Japanische Geographie

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Artikel aus: Lexikon der Kampfkünste<br.>Nachbearbeitet von: Werner Lind

Die Geographie des Landes Japan bezeichnet man als nihon chirigaku (日本地理学). Geologie, Tektonik, Erdkunde und Landeinteilungen sind in dem Begriff eingeschlossen.

Geologie und Tektonik

Hauptartikel: Pazifischer Feuerring

Die japanischen Inseln liegen im Einflussbereich der geologischen Bruchzone des Pazifischen Feuerrings. Dieser bezeichnet einen Vulkangürtel, der den Pazifischen Ozean halbkreisförmig umschließt. Er verläuft über die Westküsten von Nord- und Südamerika, spannt einen Bogen zu den westasiatischen Inseln und setzt sich über die australischen Inseln fort. Die asiatische Seite des pazifischen Feuerrings enthält 45% aller Vulkane der Erde.<br.>Im Bereich der japanischen Inseln gibt es ca. 240 Vulkane, von denen mindestens 40 aktiv sind. Täglich erschüttern sie das Festland mit leichteren Erdbeben. Große Erdbeben finden im Rhythmus von Jahrzehnten oder Jahrhunderten statt. Der Grund dafür ist die besondere tektonische Konstellation aller westasiatischen Inseln. Im Festlandbereich der japanischen Inseln treffen vier tektonische Platten aufeinander:

Zusätzlich entstehen im Spätsommer regelmäßige Naturkatastrophen wie taifun und tsunami, besonders an der Süd- und Südwest-Küste Japans. Diese Naturkatastrophen forderten im letzten Jahrtausend mehr als 160.000 Todesopfer.

Geographie

Nach Indonesien, Madagaskar und Papua-Neuguinea ist Japan mit 369.883 Quadratkilometern der viertgrößte Inselstaat der Welt. Japan ist eine vulkanische Inselkette (ein sich aus dem Meer erhebendes Gebirge (Pazifischer Feuerring)) entlang der Ostküste Asiens, mit den Hauptinseln Hokkaidō (Norden), Honshū (zentral), Shikoku (Osten) und Kyūshū (Süden). Zusätzliche 6.848 kleinere Inseln, in der Seto-Inlandsee und im Ryūkyū-Archipel (zusammengefasst unter dem Begriff nansei shotō, 南西諸島) bilden heute das japanische Staatsterritorium.<br.>Zwei Drittel (73%) der Landmasse Japans besteht aus unwegsamen Gebirge. Mit 127 Millionen Einwohnern hat Japan damit ein territoriales Problem, denn nur 20% der gesamten Landmasse kann für Besiedelung, Landwirtschaft und Industrie genutzt werden. Im Mittelalter (chūsei) versuchte man dieses mit Landeroberungen auf dem asiatischen Kontinent zu lösen.<br.>Die Landgewinnung stand und steht nach wie vor an erster Stelle. Heute schützen bis zu 10 m hohe Deiche aus Stahlbeton die japanischen Küsten vor tsunami, Agrarland wird durch Terrassenanbau in den Hügeln gewonnen.<br.>Nach wie vor ist die Siedlungsfläche Japans auf wenige Regionen in den großen Ebenen der Küstenstreifen und Bergtäler begrenzt, denn über die gesamte Inselkette erstreckt sich ein vulkanisches Gebirge, mit der höchsten Erhebung (fujiyama, 3.776 m) in der unmittelbaren Umgebung der Hauptstadt Tōkyō. In den verbliebenen Ebenen entwickelten sich die Ballungszentren Japans: Kantō (Großstädte wie Tōkyō und Yokohama) in der Kantō-Ebene, Keihanshin (Großstädte wie Kyōto, Ōsaka und Kōbe) in der Ōsaka-Ebene, Chūkyō (Nagoya) in der Nōbi-Ebene und Kitakyūshū-Fukuoka in der Tsukushi-Ebene. In diesem Raum befinden sich heute die meisten japanischen Großstädte (toshi).

Japanische Inseln

Hauptartikel: Japanische Inseln

Das japanische Staatsgebiet bestand ursprünglich aus vier Hauptinseln (Hokkaidō, Honshū, Shikoku und Kyūshū). Erst 1603 wurde die Inselkette des Ryūkyū-Archipels (Ryūkyū) mit seiner Hauptinsel Okinawa militärisch erobert und in das japanische Staatsgebiet integriert.

  • Honshū (本州) - die größte der japanischen Hauptinseln (ca. 60% des japanisches Kernlandes), 230.500 km2 groß, 1.300 km lang und zwischen 50 und 240 km breit.
  • Hokkaidō (北海道) - Nordinsel, die zweitgrößte japanische Insel (Nordmeerbezirk) bildet mit mehreren kleineren Inseln die nördlichste Präfektur Japans mit der Hauptstadt Sapporo.
  • Kyūshū (九州) - Südinsel, mit einer Fläche von 35.640 km2 die drittgrößte Insel im Süden Japans und mit 14 Mio. Enwohnern die zweitbevölkertste Insel des japanischen Archipels. Kyūshū bedeutet „neun Provinzen“.
  • Shikoku (四国) - Nebeninsel, die kleinste der vier japanischen Hauptinseln (18.000 km2, ca. 4,5 Mio. Einwohner) und bezeichnet begrifflich vier (shi) Provinzen (koku). Die alte Einteilung in Ehime, Kagawa, Kōchi und Tokushima wurde auch für die moderne Struktur der Provinzen gebraucht.
  • Nansei-Inseln (南西諸島) - die südwestlichen Inseln (Nansei shotō) erstrecken sich zwischen Kyūshū und Taiwan im ostchinesischen Meer und teilen sich in die Satsunan-Inseln der Präfektur Kyūshū und in die Ryūkyū-Inseln der Präfektur Okinawa.
  • Nanpō-Inseln ( ) - n
  • Seto-Inseln ( ) - n

Japanische Meere

Hauptartikel: Japanische Meere

Japan ist ein Inselstaat und entsprechend von verschiedenen Meeren umgeben:

  • Pazifischer Ozean (taiheiyō, 太平) - das japanische Inselreich ist im Osten vom Pazifischen Ozean umgeben, in dem sich nur wenige Kilometer von der japanischen Küste entfernt der Japangraben mit 10.554 m Tiefe befindet. Dort treffen zwei Strömungen zusammen, die Japans Klima erheblich beeinflussen: der nördliche, kalte oyashio und der südliche, warme kuroshio. Eine Strömung des Letzteren (tsushima) fließt ins japanische Meer.
  • Japanisches Meer (nihonkai, 日本海) - das japanische Meer befindet sich im Westen Japans und trennt die Hauptinsel Honshū vom asiatischen Festland.
  • Ochotskisches Meer (ohōtsuka kai, オホーツク海) - im Norden trennt das Ochotskische Meer die japanischen Inseln vom sibirischen Festland.
  • Ostchinesisch Meer (higashi shina kai, 東シナ海) - Kyūshū und die Ryūkyū-Inseln grenzen das Ostchinesische Meer von der südwestlich liegenden Philippinensee ab, das ins Gelbe Meer (kōkai) übergeht.
  • Gelbes Meer (kōkai, 黄海) - das Gelbe Meer liegt zwischen Kyūshū und dem asiatischen Festland, im Norden des Ostchinesischen Meeres.
  • Seto-Inlandsee - Binnenmeer zwischen Honshū, Shikoku und Kyūshū mit vielen teilweise unbewohnten Inseln.
  • Philippinisches Meer- auch Philippinensee, Randmeer im Westen des Pazifik, grenzt im Norden an Japan und schließt die südlichen Ryūkyū-Inseln mit ein.

Japanische Berge

Hauptartikel: Japanische Berge

Dieser Abschnitt enthält eine Liste der höchsten Berge in Japan und eine Klassifizierung der bedeutendsten symbolträchtigen Erhebungen in der Japanischen Geschichte und in der Japanischen Religion. Sie sind nach ihrer Höhe, nach ihrer Lage und nach ihrer Bedeutung eingeteilt.

Japanische Klimazonen

Hauptartikel: Japanisches Klima

Die japanischen Inseln dehnen sich auf vertikaler Linie über mehrere tausend Kilometer aus und enthalten insgesamt sechs Klimazonen. Diese sind von Norden nach Süden unten beschrieben:

  • Klimazone Nordinsel - auf der Nordinsel Hokkaidō (北海道) gibt es in den Sommermonaten wenig Niederschlag und im Winter extreme Schneefälle.
  • Klimazone Japanisches Meer - der Einfluss des japanischen Meeres (nihonkai, 日本) bewirkt auf dem Festland einen recht kühlen Sommer (mit Föhn) und im Winter eine starken Schneefall.
  • Klimazone Zentrales Hochland - im zentralen Hochland Japans (chūō kōchi) gibt es wenige Niederschläge, aber gravierende Temperaturunterschiede zwischen Sommer und Winter und vor allem auch zwischen Tag und Nacht.
  • Klimazone Seto-Inlandsee - die Gebirgsketten von Chūgoku und Shikoku halten den Wind auf und bewirken ein ganzjähriges mildes Klima.
  • Klimazone Pazifikregion - die Pazifikregion kennzeichnet sich durch kalte Winter und heiße Sommer. In allen Jahreszeiten gibt es nur wenig Niederschlag.
  • Klimazone Südwest-Inseln - auf den japanischen Südwestinseln (nansei shotō, 南西諸島), eingeschlossen der Ryūkyū-Inseln herrscht ein subtropisches Klima; die Winter sind warm, die Sommer sehr heiß. Während der Regenzeit finden extreme Niederschläge und Taifune statt.

Gliederung des Landes

Hauptartikel: Japanische Verwaltungsgliederung

Sowohl geographisch als auch politisch gab es in Japan durch die Zeiten verschiedene Einteilungen des Landes.

Altertum und Mittelalter

Hauptartikel: Japanische Provinzen

Vom Altertum bis zur Neuzeit teilte sich Japan in Regionen (chihō) und Provinzen (kuni), diese wurden aber im meiji jidai (ab 1868) von dem modernen System der 47 Präfekturen (todōfuken) abgelöst. Inoffiziell existieren aber auch die Regionen und Provinzen weiter. In der Mentalität der Japaner bezeichnen sie auch heute ethnische, geographische und kulturell zusammenhängende Gebiete. Anfangs nannte man sie shichidō (sieben Verbindungswege zur Hauptstadt), heute bezeichnet man sie als acht geographische Regionen (chihō):

  • Hokkaidō (北海道) - Nord-Insel Japans
  • Tōhoku (東北) - im Norden von Honshū
  • Kantō (関東) - im Osten von Honshū
  • Chūbu (中部) - Zentral-Honshū
  • Kansai (関西) - im Westen von Honshū
  • Chūgoku (中国) - in der Mitte von Honshū
  • Shikoku (四国) - Insel im Südosten Japans
  • Kyūshū und Okinawa - Insel im Süden Japans

Neuzeit

Hauptartikel: Japanische Präfekturen

Heute (ab 1868) ist Japan in 47 Präfekturen (todōfuken, 都道府県) eingeteilt. Diese sind weitgehend autonom, müssen aber zentralistische Regierungsentscheidungen berücksichtigen und lokal umsetzen. Sie unterteilen sich jeweils in mehrere Bezirke (gun). Man kennt vier verschiedene Arten von Präfekturen:

  • To (都) - ausschließliche Bezeichnung für die Präfektur Tōkyō (Tōkyō to).
  • (道) - ausschließliche Bezeichnung für die Präfektur Hokkaidō.
  • Fu (府) - Bezeichnung der Präfekturen Ōsaka (Ōsaka fu) und Kyōto (Kyōto fu).
  • Ken (県) - Bezeichnung für die verbliebenen 43 Präfekturen.

Die japanische Verwaltungsgliederung in Präfekturen wurde am 14. Juli 1871 gegründet, nachdem das alte System der han (Lehen) abgeschafft wurde. Da damals die han direkt in Präfekturen umgewandelt wurden, gab es anfangs über 300 Präfekturen. Im Jahr 1868 wurden diese auf 47 reduziert.

Japanische Städte

Hauptartikel: Japanische Städte

Der größte Teil des japanischen Lebens fand früher und findet auch heute in den großen Ebenen statt. Der Bevölkerungszuwachs (heute 128 Mio.) auf geringem Lebensraum bewirkte im Laufe der Zeit die Ansammlung der Bevölkerung in großen Städten (toshi):

Toshi - Japans größte Städte
Tōkyō (8.340.000 Ew.) - Präfektur Tōkyō
Yokohama (3.375.500 Ew.) - Präfektur Kanagawa
Ōsaka (2.639.700 Ew.) - Präfektur Ōsaka
Nagoya (2.213.700 Ew.) - Präfektur Aichi
Sapporo (1.874.900 Ew.) - Präfektur Hokkaido
Kōbe (1.523.900 Ew.) - Präfektur Hyōgo
Kyōto (1.469.500 Ew.) - Präfektur Kyōto
Fukuoka (1.400.100 Ew.) - Präfektur Fukuoka
Kawasaki (1.315.900 Ew.) - Präfektur Kanagawa
Saitama (1.176.314 Ew.) - Präfektur Saitama
Hiroshima (1.155.600 Ew.) - Präfektur Hiroshima

Wegen akutem Platzmangel sind alle japanischen Großstädte extrem dicht bebaut. In Wohngegenden gibt es kaum Bürgersteige, die 45 Millionen zugelassenen japanischen Autos kommen in den Städten kaum voran. Lastkraftwagen können die Straßen nicht befahren, daher beliefern nur Kleinlaster die Läden und Automaten der Innenstädte. Entsprechend teuer sind Wohn- und Geschäftsräume und Übernachtungen in den Hotels.

Japanische Infrastruktur

Japan ist ein modernes und hochentwickeltes Land und hat in jeder Beziehung eine ausgezeichnete Infrastruktur.

Japanisches Strassennetz

Trotz extrem schlechter geographischer Bedingungen verfügt Japan über ein ausgezeichnetes Straßennetz, sowohl in den Städten als auch auf Autobahnen. In den Städten wird der Hauptverkehr oft über- oder unterirdisch gelenkt. Der Bau der Hauptverkehrsstraßen berücksichtigt das in Japan existierende erhöhte Risiko von Erdbeben, Vulkanausbrüchen und Taifunen.<br.>In Japan herrscht Linksverkehr mit durchgehendem Tempolimit auf Autobahnen von 110 km/h. Mit einer Länge von ca. 9.000 Kilomoter ziehen sich die mautpflichtigen Autobahnen über unzählige Brücken und Tunnels durchs Land.

Japanisches Bahnnetz

Japan verfügt über ein ausgezeichnetes Netz von Bahnverbindungen, das sich über eine Trassenlänge von ca. 23.577 km erstreckt. Darin ist die Nord-Süd Verbindung (shinkansen) die Pulsader des Landes. Im Jahr 1964 (Olympische Spiele) wurde zwischen Tōkyō und Ōsaka der erste Hochgeschwindigkeitszug der Welt in Betrieb genommen.<br.>Über ein perfekt organisiertes Bahn-, Bus- und Fährensystem kann in Japan nahezu jede Insel und jedes kleine Dorf erreicht werden. In den Großstädten gibt es sehr gute Verbindungen über U-Bahnen, Straßenbahnen und Busse.

Japanisches Flugnetz

Japan ist über ein ausgezeichnetes Flugnetz mit der ganzen Welt verbunden. Der größte japanische Flughafen in Tōkyō (Tōkyō Narita Kansai International Airport) und der 2005 eröffnete Central Japan International Airport sind die größten Flughäfen des Landes. Da es in Japan kein Land für Flughäfen gibt, werden die modernen Flughäfen auf künstlichen Inseln gebaut. Nahe der Stadt Kitakyūshū ist ein solches Projekt geplant.

Japanische Energieversorgung

In Japan werden Strom- und Telefonleitungen nur noch überirdisch gebaut, um sie in den vielfältig auftretenden Katastrophenfällen leichter wieder herstellen zu können. Ein Problem sind die alt angelegten unterirdischen Gasleitungen (die meisten Japaner kochen mit Erdgas). Im Falle eines Erdbebens lösen sie unkontrollierbare Brände in den Wohnbereichen der Städten aus.

Studien Informationen

Literatur

Weblinks