Yīn und Yáng

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yīn und yáng
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Artikel aus: Lexikon der Kampfkünste, Karate Kumite<br.>Nachbearbeitet von: Stephanie Kaiser

Yīn (chin.: 阴 / 陰) und Yáng (阳 / 陽) sind sich ergänzende Gegensätze und ein philosophischer Begriff aus der chinesischen Weltanschauung (jap. s. in/yō). Er wurde später bei den meisten asiatischen Völkern zum zentralen Lebensgesetz.

Die beiden Begriffe beschreiben die sonnige (yáng) und die schattige (yīn) Seite eines Berges. Sie stellen keine festen Begriffe dar, sondern nur eine Möglichkeit, etwas im Vergleich zu etwas anderem einzuordnen. Dabei sind yīn und yáng immer relative Gegensätze, die sich ergänzen. Ohne das Eine gäbe es das Andere nicht.

Um sie einzusetzen, muss immer das „Maß“ bestimmt werden. Als Beispiel könnte man die Lichtqualität (Licht ist immer yáng) einer Kerze und einer Taschenlampe vergleichen. Dabei ist die Taschenlampe yáng, weil heller und die Kerze yīn, weil dunkler. Vergleicht man allerdings die Taschenlampe mit der Sonne so ist sie yīn und die Sonne yáng - es bleibt also nichts an sich yīn oder yáng, sondern ist von unserer Betrachtung abhängig.

Tendenziell spricht man yīn und yáng bestimmte Eigenschaften zu. So ist yáng eher aktiv, hell, groß und warm, während yīn passiv, dunkel, klein und kühl ist. Doch das sind keine Wertungen, sondern immer nur Relativitäten zu etwas anderem.

Yīn und yáng sind keine festen Größen oder Maße, sondern nur Momentaufnahmen in einer sich ständig verändernden Welt. So bewegt sich alles von yáng zu yīn und umgekehrt. Dieser ständige Fluss des „geordneten“ Wandels wird als tàijí bezeichnet und in dem bekannten Tàijí-Zeichen, den zwei umkreisenden Fischen, dargestellt.

Allgemein

yīn und yáng Schriftzeichen
Die Entwicklung der fünf Elemente aus dem yīn und yáng und ihre Beziehung zueinander; die Elemente im Uhrzeigersinn: Feuer, Erde, Metall, Wasser, Holz (Sheng-Zyklus)

Das Zeichen für yáng stellt die sonnenbeschienene Seite eines Berges dar, während yīn die schattige Seite ist. Das zeigt die Untrennbarkeit von yīn/yáng und die Wechselhaftigkeit. Durch das Wechselspiel entsteht das gesamte Universum. Yīn/Yáng sind die Erscheinungen des dào oder des tàijí. Ihre konkreten Erscheinungen sind der Himmel (yáng) und die Erde (yīn). Aus yīn und yáng sind die fünf Wandlungsphasen (wǔxíng) entstanden, und aus diesen sind alle Dinge hervorgegangen. Ursprünglich wurde die Yīn/Yáng-Philosophie von dem sagenhaften chinesischen Kaiser Fú Xī (2852 v.Chr.) gegründet und später hauptsächlich im Daoismus gelehrt.

Mit yīn/yáng werden die beiden Urkräfte des dào bezeichnet, die durch ihr ineinandergreifendes Wirken die sichtbaren Erscheinungsformen verändern. yīn/yáng symbolisiert die gegensätzlichen, jedoch sich jeweils ergänzenden Pole allen Seins. Im ewigen Wechselspiel dieser Kräfte entsteht die Veränderung, der alles unterliegt (tàijí). Yáng bezeichnet die positive Kraft des Universums, der Attribute wie männlich, aktiv, hell, stark usw. zugehören, während yīn das negative Prinzip darstellt, in dem sich die Attribute verkehren. Diese Gegensätze, deren Ursprung im dào liegt, werden graphisch in einem Zeichen dargestellt, das man das Yīn/Yáng-Symbol (auch Tàijí-Monade) nennt. Yáng-Symbole sind Sonne, Feuer, Drache, Rot, Süden, Quecksilber und gerade Zahlen. Yīn-Symbole sind Mond, Wasser, Wolken, Tiger, Schildkröte, Schwarz, Norden, Blei und ungerade Zahlen.

Der Kreis steht für das allumfassende dào. In ihm ist yīn und yáng in Form von zwei stilisierten Fischen gezeichnet, die sich ständig umkreisen. Der dunkle Fisch bezeichnet das yīn, und der helle Fisch steht für yáng. Ihre Körper enthalten jeweils einen Kreis mit der Farbe ihres Gegenübers, wodurch angezeigt werden soll, dass es nichts gibt, was nur yīn oder nur yáng ist, sondern dass in dem einen das andere immer mitenthalten ist. Jedes Extrem, beginnt sich am stärksten Punkt in sein Gegenteil zu verwandeln.

Yīn und yáng ist eine Möglichkeit, alle Beobachtungen in einem System einzuordnen. Dabei ist so eine Zuordnung keineswegs als absolut zu verstehen. In der chinesischen Medizin z.B. ist die obere Hälfte des menschlichen Körpers yáng, die untere yīn. Der Bauch aber ist yīn und der Rücken yáng. Die Oberfläche, die Haut, ist wiederum yáng, während die Innenseite, die Organe, yīn sind. Auch die innere Energie des Menschen muss im Gleichgewicht von yīn und yáng bleiben, um Gesundheit zu garantieren. Entsteht ein Mangel oder Überfluss einer der beiden Pole droht Krankheit. Diese kann verhindert oder wiederhergestellt werden durch Akupunktur, qìgōng, Ernährungstherapie (changming), Kräuterheilkunde (caoyao) usw. Nach der chinesischen Mythologie entstand im Dao zuerst das yáng, das sich bis zu seinem äußersten Extrem veränderte und dadurch die Existenz des yīn bewirkte. Nun läuft dieser Prozess umgekehrt ab, und im ewigen Rhythmus dieser Veränderungen entstehen und vergehen die Erscheinungsformen der Natur. Außer der ewigen Veränderung gibt es nichts, was beständig wäre. Dieses „Nichts“ (wújí) ist daher der Ursprung aller Dinge. Die Lehre von yīn/Yang ist erstmals schriftlich im yìjīng („Buch der Wandlungen“) erwähnt, das vielleicht schon 12 Jahrhunderte v.Chr. entstanden ist. Danach wurde sie von Láozī im Dàodéjīng erneut aufgegriffen, der durch sie zum ersten Mal in der Geschichte den Weltzusammenhang ohne „Götterlehren“ erklärte. Darin ist das dào das „Nicht Seiende“, dessen Einflussnahme sich auf die Veränderung in der Natur gerade durch das „Nicht Wirken“ (wúwéi) bemerkbar macht. Yīn und yáng sind die beiden entgegengesetzten Pole, die allein durch ihre gegensätzlichen Tendenzen jene Bewegung erzeugen, die den Fluss der Dinge bewirkt.

Die zentralen Begriffe des Daoismus sind: Dào (Weltgesetz), yīn/yáng (die Wirkungskräfte), wúwéi (Nicht Handeln) und (vitale Kraft). In einem erheblichen Maß haben sie den Chán-Buddhismus beeinflusst, der seinerseits in Japan dem bushidō einen deutlichen Stempel aufdrückte.

Bedeutung

Das Gesetz vom ewigen Wandel (yīn/yáng) ist in der asiatischen Denkweise ein zentrales Motiv geworden. Kein Individuum ist immer gleich. Das einzig Beständige an ihm ist sein ewiges Verändern, sein Werden zu dem, wohin es tendiert. Das durch das Werden provozierte Ungewisse, was den unreifen Menschen beunruhigt, ist genau das, was dem Daoisten Sicherheit gibt. Das Vertrauen in die Veränderung (denn sie ist sowieso nicht aufzuhalten) formt den Geist, der sich anpassen kann und dadurch dem Gesetz der natürlichen Ordnung gehorcht. Der Sinn des Menschen ist seine Wandlung und seine Perfektion, denn das Leben ist ein konstantes Fortschreiten zur Veränderung, das die Harmonie nur dann findet, wenn es ohne Auflehnung in dieses allumfassende Prinzip eingebunden ist.

In den Kampfkünsten

Auch auf die Kampfkünste hat die Theorie von yīn/yáng großen Einfluss: genommen. Im tàijíquán z.B. werden mit den beiden polaren Symbolen so die Bewegungen beschrieben:

  • Yáng - nach vorne gehen; nach vorne stoßen; Angreifen, Kontern, unbelastetes aktives Bein; erhobene oder vordere Hand.
  • Yīn - zurückweichen; nach hinten ziehen; Abwehren, Ausweichen, Senken der Hand; belastetes passives Bein; hintere Hand.

Yīn und yáng beschreiben den Wechsel von Ein- und Ausatmung, den Fluss von Aktivität und Passivität und den Wechsel von Hart und Weich. Gleichzeitig steht yáng für die aktive körperliche Arbeit in den Techniken und das Entwickeln von Kampfkraft. Während yīn für die in der Bewegung und in den Bereitschaftstellungen (kamae) zu entwickelnde innere Ruhe und Gelassenheit steht. Yīn und yáng bilden so die harmonische Interaktion zwischen Bewegung und Meditation. Gleichzeitig steht yáng für das geistig-spirituelle, während yīn die Materie symbolisiert.

Studien Informationen

Siehe auch: Tàijí | | Tàijíquán | Wǔxíng | Dào

Literatur

  • Werner Lind: Lexikon der Kampfkünste. BSK-Studien 2010.
  • Werner Lind: Karate Kumite. BSK 2014.