Yamato

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Artikel aus: Lexikon der Kampfkünste<br.>Nachbearbeitet von: Werner Lind

Der Begriff Yamato (大和) steht allgemein für die Bezeichnung des alten Japan. Die Bezeichnung hat eine alte Tradition und wurde im Laufe der japanischen Geschichte immer wieder verwendet und hatte verschiedene Sinngebungen.

Der Begriff

Der Begriff Yamato

  1. - die Stammprovinz (Yamato no kuni und Yamatai, heute Präfektur Nara);
  2. - den dort ansässigen gleichnamigen Klans (uji), der von diesem Gebiet (kuni) ausgehend, zwischen 250 und 710 (yamato jidai);
  3. - das Kerngebiet des japanischen Reiches durch Eroberungen gründeten und die Zeit der Kaiser (teisei und tennō) einleiteten;
  4. - alles "ursprünglich Japanische" (yamato damashi und yamato kokoro), ein traditionelles Symbol für das alte Japan.
YAMATO - Begriffe und ihre Bedeutung
  1. Yamatai - Stammland der Yamato
  2. Yamato no kuni - Provinzen der Yamato
  3. Yamato damashi - die „Seele Japans“
  4. Yamato kokoro - das „Herz Japans“
  5. Yamato - Klan (uji) der Yamato
  6. Yamato - Kerngebiete (kuni) der Yamato
  7. Yamato - das „alte Japan“

Yamatai - das Stammland der Yamato

Nach den Mythen aus dem nihonshoki und kojiki endete im späten jōmon jidai das Zeitalter der Götter (jindai) und Jinmu-Tennō wird am 11. Februar 660 v.Chr. von den Shintō-Göttern (kami) beauftragt, die Menschen zu regieren. Das Gebiet, in dem er sich niederließ etablierte sich zunächst als kleine Provinz (Yamatai), in der Gegend des heutigen Nara und Kyōto. Mit der Thronbesteigung des Jinmu-Tennō im Jahre 660 v.Chr. beginnt die japanische Zeitrechnung (nengō). Dieses ursprüngliche Stammgebiet war der Ausgangspunkt zur späteren geographischen Einteilung (gokishichidō) und staatspolitischen Entwicklung (ritsuryō) Japans. Jinmu-Tennō eroberte und vereinigte in seiner Zeit fünf umliegende Provinzen (Oshikochi, Katsuragi, Yamashiro, Kii und Ise) und gründete mit der Residenz in Kashiwabara am Fuß des Unebi-Berges das Kernland Yamatai. Dieses war zunächst fast ein Jahrtausend lang ein primitives Agrarland, in dem zumeist Ingwer, Knoblauch, Körnerfrüchte und Hanf angebaut wurde. Durch die Initiative späterer Herrscher (Himiko) wurden Kontakte zum asiatischen Festland geknüpft, wodurch zwischen 200 bis 300 n.Chr. eine intensive Einwanderungswelle aus Korea und China stattfand. Ihr Einfluss (besonders die Metallverarbeitung) veränderte die einheimische Gesellschaft und etablierte um ca. 400 n.Chr. die Entstehung des japanischen Volkes.

Yamato und Yamato no Kuni

Der geschichtlichen Zeitperiode yamato (yamato jidai) geht yamatai als mythisches Zeitalter voraus. Die Zeit der Yamato und die Geschichte ihrer Provinzen (yamato no kuni) beginnt erst 250 n.Chr. und teilt sich in die Abschnitte kofun jidai (250 n.Chr - 538 n-Chr.) und asuka jidai (538 n.Chr. - 710 n.Chr.). Im Jahre 710 endet das Zeitalter der Yamato, doch der Begriff wird bis heute als Synonym für verschiedene Aspekte der japanischen Kultur gebraucht.

Yamato-Herrscher im kofun jidai

(vollständig siehe Tennō-Liste)

Yamato im kofun jidai

Im kofun jidai (250 n.Chr. - 538 n.Chr.) entwickelte sich die Provinz Yamato (yamato no kuni) allmählich zu einem zentralen Machtbereich unterschiedlicher Herrscher aus verschiedenen Gebieten und mit verschiedenen Ethnien. Bereits um 400 n.Chr. reichte die Macht dieser Herrscher bis nach Korea, wo sich eine japanische Niederlassung gründete und dadurch der Zugang zur chinesischen Kultur ermöglicht wurde. Das in dieser Zeit immer noch unterentwickelte Japan veränderte durch diesen Einflus seine primitiven Handwerkstechniken und im Besonderen entstand eine hochentwickelte Technik der Metallverarbeitung.

Yamato-Herrscher im asuka jidai

(vollständig siehe Tennō-Liste)

Yamato im asuka jidai

Zu Beginn des asuka jidai (ab 538) gewannen die im Yamato-Gebiet einheimischen Klans (uji) an Macht und setzten - trotz erheblichem Widerstand von rivalisierenden Sippen, wie z.B. Enbe, Ōtomo, Soga, Mononobe und dem shintōistischen Priestergeschlecht der Nakatomi (Fujiwara) ihren Regierungsanspruch durch. Sie bauten ihre Machtposition stetig aus, und ließen ihr Oberhaupt ab 686 n.Chr. als tennō (Sohn des Himmels) bezeichnen. Unter ihnen wurde im 5.Jh. zum ersten Mal die chinesische Schrift eingeführt und ab 552 wurde die buddhistische Lehre verbreitet. Doch die Region Yamato war zu Anfang des asuka jidai (538 n.Chr.) nach wie vor nur ein kleiner Landstrich. Durch die zunehmende Macht und Eroberungspolitik den Yamato-Herrscher einigten sich zunächst vier weitere Provinzen auf einen losen tributpflichtigen Staatenverbund mit Yamato. Langsam entwickelte sich dieses Staatengebilde zum kulturellen und politischen Zentrum der japanischen Inseln. Laut dem im 7.Jh. etablierten gokishichidō bildeten diese nun insgesamt fünf Provinzen (gokinai) das Zentralgebiet (kinai) des späteren Japans.

Gokinai - die fünf Provinzen
  • Yamato - Stammprovinz, heute
  • Yamashiro - Nebenprovinz, heute
  • Izumi - Nebenprovinz, heute
  • Kawachi - Nebenprovinz, heute
  • Settsu - Nebenprovinz, heute

Durch die Erweiterung der Herrschaft auf die oben genannten Gebiete wurde dringend eine organisierter Regierung notwendig. Unter dem Einfluss der inzwischen regierungstreuen und streng buddhistischen Soga, die sich in den Hofkreisen der Yamato-Herrscher in mehreren wichtigen Ämtern etablieren konnten, wurde der Buddhismus als Staatsreligion eingeführt. Dieser bestimmte gleichzeitig alle Regeln der Gesellschaftsordnung. Dadurch aber geriet die durch die shintōistische Mythologie erklärte göttliche Abstammung der Yamato-Herrscher (jindai) in Unordnung. Dem wurde vorgebeugt, indem der von den Soga unterstützte Prinzregent Shōtoku Taishi im Jahre 604 in seinen 17 Paragraphen (kenpō jūshichi jō) den von den Shintō-Göttern (kami) gegebenen Regierungsauftrag der Yamato-Herrscher über das gesamte japanische Inselreich anmeldete. Doch die Macht der Soga im suiko jidai (552-645) endete 645, mit einem Putsch der shintōistischen Priester-Sippe Nakatomi (später Fujiwara) im hakuhō jidai, in dem diese als neue Regierungsberater die alte Shintō-Tradition erneut einbrachten und ein Regierugsamt für shintōistische Angelegenheiten (jingikan) einrichteten. Unter diesem neuen Einfluss entstanden die Gesetzestexte taika (645) und taihō (702), die eine erste Symbiose (shinbutsu shūgō) zwischen Shintōismus und Buddhismus bildeten. Das yamato jidai endete 710. In diesem Jahr veranlasste Genmei-Tennō den Umzug der bisherigen Hauptstadt nach Nara, womit das nara jidai beginnt.

Yamato im 7. Jahrhundert

  • Organisation: in diesem frühen japanischen Staat, in dem Land und Boden durch die Gesetze des Shōtoku Taishi als alleiniges Eigentum des tennō legitimiert wurden, ernannte man die tapfersten Krieger zu Stadthaltern (kokushi), der umliegenden Provinzen (kuni), während die Hauptstadt (Asuka-kyō, Nara-kyō und Heian-kyō (später Kyōto) durch eine Leibwache, uchi no mono no bei (Truppe für Hausangelegenheiten), und durch eine Feldwache, kume bei gesichert war. Die Leibwache versah ihren Dienst im Inneren des Palastes und die Feldwache kümmerte sich um äußere Bewachung des Palastes und um die Organisation der Frondienste (Erläuterungen unter ritsuryō).
  • Tennō: auf Jinmu-Tennō folgten viele weitere Herrscher über die Zeitalter jōmon jidai, yayoi jidai und kofun jidai. Sie wurden sumera mikoto oder mikado genannt und galten als „Herrscher über das Land Wa“. Der Begriff tennō (Herrscher des Himmels) entstand erst in der Regierungszeit der Kaiserin Jitō-Tennō (686-697).

Der Begriff und die Bedeutung der Yamato-Tennō wurden rückwirkend in den mysthischen Reichschroniken kojiki (712 n.Chr.) und nihonshoki (720 n.Chr.) idealisiert und bis zu Jinmu-Tennō zurück übertragen. Doch die Yamato-Klans herrschten erst seit 600 n.Chr. und eine tatsächliche Macht- und Regierungsgewalt der tennō (teisei) gab es in Wirklichkeit nur im 7. und 8. Jh. Davor regierten verschiedene willkürliche und diktatorische Herrscher des Yamatai und später wurde das Reich immer mehr vom Einfuss mächtiger Klans (Soga und Fujiwara) bestimmt. Schließlich endete die Herrschaft der Kaiser 1192 in einer militärischen Diktatur (bakusei, bakufu und shōgun).

Yamato heute

Oft wird der Begriff "Yamato" im nationalistischen Sinn für die Identifikation der Japaner mit ihrer ureigensten Tradition gebraucht, in der früher alles wertvoller und besser war. Man bezeichnet damit schlichtweg alles traditonell Japanische. Begriffe wie yamato damashi oder yamato kokoro bezeugen auch heute den ungebrochenen Glauben der Japaner an diesen Mythos und arten nicht selten in nationalistische Haltungen aus.

Studien Informationen

Literatur

  • Donald H. Shiveley & William H. McCullough (Hrsg.): The Cambridge History of Japan, Vol.1, Cambridge University Press 1999.
  • Jonathan Edward Kidder: Himiko and Japan’s elusive chiefdom of Yamatai, University of Hawai’i Press, Honolulu 2007.
  • C. Melvin Aikens und Takayasu Higuchi: Prehistory of Japan, Academic Press, New York 1982.
  • Werner Lind: Lexikon der Kampfkünste, BSK-Studie 2009.

Weblinks

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