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Artikel aus: Gabi Fischer-Lind / Werner Lind
Nachbearbeitet von: Stephanie Kaiser

(chin. 氣) bezeichnet in China die unverselle, kosmische Energie. Der Begriff lässt sich vage mit „Atem“, „Dampf“, „Hauch“, „Energie“, „universelle Kraft“ übersetzen und ist die chinesische Bezeichnung für ein energetisches Prinzip, das in den westlichen Kulturen unter verschiedenen Aspekten anzutreffen ist. Seine Verwirklichung im persönlichen Bereich entsteht durch eine psycho-physische Übung wie beispielsweise im qìgōng und enthält viele Aspekte. In Japan bezeichnet man das Prinzip als ki (気).

Qì 气 (氣) - Die kosmische Energie

Alles Leben steht zum dào in einer abhängigen Verbindung und unterliegt den wandelbaren universellen Gesetzen des „Lebens und Sterbens“. Die Chinesen vermuten in diesen Prozessen eine lebensgestaltende kosmische Kraft, die der Antrieb zu allem Lebendigen ist. Durch sie wird Leben geboren und Lebensenergie erhalten.
Das Prinzip gilt als energetischer Baustein des Lebens. Entsprechend ist alles im Universum ein Wirken des . Es kommt in uns und um uns herum vor und ist Ursprung, Auslöser, Triebfeder und Kraft für alles Lebendige. Es bedingt Leben, Wachstum und Bewusstwerdung aber - wenn es fehlt - auch Vergänglichkeit, Krankheit und Tod. Gleich ob Mensch, Tier oder Pflanze - es ist in allen Lebensprozessen enthalten.
Im Grundverständnis gibt es nur ein , das sich aber je nach Bewegung und Wirkung verschieden manifestiert. In den medizinischen Bereichen werden viele Arten des unterschieden. In diesem Text beschränken wir uns auf zwei seiner Ausdrucksformen, die für das Verständnis von qìgōng und quánfǎ wichtig sind.

  • Yuánqì 元气 (元氣) („Ursprungs-Qì“) - Das yuánqì bezeichnet die ererbte Energie des Menschen. Sie entsteht aus der Vereinigung von jeweils einem Anteil der Elternenergie, beim Zusammentreffen von Ei- und Samenzelle. Diese Energiebasis, die im weiteren Sinne auch die genetische Grundlage des neugeborenen Lebens darstellt, bildet die Voraussetzung für jedes weitere Werden. Ist das yuánqì schwach, werden Wachstum, Entwicklung und Gesundheit beeinträchtigt. Ist das yuánqì gut ausgebildet, erfreut sich der Mensch einer guten Gesundheit und kann sich optimal entwickeln.
  • Zhènqì 真气 (真氣) („wahres, persönliches qì“) - Das zhènqì wird vor allem durch die Nahrung und Atmung - die wichtigsten Grundlagen des Lebens - bestimmt. Aber auch soziale Aspekte, wie Familie, Freundschaften, Gesellschaft und Gemeinschaften beeinflussen die Qualität des . Hinzu kommen Dinge, die uns umgeben, wie Umfeld, Wohnung, Künste, Musik. Nicht zuletzt können auch die eigenen Emotionen und die uns umgebenden Menschen das verändern, verbessern oder verschlechtern. Dies alles kann die Qualität des persönlichen bestimmen.

Die dadurch gesammelte Energie wird mit dem Ursprungs-Qi (yuánqì) vereinigt. Das entstandene Gemisch nennt man zhènqì (wahres ). Es erhält eine persönliche Relevanz, wodurch es für den Menschen in verschiedenen Lebenslagen verwertbar wird.
Darüber hinaus ist eine Vermehrung des persönlichen auch durch energiebringende Übungen aus dem qìgōng und quánfǎ, der bildenden Künste und Kultur möglich. Das zhènqì ermöglicht die Steigerung der persönlichen Vitalität, wenn ein Mensch sein Leben mit oben genannten Haltungen zu verbinden lernt.
Alle wichtigen Prozesse - wie Wachstum, Stoffwechsel, Vermehrung, lebensbedingter Alltag mit Belastung und Stress - verbrauchen das vorhandene yuánqì. Bei aufreibendem oder ungesundem Lebenswandel wird es schneller verbraucht, was zu allgemeiner Erschöpfung, Krankheit, früherem Altern oder zu einem kürzeren Leben führen kann. Daher lehren alle Meister des qìgōng und quánfǎ, das yuánqì durch Übungen und ein gemäßigtes Leben zu erhalten.
Das erfährt jeder Übende im eigenen Wirken. Darauf ausgerichtete Übungen, in denen man lernt, wahrzunehmen, zu verwenden und zu lenken, sind wesentliche Ziele im qìgōng und quánfǎ. Dort werden sie zur Gesunderhaltung oder zur Wirkungssteigerung verwendet, doch ihre Inhalte können nicht durch nachgeahmte Gymnastikbewegungen verstanden werden. Sie sind in die Übungsprozesse des qìgōng und quánfǎ integriert und können nur von einem erfahrenen Lehrer gelenkt und erklärt werden.
Beschäftigt man sich mit den asiatischen Kampf- oder Heilkünsten, stößt man unweigerlich auf den Begriff . Wenn sich Europäer die Frage danach stellen, kommen sie häufig zu dem Schluss, dass zu einem chinesischen Mysterium gehört, das dem Westen fremd und unzugänglich ist.
Vielleicht sieht man hier den Wald vor lauter Bäumen nicht, weil man nur die Schubladen betrachtet und den übergeordneten Sinn aus dem Auge verliert. In China war immer ein Teil des allgemeinen Kulturverständnisses, es gab keine Notwendigkeit, den Begriff speziell zu erklären. Das ist kein Mysterium, sondern auf natürliche Weise überall anwesend. Durch eine geschärfte Wahrnehmung lernt man, es zu empfinden und zu nutzen.
Man sollte beachten, dass die chinesische Medizin eine Erfahrungsmedizin ist, deren Erkenntnisse allesamt auf feinen und sensiblen Beobachtungen von Naturerscheinungen basieren. Diese bestätigen sich dadurch, dass sie über Generationen von Heilkundigen immer wieder beobachtet wurden. Die Art zu leben, zu fühlen und zu denken bestimmt vor allem die Bewegung und Qualität des . Dabei geht es immer um das Wiederherstellen, Harmonisieren und Verstärken der natürlichen Qì-Bewegung.
Verliert ein Mensch den Zugang zur Quelle des und kann seine Zentren (dāntián) nicht mehr ausreichend auffüllen, wird die Qì-Bewegung blockiert oder fließt falsch. Dadurch entstehen Schmerzen und Krankheiten. Diese kann man lindern oder heilen, indem ein Arzt die Bewegungen des (z. B. durch Akupunktur) beeinflusst.
Auch die Übungen im qìgōng und quánfǎ verwenden dieselben Prinzipien. Doch bevor man lernt, in ihnen spirituell oder energetisch zu arbeiten, ist auch hier das Erreichen des inneren Friedens und die Befreiung von den selbstgemachten inneren „Energieräubern“ zu bewältigen.

Studien Informationen

Siehe auch:
Chin.: Qìgōng | Quánfǎ | Dāntián | Yuánqì | Zhènqì
Jap.: Ki | Hara | Tanden | Kikai
Ablagen Qì

Literatur

  • Giovanni Maciocia: Die Grundlagen der Chinesischen Medizin. Verlag für TCM 1994.
  • Ted J. Kaptchuk: Das grosse Buch der chinesichen Medizin. O. W. Barth Verlag 1992.
  • Gabi Fischer-Lind: Qigong für alle Kampfkünste. Sportverlag Berlin.
  • Werner Lind: Lexikon der Kampfkünste. BSK-Studien 2010.