Leitsätze für Übungsleiter

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Artikel aus: Lexikon der Kampfkünste<br.>Nachbearbeitet von: Werner Lind und Hendrik Felber

Die im Folgenden dargestellten Grundsätze des Lehrens wurden ursprünglich von Werner Lind formuliert, um Übungsleitern im Budo Studien Kreis eine Orientierung auf ihrem Weg zum Kampfkunst-Lehrer zu geben. Sie ersetzen nicht die in diesem Prozess notwendigen Lehrgespräche (mondō), ergänzen diese jedoch durch die Möglichkeit zur Selbstüberprüfung.

Lehre durch dein Beispiel

  • Sei dir deiner Rolle als Übungsleiter bewusst. Benimm dich entsprechend verantwortungs- und würdevoll. Denke daran, dass deine Autorität gegenüber deinen Schülern nicht auf dem Titel „Übungsleiter“ oder deiner Graduierung beruht, sondern auf deinem Fortschritt. Fordere für dich daher nicht den Status eines Fortgeschrittenen ein, sondern erweise dich vielmehr durch dein Handeln als weiterhin Fortschreitender.
  • Übe dich mit dem Ziel steter Verbesserung. Dies betrifft nicht nur deine Kampfkunsttechnik, sondern auch deine Unterrichtsweise und das Miteinander aller Übenden. Wahre das Verhältnis zu deinem eigenen Lehrer. Lehre nichts, was du nicht verstanden hast, und sprich nicht über Dinge, die du noch nicht erfahren hast. Vermittle nicht den Eindruck, dass du endgültig bist, und verbirg nicht deine Fehler.
  • Unterrichte mit deiner ganzen Persönlichkeit. Nur wenn du selbst brennst, wirst du in anderen Funken entzünden können. Dabei ist es weder nötig noch möglich, dass du das „objektiv Beste“ bietest. Biete das dir Mögliche. Vergiss dabei nicht, dass du das tatsächlich Mögliche nur erreichst, wenn du das Unmögliche, also das Ideal, anstrebst.
  • Achte auf eine Atmosphäre von Disziplin und Respekt. Erzwinge sie jedoch nicht autoritär. Du verlierst das Vertrauen deiner Schüler, wenn du aufgestellte Regeln ohne aufrichtige Zuwendung und ehrliches Wohlwollen durchsetzt, du verlierst es genauso, wenn du von ihnen etwas einforderst, was du selbst missachtest.
  • Etabliere persönliche Bindungen. Ohne sie ist Unterricht auf fortgeschrittenem Niveau nicht möglich. Ob deine Schüler jemals ein fortgeschrittenes Niveau erreichen werden, hängt vor allem davon ab, wie du sie als Anfänger unterrichtest, nicht nur davon, was für technische Inhalte du ihnen vermittelst.

Sei geduldig

  • Unterrichte deine Schüler individuell. Setze jedem seine Ziele entsprechend seinen persönlichen Fähigkeiten und Anlagen. Vermeide es grundsätzlich, kollektive Ziele anzusteuern, und ermögliche dem Einzelnen eine Entwicklung innerhalb seiner Möglichkeiten.
  • Nötige deine Schüler zu nichts. Du vermagst ihnen zwar Wege zum Fortschritt zu weisen, voranschreiten können sie jedoch nur allein.
  • Beurteile deine Schüler nicht nach ihrem körperlichen Talent. Betrachte vielmehr ihre charakterlichen Anlagen und prüfe, wie sie solche Werte wie Selbstdisziplin, Hilfsbereitschaft und Verlässlichkeit verwirklichen.
  • Vermeide es, deinen Schülern jedes Hindernis aus dem Weg zu räumen. Das Überwinden von Hindernissen ist eine für einen weiteren Fortschritt notwendige Erfahrung. Du kannst daher deinen Schülern auch selbst Hindernisse in den Weg legen. Sei dir jedoch deiner Verantwortung bewusst: Der Grat zwischen Anforderung und Überforderung ist schmal.
  • Erwarte von deinen Schülern nicht mehr, als ihrem Fortschritt entspricht. Gib ihnen die Zeit, die auch du brauchtest, um zu wachsen. Erinnere dich daran, dass auch dein Fortschritt der jahrelangen Pflege deiner Lehrer bedurfte und ebensoviel Geduld erforderte, wie du nun aufbringen musst, um sie zu lehren.

Studien Informationen

Siehe auch: Oshi | Mondō | Dōjōkun | Kaisetsu |

Literatur

  • Werner Lind: Klassisches Karate-Do. Gesundheits- und Vitalpunktlehre, Trainingsführung, Selbstverteidigung. Berlin 1997.

Weblinks