Karate wa gi no tasuke

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Artikel von: Werner Lind<br.>Nachbearbeitet von:

Karate wa gi no tasuke (jap.: 空手は義の 補け) ist ein Leitsatz (kaisetsu) aus Meister Funakoshi Gichins shōtō nijūkun, bzw. karatedō nijūkkajō. Er bedeutet „Karate ist ein Helfer der Gerechtigkeit“ und bezeichnet, dass die Übung der Kampfkünste einen Geist entwickelt, der im Alltag der Gerechtigkeit dient. Nachfolgende Interpretationen stammen von sensei Werner Lind.

Erklärung

Der Gerechtigkeit ist nicht genüge getan, wenn die Gesetze das Denken ersetzen, sondern erst wenn das Gesetz durch Nachdenken verstanden wird. Ein guter Bürger achtet jedoch die Gesetze, auch wenn sie manchmal seinem persönlichen Rechtsempfinden widersprechen. Sie sind es, die im übergeordneten Bereich das menschliche Zusammenleben ermöglichen. Ohne sie wären die Strukturen der Gesellschaft gefährdet und die zwischenmenschlichen Beziehungen zerrissen. Ihr Nichtachten stört die Ordnung und vermindert die Lebensqualität.<br.>Doch oft haben die Menschen kein eigenes Rechtsempfinden, sondern vertreten unüberprüft die Gesinnung ihrer Kaste. Eigenes Rechtsempfinden entsteht erst dort, wo der Mensch über die Gesetzesregeln hinaus ein gerechtes Verhalten entwickelt, dem gegenüber er zur Verantwortung bereit ist. Unreife Menschen werden auch durch das Gesetz nicht gerecht, da ihr Rechtsempfinden um ihr Ich kreist, das keine Kompromisse verträgt.<br.>Deshalb gibt es keine Gerechtigkeit durch das bloße Befolgen der Gesetze. Die Gesetze sind nur das Schema, in dem die menschliche Feinabstimmung nicht fehlen darf. Diese liegt im Bereich der inneren Fähigkeiten jedes einzelnen. Sie bedarf der Entdeckung und der Pflege des rechten Menschen weit über das intellektuelle Verständnis hinaus.<br.>Das Gesetz allein, ohne persönliches Gewissen, erzeugt eine gefährliche Lebensgesinnung. Diese verhärtet sich im Glauben an ein ewiges Rechthaben, das sich durch gekaufte Rechtsinterpreten jederzeit theoretisch beweisen lässt. Damit ist der Gerechtigkeit nicht gedient, denn hinter dem Menschen mit der ewig weißen Weste kann sich alles mögliche verbergen. Gerechtigkeit besteht oft darin, eher Unrecht zu leiden, als Unrecht zu tun.<br.>Das Rechtsempfinden bedarf des reifen Denkens, das nicht durch das Studium der Gesetze, sondern durch die Selbsterkenntnis kommt. Es steht nie bedingungslos im Zeichen irgendeiner Regel, sondern bewahrt sich immer die Freiheit zum eigenen Entscheiden in der gegenwärtigen Situation. Das Gesetz kann der Entscheidung helfen, doch es kann sie nicht ersetzen.

Beispiele aus dem Leben

awergaerg

Studien Informationen

Siehe auch: Dōjōkun | Kaisetsu | Gichin Funakoshi | Shōtō nijūkun | Karatedō nijūkkajō

Literatur

  • Funakoshi Gichin: Karatedō - Mein Weg. Kristkeitz 1986.
  • Richard Kim: The Weaponless Warriors. (engl.) 1974, ISBN 978-0-89750-041-8-
  • Richard Kim: Die waffenlosen Krieger. (deutsch), BSK-Archiv
  • Richard Kim: The Classical Man. (engl.) 2009. ISBN 978-0-920129-01-2-
  • Richard Kim: Der klassische Mann. (deutsch) BSK-Archiv.
  • Richard Kim: The Classical Man 2. (engl.) Don Warrener, 2009, ISBN 978-1-897307-26-7.
  • Richard Kim: The Classical Man 3. (engl.) Don Warrener, 2009, ISBN 978-1-897307-27-4.
  • Werner Lind: Lexikon der Kampfkünste. BSK-Studien 2010.
  • Werner Lind: Budo - Der geistige Weg der Kampfkünste. Scherz 1991.
  • Werner Lind: Karate Kihon. BSK 2006.
  • Werner Lind: Budo - Der klassiche Weg. BSK 2015.