Ri no shūgyō, waza no shūgyō

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Ri no shūgyō, waza no shūgyō (jap.: 理の修行、技の修行 ) ist ein wichtiger Leitsatz des budō, aufgestellt von dem Zen-Priester Takuan, weitergegeben an Yagyū Munenori, der das Prinzip in seinem Kampfstil yagyū Shinkage ryū verwendete. Bedeutet wörtlich: „Das Studium der Vernunft und das Studium der Technik“.

Erklärung

Das von Takuan erläuterte ri bezeichnet die absolute Kontrolle des Geistes, die aus der Freiheit oder Loslösung desselben von allen weltlichen Dingen besteht. Diese Art der inneren Haltung, das „Nichthaften“ mu an den objektiv sichtbaren Erscheinungen, die nur über die absolute Überwindung des Ich erreicht werden kann, führt bis zur Lehre Buddhas zurück und wurde im bushidō des japanischen Mittelalters zur essentiellen Lehre der Kampfkunstphilosophie. Die Überwindung der Angst, ein zentrales Motiv der Krieger, begründet sich auf dieser Lehre.

Ri kann auch als Zustand des „unbewussten Bewusstseins“ oder „bewussten Nichtbewusstseins“ (mushin, und mutekatsu) beschrieben werden. In diesem Zustand kann der Geist in jeder Situation frei reagieren und wird nicht durch innere Zustände (z.B. Angst, Wunschvorstellungen, Vorurteile usw.) zu einem falschen Sehen der Wirklichkeit verleitet, was einer Niederlage gleichkäme. Auf dieser Theorie Takuans beruht auch der bekannte Satz: „Man darf nicht an Sieg oder Niederlage denken“. Solche Gedanken verhindern, dass die Technik - gleich in welchem Maß sie gemeistert wurde- situationsentsprechend und zweckgerecht ausgeführt werden kann, weil der Geist von Wunschvorstellungen (oder anderen Gefühlen) gefangen ist und in diesem Vorurteil falsche Entscheidungen trifft.

Im weiteren weist Takuan darauf hin, dass ri, die rechte Haltung des Geistes, die durch die Praktiken des zen gemeistert werden kann, kein Garant für einen Sieg ist. Er nennt es nur die „Hälfte des Weges“ in den Kampfkünsten, während die andere Hälfte die Meisterschaft von waza (Technik) ist. Weder ri noch waza schreibt er im einzelnen eine größere Bedeutung zu. Meister der Kampfkunst nennt er nur einen Menschen, der beides bis zur Vollkommenheit gemeistert hat. Das bedeutet, Meisterschaft in der Kampfkunst vollzieht sich nur unter Berücksichtigung beider Extreme: zum ersten, Vervollkommnung des Geistes und zum zweiten, die Meisterschaft der Technik.

Studien Informationen

Siehe auch: Kaisetsu | Ri | Mu | Bushidō | Mushin | Mutekatsu

Literatur

  • Werner Lind: Lexikon der Kampfkünste. BSK-Studien 2010.

Weblinks