem Wert und Persönlichkeit ()
  • Shahō () - Orientierung des Bogenschießens auf Effizienz und Treffen (Sport)

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Disziplinen des Kyūdō

Unabhängig von allen Stilen gibt es im kyūdō Disziplinen des Schießens aus dem Stand (bushakei), des Schießens vom Pferderücken (yabusame) und das zeremonielle Schießen (reishakei).

KYŪDŌ-Methoden
  • Methoden des Schießens (shahō)
- Bushakei - Schießen aus dem Stand
- Yabusame - Schießen vom Pferderücken
- Reishakei - zeremonielles Schießen

Stile des Kyūdō

KYŪDŌ-Stile
- Ogasawara ryū (小笠原流) - Familienstil der Ogasawara
- Heki ryū (日置流) - Familienstil der Heki
- Honda ryū (本多流)- Familienstil der Honda
- Takeda ryū (武田流) - Familienstil der Takeda


Unten die Auflistung wichtiger Kyūdō-Begriffe. Unterteile die Hauptbegriffe selbst. Als Hilfe s.

Begriffe aus dem Kyūdō

KYŪDŌ - wichtige Begriffe
  • Hassetsu - die acht Stufen bis zum Schuss
- Ashibumi (足踏み) - Stand, erster Schritt
- Dōzukuri (胴造り) (tsuriai) - Gleichgewicht, Balance
- Yugamae (弓構え) - vorbereitet sein
- Uchiokoshi - das Heben des Bogens
- Hikiwake - das Spannen des Bogens
- Kai (nobiai, jiman) - Konzentration vor Schuß
- Hanare - das Lösen des Schusses
- Zanshin -
  • Begriffe aus dem Kyūdō
- Azuchi (安土) - Trefferzone
- Mato (ochi) - Zielscheibe
- Honza - Vorbereitungslinie
- Kanteki - Trefferansage
- Kasagake (笠懸) - Schießen von einem galoppierenden Pferd
- Kisha (騎射) - Bogenschießen vom Pferd
- Kisha hasami mono (騎射挟物) - traditionelles System des yabusame
- Kisha mitsumono (騎射三物) - Sammelbegriff für Bogenschießen vom Pferd
- Kei (型) - formeller Bewegungsablauf (kata)
- Yazuka - eine Pfeillänge
- Yatate - hölzerne Körbe/Pfeilablagen
- Saguri - Parkour des Bogenschießens vom Pferderücken
- Shahō - Methoden des Schießens
- Sharei - Etikette des Schießens
- Shiai i - Schießposition
- Yagoro - extreme Konzentration
- Yabusame - Bogenschießen vom Pferderücken
- Torikake - Hand hält Pfeil an der Sehne
- Tenouchi - linke Hand am Bogen
- Monomi - der Blick auf das Ziel

Kisha hasami mono 騎射挟物 oder 騎射挿物 (jap): traditionelles japanisches System des yabusame, das sich zu einem offiziellen Ritus im tokugawa jidai entwickelte.

Das System wurde von dem shōgun Tokugawa Yoshimune (1684-1751) gegründet. Die Vorführungen wurden jährlich am 15. Januar im Tempel Asakusa von Edo abgehalten, während des sanja matsuri (religiöses Shintō-Fest). Heute werden diese Zeremonien Mitte Mai abgehalten und sind von Vorführungen heiliger alter Tänze (kagura) begleitet.

Kisha mitsumono (jap): Sammelbegriff für die drei bekanntesten Formen (mitsumono) des japanischen Bogenschießens vom Pferd (kisha). Dazu zählen: yabusame, kasagake und inuoumono.

Das moderne Kyūdō

Von der Vielzahl der Schulen aus der Tokugawa-Zeit überlebten bis heute nur wenige, die die Kunst des Bogenschießens fast ausschließlich lehren: heki ryū, ogasawara ryū, takeda ryū und honda ryū. Sie sind in der zen nippon kyūdō renmei (Alljapanische Kyūdō-Föderation) organisiert und weltweit verbreitet. Die Anhänger des ogasawaru ryū und des takeda ryū bevorzugen für ihre Kunst immer noch die Bezeichnung kyūjutsu.
Diese Schulen haben jeweils eigene Variationen des grundsätzlich gleichen Bewegungsablaufes entwickelt, der im kyūdō gebräuchlich ist. In Japan übt man heute zu einem Anteil von 45 Prozent das ogasawara ryū, gegründet von Ogasawara Nagako (1161-1242). Das Merkmal dieser Richtung ist die Sehne aus Hanf (heute auch Kunststoff), die während des Hebens zentral vor dem Körper gespannt wird.

Ogasawara (Begriffsklärung)

Davon unabgesehen veröffentlichte der butokukai im Jahre 1934 den Dai Nippon Kyūdō Kyōhan („Großes japanisches Kyūdō-Handbuch“) das die Kyūdō-Prinzipien (yosoku) enthält. Eine überarbeitete Version wurde später unter dem Titel Dai Nippon Kyūdō Kihan („Großer japanischer Kyūdō-Standard“) veröffentlicht, doch noch immer gab es wenig Übereinstimmung unter den Experten.

1936 wurde kyūdō in den Lehrplan aller Mittel- und Hochschulen Japans aufgenommen. Da der Streit aber weiterging, erklärte der butokukai 1937 seine Form als einzigen Standard für Gürtel- und Lehrerlizenzen. Doch Einigkeit gibt es bis heute nicht.

Organisationen für Kyūdō

  • Zen nippon kyūdō renmei (ZNKR) - Gesamtjapanische Kyūdō-Organisation, eine um Vereinheitlichung der in den kyūdō ryū (Kyūdō-Stilen) praktizierten verschiedenen Verfahren des Bogenschießens bemühte Sammelorganisation für alle japanische Stile des kyūdō. Die Formen des kyūdō, die in der 1948 gegründeten Organisation zen nippon kyūdō renmei (All Japan Kyūdō-Federation) gelehrt werden, haben sich in Japan letztendlich als Standard durchgestzt.
  • International Kyūdō Föderation (IKYF) - wurde im Mai 2006 in Kyoto gegründet und organisiert derzeit weltweite Wettkämpf im kyūdō.
  • Europäische Kyūdō Föderation (EKF) - wurde 1980 gegründet und vereinigt derzeit 15 nationale europäische Landesverbände. Die Organisation veranstaltet unter der Schirmherrschaft der International Kyūdō-Föderation jährliche Seminare zur Aus- und Weiterbildung (bis maximal zum 6. dan), welche sich nach den Grundsätzen der zen nippon kyūdō renmei richten. Zusätzlich finden alle zwei Jahre Wettkämpfe und Meisterschaften statt.

Kyūdō in Deutschland

Studien Informationen

Siehe auch: Kyūjutsu

Literatur

Weblinks

http://www.kyudo.ch/de/kyud_glos.html