Japanische Gesellschaft

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Artikel von: Werner Lind

Die japanische Gesellschaft (nihon shakai) und ihre ethnische Zusammensetzung unterliegen gravierenden Veränderungen über die Jahrtausende ihrer geschichtlichen Entwicklung. Der in Japan lange Zeit propagierte Mythos, dass die Japaner (nihonjin) eine homogene Rasse bilden, die über die Erblinie der Götter (Ninigi no Mikoto) entstand, kann heute wissenschaftlich widerlegt werden. Die Zusammensetzung der japanischen Rasse ist zwar bis heute nicht endgültig geklärt, neue Erkenntnisse der Wissenschaft haben jedoch verschiedene genetische Zugehörigkeiten festgestellt. Genetisch besteht das moderne japanische Volk aus einer Zusammensetzung aus koreanischen, altaischen, polynesischen, tungisischen, nordchinesischen und proto-mongoloiden Volksstämmen. Hinzu kommt der Einfluss der eigentlichen Ureinwohner der japanischen Inseln (emishi und ainu).

Gesellschaft in der Frühgeschichte (10.000 v.Chr.-300 n.Chr)

Hauptartikel: Gesellschaft in der Frühgeschichte

Die japanische Gesellschaft der Frühgeschichte (genshi) war in Sippen (uji) organisiert. Im Zeitalter von Yamatai und Yamato (jōmon jidai, yayoi jidai und kofun jidai, ca. 7.500 v.Ch. bis 550 n.Ch.) galten die gesellschaftlichen Strukturen der uji (Sippenverbände), die ihre Blutslinie zu einem mystischen Stammvater (ujigami) als göttlichen Hauptahnen zurückverfolgen konnten. Die typische Struktur eines uji bestand aus einem Sippenoberhaupt (uji no kami), der aus der direkten Blutslinie des Hauptahnen stammte und mit uneingeschränkter Autorität die Familienangehörigen (ujibito) des Klans zusammenhielt. Die uji beherrschten ihr untergebenes Volk (heimin) und unterhielten eine jeweils eigene Armee (kondei)

GESELLSCHAFT im Yamatai und Yamato
  • Uji - adelige Sippe, Klan
Ujigami - göttlicher Uhrahn
Uji no kami - Sippenoberhaupt
Ujibito - Sippenmitglied
Ie - abgespaltene Sippe
Samurai - Diener des Herrn (Krieger)
Be - Bauerngruppen in Dörfern
- Tomobe - Freie
- Kakibe - Leibeigene
Yakko - Sklaven
Eta - Unreine

Gesellschaft im Altertum (300-1185)

Hauptartikel: Gesellschaft im Altertum

Die japanische Gesellschaft im Altertum änderte sich zwischen den Jahren von 550 bis 1185, vor allem durch neue Gesetzgebungen (ritsuryō). Besonders im asuka jidai, nara jidai und heian jidai - im Zeitalter der Kaiser (teisei) hatten die Herrscher (mikoto, später tennō) aus dem Klan der Yamato den höchsten Regierungs- und Gesellschaftsrang inne, im zweiten Glied standen seine direkten Familienangehörigen und die Klan-Oberhäupter anderer wichtiger Sippen. Diese entwickelten sich zunehmend zu einfussreichen Ratgebern und etablierten den Stand der kuge (kaiserlicher Hofadel). Mit ihnen begann sich immer mehr ein zentralistischer Staat mit ständig größerem Machtgewinn der Hofbeamten zu entwickeln, die die Politik des tennō zunehmend bestimmten. Doch in Opposition zu den kuge standen zunehmend mehr die neu etablierten buke (Kriegerfürsten), die an Macht gewannenen und ab 1192 die Regierungsmacht als Militärdiktatoren (shōgun) übernahmen. Das gemeine Volk (heimin) wurde in Bürger der oberen Klasse (ryōmin) und in Bürger der unteren Klasse (senmin) eingeteilt.

GESELLSCHAFT im Altertum (kōdai)
  • Kuge - kaiserlicher Hofadel
  • Buke - Kriegeradel
  • Heimin - gemeines Volk
Ryōmin - obere Klasse der Bürger
- Kanjin - Beamter, Staatsdiener
- Kōmin - Bürger, Staatsbürger
- Shinabe - Dienstleistende
- Zakko - gemischte Haushalte
Senmin - untere Klasse der Bürger
- Ryōko - Bewacher von Kaisergräbern
- Kanko - Bedienstete in Behörden
- Kenin - Bedienstete des Adels
- Nuhi - Sklaven, Knechte, Gesinde
- Kunuhi - Knechte des Tennō
- Shinuhi - Knechte des Adels

Gesellschaft im Mittelalter (1185-1868)

Hauptartikel: Gesellschaft im Mittelalter

Die japanische Gesellschaft im Mittelalter war von einer militärischen Diktatur bestimmt. Zwischen 1185 und 1868 regierten in Japan ausschließlich Militärdiktatoren (shōgun). Im Mittelalter (chūsei, 1185-1603) umfassten sie kamakura jidai (1185-1333), Ashikaga-Muromachi jidai (1333-1568) und Azuchi-Momoyama jidai (1568-1603). Die Macht des tennō wurde ab 1185 vom Klan den Minamoto erheblich geschwächt, nachdem dieser im Genpei-Krieg (genpei kassen und dan no ura) die kaisertreuen Taira besiegte und deren Einfluss auf den Kaiser unterband. Nach ihrem Sieg hatten die Minamoto das gesammte Land unter Kontrolle und die Gelegenheit zur Machtergreifung. Um dies zu verwirklichen zog Minamoto no Yoritomo 1185 von Kyōto nach Kamakura und gründete dort das kamakura bakufu, eine Militärbehörde (bakufu), durch die er gegen die kaiserliche Macht aus Kyotō das Land regierte. Dadurch spaltete sich die aristokratische Gesellschaft Japans endgültig in den kaiserlichen Hofadel (kuge) und den Kriegeradel (buke). Durch die Machtübernahme des shōgun wurde eine militärische Staatsform (bakusei) gegründet, in der der Kaiser (tennō) nur noch repräsentativ regierte. Um seinen Machtanspruch durchsetzen zu können, stationierte der Minamoto-Shōgun in allen Lehen (shōen) Truppenkomandeure (shugo) und beauftragte übergeordnete Gebietsverwalter (jitō) mit der Eintreibung der Steuern zu eigenen Gunsten. Dadurch wurden die kaiserlichen Verwaltungsbeamten (kokushi) weitgehend abgeschaltet. Im Jahre 1232 entstand unter den Hōjō eine neue Verwaltung und ein neues Rechtsystem (jōei shikimoku), das den veralteten Tahiō-Kodex aus dem heian jidai ablöste. Der Stand der Krieger (samurai und bushi) begann sich vom Stand der Bauern (, nōmin, hyakushō, domin) abzuheben. Der aus den shugo und jito neu entstandene Kriegeradel (buke) erreichte immer mehr Vorrechte gegenüber den aus dem Geschlecht der kuge stammenden kokushi (kaiserliche Verwalter), wie z.B. die Kontrolle über das Land der Bauern, das Tragen eigener Familienwappen (mon), sowie eigene Familiennamen (myōji) und das Tragen von Waffen (daitō). Zu dieser Zeit wurde auch das Schwert (ken oder tsurugi) zum Statussymbol des Kriegers. Aus den shugo und jitō entwickelte sich ein neuer und mächtiger Kriegeradel (daimyō), der bis ins sengoku jidai (1482-1568) das Land mit Konkurrenzkriegen überzog. Erst den militärischen Herrschern Oda Nobunaga (1534-1582) und seinem Nachfolger Hideyoshi Toyotomi (1537-1598) gelang die Unterwerfung der rivalisierenden Kriegerfürsten (daimyō) durch militärische Gewalt. Sie stabilisierten das Reich und führten es unter eine straffe Militärdiktatur.

GESELLSCHAFT im Mittelalter

Kuge (Kugyō) - Amtsadel

  1. Tennō - Kaiser
  2. Kōzoku - kaiserliche Familie
  3. Kuge - Hofadel

Buke (Shokō) - Kriegeradel

Grundadel (Fürsten und Regenten)
1. Shōgun - oberster Militärdiktator
2. Daimyō - Lehensfürst
Schwertadel (Lehensträger und Vasallen)
3. Bakushin - gehobene Vasallen
- Hatamoto - direkte Vasallen des shōgun
- Gokenin - direkte Vasallen des shōgun
Kleinadel (Krieger, Söldner)
4. Samurai - professionelle Krieger
- Baishin - Vasallen eines daimyō
- Hanshi - samurai unter einem daimyō

Heimin (Bürger) - erwerbstätiges Volk

  1. (hyakushō) - Bauern
  2. (shokunin) - Handwerker
  3. Shō (shindo , shōnin) - Kaufleute

Gesellschaft in der Frühmoderne (1603-1868)

Hauptartikel: Gesellschaft in der Frühmoderne

Die japanische Gesellschaft in der Frühmoderne änderte sich mit der Machtübernahme des shōgun Tokugawa Ieyasu (1543-1616). Nach der Schlacht von Sekigahara (1600) wurde das bakufu nach Edo (Tōkyō) verlegt und die japanische Gesellschaft neu reformiert. Es bagann die Zeit des tokugawa jidai oder edo jidai. Unter der Herrschaft der Tokugawa wurde die Macht der selbstständigen Kriegerfürsten (daimyō) erheblich eingeschränkt, indem das bakufu per Gesetz die Verfügungsgewalt und Kontrolle über ihre Einkommen erhob. Um eine noch bessere Kontrolle der Landesfürsten zu erreichen, zwang man die daimyō abwechselnd ein Jahr als Geiseln im bakufu zu leben und erlaubte ihnen nur jedes zweite Jahr ihre Lehen persönlich zu verwalten. In manchen Fällen wurden ihre Töchter und Söhne als permanente Geiseln im bakufu festgehalten. Als zusätzliche Kontrolle wurden sie von Tokugawa Ieyasu in Treue-Gruppen klassifiziert:

DAIMYŌ - Fürsten im Tokugawa jidai
Shinpan daimyō - Verwandte der Tokugawa
Fudai daimyō - Verbündete der Tokugawa
Tozama daimyō - Kriegsgegner der Tokugawa

Der in Kyōto residierende aber entmachtete Kaiser (tennō) hatte durch den Machtanspruch des bakufu kein eigenes Einkommen. Der kaiserliche Regierungsapparat wurde ausschließlich durch finanzielle Zuwendungen aus dem bakufu finanziert. Tokugawa Ieyasu achtete streng darauf, dass damit keine ihm feindlichen Armeen finanziert werden konnten. Die Gesellschaft Japans wurde im edo jidai in hauptsächlich vier Kategorien (shinōkōshō) eingeteilt, während weitere Stände außer Acht gelassen wurden:

GESELLSCHAFT in der Frühmoderne

Shinōkōshō - vier Stände

1. Shi (shizoku / buke / bushi - Krieger
  • Domin - Landbevölkerung
2. (nōmin / hyakushō) - Bauern
3. (shokunin) - Handwerker
4. Shō (shōnin) - Kaufleute

Randgesellschaft

- Kuge - kaiserlicher Hofadel
- Rōnin - herrenlose samurai
- / Bōzu - Priester
- Wakō - Piraten des Pazifiks
- Ninja - Geheimagenten

Buraku - Ausgestoßene (Paria)

- Eta - Unreine
- Hinin - Nichtmenschen

Auf die Krieger (shi) folgten die Bürger (heimin), die vor allem in der Landwirtschaft () tätig waren und überwiegend aus Bauern (nōmin / hyakushō) bestanden. Ebenfalls zu den Bürgern zählte die Stadtbevölkerung (chōnin), der Handwerker ( / shokunin) und Kaufleute (shō / shōnin) angehörten. Die Priesterschaft () und die Ärzte standen seit jeher über der Gesellschaft, andere Stände waren aus der Gesellschaft ausgeschlossen. Zu Letzteren gehörten vor allem die „Unehrlichen“ (Kurtisanen, Schauspieler, Tänzerinen), die „Unreinen“ (eta - Gerber, Schinder und Henker) und die „Nichtmenschen“ (hinin - (Bettler, Behinderte und Kranke). Im Jahr 1854 wurde Japan zur Öffnung gezwungen und bewirkte die Entstehung einer neuen Gesellschaft.

Gesellschaft in der Moderne (1868-1989)

Hauptartikel: Gesellschaft in der Moderne

Das Zeitalter der japanischen Moderne kindai beginnt 1868 mit dem meiji jidai (1868-1912) und bezeichnet die militärische Entmachtung des letzten Tokugawa-Shōgun und die Rekonstruktion (meiji isshin) der kaiserlichen Macht (tennō) durch das Kaiserhaus der Meiji. Das Zeitalter kindai unterteilt sich in meiji jidai (1868-1912), taishō jidai (1912-1926) und shōwa jidai (1926-1989).

SHINSENSHŌ JIROKU - Adel im Meiji jidai

Shizoku - adeligen Familien

Kōbetsu - kaiserlicher Adel
Shinbetsu - göttlicher Adel
Shoban - Adel von außerhalb
  • Meiji jidai (1868-1912) - beginnend mit dem meiji jidai (1868) gelangte die politische Macht erneut in die Hände des tennō. Dieser hob (1876) die bisherige strikte Trennung des Adelsstandes in Hofadel (kuge) und Kriegeradel (buke) auf und führte die adeligen Familien (shizoku) in ein Einheitssystem zusammen, das einer altertümlichen Gesellschaftsordnung (shinsenshō jiroku) nachempfunden war. Doch dieses System stieß auf heftige Proteste aus den Reihen der Betroffenen und wurde schnell wieder aufgegeben.
KAZOKU - britisches Peerage-System
  • Kazoku - Adelsstände im Meiji jidai
Kōshaku - Fürst
Kōshaku - Marquis (Markgraf)
Hakushaku - Graf
Shishaku - Vikomte
Danshaku - Baron (Freiherr)
Heimin - gemeines Volk
Eta - Unreine
Hinin - Nicht-Menschern

Bereits im Jahr 1884 änderte man erneut die Klassifizierung der Adelsstände und übernahm das britische Peerage-System. Man nannte es kazoku (Blütensippen) und verkündete in demselben Jahr die sogenannten Adelsgesetze (kaizokurei). Doch auch dieses Gesellschaftssystem wurde aufgelöst, nachdem die erste japanische Verfassung (nihon koku kenpō) am 11. Februar 1889 verabschiedet wurde und 1890 in Kraft trat. Die dai nippon teikoku kenpō (Verfassung des großen Kaiserreiches Japan bezeichnete den tennō als „himmlischen Herrscher“ und legitimierte ihn zum alleinigen Herrscher der Welt. Diese Ideologie begann 1912 und endete 1945 (sengo) in der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs (Japan im Zweiten Weltkrieg).

  • Taishō jidai (1912-1926) - beginnend mit dem taishō jidai etablierte sich in Japan zunehmend mehr ein extrem nationalistischer Imperialismus, der bis in die erste Hälfte des shōwa jidai (Japanischer Imperialismus, 1926-1945) hineinreichte und von Eroberungskriegen (Japanische Expansionskriege) auf dem asiatischen Festland geprägt war.
  • Shōwa jidai (1926-1989) - das shōwa jidai enthält die geschichtlichen Abschnitte des japanischen Imperialismus (1926-1945) und sengo (1945-1989). Relevant für die Gesellschaft ist der Zeitabschnitt sengo (ab 1945), in dem eine demokratische Verfassung (nihon koku kenpō) gegründet wurde. Japan verlor den Zweiten Weltkrieg und wurde von den Siegermächten zu einer demokratischen Verfassung gezwungen. Die aktuelle japanische Verfassung (nihon koku kenpō) wurde am 3. November 1946 vom ersten frei gewählten japanischen Parlament und vom tennō verabschiedet. Sie trat am 3. Mai 1947 in Kraft und beruht auf der Initiative der alliierten Besatzungsmächte (vor allem USA), kombiniert mit japanischen Entwürfen. Diese Verfassung hebt alle sozialen Unterschiede in der Gesellschaft auf. Die Bezeichnungen eta und hinin wurden abgeschafft. Die kazoku (Adeligen) und heimin (Volk) wurden auf sozialer Stufe gleichgestellt und sollten im Zuge der neuen Industrialisierung des Landes gleiche Rechte erfahren und dieselben Chancen erhalten.

Studien Informationen

Siehe auch: Japanische Volksgruppen | Japanische Namen

Literatur

Weblinks