Shǎolín quánfǎ

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Artikel von: Werner Lind<br.>Nachbearbeitet von: Stephanie Kaiser

Shǎolín quánfǎ (chin.: 少林拳法) oder abgeküzt Shǎolínquán (少林拳 - Shǎolín-Faust), heute shǎolín gōngfū (少林功夫 - „harte Arbeit“), bezeichnet die im Shǎolín-Kloster (shǎolínsì) im 6. Jh. entwickelten kämpferischen Konzepte auf der Grundlage der shíbā luóhànshŏu und Bodhidharmas Qìgōng-Systemen (yìjīnjīng und xǐsǔijīng). Im 12. Jh. wurde das System von Jué Yuǎn reformiert und mit den fünf Tieren (wǔqín) kombiniert: hèquán (Kranichstil), hūquán (Tigerstil), lóngquán (Drachenstil), bàoquán (Leopardenstil) und shéquán (Schlangenstil).<br.> Nachdem das Kloster im 16. Jahrhundert zerstört worden war, leiteten sich daraus die späteren außershǎolínischen Quánfǎ-Methoden der nèijiā („innere Schulen“ des quánfǎ) und wàijiā („äußere Schulen“ des quánfǎ) ab.

Zwischen dem 10. und 16. Jahrhundert kombinierte sich das lúohànquán zunehmend mehr mit militärischen Kampfmethoden. Nachdem in der Song-Dynastie (960-1278) Jué Yuǎn Vorstand des Shǎolín-Klosters wurde, ergänzte er die kämpferischen Übungen der luóhàn, indem er die Hilfe von außershǎolínischen Experten in Anspruch nahm. Einer von ihnen, Bái Yù Fēng, gründete zunächst die shǎolín shísānzhuā („Shǎolín-Boxen der 13 Griffe“), in dem erste Techniken des qínná (Greifen) und des shuāi (Ringen) enthalten waren. Durch die hinzugekommene Vitalpunktlehre des Arztes Lĭ Sŏu wurde die Methode auf 72 Techniken erweitert.

Das neue System wurde auf der Grundlage der fünf Tiere (wǔqínquán- „Fünf Tierfäuste“) aufgebaut und zunächst als verschlüsselte Form (tàolù) in 170 Aktionen geübt. Daraus entstand später die Trennung in die fünf shǎolínischen Tiere (lóng - Drache, - Tiger, shé - Schlange, - Kranich und bào - Leopard).

Studien Informationen

Siehe auch: Quánfǎ | Nèijiā | Wàijiā

Literatur

  • Werner Lind: Lexikon der Kampfkünste. BSK-Studien 2010.
  • Werner Lind: Karate Kumite. BSK 2014.