Insei

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Artikel aus: Lexikon der Kampfkünste<br.>Nachbearbeitet von: Werner Lind

Der Begriff Insei (院政) bezeichnet eine Zeit im heian jidai (794-1192) und kamakura jidai (1192-1333), die durch häufige Abdankungen japanischer Kaiser (tennō) geprägt war. Die Kaiser ließen sich durch fiktive Regenten vertreten, die oft kleine Kinder waren, statt derer ein Vormund regierte. Sie selbst dankten ab (Dajō-Tennō), zogen sich endgültig aus der Politik zurück und wurden bekennende Buddhisten (Dajō-Hō´ō), indem sie in ein buddhistisches Kloster eintraten. Doch manche von ihnen verzichteten auch in den Klöstern nicht auf die politische Macht und versuchten als Mönch-Kaiser (Hō´ō-Tennō) die japanische Politik weiter zu beeinflussen.

Geschichte der Insei-Zeit

Hauptartikel: Japanische Geschichte | Japanische Zeitalter

Über die gesamte Zeit des japanischen Altertums (kodai) und des beginnenden Mittelalters (chūsei) wurde Japan von vier großen Familien beherrscht (Fujiwara 藤原, Tachibana 橘, Taira 平 und Minamoto 源), die ihren Ursprung allesamt auf eine alte Verwandtschaft mit dem Kaiserhaus (tennōke 天皇家) und seiner Stammfamilie (kōshitsu (皇室) zurückführten. Sie gehörten zur weitläufigen Verwandtschaft des tennō (華族, kazoku) und repräsentierten am kaiserlichen Hof die einflussreichen Adelstände (shizoku) der kuge und buke. Diese Familien standen untereinander in anhaltender Konkurrenz und versuchten mit allen Mitteln die politische Macht zu erreichen. Doch die Würde und Erblinie eines japanischen Kaisers war als „göttlich gegeben“ festgeschrieben und für seine Rivalen nicht erreichbar.<br.>Bereits im frühen heian jidai gab es Beispiele für abgedankte tennō, wie Jitō-Tennō, Shōmu-Tennō oder Uda-Tennō. Die altertümliche Gesetzgebung (ritsuryō) ermöglichte den abgedankte tennō nachhaltige Macht, so dass ein zurückgetretener tennō (Dajō-Tennō) nicht auf seine kaiserlichen Privilegien verzichten musste. Auch als Mönch-Kaiser (Hō´ō-Tennō) richtete er mit dem innochō (院庁) seinen eigenen Regierungsapparat ein, vermittelte seine Befehle über den inzen (院宣) und innochō kudashi bumi (院庁下文) und hatte sogar eine eigene Streitmacht, die hokumen no bushi (北面の武士).

Erste Insei-Zeit

Im heian jidai gewannen die Fujiwara (Klan der Hokke) durch gezielte Heiratspolitik Macht und Einfluss über den tennō. Sie regierten als kanpaku („stellvertretender Regent“) oder sesshō („Vormund eines Kind-Kaisers“) unangefochten das Land. Doch im Jahr 1068 kam Go-Sanjō-Tennō an die Macht, der seit 200 Jahren erstmals nicht in der Verwandtschaftskette der Fujiwara stand. Er konnte zunächst erfolgreich regieren, da die Fujiwara (Hokke) mit internen Auseinandersetzungen zwischen den Brüdern Fujiwara no Yorimichi und Fujiwara no Norimichi beschäftigt waren. In seiner Regierungszeit (1068-1072) versuchte er erfolglos die Macht der Fujiwara zu brechen, musste 1072 abdanken und als Dajō-Hō´ō ins Kloster gehen. Von dort aus unterstüzte er seinen Sohn und Nachfolger (Shirakawa-Tennō) und leitete damit die Generation der „indirekten Kaiser“ (insei) ein. Im Schutz eines Klosters konnten die Mönch-Kaiser (Hō´ō-Tennō) dem Einfluss der mächtigen Fujiwara zwar weitgehend ausweichen, doch auf der Ebene der realen Politik führte das System des insei allgemein zur Schwächung des Kaiserhauses.

Die ersten insei-tennō waren:

  • Go-Sanjō-Tennō (後三条天皇, 1034-1073) - Regierung (1068-1072); Insei (1072)
  • Shirakawa-Tennō (白河天皇, 1053-1129) - Regierung (1073-1087); Insei (1087-1129)
  • Horikawa-Tennō (堀河天皇, 1079-1107) - Regierung (1087-1107); kein Insei
  • Toba-Tennō (鳥羽天皇, 1103-1156) - Regierung (1107-1123); Insei (1129-1156)
  • Sutoku-Tenno (崇徳天皇, 1119-1164) - Regierung (1123-1125); Insei
  • Go-Shirakawa-Tennō (後白河天皇, 1127 -1192) - Regierung (1155-1158); Insei (1158-1192)
  • Nijō-Tennō (二条天皇, 1143-1165) - Regierung (1158-1165); Insei

Die kaiserlichen Söhne des Toba-Tennō (Go-Shirakawa-Tennō und Sutoku-Tennō) hatten untereinander ein angespanntes Verhältnis. Dieses führte 1156 zur Hōgen-Rebellion (保元の乱 Hōgen no ran), in der Sutoku verlor. Er wurde ins Exil verbannt und sein wichtigster Verbündeter (Fujiwara no Yorinaga) fiel in der Schlacht.<br.>Go-Shirakawa-Tennō regierte daraufhin zwischen 1155 und 1158 als japanischer Kaiser das Land. Doch in Umfeld seines Hofes etablierten sich nach dem Machtverlust der Fujiwara (1156) die adeligen Familien der Taira und Minamoto. Taira no Kiyomori konnte sich zunächst genen Minamoto no Yoshitomo durchsetzen und bestimmte uneingeschränkt die Politik des Landes. Im Jahr 1158 zwang er Go-Shirakawa-Tennō abzudanken, worauf dieser sich als Insei-Tennō in ein Kloster zurückzog. Nach dem Prinzip des insei versuchte er aus dem Kloster heraus, den seit 1158 eingesetzten Nijō-Tennō zu steuern. Dieser war aber längst dem Einfluss des Taira no Kiyomori unterworfen. Bis zur Entscheidungsschlacht (dan no ura, 1185) zwischen den Taira und den Minamoto im Genpei-Krieg bestimmten die Taira die japanische Politik. Nach dem Genpei-Krieg gelangten die Minamoto an die Macht und veränderten Japan in eine Militärdiktatur (kamakura bakufu) unter der Herrschaft des shōgun.

Zweite Insei-Zeit

Nach der Einrichtung (1185) des bakufu in Kamakura als militärisches Zentrum (kamakura bakufu) des shōgun, verlor der tennō endgültig seine Macht und war nur noch eine Marionette des shōgun. Doch er konnte von keinem weltlichen Herrscher ersetzt werden, da er in der japanischen Mythologie im „Auftrag der Götter“ regierte. Seine Autorität konnte auch vom amtierenden Kamakura-Shōgun (Minamoto) nicht in Frage gestellt werden. Der Kaiser (tennō) hatte den unantastbaren göttlichen Auftrag und der Militärdiktator (shōgun) die weltliche Macht. In diesem Abhängigkeitsverhältnis koexistierten beide zueinander bis zum Ende des edo jidai (1868).

  • Kamakura jidai (1185-1333) - so gab es auch im kamakura jidai keine Ende des insei sondern vielfältige Modelle, durch die das Machtverhältnis zwischen den beiden geregelt wurde. Manchmal gab es mehrere gleichzeitig abgedankte Kaiser und die Weiterführung der Thronfolge schien in Gefahr. In diesem Fall übernahm der jeweilige Patriarch der Kaiserfamilie (chiten, 治天) die Verantwortung und übertrug sie auf den nächstfolgenden Erben.<br.>Doch immer wieder versuchten die tennō die Macht des shōgun zu brechen. Nachdem Go-Toba-Tennō (後鳥羽天皇) 1221 als chiten im Jōkyū-Krieg gegen das bakufu vorging aber den Krieg verlor, folgten erhebliche Restriktionen des shōgun gegen den tennō. Ihm wurde zugewiesen, sich um religiöse Angelegenheiten zu kümmern und sich in die weltliche Politik nicht einzumischen. Die meisten tennō dieser Zeit ordneten sich den Bestimmungen des shōgun unter und beschränkten sich auf die Verwaltung des Kaiserhofes in Heian-kyō (heute Kyōto), die vom shōgun finanziert wurde.
  • Ashikaga-Muromachi jidai (1333-1568) - im Zeitabschnitt der Kenmu-Restauration (kenmu irai tsuika, 1333-1336) gelang es Go-Daigo-Tennō, mit Hilfe der Ashikaga die Macht der amtierenden Militärdiktatoren Hōjō zu brechen und die kaiserliche Macht neu zu installieren. Entsprechend führte er 1331 einen erfolgreichen Aufstand (genkō no ran) gegen die shikken der Hōjō, wonach er aus dem Asyl zurückkehrte und die Würde des tennō übernahm. Doch sein Verbündter (Ashikaga Takauji) wechselte die Seiten und besiegte zusammen mit seinem neuen Partner die Kaisertruppen des Go-Daigo-Tennō in der Schlacht von hakone take no shita in der sie in Folge die Kaiserhauptstadt Kyōto eroberten. Zunächst konnte die Allianz der Tennō-Gegner von den Streitkräften der Masashige vertieben werden, doch Ashikaga verbündete sich danach mit den Klans auf Kyūshū und zog erneut gegen Kyōto. In der Schlacht am Minato-Fluss (1336) wurde Go-Daigo-Tennō endgültig besiegt und ins Asyl verbannt. Die Ashikaga übernahmen die Würde des shōgun und setzten Kōmyō-Tennō als Strohmann ein.<br.>Dadurch entstand eine 60jährige Trennung Japans in eine nördliche und südliche Kaiserdynastie (nanbokuchō - Nord-Südhof). Im Jahre 1392 wurden die beiden Kaiserhöfe durch den shōgun Ashikaga Yoshimitsu wieder vereinigt. Doch das Land war inzwischen in machtpolitischen Rivalitäten der daimyō (Landesfürsten) zerrissen, deren anhaltende Kriege untereinander dem japanischen Volk einen hundertjährigen Unfrieden brachten.<br.> Das im ashikaga-muromachi jidai integrierte sengoku jidai (1482-1568, „Zeit der streitenden Reiche“) kennzeichnete sich durch einen totalen Kollaps des gesamten japanischen Regierungssystems und ermöglichte den neu etablierten Landesfürsten (daimyō) eine unkontrollierte Eigenständigkeit. Die daimyō entstanden aus der Konkurrenz zwischen den kokushu (kaiserlichen Lehensverwalter), shugō („Militärverwalter“) und jito („militärische Provinzgouverneure“) und etablierten ihre Macht in den entlegenen Provinzen (kuni). Beginnend mit dem Ōnin-Krieg (ōnin no ran, 1467-1477) setzten sie ihre gegenseitigen Eroberungskriege in einem hundertjährigen Krieg fort. Weder der tennō noch der shōgun waren in der Lage, in dieser Zeit den Frieden wieder herzustellen.
  • Azuchi-Momoyama jidai (1568-1603) - ein Kriegerfürst (Oda Nobunaga, ) aus den Reihen der daimyō einigte 1568 das Land mit eiserner Hand und militärischer Gewalt. In der Hoffnung, von Oda Unterstützung für die Wiederherstellung der kaiserlichen Macht zu erhalten, verlieh ihm Ōgimachi-Tennō (1558-1587) den Titel des udaijin (Minister der Rechten), doch auch der geflohene shōgun (Ashikaga Yoshiaki) bat ihn 1567 um Hilfe zur Reinstauration des Ashikaga-Shogunats. Doch Oda Nobunaga dachte nicht daran, den Bitten der beiden Obrigkeiten zu entsprechen und verlegte 1579 seine Residenz nach Azuchi, am Ostufer des Biwa-Sees in die Provinz Ōmi. Seine Verwandtschaftsverhältnisse erlaubten ihm weder die Würde des tennō noch den Titel des shōgun anzunehmen, doch er sah sich als Auserwählter, Japan als Militärdiktator zu regieren. Prompt ließ er sich auf sein Siegel das Motto „beherrsche das Reich durch Gewalt“ eingravieren und regierte als kanpaku (stellvertretender Regent für den Kaiser).<br.>Sein Nachfolger wurde Hideyoshi Toyotomi (1537-1598), anfangs ein niederer samurai (ashigaru), der sich in den Diensten von Oda bis zum General hochdiente. Nach der Ermordung von Oda Nobunaga (1582) übernahm Hideyoshi die Führung des Militärstates und regierte das Land als kanpaku. Er verlegte seinen Regierungssitz nach Momoyama (daher der Name momoyama jidai), legte aber 1591 das Amt des kanpaku zugunsten seines Sohnes Hideyoshi Hidetsugu ab und nahm er den unabhängigen Titel taikō („der Verdienstvolle“) an.
  • Edo jidai (1603-1868) - im edo jidai (auch tokugawa jidai) folgte auf die problematische Verwandtschaftssituation der vorausgegangenen Militärdiktatoren erneut ein Abkömmling aus der alten Erbschaftslinie der shōgun. Tokugawa Ieyasu (1543-1616), ein Verwandter der Minamoto übernahm die Macht von Hideyoshi Toyotomi, gründete ein neues shōgunat bakufu in Edo und führte über eine kontinuierliche Erbschaftlinie die japanische Militärdiktatur bis 1868 fort. In dieser Zeit wurde der tennō streng kontrolliert und hatte keine Machtbefugnisse. Doch auch im edo jidai gab es Beispiele für abgedankte tennō. Technisch werden diese Fälle ebenfalls als insei betrachtet.

Insei-Kaiser und Regenten

Das System des insei beruhte im altertümlichen Japan vorwiegend darauf, dass manche abgedankte Kaiser (Dajō-Tennō) eine besondere Regierungsform etablierten, durch die sie nach ihrem Eintritt in ein buddhistisches Kloster als Dajō-Hō´ō weiter regieren konnten. Man nannte diese im heian jidai (794-1192) und kamakura jidai (1192-1333) auftretende Kaiser Hō´ō-Tennō (Mönch-Kaiser). In der Insei-Zeit etablierten sich sowohl für die Kaiser (tennō) als auch für andere Regenten (統治者, tōchisha) verschiedene Begriffe, die das politische Machtsystem ihrer Zeit wiedergeben:

Die Kaiser im Insei (院政)
Bezeichnungen für die Kaiser im Insei
Hō´ō-Tennō / Hōwō (法皇天皇) - Mönch-Kaiser
Dajō-Tennō / Jōkō (太上天皇) - abgedankter Kaiser
Dajō-Hō´ō (太上法皇) - in ein Kloster zurückgezogener, abgedankter Kaiser
Insei-Tennō (院政天皇 ) - Kaiser im insei
Regenten für Tennō und Shōgun im Insei
Kanpaku (関白) - stellvertretende Regenten für einen tennō
Sesshō (摂政) - Vormund und Regenten für einen Kind-Kaiser
Chiten (治天) - Patriarch der kaiserlichen Familie
Taikan (探題) - stellvertretende Regenten für einen shōgun
Shikken (執権) - stellvertretende Regenten der Hojo für einen shōgun
Taikō (太閤) - der „Verdienstvolle“
Tairō (大老) - Vorsitzender des Ältestenrates (Tokugawa)

Studien Informationen

Siehe auch: Tennō | Insei-Tennō | Dajō-Tennō | Dajō-Hō´ō

Literatur

Weblinks