Isshin

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Artikel von: Daniel Lorenz

Isshin (jap.:一心) bedeutet wörtlich „ein Herz“ oder „das Eine Herz“ was meint, dass das Bewusstsein komplett gesammelt, bzw. konzentriert ist. Es beinhaltet dabei Qualitäten wie „Nicht-Abgelenkt-Sein“ durch innere und äußere Umstände oder „Gesammelt-Sein“; zugleich bedeutet es ein Freisein von Zweifel, Zögern und Furcht.

Isshin im Kampf

Isshin ist ein Zustand der vollsten Überzeugung und Vertrauen in die eigene Fähigkeit und Handeln. Hierdurch entsteht die Furchtlosigkeit und starke Präsenz die ein Gegner enorm Spüren kann. Daher ist dieser Zustand auch ein wichtiger Aspekt für den Ausgang eines Kampfes. Durch reines technisches Training kann dieser Zustand nicht erreicht werden. Daher kann auch ein ungeübter Gegner, der weder das theoretische Wissen noch die Prinzipien dieses Zustandes kennt, über einen gut ausgebildeten Kämpfer siegen.

Jener ungeschliffene Gegner weiß weder, wie man zu reagieren hat, noch hat er ein Herz, das hier angreifen und dort abwehren will, sondern weil er von Natur aus ein robuster Bursche ist, fürchtet er nichts, und weil er dem Gegner nicht mehr Bedeutung beimisst als einem Insekt, gibt er sein Herz nicht daran und will nichts erzwingen, aber er ist auch nicht starr und verschließt sich nicht, er wartet nicht ab und hält sich nicht zurück, ihm kommen weder Zweifel, noch ist er bewegt, und wie er so seinem Gegner gegenübersteht, stellt er keine Überlegungen an. Fluidum und Herz sind gleichermaßen ungehemmt. In der Qualität seines Fluidums ist er den meisten Schwertmeistern, die in der Welt Ansehen genießen, überlegen.

Durch das gesammelte Einssein in Körper und Geist wird man in die Lage versetzt mit einer Entscheiden Technik den Kampf für sich zu entscheiden (ikken hissatsu). Sie darf nur von der Intuition, einem wachen Geist, (zanshin) entstehen und darf nicht durch Gedanken analysiert werden.

Allgemein

Es gibt das Sprichwort: „Ein Ziel und keine Ablenkungen“ (shuitsu-muteki). Man könnte auch sagen: Mit dem Herzen bei der Sache sein. Im Alltag bedeutet das, dass egal welche Tätigkeit ausgeführt wird, die Konzentration immer voll und ganz darauf liegt. Ein Maler schweift mit seinen Gedanken nicht von seinem Gemälde ab. Ein Musiker schwingt mit seinem ganzen Sein mit der Musik. Dabei ist es nicht wichtig was getan wird, sondern wie es getan wird. Diese Haltung kann in jeder noch so kleine Tätigkeit geübt werden.

Für einen Zen-Schüler ist isshin jedoch nicht das höchste Ziel: Den Geist festhalten und ihn nicht in Verwirrung geraten lassen, das ist die Schulung des Neulings, der eben anfängt zu lernen. Wenn dies über lange Zeit geübt wird, erreicht man die Ebene der Freiheit, in der man dem Geist freien Lauf lassen kann. Die oben erwähnte Stufe des „den Geist erwecken, ohne ihm einen Ort des Verweilens zu bieten“ ist die höchste von allen.

Studien Informationen

Siehe auch: Zanshin | Kokoro | Mushin

Literatur

  • Werner Lind: Lexikon der Kampfkünste. BSK-Studien 2010.
  • Julian Braun: Der ´gemeinsame Weg von Schwert und Pinsel´: Philosophie und Ethik japanischer Kriegskunst der Tokugawa-Zeit (1603-1868).

Reinhard Kammer: Way of the Sword: Tengu-geijutsu-ron of Chozan Shissai.