Nara jidai

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Artikel aus: Lexikon der Kampfkünste<br.>Nachbearbeitet von: Werner Lind

Das nara jidai (奈良時代) ist eine Zeitperiode (710-794) in der japanischen Geschichte, hervorgegangen aus dem asuka jidai, Vorgänger des heian jidai. Die japanische Geschichte dieser Zeit wird in den Mythologien des rikkokushi, nihonshoki und kojiki erläutert. Es bezieht sich auf das Zeitalter (Japanische Zeitalter) in dem Nara die Hauptstadt Japans war.

Allgemeine Übersicht

Die Kaiserin Genmei-Tennō (707-715) verlegte 710 die Hauptstadt von Fujiwara (Kashihara) nach Heijō (Nara), womit das nara jidai eingeleitet wurde. Der Klan der Fujiwara belebte kurzfristig den shintō, unter Shōmu-Tennō (724-749) erstarkte am Hof wieder der Buddhismus. Um dem zunehmenden Einfluss des buddhistischen Klerus zu entgehen, verlegte Kanmu-Tennō 784 die Hauptstadt nach Nagaoka. Das nara jidai endete 794 mit einem erneuten Hauptstadtumzug nach Heian (Kyōto) und wurde damit vom heian jidai abgelöst.<br.>Der geschichtliche Zeitraum im nara jidai ist anfangs (710-784) durch einen kulturellen Aufschwung und der relativ uneingeschränkten Kaisermacht (teisei) gekennzeichnet, die auf einen starken Einfluss Chinas zurück zu führen sind. In den späteren Jahren (784-794) erfolgte jedoch eine zunehmende Schwächung des Kaiserhauses (koshitsu) durch die Macht des buddhistischen Klerus. Im Verlauf dieser Geschehnisse kamen alte (Tachibana, Fujiwara) und neue (Taira) einflussreiche Adels-Familien am Kaiserhof auf, die später (heian jidai) im Schatten des tennō die Macht im Reich beanspruchten. Bereits seit der Taika-Reform (645) entwickelte sich Japan zu einem zentralistischen Beamtenstaat, in dem der tennō (Kaiser) als alleiniger Besitzer von Grund und Boden galt. Die Verwaltung der Ländereien (kuni und chihō) war jedoch kompliziert und erforderte immer wieder neue Gesetze (ritsuryō). Jede Neuordnung der Gesetze wurde durch Machtinteressen der Klan-Oberhäupter verhindert, da sie ihren Landbesitz zunehmend mehr als Privateigentum zu begreifen begannen. Aus ihnen entstanden schließlich die shōen (Lehen), durch die die zukünftige Macht des tennō erheblich in Frage gestellt werden sollte.

Religion, Politik und Gesellschaft

Obwohl ein Großteil der japanischen Bevölkerung im frühen nara jidai nach wie vor in Dorfgemeinschaften (sato) lebte und in der Gesinnung hauptsächlich vom traditionellen shintō geprägt war, verblieb in aristokratischen Kreisen der seit 594 von Shōtoku Taishi und den Soga eingeführte Staats-Buddhismus (bukkyō) von nachhaltiger Bedeutung. Als sich das shintōistische Priestergeschlecht der Fujiwara 645 an die Macht putschte, gab es bereits mehrere vorausgegangene buddhistische Gesetzgebungen (ritsuryō), deren chinesisch-buddhistische Prägung nicht mehr zu leugnen war. Obwohl die Fujiwara bereits 645 im asuka jidai, nach ihrem Putsch gegen die Soga die Rückführung zum shintō durchsetzen wollten, konnten sie den buddhistische Einfluss lediglich eindämmen, jedoch nicht eliminieren. Ihre Bemühungen zu einem reinen shintō endeten schließlich in einem Kompromiss zwischen Shintōismus und Buddhismus, den man als shinbutsu shūgō bezeichnet.<br.>Dieser Kompromiss kam vor allem den adeligen Sippen (uji) gelegen. Der Buddhismus versprach ein Leben im Jenseits, ermöglichte aber auch die Fortführung des shintōistischen Götterkults (kami) und des in Japan wichtigen Ahnenkults (yamato damashi). Nach shintōistischem Glauben war der Ort, an dem ein Mensch gestorben war, spirituell verunreinigt und musste verlassen werden. Aus diesem Grund verlegte man bislang nach dem Tod eines tennō jedesmal die Hauptstadt. Dieser Brauch wurde durch den Einfluss des Buddhismus abgeschafft, der mit dem Umzug nach Nara im Jahr 710 immer stärker wurde. In jeder Beziehung eiferte man der Tang-Dynastie (618-907) nach und Nara wurde von Anfang an nach dem Vorbild der chinesischen Tang-Hauptstadt (Chang´an, in pinyin Xi´an) konzipiert. Damit begann das nara jidai.

Genmei-Tennō (reg. 707-715)

Der in der zweiten Hälfte des asuka jidai zunehmend intensiver geführte Machtkampf zwischen den Anhängern des Shintōismus und Buddhismus führte zu ständigen Rivalitäten am Hof, die sich durch die gesamte Nara-Zeit hindurchzogen. Nach dem Putsch (645) der shintōistischen Fujiwara gegen die buddhistischen Soga, nach den Taika-Reformen (taika, 650) und nach der Einführung des Taihō-Kodex (taihō ritsuryū, 702) erstarkte kurz der shintō, konnte seine Machtstellung am Hof aber nicht halten und musste Kompromisse eingehen. Eine dringende Neuordnung musste geschaffen werden.
Die Kaiserin Genmei-Tennō verlegte ihren Regierungssitz von Fujiwara (Kashihara) nach Heijō (Nara) wodurch das Zeitalter den Namen nara jidai erhielt. Damit folgte sie zum letzten Mal der Glaubensideologie des shintō, laut dem der Todesort eines Menschen als verunreinigt gilt und verlassen werden muss.
Heijō (Nara) wurde unter Genmei-Tennō zum ersten Städtezentrum Japans. Bald bewohnten ca. 200.000 Einwohner die Stadt und allein im Kaiserpalast wurden ca. 10.000 Beamte beschäftigt. Die fünf umliegenden Provinzen bezeichnete man zusammen genommen als innere Hauptsstadtregion (kinai - die fünf Provinzen um Nara) und verband sie über sieben Fernwege (shichidō) mit den weiter entfernten Gebieten (chihō) des Reiches.
Diese durch die Gesetzgebungen des ritsuryō festgelegte territoriale Einteilung des Landes (eine Hauptstadtregion und sieben Ferngebiete) nannte man gokishichidō. Doch nur die Hauptstadtregion (kinai) erblühte im wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung, vor allem, weil die Einwohner dieser Region steuerbegünstigt waren. Die weiter enfernt liegenden Gebiete (chihō) waren ländliche und voll steuerpflichtige Regionen, die ebenfalls in Provinzen (kuni) gegliedert und nach Bevölkerungsdichte und territorialer Größe in gun (Bezirke) eingeteilt waren. Im nara jidai gab es insgesamt 68 Provinzen (kuni), die über das gesamte Land verteilt waren.
Die geographische Einteilung des Landes war nicht ausschlaggebend für die weitere Entwicklung der japanischen Gesellschaftsstruktur. Vielmehr folgte diese seit Shōtoku Taishi (kenpō jūshichi jō) dem chinesischen Beispiel der Landesverteilung, nach der grundsätzlich alles Land dem Kaiser gehörte und in Form von steuerpflichtigen Lehen verpachtet wurde. In Japan des beginnenden nara jidai wurden diese Lehen von den kokushi (Verwalter des tennō) beaufsichtigt. Doch es offenbarten sich gravierende Verwaltungsprobleme, vor allem in den weiter entfernten Gebieten des Landes.
Als der tennō sich die Treue seiner Beamten erkaufen wollte, indem er ihnen vererbbare Amtsländereien zugestand, nahmen die Probleme zu und immer mehr Landbesitzer schlossen sich einem der steuerbefreiten Adelsgeschlechter (kuge) an, um keine Steuern an den Staat bezahlen zu müssen. Diese Lehen (shōen) hintergingen die staatliche Steuerpflicht, schwächten zunehmend die Staatsmacht und wurden schließlich zum Verhängnis der Kaisermacht.
In der Regierungszeit von Genmei-Tennō wurde 712 das kojiki fertig gestellt, das sie 680 als Vermächtnis von ihrem Schwiegervater Tenmu-Tennō erhalten hatte. Im Jahr 720 entstand das nihonshoki. Unter ihr etablierten sich Politiker wie Fujiwara no Fuhito und Prinz Nagaya.

Genshō-Tennō (reg. 715-724)

Die 44. amtierende Kaiserin Japans im nara jidai, die fünfte Frau in diesem Amt war lediglich ein Übergang zur Regierungszeit des weit bedeutenderen Shōmu-Tennō.

Shōmu-Tennō (reg. 724-749)

Der 45. tennō, Shōmu-Tennō, war der Sohn von Mommu-Tennō und Fujiwara no Miyako, einer Tochter von Fujiwara no Fuhito. In seiner Regierungszeit erfuhr der Buddhismus eine erneute Hochblüte.
Der Buddhismus wurde bereits im asuka jidai (552) eingeführt und bestimmte unter der Herrschaft der Soga (552-645) bereits die hauptsächliche japanische Glaubensrichtung in nahezu allen aristokratischen Kreisen. Überwiegend war auf seiner Grundlage seit Shōtoku Taishi die japanische Gesetzgebung (ritsuryō) aufgebaut. Die späteren Fujiwara (ab 645) waren notgedrungen daran gebunden und konnten ihre Vorstellung vom reinen shintō nicht durchsetzen. Kompromisse waren notwendig und der Synkretismus zwischen dem buddhistischen und shintōistischen Glauben ( shinbutsu shūgō) wurde weiter ausgebaut.
Shōmu-Tennō war ein bekennender Buddhist und verhalf dem buddhistischen Glauben zu einer erneuten Hochblüte. Er bezeichnete den Buddhismus als „Wächter des Staates“ und sich selbst als „Diener der drei Schätze“ (Buddha, Buddhas Lehren und buddhistische Gemeinschaft). Auf seine Initiative wurden die Schulen kegon und risshū (ritsu) autorisiert und mit vier weiteren Schulen zu den „sechs buddhistischen Schulen“ von Nara verbunden.
Shōmu-Tennō ließ in allen Provinzen buddhistische Tempel (kokubunji - Kloster für Mönche und kokubun niji - Kloster für Nonnen) errichten. Das Zentrum der buddhistischen Mönche war der Tōdaiji in Nara. Dieser war dem Buddha Vajrochana (jap. danichi - große Sonne) gewidmet und galt als wichtigstes Symbol des japanischen Buddhismus. Vajrochana verschmolz schließlich mit der shintōistischen Gottheit Amaterasu - beiden zu Ehren wurde eine 16 m hohe vergoldete Bronzestatue (daibutsu und dainichi) errichtet, die heute als weltliches Kulturerbe der UNESCO gilt und im Tōdaiji von Nara erhalten blieb. Die provinziellen Nonnen-Klöster (kokubun niji) wurden von dem in Nara ansässigen Haupttempel Hōryūji organisiert.
Trotz der Hochblüte des Buddhismus unter Shōmu-Tennō spitzte sich die realpolitische Situation Japans zunehmend zu. Die kaiserlichen Verwalter (kokushi) der shōen höhlten das alte System der Landverteilung immer mehr zu ihren persönlichen Gunsten aus und entwickelten sich langsam zu unabhängigen feudalen Landbesitzern. Dadurch verringerten sich die Steuereinnahmen und die Zentralregierung verlor zunehmend an Macht.

Kōken-Tennō (reg. 749-758)

Die 46. Kaiserin Kōken-Tennō war die Tochter von Shōmu-Tennō und Fujiwara Komyoshi. Sie regierte von 749-758 und ein zweites Mal als Shōtoku-Tennō (764-770). Im Wesentlichen setzte sie die Politik ihres Vaters fort, erhöhte aber den Einfluss des Buddhismus am Hof, indem sie immer mehr buddhistische Priester in Ämtern einsetzte. Dadurch vermischten sich Staat und Religion, was zur Stärkung des Kaiserhauses aber auch zu Unzufriedenheiten im Regierungsumfeld der Klans führte.<br.>Auf Anraten ihres Cousins, dem amtierenden Kanzler Fujiwara Nakamoto, dankte sie 758 zugunsten ihres Sohnes, Prinz Ōhi (später Junnin-Tennō) ab und ging 762 als buddhistische Nonne ins Nara-Kloster Hokkeji. Doch von dort aus nahm sie weiterhin Einfluss auf die Regierungsgeschäfte, vor allem in Opposition zu ihrem Verwandten Fujiwara Nakamaro.

Junnin-Tennō (reg. 758-764)

Der bereits von Shōmu-Tennō bestimmte Kronprinz Ōhi, Sohn der Kaiserin Kōken-Tennō bestieg 758 als Junnin-Tennō den japanischen Thron, wurde aber von seiner Mutter Kōken-Tennō im Jahr 764 abgesetzt.

Shōtoku-Tennō (reg. 764-770)

Die Tochter des Shōmu-Tennō, identisch mit der vorausgegangenen Kaiserin Kōken-Tennō, verliebte sich während ihres Klosteraufenthaltes in den Abt Dōkyō (Vorstand des Klosters Hokkeji), ließ ihren Sohn absetzen und bestieg als Shōtoku-Tennō erneut den Thron. Ihrem Liebhaber gestand sie hohe staatliche Ämter zu und wollte ihn sogar zum Mit-Kaiser ernennen. Dies ging sowohl dem entmachteten Junnin-Tennō als auch dem Regierungsvorstand der Fujiwara zu weit und es kam 764 zu einer kriegerischen Revolte gegen die Kaiserin. Sie konnte sich aber durchsetzen, beschuldigte daraufhin ihren Sohn Junnin-Tennō der Verschwörung mit Nakamaro und verbannte ihn ins Exil nach Awaji.<br.>Unter Shōtoku-Tennō entstand ein weitgehend unkontrollierter Einfluss des Buddhismus auf die Staatspolitik. Dass sie ihren buddhistischen Liebhaber (Dōkyō) in staatspolitischen Entscheidungen einband, gefiel den politischen Größen des nara jidai nicht und am Hof entstand eine zunehmende Ablehnung gegen diese Politik. Die Liebesaffäre von Shōtoku-Tennō bewirkte, dass Frauen zukünftig vom kaiserlichen Thronerbe ausgeschlossen und Priester in Regierungsämtern nicht mehr zugelassen wurden.

Kōnin-Tennō (reg. 770-781)

Der 49. Kaiser (tennō), ein Enkel von Tenjin-Tennō, Schwiegersohn von Shōmu-Tennō aus einer Seitenlinie des japanischen Kaiserhauses war der Nachfolger von Shōtoku-Tennō. Während der Zeit des Kōnin-Tennō stritten sich kaiserliche Familienmitglieder, führende Hoffamilien (Fujiwara) und buddhistische Priester weiterhin um Macht und Einfluss am Hof. Intrigen und Verrat waren an der Tagesordnung und bestimmten schließlich auch seine Nachfolge.<br.>Sein Nachfolger wurde daher nicht sein ehelicher Sohn mit der Tochter des Shōmu-Tennō, sondern der Kronprinz Yamabe (später Kanmu-Tennō), ein Nachkomme mit einer koreanischen Konkubine.

Kanmu-Tennō (reg. 781-806)

Der 50. Kaiser (tennō) von Japan, Sohn des Kōnin-Tennō und seiner koreanischen Konkubine Takana no Niigasa, aus der Abstammungslinie von König Muryeong aus Baekje (Paekche). Man vermutet, dass er als Halb-Koreaner nur durch Intrigen gegen die rechtmäßigen japanischen Thronfolger an die Macht kommen konnte. In Allianz mit den Fujiwara (Fujiwara no Momokawa) veränderte er die bisherige Erblinie des Tenmu-Tennō (seit 672) und etablierte im darauffolgenden heian jidai die Kaiser Heizei-Tennō, Saga-Tennō und Junna-Tennō. Auf seiner Erblinie liegt das zukünftig mächtige Adelsgeschlecht der Taira.<br.>Kanmu-Tennō wird in den japanischen Annalen als starke Persönlichkeit beschrieben. Vor allem der Einfluss der buddhistischen Mönche auf Regierung und Staat, aber auch die Willkür der Adeligen und Hofbeamten erschien ihm als Bedrohung seiner Macht. Zunächst versuchte er die entsprechende Lobby aus der Regierung zu verdrängen. Als dies aber misslang, beauftragte er 784 den Bau einer neuen Hauptstadt in Nagaoka (Provinz Yamashiro, ca. 26 km nördlich von Nara). Diese Hauptstadt wurde jedoch nie fertig gestellt und nie bezogen.<br.>Durch die zunehmende Anzahl der shōen am Ende des nara jidai geriet die kaiserliche Zentralregierung in erhebliche finanzielle Nöte. Im Jahr 792 wurde die inzwischen unbezahlbar gewordene kaiserliche Wehrpflicht abgeschafft und der Hofstaat des tennō entließ viele Beamte und kaiserliche Verwandte in die Selbstständigkeit der ihnen zugedachten Provinzen (kuni). Gleichzeitig wurden sie aufgefordert, private Milizen und Armeen (kondei und bushidan) zum Schutz des Kaiserhauses zu gründen.<br.>Zunächst aber zog Kanmu-Tennō 794 mit seinem gesamten Regierungsstab nach Heian (Kyōto), was den Anfang des heian jidai einleitete. Seinem Feldherrn Saka no Ue no Tamuramaro (758-806) erteilte er den Auftrag, die nördlichen Gebiete der japanischen Insel zu erobern und die ainu (emishi) zu unterwerfen. Als Feldherr trug Saka no Ue no Tamuramaro die Bezeichnung sei i tai shōgun.<br.>Kanmu Tennō gründte in Kyōto den butokuden, eine Trainingsstätte zur Ausbildung seiner Krieger (kondei), aus dem später der bekannte budōkan entstand. Auch entsandte er die Mönche Kūkai und Saichō nach China, die nach ihrer Rückkehr die buddhistischen Zweige tendai und shingon gründen sollten.<br.>Doch im Hintergrund gründeten die verselbstständigten Feldherren eigene Armeen, die sich untereinander bekämpften und im heian jidai die Macht des tennō in Frage stellen sollten. Aus ihnen entwickelte sich später (im kamakura jidai) der shōgun mit eigenen militärischen Machtkompetenzen.

Beziehungen zum Ausland

Die japanischen Regenten verzichteten stets auf die Legitimierung ihrer Kaiserwürde durch den allseits mächtigen chinesischen Kaiser, was ihre Wirkung und Akzeptanz auf dem Festland erheblich erschwerte. Trotz alter Kontakte zu Korea (Goguryeo, Paekche und später Silla), entwickelten sich immer neu veränderte Situationen. Als das mandschurische Königreich Bohai (Parhae) die Oberhand gewann, tauschte der Nara-Hof mit diesem ab 728 bis ins 10. Jahrhundert Gesandtschaften aus.

Kultur und Literatur

Viele buddhistische Mönche, Gelehrte und hochgestellte Personen im nara jidai studierten als Angehörige der japanischen Botschaft oder als Regierungsgesandte in China (vor allem in den Hauptstädten Chang´an oder Luoyang). Dem Volk waren solche Privilegien untersagt, denn nur ausgewählten Personen wurden (über die militärische Sonderverwaltung dazaifu, im Hafen von Hakata im nördlichen Kyūshū) entsprechende Ausreisen genehmigt.<br.>Durch den rückfließenden Einfluss jener, die in China studieren durften, entwickelte sich viel später die japanische Sprache (nihongo) und die moderne japanische Schrift (kana), mit kanji, hiragana und katakana. Zu jener Zeit aber gab es noch keine definierte japanische Schreibweise und die Veröffentlichungen (nihon bungaku) bedienten sich lediglich der klassischen chinesischen Schrift (wényán, heute wénzì). Dafür gebraucht man heute in Japan die Begriffe kanbun (japanische Literatur in chinesischer Schrift) und bungo (Alt-Japanisch, d.h. Chinesisch). Doch erst durch die Einführung des chinesischen Sprach- und Schreibsystems konnten in Japan literarische Werke (nihon bungaku) veröffentlicht werden.<br.>Die Möglichkeiten zu solchen Veröffentlichungen wurden auch von der Politik genutzt. Die Herrscher im nara jidai griffen die mythologischen Entstehungslegenden der chinesischen und koreanischen Literatur auf und gründeten zur Legitimation des japanischen Volkes eine eigene mythologische Entstehungsgeschichte. Auf diese Weise entstanden die ersten japanischen Werke der Literatur. Im Auftrag der Regierung wurde im Jahr 712 das kojiki und 720 die erste der sechs Reichschroniken (rikkokushi), das nihonshoki verfasst.<br.>Im Laufe der Zeit wurden weitere literarische Werke ebenfalls in kanbun verfasst, wie das man´yōshū (759), das nihon ryōiki (822) oder das kaifūsō. Die literarische Unterscheidung in Dichtkunst (waka) und in Prosa (setsuwa) begann sich zu etablieren.

Studien Informationen

Siehe auch: Japanische Zeitalter | Japanische Geschichte | Nara

Literatur

Weblinks

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