Tàolù

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Artikel aus: Lexikon der Kampfkünste, Karate Kumite <br.>Nachbearbeitet von: Werner Lind / Stephanie Kaiser

Den Begriff tàolù (chin.: 套路) übersetzt man mit „Behältnis für den Weg“. Er bezeichnet die Formen des chinesischen quánfǎ, auch xíng (形 oder 型 - japanisch kata) oder Methode (法 - ) der Faust (拳 - quán). Das Schriftzeichen tào (套) bezeichnet einen Behälter, (路) steht für einen Weg oder eine Straße.

Die shǎolínischen wǔqínquán (fünf Tierfäuste) wurden in komplexen Bewegungsabläufen (tàolù) gelehrt, in denen alle psychophysischen Komponenten enthalten sind. Offensichtlich wurden dabei Kampftechniken in einem formellen Ablauf (xíng) geübt, doch die Grundlagenbewegung jeder einzelnen Technik musste auf den Prinzipien des qìgōng beruhen, und alle Bedingungen zur Entwicklung der vitalen Energie () erfüllen. Die Techniken wurden kämpferisch, die Übungsinhalte blieben dieselben.

In ihrer Gesamtheit sind die chinesischen tàolù ein in kämpferische Übungen umgesetztes philosophisches Ganzheitskonzept des qìgōng und enthalten:

  • Körperlehre – besteht aus der Form selbst, der daraus abgeleiteten Grundschule und ihrer kämpferischen Anwendung mit einem Partner.
  • Geistlehre – bezeichnet die philosophische Selbstbetrachtung in den Bereichen von Ethik und Etikette.
  • Vitalpunktlehre – bezeichnet die medizinische Wissenschaft der Stimulation von schmerzempfindlichen Punkten (diǎnxuè) bei einem Angreifer.

Es stellte sich als schwierig heraus, ein System zu gründen, das als Körperlehre kämpferisch wirkungsvoll war, als Geistlehre die psychophysischen Elemente des Daoismus, Buddhismus und Konfuzianismus integrierte und als Vitalpunktlehre das komplexe System über die Vitalpunktlehre enthielt. Ein solches System musste die Praxis des Kämpfens mit den chinesischen Philosophien und mit der Gesundheitslehre verbinden. Die Chinesen fanden die Lösung in der Gründung der tàolù. In ihnen verschlüsselten sie alle oben genannten Hintergründe in der körperlichen Übung und unterstützten das Verständnis der Zusammenhänge bei jenen, die Inhalte statt Formen suchten.

Die tàolù sind auch noch heute kombinierte und verschlüsselte Systeme des Kämpfens, der Philosophie und der Gesundheitslehre. Sie können nur verstanden werden, wenn man ihren Sinn sowohl im Training als auch im Studium sucht. Im Shǎolín-Kloster (shǎolínsì) wurden sie aus der Verhaltensweise von fünf Tieren ausgewählt: Drache (lóng - 龍), Tiger ( -虍), Schlange (shé - 蛇), Kranich ( - 鶴) und Leopard (bào - 豹), die noch heute als die shǎolínischen Standards gelten und das gesamte chinesische quánfǎ und das okinawanische karate bis in die Gegenwart beeinflussen.

Studien Informationen

Siehe auch: Quánfǎ |

Literatur

  • Werner Lind: Lexikon der Kampfkünste. BSK-Studien 2010.
  • Werner Lind: Karate Grundlagen. BSK 2005.
  • Werner Lind: Karate Kihon. BSK 2007.
  • Werner Lind: Karate Kumite. BSK 2013.
  • Werner Lind: Karate Kata. BSK 2011.
  • Shoshin Nagamine: The Essence of Okinawan Karate. Tuttle 1976.
  • Richard Kim: The Weaponless Warriors. Ohara 1974.
  • Morio Higaonna: Okinawa Goju ryū. Minamoto Research, 1985.
  • Mark Bishop: Okinawan Karate. A & B Black 1989.
  • Pierre Portocarrero: Tode les origines du Karate do. Sedirep.
  • George W. Alexander: Okinawa Island of Karate. Yamazato 1991.
  • Kenji Tokitsu: Histoire du Karate do. SEM 1979.
  • Hokama Tetsuhiro: Timeline of Karate history. 2007.

Weblinks