Gun

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Artikel aus: Lexikon der Kampfkünste<br.>Nachbearbeitet von: Werner Lind

Verwaltungsbezirke im japanischen Altertum

Gun (郡) bezeichnet einen Verwaltungsbezirk im japanischen Altertum (kodai) und ist Teil einer japanischen Provinz (kuni), legalisiert durch die frühe Verfassung des taihō ritsuryō. Die Landaufteilung der damaligen Zeit wurde als gokishichidō bezeichnet.

Ethymologie und Erläuterung

Die entsprechenden Bezirke wurden vor dem Taihō-Kodex als kōri bezeichnet und haben unter diesem Begriff eine alte Geschichte. Im nihonshoki wird der Begriff noch als kōri (評) verwendet, erst in den folgenden Schriften des Taihō-Kodex und des engishiki werden die kanji als gun (郡) geschrieben.<br.>Ein Bezirk (gun, frühere Schreibweise kori 評) entspricht etwa dem, was wir heute unter einem Landkreis verstehen (z.B Landkreis Darmstadt), während eine Provinz (kuni) ein Land (z.B. Hessen) innerhalb einer gesamtstaatlichen Föderation (z.B. Bundesrepublik Deutschland) bezeichnet. Hingegen ist eine Region (chihō) lediglich ein kulturell zusammenhängendes geografisches Gebiet (z.B. Odenwald oder Schwarzwald). In der Regierungszeit des tennō waren die Regionen (chihō) noch politische Verwaltungseinheiten, die sich in Provinzen (kuni) und in untergeordnete Bezirke (gun) gliederten:

Gokishichidō - altes Verwaltungssystem

  • Chihō (地方) - geografische Regionen Japans
  • Kinai (畿内) - Hauptstadtregion der chihō
  • Shichidō (七道) - sieben Fern-Regionen zu den chihō
  • Kuni (国) - Länder in den chihō
  • Gun (郡) - Bezirke in den kuni

Gun (kōri) im Altertum

Im Altertum (yayoi jidai) wurden die Bezirke noch als kōri (郡) bezeichnet und sollen sich (laut dem nihonshoki) während der Taika-Reform etabliert haben. Tatsächlich aber taucht der Begriff erst in der Gesetzgebung des Taihō-Kodex auf. Danach bestanden die frühen kōri (spätere gun) aus dem Zusammenschluss von unterschiedlich großen Landgemeinden. Die gesamte Hierarchie der japanischen Landeinteilung klassifiziert sich wie folgt:

  • Chihō (地方) - geografische Regionen
  • Kuni (国) - Länder in den Regionen
  • Kōri (郡), später gun (郡) - Bezirke in den kuni
- Sato (里) - Dorf mit ca. 50 Haushalten
- Mura (村) - Dorf mit ca. 20 Haushalten

Durch den Zusammenschluss mehrerer Dörfer entstand eine Dorfgemeinschaft, die sich in einem erneuten Zusammenschluss zu einem Bezirk (gun) vereinigte. Fünf bis sieben gun (kori) bildeten eine Provinz (kuni). Sie wurden vor Ort von einem kaiserlichen Beamten (gunshi) geleitet, während die Provinzen (kuni), von einem kokushu (früher kuni no tsukasa - Beauftragter des tennō) verwaltet wurden.

Gun - lokale Verwaltungseinhaiten

  • Großer Bezirk (大郡) - 16-20 Dörfer
  • Oberbezirk (上郡) - 12-15 Dörfer
  • Mittlerer Bezirk (中郡) - 8-11 Dörfer
  • Unterer Bezirk (下郡) - 4-7 Dörfer
  • Kleiner Bezirk (小郡) - 2-3 Dörfer

Durch das engishiki, die Folgeverfassung des ritsuryō sollte sich ab 967 das Steuer- und Verwaltungssystem (taika) und die Landaufteilung ändern. Ab dem 10. Jahrhundert wurde Japan in 68 Provinzen (kuni) und 555 Bezirke (gun) eingeteilt. Doch die gesamte Gestaltung der Regierung, Staatsform und Landaufteilung sollte sich mit der Machtübernahme der shōgune im kamakura jidai bis zum edo jidai erneut verändern.

Gun im Edo jidai

Im edo jidai (1603-1869) bezeichneten die gun den Zusammenschluss mehrerer Städte (machi) und Landgemeinden (mura).

  • Machi (町), oder chō (町) - Stadtgemeinschaften
  • Mura (村) - Dorfgemeinschaften

Gun im Meiji jidai

Das Prinzip der gun hat sich in der Staatsstruktur Japans bis in die Japanische Neuzeit kaum verändert. Nach der territorialen Neuorganisation Japans in die modernen Präfekturen blieben die gun untergeordnete Verwaltungseinheiten. Im meiji jidai wurden sie zwischen 1878 und 1921 weiter verwendet, 1942 wurden sie in chihō jimusho umbenannt und 1947 endgültig abgeschafft.

Gun heute

Heute (ab 1947) gehören die ehemaligen Bezirke (gun) der Vergangenheit an und wurden von den Präfekturen ersetzt. Doch sie blieben in der Mentalität der Japaner verhaftet und haben sich über Jahrhunderte überliefert. Nach wie vor werden sie im postalischen Adresssystem und im territorialen Verständnis der Japaner verwendet.

Studien Informationen

Siehe auch: Japanische Gesellschaft

Literatur

Weblinks