Japan

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日本
Nihon / Nippon
Japan
Flagge Wappen
Fläche 377.801km2
Höchster Berg Fuji (3776 m)
Wichtige Gewässer Biwasee
Hauptstadt Tōkyō
Staatsform konstitutionelle Monarchie
Verwaltungsgliederung 47 Präfekturen
Bevölkerung 127,3 Mio.
Sprache Japanisch
Religion Shintoisten (88%), Buddhisten (78%), Christen (4%)
Währung Yen
Japan Geographisch Japan Einleitung.jpg

Artikel aus: Lexikon der Kampfkünste
Nachbearbeitet von: Werner Lind

Der Begriff Japan (Nihon oder Nippon 日本) ist eine verwestlichte Bezeichnung für den japanischen Staat (Nihon Koku), eine Inselgruppe im Westen des Kontinentes Asien. Die originale Lautung setzt sich aus den kanji 日(ni - Tag, Sonne) und 本(hon - Ursprung, Wurzel) zusammen und veranlasst die Japaner (nihonjin) ihre Heimat als „Land der aufgehenden Sonne“ zu bezeichnen. Den Begriff Japanisches Kaiserreich (Nihon Teikoku) gebrauchte man zwischen den Jahren 1889 und 1947. Gleichzeitig wurden auch Bezeichnungen wie Nihon und Nippon verwendet aber wechselweise auch Dai Nippon (Großjapan) und Dai Nippon Koku (Nation Großjapan). Erst 1946 wurde in der japanischen Nachkriegsverfassung (kenpō) die aktuell offizielle Bezeichnung des Landes als Nihon Koku (Japanischer Staat) gesetzlich festgeschrieben. Die heute im Westen verwendete Bezeichnung „Japan“ und seine früher gebrauchte mythologische Bezeichnung cipangu sind Ausprachen der chinesischen Schriftzeichen 日本國 (rìbĕnguó).

Inhaltsverzeichnis

Japanische Geographie (nihon chirigaku)

Hauptartikel: Japanische Geographie

Topographische Ansicht Japans

Japan umfasst 377.801 Quadratkilometer, hat 127 Millionen Einwohner und ist nach Indonesien gefolgt von Madagaskar und Papua-Neuguinea der viertgrößte Inselstaat der Welt. Das japanische Staatsgebiet ist geologisch ein vulkanisches Gebirge, dessen Gipfel sich über den Meeresspiegel erheben und mit mehreren weiteren Inseln derselben Struktur ein Festland bilden, das sich über 2.400 Kilometer von Nordost bis Südwest erstreckt.
Entsprechend seiner geologischen Struktur sind ca. drei Viertel des japanischen Staatsgebietes kaum oder überhaupt nicht bewohnbar. Die Bevölkerung siedelte seit der Frühzeit hauptsächlich in den Küstengebieten und Bergtälern der großen Ebenen (Kantō und Kansai) der Hauptinsel Honshū. Auch heute sind diese Regionen die Ballungszentren der modernen japanischen Industriegesellschaft, die insgesamt 127 Millionen Menschen auf vier Hauptinseln mit einer Gesamtfläche von 377.801 km2 konzentriert.
Insgesamt ziehen sich 250 Vulkanketten über die japanischen Inseln, von denen ca. 60 noch aktiv sind und stets zahlreiche und gesellschaftsbedrohliche Erdbeben und Vulkanausbrüche auslösen. Rund 80 Prozent der japanischen Landfläche nehmen unbewohnbare Vulkangebirge ein (höchster Berg Fujisan, 3767 m). Die geologische Beschaffenheit Japans ist für die Einwohner bedrohlich, vor allem weil sich mehrere Kontinentalplatten unter ihrem Landgebiet überschneiden und seit jeher für Naturkathastrophen sorgen.

Japanische Inseln

Hauptartikel: Japanische Inseln

Das hauptsächliche japanische Staatsgebiet besteht aus vier Hauptinseln: (Hokkaidō, Honshū, Shikoku und Kyūshū). Dazu kommen mehrere tausend kleine Inseln (nansei shotō), verteilt auf die Seto-Inlandsee (Hauptinsel Awaji shima) und die 1603 eroberte Inselkette des Ryūkyū-Archipels mit der Hauptinsel Okinawa.

Japanische Inseln
- Satsunan-Inseln () - Inselgruppe zwischen Kyūshū und Okinawa
- Ryūkyū-Inseln (琉球諸島) - Inselgruppe im Süden

Japanische Meere

Hauptartikel: Japanische Meere

Seekarte Japans

Das japanische Inselreich ist vom Pazifischen Ozean (taiheiyō 太平洋) umgeben, der in der Küstennähe Japans ins Japanische Meer (nihonkai 日本海), Ochotskische Meer (ohōtsuka kai オホーツク海), Ostchinesische Meer (higashi shina kai 東シナ海) und Gelbe Meer (kōkai 黄海) übergeht.

Staatspolitische Einteilung

Hauptartikel: Japanische Verwaltung

Staatspolitisch teilte sich Japan ursprünglich in Regionen (chihō) und Provinzen (kuni), diese wurden aber von dem modernen System, den Japanischen Präfekturen (ken) und den Bezirken (gun) überlagert, die heute die gültigen Verwaltungseinheiten bilden.

Japanische Städte

Hauptartikel: Japanische Städte

Der größte Teil des Lebens auf den japanischen Inseln findet in den großen japanischen Ebenen statt, in denen auch die größten Städte (toshi) angesiedelt sind. Die größten Städte Japans sind unten aufgeführt.

Toshi - Japans größte Städte
Tōkyō (8.340.000 Ew.) - Präfektur Tōkyō
Yokohama (3.375.500 Ew.) - Präfektur Kanagawa
Ōsaka (2.639.700 Ew.) - Präfektur Ōsaka
Nagoya (2.213.700 Ew.) - Präfektur Aichi
Sapporo (1.874.900 Ew.) - Präfektur Hokkaido
Kōbe (1.523.900 Ew.) - Präfektur Hyōgo
Kyōto (1.469.500 Ew.) - Präfektur Kyōto
Fukuoka (1.400.100 Ew.) - Präfektur Fukuoka
Kawasaki (1.315.900 Ew.) - Präfektur Kanagawa
Saitama (1.176.314 Ew.) - Präfektur Saitama
Hiroshima (1.155.600 Ew.) - Präfektur Hiroshima
Miyako - Japans frühere Hauptstädte
Asuka - Asuka jidai (552-710)
Nara - Nara jidai (710-794)
Heian - Heian jidai (794-1185)
Kamakura - Kamakura jidai (1185-1333)
Muromachi - Ashikaga-Muromachi jidai (1333-1568)
Azuchi - Azuchi-Momoyama jidai (1568-1603)
Edo (Tōkyō) - Edo jidai (1603- 1868)

Japanische Geschichte (nihonshi)

Hauptartikel: Japanische Geschichte | Japanische Zeitalter | Japanische Kriege

Japans lange Geschichte (nihonshi, auch nihon rekishi), wurde zu einem wesentlichen Teil auf der Grundlage der aus China übernommenen Mythen nachkonstruiert und im Weiteren auf historischen Tatsachen aufgebaut. Gleichzeitig ist sie ein Beispiel für die Zeitentwicklung einer primären Stammeskultur (uji), über Adels- und Feudal-Geschlechter bis hin zur Moderne. Die in den Zeitaltern enthaltenen Perioden sind oft umstritten und entsprechend weisen die Jahres- und Regierungsdaten (nengō) ihrer Herrscher (tennō) manchmal Unterschiede, vor allem zum westlichen Kalender auf. Aber auch nach dem japanischen Kalender (reki) gibt es diesbezüglich manche Unstimmigkeiten. Sie unterteilt sich grundlegend in folgende Zeitperioden:

Epochen der japanischen Geschichte
Japanische Frühgeschichte - Genshi (10.000 v.Ch. - 300 n.Ch.)
Japanisches Altertum - Kodai (300 - 1192)
Japanisches Mittelalter - Chūsei 1192 - 1603)
Japanische Frühmoderne - Kinsei (1603 - 1868)
Japanische Moderne - Kindai (1868 - 1989)
Japanische Gegenwart - Gendai (1989 - heute)

Innerhalb der oben genannten Epochen definieren sich mehrere geschichtliche Perioden (siehe kōki, nengō und jidai), mit unterschiedlichen Hauptstädten (miyako), die unterschiedliche Abschnitte in staatspolitischen, kulturellen oder sozialen Gegebenheiten Japans bezeichnen.

Japanische Zeitalter
Jōmon jidai (7.500 v.Ch. - 300 v.Ch.)
Yayoi jidai (300 v.Ch. - 300 n.Ch.)
Kofun jidai (300 - 552)
Asuka jidai (552 - 710)
- Suiko jidai (552 - 642)
- Hakuhō jidai (642 - 710)
Nara jidai (710 - 794)
Heian jidai (794 - 1192)
Kamakura jidai (1192 - 1333)
- Minamoto-Shōgun (1192 - 1333)
- Hōjō-Shikken (1203 - 1333)
Ashikaga-Muromachi jidai (1333 - 1568)
- Kenmu irai tsuika (1333 - 1336)
- Nanbokuchō (1336 - 1392)
- Sengoku jidai (1482 - 1568)
Azuchi-Momoyama jidai (1568 - 1603)
Edo jidai (1603 - 1868)
- Sakoku (1639 - 1853)
- Bakumatsu (1853 - 1868)
Meiji jidai (1868 - 1912)
Taishō jidai (1912 - 1926)
Shōwa jidai (1926 - 1989)
- Japanischer Imperialismus (1926 - 1945)
- Sengo (1945-1989)
Heisei jidai (1989 - bis heute)

Genshi - Japanische Vor- und Frühgeschichte (28.000 v.Chr. - 300 n.Chr.)

Hauptartikel: Japanische Geschichte | Japanische Frühgeschichte | Japanische Mythologie | Japanische Zeitalter

Der erste Abschnitt der prähistorischen Geschichte Japans (genshi) beginnt bereits 28.000 v.Ch., ist aber für geschichtliche Forschungen wenig relevant, da es sich um die Verdrängung des Homo erectus durch den Homo sapiens handelt. Es gibt weltweit keine eindeutigen Erkenntnisse über diese Vorgänge. Die Zeitperioden werden als Paläolithikum und Mesolithikum bezeichnet. Die Japanische Mythologie bezeichnet sie als das Zeitalter der Götter (jindai).

GENSHI - Japanische Vor- und Früh-Geschichte
  • Prähistorie - Vorgeschichte (28.000 v.Chr. - 7.500 v.Chr)
Paläolithikum (28.000 v.Chr. - 10.500 v.Chr.)
Mesolithikum (10.500 v.Chr. - 7.500 v.Chr.)
  • Japanische Frühgeschichte (7.500 v.Chr. - 300 n.Chr.)
Jōmon jidai (7.500 v.Chr - 300 v.Chr)
- Beginn-Jōmon (7.500 - 4.000 v.Chr).
- Früh-Jōmon (4.000 - 3.000 v.Chr).
- Mittel-Jōmon (3.000 - 2.000 v.Chr.)
- Spät-Jōmon (2.000 - 1.000 v.Chr.)
- End-Jōmon (1.000 - 300 v.Chr.)
Yayoi jidai - (300 v.Chr. - 250 n.Chr.)
  • Zwischengefügte Zeitalter
Yamatai (660 v.Chr. - 710 n.Chr. - ungeklärt)
Yamato (660 v.Chr. - 710 n.Chr. - ungeklärt)
  • Paläolithikum (Fühzeit) - ca. 28.000 v.Ch. bis 10.500 v.Chr. Zu bemerken ist, dass sich die Rasse des Homo sapiens (Urvater des modernen Menschen) erst vor ca. 35.000 Jahren verbreitete und den Homo erectus (Urmensch - in Europa den Neanderthaler) langsam verdrängte. Es gibt weltweit keine wissenschaftlichen Erkenntnisse über diese Vorgänge.
  • Mesolithikum (zweite Frühzeit) - ca. 10.500 v.Ch. - 7.500 v.Chr., weiter jōmon jidai. Da es auch für diesen Zeitraum keinerlei wissenschaftliche Erkenntnisse gibt, bezeichnet die Japanische Mythologie diese Zeit als jindai (Zeit der Götter). In Europa entstand in dieser Zeit (ca. 3.600 v.Chr.) die Minoische Kultur auf Kreta. In der japanischen Mythologie wird in Folge (ab 7.500 v.Chr.) das jōmon jidai genannt, in dem sich das jindai (Zeit der Götter) 660 v.Chr. zum nindai (Zeit der Menschen) veränderte.

Jōmon jidai (7.500 v.Chr.- 300 v.Chr.)

Jōmon ist ein Begriff, der ein ornamentales, für diese Zeit typisches Schnurmuster für die frühen japanischen Keramikfunde bezeichnet. Nach ihm benannte man diese prähistorische Zeit Japans als jōmon jidai. Die Zeitalter vor dem jōmon jidai werden als Paläolithikum (erste Frühzeit; 28.000 v.Chr.-10.500 v.Chr.) und Mesolithikum oder Proto-Jōmon (zweite Frühzeit; 10.500 v.Chr.- 7.500 v.Chr.) bezeichnet. In dieser Zeit sind erste Einwanderungen, vermutlich aus Zentralasien, Sibirien und dem südpazifischen Raum verzeichnet. In Japan entstanden erste Strukturen des Ackerbaus. Zur gleichen Zeit (ca. 3.600 v.Chr) entstand in Europa die ägyptisch beeinflusste Hochkultur der Minoer auf Kreta, abgelöst (ca. 2.000 v.Chr.) von der vorgriechischen Mykene (Gründer Perseus), deren späterer Herrscher (Agamemnon) im 12. oder 13. Jhr. v.Chr den Trojanischen Krieg führte (mythologische Überlieferung von Homer aus dem 8.Jhr. v.Chr in den Epen „Ilias“ und „Odyssee“). Ab 750 v.Chr. - 500 v.Chr) gründeten sich die griechischen Stadtstaaten um Athen - 480 v.Chr, besiegten sie das Weltreich der Perser und gründeten den Attischen Seebund. Unter Perikles entstand ca. 450 v.Chr. die erste Demokratie der Welt. Grundlegende europäische Künste, Kulturen, Wissenschaften und Philosophien erblühten. Die entsprechende japanische Zeitperiode (ca. 7.500 bis 300 v.Chr.) war gegenüber Europa noch weit zurück. In Japan nennt man dafür das jōmon jidai und klassifiziert es in fünf Zeiträumen. Die Erkenntnisse über dieses Zeitalter erschöpfen sich jedoch in mystischen Erläuterungen aus dem viel später (7. Jhr.) entstandenen nihonshoki und kojiki, in denen die Entstehung Japans (Nihon / Nippon) und der Japaner (nihonjin) auf die Götter (kami) zurückzuführen ist (Zeitalter der Götter, jindai). Später (ab 660 v.Chr.) entstand das „Zeitalter der von den Göttern abstammenden Japaner“ (Zeitalter der Menschen, nindai).

  • Jindai - Zeitalter der Götter (kami, Vor- und Frühgeschichte Japans (genshi), in der laut den mythischen Erzählungen aus dem nihonshoki und kojiki die Menschen der japanischen Rasse (nihonjin) als direkte Abkömmlinge der Sonnengottheit (Amaterasu) und ihrem göttlichen Nachfolger (Ninigi no Mikoto) begründet liegt und durch Insignien (sanshū no jingi) legitimiert wird.
  • Nindai - Zeitalter der Menschen (nindai). Vom shintō geprägter mythologischer Beginn der ersten menschlichen Gott-Kaiser (Sumeru no Mikoto). Die Epoche beginnt mit der Thronbesteigung des Jinmu-Tennō (11. Februar, 660 v.Chr.), mit der auch das Zeitalter der menschlichen Gott-Kaiser eingeleitet wird und die japanische Zeitrechnung (nengō) beginnt. Nach der rückbetrachtenden Mythologie des kojiki und nihonshoki (7.Jhr.) bestieg Jinmu-Tennō, ein Urenkel von Amaterasu zu besagtem Zeitpunkt den Thron und gründete, nach mehreren Eroberungskriegen das Herrschaftgebiet Yamatai. Dieses Datum (reki) wurde zum amtlichen Gründungstag des japanischen Reiches (Yamatai, Yamato) erklärt und ist gleichzeitig der Beginn der japanischen Zeitrechnung (nengō), beginnend mit dem Jahr eins (1).

Yamatai & Yamato (660 v.Chr.-710 n.Chr.)

Über mehrere Geschichtsepochen (jōmon jidai, yayoi jidai, kofun jidai und asuka jidai) der japanischen Frühzeit (genshi) und des Altertums (kodai) erstreckten sich erste Machtgruppierungen japanischer Regenten im yamato jidai mit unterschiedlichen Ethnien.

  • Yamatai - die Tendenz zu einer organisierten Machtausübung begann sich bereits ab 660 v.Chr. abzuzeichnen, nachdem (laut den Mythologien aus dem kojiki und nihonshoki) Jinmu-Tennō durch einen Auftrag der Götter (kami) die menschliche Rasse regieren sollte. Er festigte seinen Machtanspruch durch die Eroberung mehrerer umliegender Ländereien um das heutige Nara und Kyōto (Yamatai), und seine Nachfolger dehnten das Gebiet über 32 Provinzen (kuni) auf ca. 600 Quadratkilometer aus. Die Einwohner dieser Gebiete werden als Jōmon-Leute bezeichnet. Sie waren hauptsächlich Fischer, Sammler und Jäger. Doch die aufkommende Einwanderungswelle (zwischen 300 v.Chr. und 200 v.Chr.) aus Korea und China veränderte ihren Lebensstil, Technologie und Handwerk und schließlich auch ihre ethnische Zusammensetzung. Dies war der Anlass zum zeitgeschichtlichen Umbruch ins yayoi jidai. Die Existenz von Yamatai ist nur durch rückbetrachtende Mythen aus dem kojiki (712) und nihonshoki (720) belegt. In früheren chinesischen Analen (weizhi, ca. 200 n.Chr.) wird die genannte Region als Land Wa erwähnt, das von einer gewählten Regentin (Himiko, 183-248 n.Chr.) regiert wurde. Zunächst wurden die Herrscher von Yamatai von den Sippenverbänden (uji) gewählt oder sie putschten sich durch militärische Gewalt an die Macht. Ab ca. 250 n.Chr. begann sich die Situation zu verändern. Himiko knüpfte direkte Kontakte zu China (speziell zu den Wei) und zu Korea und begann durch deren Einfluss Land, Staat und Gesellschaft neu zu organisieren. Daraus entstand 250 n.Chr. Yamato, aus dem sich bis zum 7.Jhr. n.Chr. die Hauptstadtgegend kinai und das spätere Zentrum Japans entwickelte, von dem aus weitere Landgegenden (chihō und gokishichidō) beherrscht und verwaltet wurden.
  • Yamato - erst im kofun jidai, fortgesetzt im asuka jidai entstand das Reich der Yamato, das für die meisten Historiker entsprechend zwischen den Jahren 250 n.Chr. und 710 n.Chr. angesiedelt wird. Es bezeichnet die zunehmende Vorherrschaft verschiedener in diesem Gebiet angesiedelten Klans (uji) der Yamato. In diesem Zeitraum entstanden erste Reformen (ritsuryō), beginnend mit dem Prinzregenten Shōtoku Taishi, unterstützt durch den buddhistischen Klerus der Soga (531) und später (645) durch das Shintō-Geschlecht der Fujiwara). Ab 686 n.Chr. etablierten die Yamato-Klans durch die Herrschaft von Jitō-Tennō erstmals eine ideologische Kontinuität des Kaiser-Hauses (koshitsu), der bis heute anhält. Doch das yamato jidai selbst endete 710 mit dem Umzug der Hauptstadt nach Nara. Damit begann die „Zeit der Kaiser“ (teisei).

Yayoi jidai (ca. 300 v.Chr.-250 n.Chr.

Das yayoi jidai kennzeichnet sich besonders durch erste Metallverarbeitungen (hauptsächlich Bronze) und die Entstehung des Nassfeld-Reisanbaus. Bemerkenswert ist die weitere Entwicklung von Yamatai (660 v.Chr. bis ca 250 n.Chr.), dessen nachfolgende Herrscher das Reich der Yamato gründeten. Koreanische und chinesische Einwanderer erhöhten den Einfluss fremder Kulturen und brachten zwischen 200 und 300 v.Chr. den Konfuzianismus, die Weberei und den koreanischen Baustil nach Japan. In diesem Zeitraum gab es in Europa bereits viele hochentwickelte griechische Stadtstaaten, allen voraus die demokratische Regierunge von Athen, mit einer außerordentlich hoch entwickelten Kultur, Wissenschaft und Philosophie. Doch 410 v.Chr. verlor Athen im peloponnesischen Krieg seine Macht an Sparta. Aber Sparta konnte seine Vorherrschaft nicht lange halten und verlor sie 371 an Phillipp II. aus Theben. Sein Sohn, Alexander der Große, sollte in Folge durch sein Feldzüge das größte Reich der bisher bekannten Geschichte erobern. Er besiegte die Perser, drang bis nach Indien vor und verbreitete die hellenische Kultur bis ins Zentrum Asiens. Alexander starb 323 v.Chr. Folgend (200-197 v.Chr.) wurde das makedonische Reich von den aufsteigenenden Römern bekämpft und 168 (Schlacht von Pydna) vernichtend geschlagen. Griechenland wurde zur römischen Provinz.

Kodai - Japanisches Altertum (300-1185)

Hauptartikel: Japanische Geschichte | Japanisches Altertum | Japanische Zeitalter

Mit dem yayoi jidai (ca. 250 n.Chr., nach anderen Quellen erst 300 n.Chr.) endet die japanische Frühgeschichte (genshi) und leitet das japanische Altertum (kodai) ein. Dieses beginnt mit dem kofun jidai (250 n.Chr.) und setzt sich über asuka jidai-, nara jidai- und heian jidai fort. Die dazugehörenden Daten sind wissenschaftlich umstritten und werden heute unterschiedlich interpretiert. In allgemeiner Übereinstimmung mit den meisten Historikern endet das japanische Altertum 1185 mit der Machtübernahme der Militärherrscher (shōgun). Doch in seinen Zeitperioden (jidai) wurden die Grundlagen für die Entstehung des späteren japanischen Kaiserreiches (Nihon) gelegt.

Kodai (300 - 1185)- japanisches Altertum
Kofun jidai (250 n.Chr. - 552 n.Chr.)
Asuka jidai (538 n.Ch. - 710 n.Ch.)
Nara jidai (710 - 794)
Heian jidai (794 - 1192)

Kofun jidai (250-552)

Die Bezeichnung dieser Epoche als kofun jidai bezieht sich auf den Begriff kofun (alte Grabhügel) und ist auf archäologische Funde mehrerer meist schlüssellochförmiger Hügelgräber zurückzuführen, die auf Honshū und Kyūshū entdeckt wurden und auf die Zeit zwischen den Jahren 250 n.Chr. bis 552 (bzw. 710) datiert werden. Manche Forscher setzen die Jahreszahlen (250-538) gleich mit dem ersten Abschnitt des yamato jidai. Dadurch würde sich das Reich der Yamato über die Zeitperioden kofun jidai (250 n.Chr. - 552 n.Chr. und asuka jidai (538 n.Chr. - 710 n.Chr) erstrecken, insgesamt also zwischen 250 bis 710 n.Chr. Doch manche Historiker bezeichnen das kofun jidai nicht als eigenständiges Zeitalter sondern als integrierte Zeitperiode im asuka jidai (Ende 710). Überhaupt ist yayoi jidai, kofun jidai und asuka jidai als Epoche nur vage definiert und wird als Definition und Zeitübersicht oft unterschiedlich angegeben.

Asuka jidai (552-710)

Das japanische Zeitalter asuka jidai bezeichnet einen Abschnitt der japanischen Geschichte mit der Hauptstadt (miyako) in Asuka. Es gliedert sich in zwei untergeordnete Epochen:

  • Suiko jidai (552-642) - die erste Zeitperiode des asuka jidai kennzeichnet sich durch die Herrschaft der Soga und durch eine gravierende staatspolitische Reform des Prinz-Regenten Shōtoku Taishi, wodurch das Reich der Yamato nach dem Vorbild der chinesischem Sui- (bzw. Tang-Dynastie) organisiert wurde. Ab 552 wurde der Buddhismus (bukkyō) zur Staatsreligion und hatte zusammen mit dem Konfuzianismus (jukyō) einen erheblichen Einfluss am kaiserlichen Hof. Auf beide aufbauend schuf Shōtōku Taishi im Jahre 604 unter der Mithilfe des amtierenden Klans der Soga ein erstes japanisches Gesetzbuch (kenpō jūshichi jō) in siebzehn Artikeln, das die uneingeschränkte Souveränität der Yamato über das gesamte japanische Reich mit all seinen neu eroberten Gebieten einräumte.
  • Hakuhō jidai (645-710) - im Jahre 644 n.Chr. endet für manche Forscher das Reich der Yamato (für andere erst 710). Durch den Putsch der Fujiwara gegen die Soga (645) entstand das Zeitalter hakuhō jidai, in dem sich der Buddhismus (bukkyō) mit dem wieder erstarkten Shintōismus (shintō) zu einer Symbiose (shinbutsu shūgō) vereinigte, wodurch viele neue Sekten entstanden. Durch den Einfluss der Fujiwara entstand die Taika-Reform (taika und ritsuryō). Im Jahr 684 setzte Tenmu-Tennō die kabane (Standestitel) nach Verdiensten neu fest: mahito, asomi, sukune, imiki, michinoshi, omi, muraji und inagi (yakusa no kabane). Ab 690 (Jitō-Tennō) entstand der Titel tennō und die Bezeichnung Nippon. Im Jahr 694 wurde die Hauptstadt von Asuka nach Fujiwara verlegt.

Nara jidai (710-794)

Die Kaiserin Genmei-Tennō (707-715) verlegte 710 die Hauptstadt (miyako) von Fujiwara nach Heijō (Nara), womit das nara jidai eingeleitet wurde. Die Fujiwara belebten kurzfristig den shintō, unter Shōmu-Tennō (724-749) erstarkte wieder der Buddhismus am Hof. Um dem zunehmenden Einfluss des buddhistischen Klerus zu entgehen, verlegte Kanmu-Tennō 784 die Hauptstadt nach Nagaoka. Das nara jidai endete 794 mit einem erneuten Hauptstadtumzug nach Heian(Kyōto) und wurde schließlich vom heian jidai abgelöst. Der geschichtliche Zeitraum im nara jidai ist anfangs (710-784) durch einen kulturellen Aufschwung und der relativ uneingeschränkten Kaisermacht (teisei) gekennzeichnet, die auf einen starken Einfluss aus China zurück zu führen sind. In den späteren Jahren (784-794) erfolgte jedoch eine zunehmende Schwächung des Kaiserhauses (koshitsu) durch die Macht des buddhistischen Klerus. Im Verlauf dieser Geschehnisse kamen alte (Fujiwara) und neue (Taira) einflussreiche Adels-Familien (uji) am Kaiserhof auf, die im späteren heian jidai im Schatten des tennō die Macht im Reich beanspruchen sollten. Bereits seit der Taika-Reform (645) entwickelte sich Japan zu einem zentralistischen Beamtenstaat und der tennō wurde zum alleinigen Besitzer von allem Grund und Boden. Doch die Verwaltung der Ländereien (kuni) war kompliziert und erforderte immer neue Gesetze (ritsuryō). Jede Neuordnung der Gesetze wurde durch Machtintrigen der Klan-Oberhäupter (uji) unterlaufen, die ihr Lehen zunehmend mehr als Privatbesitz zu begreifen begannen. Aus ihnen entstanden die shōen, durch die die zukünftige Macht des tennō erheblich in Frage gestellt werden sollte.

Heian jidai (794-1192)

Als Heian (heute Kyōto) gegen Ende des 8. Jahrhunderts die Hauptstadt Japans wurde, gewannen die Hofadeligen (kuge) immer mehr Einfluss auf die Regierungsgeschäfte und schließlich die Macht über den tennō. Obwohl Kanmu-Tennō (regierte 781-806) die kaiserliche Herrschaft noch einmal zu stabilisieren versuchte, unterlag er dem Einfluss der mächtigen Adelsgeschlechter. Vor allem die mächtigen Fujiwara erwarben durch eine geschickte Heiratspolitik sogar die Vormundschaft (sesshō und kanpaku) über den tennō und bestimmten im Alleingang (siehe Japanische Regenten) die Geschicke des Landes. Die Oberhäupter ihrer fünf wichtigsten Klans (gosseke) sollten für eine lange Zeit anstelle des tennō regieren. Dadurch war Japan nur noch der Form nach eine Monarchie. Die ohnmächtigen Kaiser dankten reihenweise ab, zogen sich in Klöster zurück (insei) und versuchten mehr oder weniger von dort aus ihren Einfluss geltend zu machen. Obwohl Go-Sanjō-Tennō bereits 1072 die Herrschaft der Fujiwara zu brechen versuchte, indem er sich in ein Kloster zurückzog und seinen Sohn als legitimen Herrscher einsetzte, veränderte sich nichts am Machtvolumen der Fujiwara. Die Praktiken des insei setzten sich über Shirakawa-Tennō (abgedankt 1087), gefolgt von Toba-Tennō (abgedankt 1129) und Go-Shirakawa-Tennō (abgedankt 1158) fort. Trotz aller Kriege erblühte in der Heian-Zeit vor allem die höfische Kultur, die Silbenschrift (hiragana) wurde entwickelt und es entstanden viele Werke der japanischen Literatur nihon bungaku). Bukkyō (Japanischer Buddhismus und shintō (Shintōismus) beeinflussten sich gegenseitig immer mehr und bereits ab 805 enstanden innerhalb der Religionen (Japanische Religion) Synkretionen (shinbutsu shūgo, wie z.B. die Sekten tendai, oder shingon. Im späten heian jidai (ab ca. 1150) wurde der Amida-Buddhismus in den Formen jōdo shū und jōdo shinshū eingeführt, ein volkstümlicher Glaube an den Buddha Amida und an die zyklischen Wiedergeburten im jōdo (reines Land). 1191 wurde von Eisai Zenji der Tee (cha) aus China mitgebracht und mit seinen zeremoniellen Ritualen (chadō und cha no yū) neben dem sake zum japanischen Nationalgetränk erhoben. Eisai brachte in demselben Jahr auch den Zen-Buddhismus (zen) nach Japan, der in der späteren Entwicklung des Kriegertums (bushidō) eine bedeutende Rolle spielen sollte. Doch der kulturelle und religiöse Hochschwung dieser Zeit konnte den politischen Niedergang des tennō nicht verhindern. Bereits ab 997 wurden immer neue Gebiete im Norden Japans erobert und die Ainu nach Hokkaidō abgedrängt. In den Eroberungskriegen gegen die Ainu etablierten sich neu erstarkte Kriegerfamilien (buke), allen voran die Taira und Minamoto. Längst beherrschten die Kriegerfürsten der oben genannten Klans (uji) - in Konkurrenz zueinander - alle wirtschaftliche Gebiete (chihō) des japanischen Kaiserreiches, mit Ausnahme der Stadtgebiete (kinai) von Heian (heute Kyōto). Zuerst erhoben die emporstrebenden buke der Taira einen Anspruch auf die Macht im Land und machten den Hofbeamten der Fujiwara die Macht streitig. Dadurch entstanden erbitterte Auseinandersetzungen zwischen dem amtierenden Hofadel (kuge) und dem hochstrebenden Schwertadel (buke). Doch die Taira wurden 1180 im Genpei-Krieg (genpei no kassen) von ihren Rivalen, den Minamoto besiegt. Im heian jidai gab es folgende mehrere kriegerische Auseinandersetzungen. Im Jahr 1192 erhielt der siegreiche Kriegerfürst Minamoto no Yoritomo von Go-Toba-Tennō den Titel des sei i tai shōgun (großer Feldherr zur Unterjochung der Barbaren) und erreichte dadurch ein grosses Machtvolumen im Reich. Dieses benutzte er in eigenem Sinn und befreite sich von jeder Abhängigkeit gegenüber dem tennō. Im Jahr 1192 errichtete er eine dem Kaiser entgegenstehende Militärdiktatur (bakufu) in Kamakura. Damit beginnt das japanische Mittelalter (chūsei) mit dem kamakura jidai.

Chūsei - Japanisches Mittelalter (1185-1603)

Hauptartikel: Japanische Geschichte | Japanisches Mittelalter | Japanische Zeitalter

Das Japanische Mittelalter (chūsei, 1185-1603) beginnt mit dem Zerfall der zentralistischen Staatsordnung des tennō im heian jidai (ab 1185) und etabliert 1192 eine zum kaiserlichen Hofstaat parallel errichtete Militärdiktatur des shōgun, die unter verschiedenen Kriegergeschlechten (buke) bis 1868 bestehen blieb. Durch diese Veränderung wurde der tennō und die amtierende Regierung der Fujiwara zu Marionetten des shōgun. Die Minamoto überließen dem kaiserlichen Hof nur noch eine ohnmächtige Zivilverwaltung (kokushu und shōen), den eitlen Namen (tennō) und den Schein der Regierung.

CHŪSEI (1192-1603) - japanisches Mittelalter
- Kenmu irai tsuika (1332-1336)
- Nanbokuchō (1336-1392)
- Sengoku jidai (1482-1568)

Kamakura jidai (1192-1333)

Das kamakura jidai beginnt 1192 mit der Errichtung des kamakura bakufu (Militärregierung in Kamakura). Nach der Entscheidungsschlacht (1185, genpei no kassen) der Taira gegen die Minamoto bezeichnet es das neue militärische Machtzentrum (bakufu) der shōgun, die aus der kleinen Ortschaft Kamakura gegen die kaiserliche Hauptstadt (Heian, heute Kyōto) regierten. Im Wesentlichen kennzeichnet diese Zeit den Sieg des Kriegeradels (buke) über den Hofadel (kuge). Die amtierenden Fujiwara blieben als sesshō und kanpaku in Amt und Würden (japanische Regenten), doch der von ihnen bevormundete Kaiser verlor die wirtschaftliche und politische Macht an den shōgun. Obwohl die Fujiwara und ihre wichtigsten Zweigfamilien (gosekke) noch viele Jahrhunderte den entmachteten Kaiser dominierten, war ihre Regierungsbedeutung für das Reich unbedeutend. Im kamakura jidai wurde die Machtposition des shōgun (Militärdiktator) etabliert und das Zeitalter der Monarchie beendet. Hauptsächlich zwei Kriegerfamilien (uji) waren daran beteiligt:

  • Minamoto (1192-1203) - im Jahre 1192 begann mit Minamoto no Yoritomo die Regierungszeit der shōgune und schaltete damit sowohl die Macht der Hofbeamten (kuge) als auch die des Kaisers (tennō) aus. Nachdem die Taira im genpei no kassen (Genpei-Krieg) entmachtet wurden, verlegten die Minamoto ihren Regierungssitz nach Kamakura (bei Tōkyō). Die von Minamoto Yoritomo ins Leben gerufene Militärregierung (bakufu) verschaffte dem Land Recht, Ordnung, Gesetze und Verwaltung. Dies war der Beginn der japanischen Feudalzeit. Der Militäradel (buke) stellte das Militäroberhaupt (shōgun), dem alle zukünftigen Lehensträger (zuerst shugo und jitō, nach dem sengoku jidai, daimyō) unterstellt waren. Der Kaiser hatte nur noch symbolische Macht. Offiziell regierten die Minamoto-Shōgune bis 1333, doch bereits 1203 verloren sie die politische Macht an die Hōjō, die als shikken (Vormund eines shōgun) die Regierungsgeschäfte führten.
  • Hōjō (1203-1333) - der Klan (uji) der Hōjō war ein Zweig der Taira und besetzte bereits im auslaufenden heian jidai wichtige Regierungsämter am Kaiserhof. Durch den Genpei-Krieg (genpei no kassen, 1185), der zu Ungunsten der Taira endete, verloren sie zunächst jeden politischen Einfluss, konnten sich aber im Machtgefüge der Minamoto durch eine geschickte Heiratspolitik neu positionieren. In ihrer Machtperiode hatten sie nie den Titel eines shōgun inne, regierten aber das kamakura bakufu durch einen selbst geschaffenen Rang, der in der Geschichte als shikken einging (japanische Regenten). Auf das Amt des tennō hatten sie keinen Einfluss. Der unter den Minamoto erschaffene Kriegeradel (shugo und jitō) wurde zunehmend mit Mitgliedern ihres Klans besetzt, wodurch die Klasse der Krieger bushi erheblich gestärkt wurde. Im Jahre 1232 entstand mit dem jōei shikimoku ein neues Rechts- und Verwaltungssystem, das den veralterten Taihō-Kodex aus dem heian jidai ablöste. In diesem Zeitalter intensivierte man in Japan auch den Bau von Befestigungsanlagen und Burgen. Verschiedene religiöse Richtungen begannen sich zu reformieren (Zen-Buddhismus, Amida-Buddhismus, Nichiren-Buddhismus, shingon shū, tendai shū, u.a.) oder gründeten sich neu. Die Macht der Hōjō begründete sich dadurch, indem sie stets dafür sorgten, immer junge oder beeinflussbare Minamoto-Abkömmlinge ins Amt des shōgun zu bringen, die durch ihre shikken beherrschbar blieben. Später konnten sie den shōgun nach Belieben selbst bestimmen. Das Zeitalter ihrer Herrschaft ist durch zwei kriegerische Auseinandersetzungen mit den Mongolen gekennzeichnet, die in die japanische Geschichte unter dem Begriff kamikaze (Götterwind) eingingen. Die Mongolen belagerten die japanische Küste in zwei erfolglosen Eroberungskriegen (Mongoleninvasion in Japan). Der erste Versuch fand 1274 statt (bunei no eki), ein zweiter folgte 1281 (kōan no eki). In beiden Fällen half eine Laune der Natur und die mongolische Flotte wurde durch Stürme (taifun) versenkt, bevor sie die japanischen Verteidigungslinien angreifen konnten. Trotz aller Unzufriedenheit mit der korrupten Politik und Vetternwirtschaft der Hōjō, blieb ihre Macht mehr als 100 Jahre erhalten.
    Obwohl es bereits im Jahr 1221 eine erste aber erfolglose Rebellion (jōkyū no ran) gegen die Hōjō gab, war der zweite Versuch (1331) des Go-Daigo-Tennō von Erfolg. Er verband sich mit dem mächtigen General Ashikaga Takauji, stürzte 1333 die Hōjō und beendete damit die Macht des kamakura bakufu. Doch gleichzeitig ernannte sich Ashikaga Takauji selbst zum shōgun und leitete damit die militärische Diktatur des ashikaga jidai ein.

Ashikaga-Muromachi jidai (1333-1573)

Durch den Entscheidungskrieg des Go-Daigo-Tennō gegen die Hōjō, der durch seine Verbündete (Ashikaga und Nitta) gewonnen wurde, endete 1333 die Herrschaft der Kamakura-Shōgune. Ihnen folgte das Ashikaga-Muromachi jidai, das mit der Machtübernahme des ersten Ashikaga-Shōgun (Ashikaga Takauji) begann, der eine fehlerhafte Regierungsinitiative des Kaisers Go-Daigo-Tennō wahrnahm, um sowohl gegen den Kaiser, als auch gegen das amtierende kamakura bakufu und den verantwortlichen hōjō shikken zu rebellieren und beide zu entmachten. Doch die Regierungszeit aller Ashikaga-Shōgune war durch Unfähigkeit, Korruption und blutigen Kriegen gekennzeichnet und teilt sich in mehrere geschichtliche Zeitabschnitte:

  • Kenmu irai tsuika (1333-1336) - dieses Zeitalter (kenmu irai tsuika) bezeichnet man als Restauration der kaiserlichen Macht (Kenmu-Restauration), da der Go-Daigo-Tennō kurzfristig die Macht ergreifen konnte. Anlass dazu war eine 1331 von ihm angezettelte Rebellion (genkō no ran) gegen das bakufu der Hōjō in Kyōto, deren Ausgang ihm die Rückkehr aus dem Asyl und die Machtergreifung ermöglichte.
  • Nanbokuchō (1336-1392) - Zeitalter der Teilung Japans in eine nördliche und südliche Dynastie (nanbokuchō). Der von den Ashikaga eingesetzte Go-Daigo-Tennō begann Regierungsmodelle zu entwickeln, die den gewollten sozial-politischen Reformen der inzwischen mächtigen daimyō entgegenstanden. So versuchte im Jahre 1335 der Erbe des immer noch mächtigen Klans der Hōjō (Hōjō Tokiyuki) durch eine Rebellion (nakasendai) das alte kamakura bakufu erneut zu installieren. Ashikaga Takauji schlug den Aufstand nieder und ließ das bakufu in Kamakura militärisch besetzen. Obwohl Ashikaga Takauji ein kaiserlicher Verbündeter war, schickte der argwöhnische Go-Daigo-Tennō seinen General Nitta Yoshisada gegen Ashikaga, um Kamakura aus dessen Einflussbereich zu befreien. In der Schlacht hakone take no shita siegte Ashikaga über die kaiserlichen Truppen und eroberte in demselben Zug Kyōto, wurde aber danach durch die vereinten kaiserlichen Armeen unter Kusunoki Masashige und Nitta Yoshisada nach Kyūshū vertrieben. Dort verband er sich mit den ansässigen militanten Klans und zog erneut gegen Kyōto. In der Schlacht am Minato-Fluss (1336) errang Ashikaga Takauji den Sieg über Yoshisada und Masashige, schickte Go-Daigo-Tennō ins Asyl und setzte statt seiner Kōmyō-Tennō ein. Doch gleichzeitig beanspruchte er selbst den Titel des shōgun und übernahm die Macht. Dadurch entstand eine 60jährige Trennung Japans in eine nördliche und südliche Kaiserdynastie (nanbokuchō - Nord-Südhof). Im Jahre 1392 wurden die beiden Kaiserhöfe durch den shōgun Ashikaga Yoshimitsu erneut vereinigt und Japan wieder zu einer politischen Einheit zusammengeführt. Doch das Land war inzwischen in machtpolitischen Rivalitäten der daimyo (Landesfürsten) zerrissen, deren anhaltende Kriege untereinander dem japanischen Volk einen hundertjährigen Unfrieden brachte.
  • Sengoku jidai (1482-1568) - das sengoku jidai (Zeit der streitenden Reiche) kennzeichnete sich durch einen totalen Kolaps der kaiserlichen und militärischen Regierungen und ermöglichte den neu etablierten Landesfürsten eine unkontrollirte Eigenständigkeit. Die daimyō entstanden aus der Konkurrenz zwischen den kokushu( kaiserlichen Lehensverwalter), shugō (Militärverwalter) und jito (militärische Provinzgouverneure) und etablierten ihre Macht in eigenständige Provinzen (kuni). Dies führte zu einer weitgehenden Unabhängigkeit vom unstabilen zentralen Regime und zu Eroberungskriegen untereinander. Diese wurden bereits durch den Ōnin-Krieg (ōnin no ran, 1467-1477) eingeleitet und setzten sich danach in einem hundertjährigen Krieg der rivalisierenden daimyō fort. Im Jahre 1543 erreichten die Portugiesen über Tanegashima zum ersten Mal Japan und brachten die „Feuerwaffen“ (arkebuse) mit. 1549 kam Francisco de Xavier und begann seine missionarische Tätigkeit. Doch 1568 kam ein neu aufstrebender daimyō (Oda Nobunaga) an die Macht und leitete das azuchi-momoyama jidai ein.

Azuchi-Momoyama jidai (1568-1600)

Die Zeit unter Oda Nobunaga und Hideyoshi Toyotomi bescherte Japan nicht nur die militärische Einheit, sondern auch einen enormen Aufschwung. Obwohl Kyōto die Hauptstadt der Kultur und des Handwerks blieb, etablierten sich weitere große Daimyō-Zentren von denen die bedeutendsten Odas Burg in Azuchi und Hideyoshis Palast von Momoyama (Fushimi) waren. Doch auch alle großen daimyō, angefangen von den Date im Norden bis zu den Shimazu im Süden bauten um ihre Burgen neue Siedlungen und schufen dadurch Kopien des Lebens in der Hauptstadt. Entsprechend entstanden in dieser Zeit Burgen wie Himeji, Ōsaka, Kanagawa, Wakayama, Kōchi, Hiroshima, Edo, Okayama, Kōfu, Fushimi (Momoyama), Sendai, Kamamoto, Hikona, Yonezawa und Nagoya.

  • Azuchi jidai (1568-1582) - durch sein Bestreben, ganz Japan zu beherrschen, führte Oda Nobunaga ständige Kriege gegen feindliche daimyō und gegen den militanten buddhistischen Klerus (sōhei) vom Hieizan des Tendai-Klosters Enryakuji. Doch 1582 wurde er von seinem Vasallen Akechi Mitsuhide verraten und getötet. An seine Stelle trat sein erster General Toyotomi Hideyoshi.
  • Momoyama jidai (1582- 1603) - nach vielen Kriegen einigte Hideyoshi Toyotomi 1590 das von langjährigen Unruhen befallene Reich und erklärte sich von seiner Burg in Momoyama zum absoluten Herrscher (taikō) im Land. Er schlug die Bauernaufstände nieder, entmachtete die einflussreichen Kaufmannsgilden und ließ die daimyō durch eine straffe Neuordnung ihres Grundbesitzes kontrollieren. Die Ständegliederung der Bevölkerung in Krieger (shi), Bauern (no), Handwerker (ko) und Kaufleute (sho) trat in Kraft. Die christliche Religion wurde verboten und ihre Anhänger verfolgt. Auch seine erklärten Ziele, das japanische Reich zu einer Groß-Dynastie mit Korea und China zu vereinigen, schlugen fehl. Seine beiden Feldzüge nach Korea (1592 und 1597) waren wenig erfolgreich, nach der zweiten Korea-Invasion starb er 1598 durch eine nachwirkende Kriegsverletzung. Seine Regierungsgewalt übertrug Hideyoshi auf seinen minderjährigen Sohn Hideyoshi Hideyori, zu dessen Vormund er noch an seinem Sterbebett den Ältestenrat (rōjū) ernannte. Doch der Vorstand der rōjū (Tokugawa Ieyasu) wollte selbst an die Macht und sicherte im Jahre 1603 seine Herrschaft durch einen Entscheidungskrieg in der Schlacht von Sekigahara (sekigahara no kassen) gegen die Erben und Verbündeten von Hideyoshi. Nach dem gewonnenen Krieg wurden alle Nachfahren Hideyoshis getötet und das Zeitalter der Tokugawa in Edo eingeleitet.

Kinsei - Japanische Frühmoderne (1603-1868)

Hauptartikel: Japanische Geschichte | Japanische Frühmoderne | Japanische Zeitalter

Im Jahr 1603 besiegte Tokugawa Ieyasu den Nachfolger von Toyotomi Hideyoshi (seinen Sohn Toyotomi Hideori) und dessen Verbündete in der Schlacht von Sekigahara. Er erwarb den Titel des shōgun und errichtete erneut einen zentralistischen Militärstaat. Damit begann die japanische Frühmoderne kinsei und gleichzeitig das edo jidai oder tokugawa jidai.

KINSEI - Frühmoderne (1603-1868)
- Sakoku (1639-1853)
- Bakumatsu (1853-1868)

Edo jidai oder Tokugawa jidai (1603-1868)

Nach dem Sieg der Tokugawa bei Sekigahara wurde das bakufu in Edo errichtet, die daimyō entmachtet und ihre Lehen (han) direkt vom shōgun kontrolliert. Ihre Loyalität wurde dadurch erzwungen, dass ihre Familien in der Hauptstadt Edo als Geiseln festgehalten wurden. Der tennō wurde sorgsam von jedem möglichen Machtzugang isoliert. Alle Staats- und Kriegsdienste wurden den bushi übertragen, die zusammen mit Künstlern, Priestern, Gelehrten und Ärzten den obersten Stand der Bevölkerung bildeten. Bis zum meiji jidai (1868) sollte Japan unter der Herrschaft der Tokugawa bleiben.

  • Sakoku (1639-1853) - dieses, dem edo jidai untergeordnete Zeitalter bezeichnet die völlige Isolation Japans von der Außenwelt. Tokugawa Ieyasu starb im Jahr 1616. Von 1622 bis 1623 begann die Zeit Japanische Christenverfolgung unter Tokugawa Hidetada und Tokugawa Iemitsu. Da ein staatlich genehmigter Außenhandel für die Territorialfürsten (daimyō) die Möglichkeit eines politischen Machtzuwachses enthalten hätte, wurde solcher per Dekret verboten, was zu einer völligen Abriegelung Japans von der Außenwelt führte. Alle Ausländer (gaijin) wurden des Landes verwiesen. Nur unter staatlicher Aufsicht wurde Handel mit Holland und China betrieben. Entsprechend blieben nur wenige Häfen unter der strikten Kontrolle des bakufu offen. Im genroku jidai (1688-1703) verbesserten sich zwar die Land- und Geldwirtschaft (zaibatsu), die bürgerliche Kultur (realistische Bühnen- und Romankunst) lebte wieder auf, doch viele samurai verarmten zu rōnin, und das Feudalsystem begann trotz mehrmaliger Finanz- und Wirtschaftsreformen zu zerfallen. Im 18. Jahrhundert vergrößerten Geldentwertung, Korruption und Hungerkatastrophen die allgemeine soziale Unsicherheit. Allmähliches Eindringen der europäischen Wissenschaften, zunehmende Kritik am Feudalsystem und Protest gegen die Verarmung der samurai erschütterten das shōgunat bis in die Grundmauern. Die Krise wurde im 19. Jahrhundert durch den Druck der europäischen Mächte auf Ostasien (Russland bedrohte die japanischen Nordinseln, England zwang China im Opiumkrieg zur Öffnung des Landes, die USA betrieben in japanischen Gewässern Walfang) noch verstärkt.
  • Bakumatsu (1853-1868) - Bezeichnung für einen geschichtlichen Zeitraum, in dem sich die Militärherrschaft der Tokugawa dem Ende zuneigte. Im Jahre 1854 reichte ein einziges amerikanisches Geschwader (Perry Calbraith Matthew), das durch den Dauerbeschuss von Edo den amtierenden shōgun zur unfreiwilligen Unterschrift von Handelsverträgen mit den Großmächten zwang - zunächst mit den USA (1854, Kanagawa-Vertrag, 1858, USA-Handelsvertrag), danach (1865) mit Holland, England, Frankreich, Preußen und Russland. Durch diese Demütigung wurde das shōgunat von Edo erheblich geschwächt und die Befürworter einer erneuten Tennō-Regierung fühlten sich bestätigt. Daraufhin entstanden mehrere Kriege zwischen den Getreuen des bakufu und den Anhängern des tennō. Im Jahre 1867 gab der letzte Tokugawa-Shōgun (Tokugawa Yoshinobu) die politische Macht gezwungenermaßen an den ersten Meiji-Tennō (Mitsuhito) ab. Damit war die Herrschaft der shōgun beendet.

Kindai - Japanische Moderne (1868-1989)

Hauptartikel: Japanische Geschichte | Japanische Moderne | Japanische Zeitalter

Das japanische Zeitalter kindai (Japanische Moderne, 1868-1989) beginnt mit der Restauration (meiji isshin), der kaiserlichen Regierungsfamilie Meiji und bezeichnet die Zeitperioden meiji jidai (1868-1912), taishō jidai (1912-1926) und shōwa jidai (1926-1989).

KINDAI - Japanische Moderne (1868-1989)
- Japanischer Imperialismus (1926-1945)
- Sengo (1945-1989)

Meiji jidai (1868-1912)

Im Jahr 1868 wurde die Regierungsgewalt erneut dem tennō übergeben. Unter der Regierung des ersten Meiji-Tennō (Mutsuhito) wurde der shōgun abgesetzt, alle feudalen Privilegien des Kriegeradels (buke) aufgehoben und der Sieg des Bürgertums über die Krieger (bushi und samurai) besiegelt. Die Landesfürsten (daimyō) wurden entmachtet und durch die Rückgabe ihre Ländereien (han) an den tennō fand das mittelalterliche Feudal-System Japans ein Ende. Die Kaiserfamilie (tennōke oder kōzoku) zog von Kyōto in die neue Hauptstadt Tōkyō und etablierte dort ein neues kaiserliches Regierungssystem (tennōsei). Der Kaiser erhielt den Titel dai nippon teikoku tennō (kaiserlicher Himmelssohn von Groß-Japan) und die adeligen Geschlechter der buke wurden zu normalen Bürgern des Landes erklärt. Von 1871 bis 1873 wurde das Grundsteuersystem reformiert, die allgemeine Schulpflicht eingeführt und das Reich in beamtengesteuerte Präfekturen (Japanische Präfekturen) aufgegliedert. In dem neuen Verwaltungssystem erhielten die Nachkommen des Kriegeradels (buke) eine zentrale Bedeutung als Verwaltungsbeamte und zukünftige Wirtschaftsführer. Trotz diesen Neuordnungen gab es keine Einigung. Bereits im Jahre 1877 erfolgte eine Rebellion (seinan sensō) der Satsuma gegen die erlassenen Reformen, da diese die Rechte der Landesfürsten dramatisch einschränkten. In der weiteren Entwicklung wurde 1881 die Liberale- und 1882 die Reform-Partei (Japanisches Parteiensystem) gegründet. Ab 1885 entstand das parlamentarische Kabinett-System (Japanisches Kabinett), das dem Kaiser beratend zur Seite stand. Ab 1889 trat die neue Verfassung (dai nippon teikoku kenpō) nach preußischem Vorbild in Kraft, durch die Japan zur konstitutionellen Monarchie wurde. Der Kaiser besaß uneingeschränkte vollziehende Gewalt, das von Ito-Tennō geschaffene parlamentarische Kabinett stand ihm nur beratend zur Seite. Langfristig konnte es sich jedoch nicht gegen die Bedürfnisse der alten Samurai-Klans durchsetzen, die gestützt auf die neue kapitalistische Produktions- und Organisationsform innerhalb weniger Jahre innen- und außenpolitisch die Macht übernahmen und die darauf folgende japanische Expansionspolitik vorantrieben. Bevölkerungszuwachs, Mangel an Rohstoffen und Absatzmärkten zwangen Japan zu folgeschweren Expansionskriegen (Japanische Expansionskriege). Der erste begann 1894-1895, nachdem Japan China den Krieg erklärte. Taiwan und die Pescadores-Inseln wurden annektiert, doch die westlichen Mächte mischten sich ein und unterbanden Japans weitere Eroberungsgelüste. Es wurden neue Verträge geschlossen. Im Jahre 1900 half Japan den Westmächten den chinesischen Boxeraufstand nieder zu schlagen und schloss daraufhin (1902) ein Bündnis mit England, um Rückendeckung für weitere Eroberungskriege zu erhalten. Kurz darauf (1904) erklärte Japan Russland den Krieg, der 1905 mit einem japanischen Sieg endete. 1910 wurde Korea annektiert und mit den Russen teilte man sich die Mandschurei. Als der Meiji-Tennō (1912) starb, gehörte Japan als erster asiatischer Staat zu den Großmächten der Welt.

Taishō jidai (1912-1926)

Im Jahr 1914 erging eine Kriegserklärung Japans an Deutschland und das japanische Militär besetzte eine deutsche Kolonie im Nordosten Chinas. Mit dreisten Forderungen (1915), die den Anspruch Japans auf den gesamten asiatischen Kontinent darlegten, kam Japan den Westmächten empfindlich in die Quere. In Europa jedoch begann der Erste Weltkrieg, so dass ein Großteil dieser Forderungen erfüllt wurde, wozu unter anderem die Kolonialisierung Chinas gehörte. Genauso wie die fortgeführten Interventionen gegen Russland war diese Kolonialisierung jedoch nicht von dauerhaftem Erfolg und als sich England und die USA wieder dem asiatischen Osten zuwenden konnten (1921-1922), wurde die Machtposition Japans auf der Washingtoner Konferenz weitgehend geschwächt. Der dem Westen verbundene Partner Japan begann durch seine Invasionsgelüste allmählich zu einer unangenehmen Konkurrenz zu werden. Die japanische Wirtschaft hatte durch den ersten Weltkrieg einen erheblichen Aufschwung erhalten, doch der Frieden (1918) brachte Stagnation und Verlust von Absatzmärkten an die europäischen Industriestaaten mit qualitativ überlegenen Produkten. Die Folge davon waren Arbeitslosigkeit und soziale Unruhen bei einer wachsenden Bevölkerung (besonders nach der Erdbebenkatastrophe von 1923 mit 100.000 Toten). Nach langjährigen internen Auseinandersetzungen wurde 1925 das allgemeinen Wahlrecht für Männer eingeführt. Aussenpolitisch suchte das weitgehend isolierte Japan in demselben Jahr eine Verständigung mit der Sowjetunion über die Mandschurei und Sachalin, konnte dadurch aber seine innenpolitischen Probleme nicht lösen. So erstarkten unter Hirohito-Tennō (ab 1926) die nationalistischen Kräfte, die in mehreren Serien rechtsradikaler Morde die Abschaffung des gerade erkämpften Parlaments forderten.

Shōwa jidai (1926-1989)

Das shōwa jidai beginnt mit dem Zeitalter des radikalen Nationalismus in Japan (1926-1945) und mündet in sengō (Nachkriegszeit, 1945-1989), in dem der Grundstein zur heutigen Demokratie gelegt wurde. Zunächst jedoch entwickelte sich Japan innenpolitisch zu einem Polizeistaat und außenpolitisch zu einer aggressiven Kolonialmacht.

  • Japanischer Imperialismus (1926-1945) - weitere diplomatische Rückschläge auf der Londoner Konferenz (1930) begünstigten das Aufkommen eines militanten, antiparlamentarischen Nationalismus, der unterstützt von den Konzerngewaltigen die Japaner in mehrere imperialistische Eroberungskriege zwang. Am 1. März 1932 kolonialisierte das Japanische Kaiserreich weitläufige Teile der Mandschurei und errichtete das Kaiserreich Mandschukuo, dass bis zum 18. August 1945 unter japanischer Besatzung stand. Da die Großmächte das Mandschukuo nicht anerkannten, trat Japan 1933 aus dem Völkerbund aus und löste sich von allen Verträgen mit den USA und Großbritannien. Japan ging im Jahr 1936 einen Pakt mit dem nationalsozialistischen Deutschland und 1937 mit dem faschistischen Italien ein. Darauf folgte eine großangelegte Invasion in China (Zweiter Sino-Japanischer Krieg), die vom 7. Juli 1937 bis zum 9. September 1945 anhielt. Inzwischen war der Zweite Weltkrieg ausgebrochen und Japan schloss mit den USA und später mit Russland ein Neutralitätsabkommen, führte jedoch am 7. Dezember 1941 einen Überraschungsangriff auf die amerikanische Flotte in Pearl Harbor aus, die dadurch weitgehend zerstört wurde. Durch diese Aktion trat Japan an der Seite Deutschlands in den Zweiten Weltkrieg gegen die Alliierten ein. Nach anfänglich glänzenden Erfolgen (Eroberung von Hongkong, Singapur, Burma, Philippinen, niederländisch Indien u.a.) wurde unter der Parole „Asien den Asiaten“ die „Ostasiatische Prosperitätsgemeinschaft" gegründet, die eine Niederlage gegen die USA jedoch nicht abwenden konnte. Nach dem Abwurf der ersten Atombomben durch die USA (am 6. August 1945 auf Hiroshima und am 9. August 1945 auf Nagasaki) war Japan zur bedingungslosen Kapitulation gezwungen (15. August 1945) und wurde am 2. September 1945 von den USA besetzt. Die Folge des Krieges waren 1,55 Millionen gefallene Japaner, davon 300.000 Opfer der Atombomben. Japan verlor all seine seit 1895 gewonnenen Gebiete und seinen gesamte Kriegsmaschinerie. Das Ein-Parteiensystem wurde zerschlagen und unter der Aufsicht der USA eine komplette Neureform der Gesellschaft eingeleitet.
  • Sengō (1945-1989) - im Jahr 1947 wurde die japanische Staatsverfassung (nihon (nippon) koku kenpō) nach amerikanischer Anweisung eingeführt, wodurch Japan zu einer parlamentarischen Monarchie wurde. Der tennō, früher als Gott verehrt, musste in einer Rundfunkrede seine Göttlichkeit absprechen. Freie Wahlen und ein Mehr-Parteiensystem wurden ermöglicht. Ab 1949 stabilisierte sich die japanische Wirtschaft. Die Kontrolle der amerikanischen Militärverwaltung (unter Mac Arthur) begann sich zu lockern und es entstanden eigenständige Tendenzen. Der Friedensvertrag von San Francisco (1951) mit 49 Staaten (Sowjetunion und dem kommunistischen China ausgeschlossen), gab Japan seine Souveränität zurück. 1954 errichtete Japan bereits wieder eine neue, eigene Wehrmacht. 1956 wurde Frieden mit der UdSSR vereinbart, im Dezember 1956 wurde Japan Mitglied der UNO.

Gendai - Japanische Gegenwart (ab 1989)

Hauptartikel: Japanische Geschichte | Japanische Gegenwart | Japanische Zeitalter

Im gegenwärtigen Zeitalter (gendai, ab 1989) entwickelte sich Japan zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Doch wie alle nach amerikanischem Muster geschaffenen Demokratien korrumpierte auch die japanische Politik und Wirtschaft und etablierte zunehmend den aktuell praktizierten und unkontrollierten Kapitalismus, der neue Fragen nach Leben und Sein aufwirft.

  • Heisei (1989 bis heute) - zunehmend mehr etabliert sich auch in Japan ein brutaler Raubtier-Kapitalismus, der sein Volk plagt und die Gesellschaft spaltet. Nicht anders als in den westeuropäischen Demokratien und in den USA wird die ursprüngliche soziale Marktwirtschaft immer mehr zu Gunsten einer geld- und machtgierigen Elite aus Wirtschaft und Politik aufgegeben.

Japanische Gesellschaft (nihon shakai)

Hauptartikel: Japanische Gesellschaft | Japanische Volksgruppen | Japanische Namen

Die japanische Gesellschaft (nihon shakai) und ihre ethnische Zusammensetzung unterliegen gravierenden Veränderungen über die Jahrtausende ihrer geschichtlichen Entwicklung. Der in Japan lange Zeit propagierte Mythos, dass die Japaner (nihonjin) eine homogene Rasse bilden, die über die Erblinie der Götter (Ninigi no Mikoto) entstand, kann heute wissenschaftlich widerlegt werden. Die Zusammensetzung der japanischen Rasse ist zwar bis heute nicht endgültig geklärt, neue Erkenntnisse der Wissenschaft haben jedoch verschiedene genetische Zugehörigkeiten festgestellt. Genetisch besteht das moderne japanische Volk aus einer Zusammensetzung aus koreanischen, altaischen, polynesischen, tungisischen, nordchinesischen und proto-mongoloiden Volksstämmen. Hinzu kommt der Einfluss der eigentlichen Ureinwohner der japanischen Inseln (emishi und ainu).

Gesellschaft in der Frühgeschichte (10.000 v.Chr.-300 n.Chr)

Hauptartikel: Gesellschaft in der Frühgeschichte

Die japanische Gesellschaft der Frühgeschichte (genshi) war in Sippen (uji) organisiert. Im Zeitalter von Yamatai und Yamato (jōmon jidai, yayoi jidai und kofun jidai, ca. 7.500 v.Ch. bis 550 n.Ch.) galten die gesellschaftlichen Strukturen der uji (Sippenverbände), die ihre Blutslinie zu einem mystischen Stammvater (ujigami) als göttlichen Hauptahnen zurückverfolgen konnten. Die typische Struktur eines uji bestand aus einem Sippenoberhaupt (uji no kami), der aus der direkten Blutslinie des Hauptahnen stammte und mit uneingeschränkter Autorität die Familienangehörigen (ujibito) des Klans zusammenhielt. Die uji beherrschten ihr untergebenes Volk (heimin) und unterhielten eine jeweils eigene Armee (kondei)

GESELLSCHAFT im Yamatai und Yamato
  • Uji - adelige Sippe, Klan
Ujigami - göttlicher Uhrahn
Uji no kami - Sippenoberhaupt
Ujibito - Sippenmitglied
Ie - abgespaltene Sippe
Samurai - Diener des Herrn (Krieger)
Be - Bauerngruppen in Dörfern
- Tomobe - Freie
- Kakibe - Leibeigene
Yakko - Sklaven
Eta - Unreine

Gesellschaft im Altertum (300-1185)

Hauptartikel: Gesellschaft im Altertum

Die japanische Gesellschaft im Altertum änderte sich zwischen den Jahren von 550 bis 1185, vor allem durch neue Gesetzgebungen (ritsuryō). Besonders im asuka jidai, nara jidai und heian jidai - im Zeitalter der Kaiser (teisei) hatten die Herrscher (mikoto, später tennō) aus dem Klan der Yamato den höchsten Regierungs- und Gesellschaftsrang inne, im zweiten Glied standen seine direkten Familienangehörigen und die Klan-Oberhäupter anderer wichtiger Sippen. Diese entwickelten sich zunehmend zu einfussreichen Ratgebern und etablierten den Stand der kuge (kaiserlicher Hofadel). Mit ihnen begann sich immer mehr ein zentralistischer Staat mit ständig größerem Machtgewinn der Hofbeamten zu entwickeln, die die Politik des tennō zunehmend bestimmten. Doch in Opposition zu den kuge standen zunehmend mehr die neu etablierten buke (Kriegerfürsten), die an Macht gewannenen und ab 1192 die Regierungsmacht als Militärdiktatoren (shōgun) übernahmen. Das gemeine Volk (heimin) wurde in Bürger der oberen Klasse (ryōmin) und in Bürger der unteren Klasse (senmin) eingeteilt.

GESELLSCHAFT im Altertum (kōdai)
  • Kuge - kaiserlicher Hofadel
  • Buke - Kriegeradel
  • Heimin - gemeines Volk
Ryōmin - obere Klasse der Bürger
- Kanjin - Beamter, Staatsdiener
- Kōmin - Bürger, Staatsbürger
- Shinabe - Dienstleistende
- Zakko - gemischte Haushalte
Senmin - untere Klasse der Bürger
- Ryōko - Bewacher von Kaisergräbern
- Kanko - Bedienstete in Behörden
- Kenin - Bedienstete des Adels
- Nuhi - Sklaven, Knechte, Gesinde
- Kunuhi - Knechte des Tennō
- Shinuhi - Knechte des Adels

Gesellschaft im Mittelalter (1185-1868)

Hauptartikel: Gesellschaft im Mittelalter

Die japanische Gesellschaft im Mittelalter war von einer militärischen Diktatur bestimmt. Zwischen 1185 und 1868 regierten in Japan ausschließlich Militärdiktatoren (shōgun). Im Mittelalter (chūsei, 1185-1603) umfassten sie kamakura jidai (1185-1333), Ashikaga-Muromachi jidai (1333-1568) und Azuchi-Momoyama jidai (1568-1603). Die Macht des tennō wurde ab 1185 vom Klan den Minamoto erheblich geschwächt, nachdem dieser im Genpei-Krieg (genpei kassen und dan no ura) die kaisertreuen Taira besiegte und deren Einfluss auf den Kaiser unterband. Nach ihrem Sieg hatten die Minamoto das gesammte Land unter Kontrolle und die Gelegenheit zur Machtergreifung. Um dies zu verwirklichen zog Minamoto no Yoritomo 1185 von Kyōto nach Kamakura und gründete dort das kamakura bakufu, eine Militärbehörde (bakufu), durch die er gegen die kaiserliche Macht aus Kyotō das Land regierte. Dadurch spaltete sich die aristokratische Gesellschaft Japans endgültig in den kaiserlichen Hofadel (kuge) und den Kriegeradel (buke). Durch die Machtübernahme des shōgun wurde eine militärische Staatsform (bakusei) gegründet, in der der Kaiser (tennō) nur noch repräsentativ regierte. Um seinen Machtanspruch durchsetzen zu können, stationierte der Minamoto-Shōgun in allen Lehen (shōen) Truppenkomandeure (shugo) und beauftragte übergeordnete Gebietsverwalter (jitō) mit der Eintreibung der Steuern zu eigenen Gunsten. Dadurch wurden die kaiserlichen Verwaltungsbeamten (kokushi) weitgehend abgeschaltet. Im Jahre 1232 entstand unter den Hōjō eine neue Verwaltung und ein neues Rechtsystem (jōei shikimoku), das den veralteten Tahiō-Kodex aus dem heian jidai ablöste. Der Stand der Krieger (samurai und bushi) begann sich vom Stand der Bauern (, nōmin, hyakushō, domin) abzuheben. Der aus den shugo und jito neu entstandene Kriegeradel (buke) erreichte immer mehr Vorrechte gegenüber den aus dem Geschlecht der kuge stammenden kokushi (kaiserliche Verwalter), wie z.B. die Kontrolle über das Land der Bauern, das Tragen eigener Familienwappen (mon), sowie eigene Familiennamen (myōji) und das Tragen von Waffen (daitō). Zu dieser Zeit wurde auch das Schwert (ken oder tsurugi) zum Statussymbol des Kriegers. Aus den shugo und jitō entwickelte sich ein neuer und mächtiger Kriegeradel (daimyō), der bis ins sengoku jidai (1482-1568) das Land mit Konkurrenzkriegen überzog. Erst den militärischen Herrschern Oda Nobunaga (1534-1582) und seinem Nachfolger Hideyoshi Toyotomi (1537-1598) gelang die Unterwerfung der rivalisierenden Kriegerfürsten (daimyō) durch militärische Gewalt. Sie stabilisierten das Reich und führten es unter eine straffe Militärdiktatur.

GESELLSCHAFT im Mittelalter

Kuge (Kugyō) - Amtsadel

  1. Tennō - Kaiser
  2. Kōzoku - kaiserliche Familie
  3. Kuge - Hofadel

Buke (Shokō) - Kriegeradel

Grundadel (Fürsten und Regenten)
1. Shōgun - oberster Militärdiktator
2. Daimyō - Lehensfürst
Schwertadel (Lehensträger und Vasallen)
3. Bakushin - gehobene Vasallen
- Hatamoto - direkte Vasallen des shōgun
- Gokenin - direkte Vasallen des shōgun
Kleinadel (Krieger, Söldner)
4. Samurai - professionelle Krieger
- Baishin - Vasallen eines daimyō
- Hanshi - samurai unter einem daimyō

Heimin (Bürger) - erwerbstätiges Volk

  1. (hyakushō) - Bauern
  2. (shokunin) - Handwerker
  3. Shō (shindo , shōnin) - Kaufleute

Gesellschaft in der Frühmoderne (1603-1868)

Hauptartikel: Gesellschaft in der Frühmoderne

Die japanische Gesellschaft in der Frühmoderne änderte sich mit der Machtübernahme des shōgun Tokugawa Ieyasu (1543-1616). Nach der Schlacht von Sekigahara (1600) wurde das bakufu nach Edo (Tōkyō) verlegt und die japanische Gesellschaft neu reformiert. Es bagann die Zeit des tokugawa jidai oder edo jidai. Unter der Herrschaft der Tokugawa wurde die Macht der selbstständigen Kriegerfürsten (daimyō) erheblich eingeschränkt, indem das bakufu per Gesetz die Verfügungsgewalt und Kontrolle über ihre Einkommen erhob. Um eine noch bessere Kontrolle der Landesfürsten zu erreichen, zwang man die daimyō abwechselnd ein Jahr als Geiseln im bakufu zu leben und erlaubte ihnen nur jedes zweite Jahr ihre Lehen persönlich zu verwalten. In manchen Fällen wurden ihre Töchter und Söhne als permanente Geiseln im bakufu festgehalten. Als zusätzliche Kontrolle wurden sie von Tokugawa Ieyasu in Treue-Gruppen klassifiziert:

DAIMYŌ - Fürsten im Tokugawa jidai
Shinpan daimyō - Verwandte der Tokugawa
Fudai daimyō - Verbündete der Tokugawa
Tozama daimyō - Kriegsgegner der Tokugawa

Der in Kyōto residierende aber entmachtete Kaiser (tennō) hatte durch den Machtanspruch des bakufu kein eigenes Einkommen. Der kaiserliche Regierungsapparat wurde ausschließlich durch finanzielle Zuwendungen aus dem bakufu finanziert. Tokugawa Ieyasu achtete streng darauf, dass damit keine ihm feindlichen Armeen finanziert werden konnten. Die Gesellschaft Japans wurde im edo jidai in hauptsächlich vier Kategorien (shinōkōshō) eingeteilt, während weitere Stände außer Acht gelassen wurden:

GESELLSCHAFT in der Frühmoderne

Shinōkōshō - vier Stände

1. Shi (shizoku / buke / bushi - Krieger
  • Domin - Landbevölkerung
2. (nōmin / hyakushō) - Bauern
3. (shokunin) - Handwerker
4. Shō (shōnin) - Kaufleute

Randgesellschaft

- Kuge - kaiserlicher Hofadel
- Rōnin - herrenlose samurai
- / Bōzu - Priester
- Wakō - Piraten des Pazifiks
- Ninja - Geheimagenten

Buraku - Ausgestoßene (Paria)

- Eta - Unreine
- Hinin - Nichtmenschen

Auf die Krieger (shi) folgten die Bürger (heimin), die vor allem in der Landwirtschaft () tätig waren und überwiegend aus Bauern (nōmin / hyakushō) bestanden. Ebenfalls zu den Bürgern zählte die Stadtbevölkerung (chōnin), der Handwerker ( / shokunin) und Kaufleute (shō / shōnin) angehörten. Die Priesterschaft () und die Ärzte standen seit jeher über der Gesellschaft, andere Stände waren aus der Gesellschaft ausgeschlossen. Zu Letzteren gehörten vor allem die „Unehrlichen“ (Kurtisanen, Schauspieler, Tänzerinen), die „Unreinen“ (eta - Gerber, Schinder und Henker) und die „Nichtmenschen“ (hinin - (Bettler, Behinderte und Kranke). Im Jahr 1854 wurde Japan zur Öffnung gezwungen und bewirkte die Entstehung einer neuen Gesellschaft.

Gesellschaft in der Moderne (1868-1989)

Hauptartikel: Gesellschaft in der Moderne

Das Zeitalter der japanischen Moderne kindai beginnt 1868 mit dem meiji jidai (1868-1912) und bezeichnet die militärische Entmachtung des letzten Tokugawa-Shōgun und die Rekonstruktion (meiji isshin) der kaiserlichen Macht (tennō) durch das Kaiserhaus der Meiji. Das Zeitalter kindai unterteilt sich in meiji jidai (1868-1912), taishō jidai (1912-1926) und shōwa jidai (1926-1989).

SHINSENSHŌ JIROKU - Adel im Meiji jidai

Shizoku - adeligen Familien

Kōbetsu - kaiserlicher Adel
Shinbetsu - göttlicher Adel
Shoban - Adel von außerhalb
  • Meiji jidai (1868-1912) - beginnend mit dem meiji jidai (1868) gelangte die politische Macht erneut in die Hände des tennō. Dieser hob (1876) die bisherige strikte Trennung des Adelsstandes in Hofadel (kuge) und Kriegeradel (buke) auf und führte die adeligen Familien (shizoku) in ein Einheitssystem zusammen, das einer altertümlichen Gesellschaftsordnung (shinsenshō jiroku) nachempfunden war. Doch dieses System stieß auf heftige Proteste aus den Reihen der Betroffenen und wurde schnell wieder aufgegeben.
KAZOKU - britisches Peerage-System
  • Kazoku - Adelsstände im Meiji jidai
Kōshaku - Fürst
Kōshaku - Marquis (Markgraf)
Hakushaku - Graf
Shishaku - Vikomte
Danshaku - Baron (Freiherr)
Heimin - gemeines Volk
Eta - Unreine
Hinin - Nicht-Menschern

Bereits im Jahr 1884 änderte man erneut die Klassifizierung der Adelsstände und übernahm das britische Peerage-System. Man nannte es kazoku (Blütensippen) und verkündete in demselben Jahr die sogenannten Adelsgesetze (kaizokurei). Doch auch dieses Gesellschaftssystem wurde aufgelöst, nachdem die erste japanische Verfassung (nihon koku kenpō) am 11. Februar 1889 verabschiedet wurde und 1890 in Kraft trat. Die dai nippon teikoku kenpō (Verfassung des großen Kaiserreiches Japan bezeichnete den tennō als „himmlischen Herrscher“ und legitimierte ihn zum alleinigen Herrscher der Welt. Diese Ideologie begann 1912 und endete 1945 (sengo) in der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs (Japan im Zweiten Weltkrieg).

  • Taishō jidai (1912-1926) - beginnend mit dem taishō jidai etablierte sich in Japan zunehmend mehr ein extrem nationalistischer Imperialismus, der bis in die erste Hälfte des shōwa jidai (Japanischer Imperialismus, 1926-1945) hineinreichte und von Eroberungskriegen (Japanische Expansionskriege) auf dem asiatischen Festland geprägt war.
  • Shōwa jidai (1926-1989) - das shōwa jidai enthält die geschichtlichen Abschnitte des japanischen Imperialismus (1926-1945) und sengo (1945-1989). Relevant für die Gesellschaft ist der Zeitabschnitt sengo (ab 1945), in dem eine demokratische Verfassung (nihon koku kenpō) gegründet wurde. Japan verlor den Zweiten Weltkrieg und wurde von den Siegermächten zu einer demokratischen Verfassung gezwungen. Die aktuelle japanische Verfassung (nihon koku kenpō) wurde am 3. November 1946 vom ersten frei gewählten japanischen Parlament und vom tennō verabschiedet. Sie trat am 3. Mai 1947 in Kraft und beruht auf der Initiative der alliierten Besatzungsmächte (vor allem USA), kombiniert mit japanischen Entwürfen. Diese Verfassung hebt alle sozialen Unterschiede in der Gesellschaft auf. Die Bezeichnungen eta und hinin wurden abgeschafft. Die kazoku (Adeligen) und heimin (Volk) wurden auf sozialer Stufe gleichgestellt und sollten im Zuge der neuen Industrialisierung des Landes gleiche Rechte erfahren und dieselben Chancen erhalten.

Japanische Politik (nihon seiji)

Hauptartikel: Japanische Politik | Japanische Geschichte

Politische Aufteilung Japans

Über zwei Jahrtausende entwickelten sich in der japanischen Geschichte verschiedene Modelle der Politik (seiji), und Staatsformen (seitai), mit unterschiedlichen Rechtssprechungen (ritsuryō) und Verfassungen (kenpō). Diese wurden in den geschichtlichen Epochen (jidai) abwechselnd von Stammesfürsten (uji), einem Kaiser (tennō), einem militärischen Diktator (shōgun), oder einem eingesetzten Regenten (tōchisha) bestimmt. Erst ab 1945 (shinsei) entstand in Japan eine demokratische Regierung.

SEITAI - Staatsform und Regierung
Yamatai / Yamato - Regierung der Sippen (uji)
Teisei - Regierungsform des tennō
Bakusei - Regierungsform des shōgun
Meiji isshin - Reformen in der Neuzeit (ab 186)
Shinsei - moderne Demokratie (ab 1945)

RYŌ - Japanische Gesetzestexte

Genshi - willkürliches Sippen-System (uji)
Ritsuryō - Gesetze des Yamato-Tennō
Bakuseiryō - Gesetze des shōgun

KENPŌ - Japanische Verfassungen

Dai nippon teikoku kenpō - Meiji-Verfassung
Nihon koku kenpō - aktuelle Verfassung

Politik der Frühzeit - Sippenkultur (uji)

Mit uji bezeichnet man einen japanischen Klan oder Sippenverband im yamato jidai, der seine Blutslinie zu einem mystischen Stammvater (ujigami) als göttlichen Hauptahnen zurückverfolgen konnte. Die typische Struktur eines uji bestand aus einem Sippenoberhaupt (uji no kami), der aus der direkten Blutslinie des Hauptahnen stammt und mit uneingeschränkter Autorität die Familienangehörigen (uji bito) des Klans zusammenhielt.

  • Yamatai (660 v.Chr-250 n.Chr) - die Politik im frühen jōmon jidai (7.500 v.Chr.-300 v.Chr.) und yayoi jidai (300 v.Chr.-250 n.Chr.) beruhte auf der Macht des Stärkeren. Dazu schlossen sich blutsverwandte Familien zu Klans (uji) zusammen, die jeweils von einem Sippenhäuptling (uji no kami) angeführt wurde. Seine Macht beruhte auf einer mythologischen Abstammung von einem göttlichen Hauptahn, der als Gründer (ujigami) der Sippe galt. Weitere Klan-Mitglieder (ujibito) wurden mit verschiedenen vertrauenswürdigen Funktionen innerhalb des eigenen Klans betraut.
  • Yamato (250-710) - zunächst gab es nach wie vor keine geregelte Rechtssprechung. Jeder Klan-Häuptling hatte in seinem Gebiet uneingeschränkte Macht und genoss nach Amtswürden (kabane - Name, Standestitel) freie Entscheidungsgewalt. Je nach der Größe seines Gebietes unterschied man die Klans in ōuji (große Sippen) und kouji (kleine Sippen). Genauer unterteilte man sie nach Macht und Einfluss in kimi, omi, muraji, atae und obito. Erst 684 (asuka jidai) setzte Tenmu-Tennō (672-686) die kabane nach den Landes-Verdiensten der uji neu fest und es entstanden mahito, asomi, sukune, imiki, michinoshi, omi, muraji und inagi (yakusa no kabane).
    Doch zunächst gehörte jedem Klan ein eigener Grundbesitz, der von leibeigenen Arbeitern (tomobe) und Sklaven (yakko) bestellt wurde. Gleichzeitig hatte jeder Klan einen Schutzgott (ujigami). Ab 660 v.Chr. begann sich das japanische Klan-System durch Krieg und gegenseitige Unterwerfung zu verändern. Ausgehend von seinem Machtzentrum Yamatai verbreitete der erste mystische Herrscher Jinmu-Tennō sein Reich und gründete einen ersten Hofstaat in Kashiwabara am Fuß des Unebi-Berges. Ihn und seine Nachfolger nannte man sumera mikoto (der alles Beherrschende) oder mikado (himmlische Pforte), ein früher Ausdruck für den späteren Kaiser. Erst ca. 690 n.Chr., gegen Ende des yamato jidai wurde durch den konfuzianischen Einfluss der aus China stammende Name tennō für den Kaiser gebraucht.

Politik des Altertums - Kaiser-Regierung (teisei)

Der japanische Kaiser (tennō) war in Japan immer eine mythologische Institution, ein Symbol des Staates und ein Objekt der japanischen Identifikation mit der Identität und Herkunft des japanischen Volkes. Mit dem beginnenden japanischen Altertum (kodai) gewann er zunehmend an politischer Macht und es etablierte sich die Zeit der Kaiser-Herrschaft (teisei). Die Politik Japans im teisei (Zeitalter des Kaisers 710-1185) wurde über alle Zeitalter durch den Einfluss ihrer bedeutendsten Geschlechter (uji) geprägt, von denen sich um die Zeitwende die Klans aus Yamato durchsetzten. Aus ihren Reihen stammen (ca. ab 690) die ersten japanischen Kaiser (tennō), die kaiserliche Familie (tennōke), die Regenten (tōchisha - speziell ōji, sesshō, kanpaku und taikan) der kaiserliche Hofstaat (kōshitsu), und alle kaiserlichen Verwandten bzw. Bevorzugten (kuge). Sie bestimmten im teisei (Kaiserzeit, 710-1185) die Organisation des Staates, durch die von ihnen in unterschiedlichen Modellen initiierte Gesetzgebung (ritsuryō).

Politik des Mittelalters - Militär-Regierung (bakusei)

Mit Beginn des kamakura jidai (1192) wurde Japan von mehreren militärischen Diktatoren (shōgun) regiert, die die Politik des Landes bis zum meiji jidai (1868) im Alleingang bestimmten. Der tennō (Kaiser) hatte keine politische Macht und war nur noch ein Vasall des shōgun. Er hatte nur noch eine symbolische Bedeutung. Die shōgun entstanden aus dem bereits im heian jidai empor gekommenen kriegerischen Neuadel (buke und bushi). Die buke gewannen im Gegensatz zu den kuge (kaiserlicher Hofadel) die Macht und etablierten aus ihren Reihen durch kriegerische Machtkämpfe den shōgun als Inhaber der höchsten politischen Regierungsgewalt. Beginnend mit dem Jahr 1192 bis 1868 gründeten die shōgun ihre Machtzentren (bakufu) in eigenen Hauptstädten (miyako). Die entsprechenden Krieger-Klans (Minamoto, Ashikaga und Tokugawa) regierten selbst oder durch von ihnen eingesetzte Regenten (tōchisha - speziell shikken, taikō, und tairō) bis 1868. Ihre Regierungszeit bezeichnet man als bakusei (Regierungszeit der militärischen Diktatoren). Doch die immer größer werdende Verwandtschaft des tennō war vom Kaiserhaus (tennoke) bald nicht mehr finanzierbar. Die betroffenen Klans (uji) lösten sich vom Kaiserhaus (tennōke) und etablierten zuerst in den Randgebieten (chihō) neue Herrschaftszentren (Minamoto und Taira). Zwischen dem 9. und 11. Jahrhundert etablierten sich zunehmend die ie. Damit bezeichnete man die von den uji abgespaltenen Klans, die sich in entlegenen Provinzen (kuni) niederließen und ihren Namen (myōji) entsprechend wählten. Im Jahre 1112 wurde von den militärisch erstarkten Machthabern der Nebenprovinzen (Minamoto) die Regierungsgewalt übernommen, der Kaiser weitgehend entmachtet und eine Militärdiktatur (bakufu und shōgun) eingerichtet.

Politik der Neuzeit - Refomen (meiji isshin)

Der Begriff meiji isshin (Restauration der Meiji) bezeichnet die zu Anfang des meiji jidai (1868) durchgeführten Reformen, die mit der gewaltsamen Entmachtung der japanischen Militärdiktatoren (shōgun) einhergehen und die kaiserliche Regierungsform des tennō wieder herstellten. Unter der Neuherrschaft des tennō (1868-1945) entstand die erste japanische Verfassung (dai nippon teikoku kenpō, die alle bisherigen Gesetzgebungen (ryō und ritsuryō) aufhob. Auch wenn sich dieses Regierungsmodell in den Folgezeit des kindai (Moderne, 1868-1989), besonders aber im meiji jidai (1868-1912), taishō jidai (1912-1926) und zu Anfang des shōwa jidai (1926-1989) durch imperialistische Machtgelüste der amtierenden Meiji-Kaiser definierte , markierte es trotzdem den anstehenden politischen Umbruch in Japan und leitete (shinsei, ab 1945) die Veränderung der japanischen Politik zu einer parlamentarischen Demokratie ein.

Neues Zeitalter (ab 1945 - shinsei)

Der Begriff shinsei (neues Zeitalter - kein nengō) bezeichnet den Beginn der aktuellen japanischen Demokratie ab 1945. Innerhalb der nengō klassiffiziert er sich im Zeitalter kindai (Moderne, 1868-1989) im shōwa jidai (1926-1989) unter dem zeitgeschichtlichen Abschnitt sengo (1945-1989).

  • Nihon koku kenpō - Japan verlor den Zweiten Weltkrieg und wurde danach von den Siegermächten zu einer neuen demokratischen Verfassung gezwungen. Die daraus entstandene japanische Verfassung (nihon koku kenpō) wurde am 3. November 1946 vom ersten frei gewählten japanischen Parlament mit der Genehmigung des tennō verabschiedet. Sie beruht auf der Initiative der aliierten Besatzungsmächte (vor allem USA), kombiniert mit japanischen Entwürfen und trat am 3. Mai 1947 in Kraft.

Japanische Verwaltungsgliederung

Hauptartikel: Japanische Verwaltung

Im Laufe der Jahrhunderte wurde Japan unter verschiedenen territorialen Modellen klassifiziert.

GEBIETSVERWALTUNG im Altertum

Chihō - Regionen

Kinai - eine (1) Hauptstadt-Region
Shichidō - sieben (7) Fernstraßen

Kuni - Provinzen

5 Provinzen in Kinai
63 Provinzen in den Sichidō

Gun - Bezirke & Dorfgemeinschaften

Großer Bezirk - 16-20 Dörfer
Oberbezirk - 12-15 Dörfer
Mittlerer Bezirk - 8-11 Dörfer
Unterer Bezirk - 4-7 Dörfer
Kleiner Bezirk - 2-3 Dörfer

Sato - Dörfer / Weiher

Sato - ca. 50 Haushalte
Mura - ca. 20 Haushalte

Verwaltung im Altertum (kodai, 300 - 1185)

Im frühen Zeitalter (Kalender und reki) der tennō (teisei) war Japan in Bezirken (gun) organisiert, die sich aus Dorfzusammenschlüssen (sato - große Dörfer und mura - kleine Dörfer) bildeten. Durch die Gemeinschaft mehrerer Bezirke (gun) entstand eine Provinz (kuni). Die kuni waren in acht Regionen (chihō, 1+7 Einheiten) organisiert, die sich nach dem damals gültigen Recht (ritsuryō) in kinai (Hauptstadtregion) und shichidō (7 Fernwege) teilten. Dieses kaiserliche Verwaltungssystem wurde gokishichidō genannt. Die gokishichidō organisierte im altertümlichen heian jidai (794-1192) insgesamt 68 Provinzen (kuni), von denen sich fünf Provinzen in der inneren Hauptstadtregion (kinai) befanden und weiteren 63 Provinzen, die sieben äußere Regionen (shichidō und chihō) bildeten. Die Region Hokkaidō wurde von den ainu besiedelt und erst im Mittelalter erschlossen:

Gokishichidō - alte Regionen Japans

Kinai / Kinki

  • Hauptstadt & Hauptstadt-Region
Yamato - Kernland des japanischen Kaiserreichs
Yamashiro - erweitertes Kernland Japans
Settsu - Ländereien von Ōsaka
Kawachi - unter dem Einfluss von Settsu
Izumi - unter dem Einfluss von Settsu

Shichidō

  • Sieben (äußere) Fernstraßen-Regionen
Tōkaidō - Ostsee-Route
Tōsandō - Ost-Gebirgsroute
Hokurikudō - Nordland-Route
Sanindō - Gebirgsrücken-Route
Sanyōdō - Gebirgsfront-Route
Nankaidō - Südsee-Route
Saikaidō - Westsee-Route
  • Kinai - die eigentliche Hauptstadtregion, die das ursprüngliche Kernland Japans bezeichnet. In der japanischen Frühgeschichte (genshi) gewann der Klan der Yamato die Vorherrschaft und etablierte am 11. Februar 660 v.Chr. den ersten japanischen Kaiser (Jinmu-Tennō), der nach der Chronologie des nihongi das Zeitalter der menschlichen Gott-Kaiser und gleichzeitig das Jahr 1 in der japanischen Geschichtsschreibung (nengō) einleitete. Nach mehreren Eroberungskriegen erweiterte Jinmu-Tennō seinen Einflussbereich und gründete das Reich der yamato - das vorgeschichtliche Kernland Japans, das noch heute als Symbol für alles Japanische (yamato damashi, yamato kokoro, u.s.w.) steht. Durch die Eroberungen der nachfolgenden Kaiser dehnte sich das Machtgebiet des tennō über weitere Ländereien aus und man bezeichnete diese Gebiete als kinai (in der Hauptstadt) oder als kinki (Umgebung der Hauptstadt). Im heian jidai (794-1192) entstanden in diesem Gebiet fünf (innere) Provinzen (kuni): Yamato, Yamashiro, Kawachi, Settsu und Izumi. Sie bildeten zusammen das Kernland des späteren kaiserlichen japanischen Groß-Reiches.
  • Shichidō - bezeichnet im japanischen Altertum (kodai) die sieben Verbindungsstraßen (shichidō) und zugleich die sieben territorialen Gebiete (chihō), die an die Hauptstadtregion (kinai) angebunden wurden: Tōkaidō, Tōsandō, Hokurikudō, San´indō, San´yōdō, Nankaidō und Saikaidō. Sie wurden von adeligen Familien (Shizoku (Japan)) verwaltet und als geographische Regionen (chihō) in das Verwaltungskonzept (gokishichidō) des japanischen Reiches integriert, galten jedoch zunächst als minderwertig und der Hauptstadtregion (kinai) untergeordnet.

Verwaltung im Mittelalter (chūsei, 1185-1603)

Im Mittelalter verlor der tennō die politische Macht und das Land wurde ausschließlich vom shōgun regiert. Die geographische und politische Einteilung des Landes nach dem altertümlichen Modell gokishichidō blieb erstmals erhalten:

  • Chihō (Gegend, Region) - mit dem Begriff chihō wurden früher großräumige Landgebiete (gokishichidō) bezeichnet (in Deutschland vergleichbar z.B. mit Taunus oder Eifel), die keine Verwaltungseinheiten waren aber im traditionellen Gebietsbewusstsein der Japaner bis heute existieren.
  • Kuni (Provinz) - Bezeichnung für altertümliche geographische Provinzen (kuni) und Verwaltungseinheiten Japans, die bereits in der Kaiserzeit (teisei) entstanden, sich aus Bezirken (gun) zusammensetzten und weit ins Mittelalter hineinreichten. Doch durch die vom tennō initiierte Landverpachtung im heian jidai begannen sich neue Gebiete als shōen zu etablieren, die sich im mittelalterlichen sengoku jidai (ab 1482) zu großräumigen Machtbereichen der Sengoku-Daimyō zusammenschlossen. Durch diese Neuordnung wurden die Grenzen der alten kuni immer mehr verwischt und durch ständige Eroberungskriege in neue Gebiete gegliedert.

Bereits im heian jidai (794-1192) entstand durch die neue Landverteilungspolitik des tennō eine schleichende Überlagerung des alten Konzeptes der kuni. Zunächst entstanden die shōen (feudale Lehen), deren Zusammenschlüsse die Machtbezirke der Sengoku-Daimyō (daimyat) ergaben, die ab dem sengoku jidai (1482) die geographische Architektur Japans weitgehend verändern sollten. Diese Neugliederung setzte sich über die Grenzen der alten kuni hinweg und etablierte zusätzlich neue Verwaltungseinheiten:

  • Shōen (Herrenhof) - landwirtschftliche Herrenhöfe, die bereits im heian jidai von der Tennō-Regierung als steuerpflichtige Lehen verpachtet wurden. Unter der Regierung des tennō wurden sie von den kokushu (kaiserliche Provinzgouverneure) verwaltet und bezahlten ihre Steuern an den Kaiser. Doch mit der Machtübernahme der Militärs schickte der erste shōgun (Minamoto Yoritomo) seine eigenen Vertrauten (jitō und shugo) in die Lehen und ließ alle Steuern ins bakufu (Zentrum der Militärregierung) umleiten. Unter seinem Einfluss begann sich eine eigenständige Struktur von mächtigen Landvogten (jitō) und Provinzgouverneuren (shugo) zu etablieren, die dem Kaiser entsagten und eine untergeordnete Machtpyramide unter dem shōgun zu bilden begannen.
  • Daimyat (Fürstentum) - nachdem sich die shōen durch Zusammenschlüsse und gegenseitige Eroberungen zu übergeordneten Machtbezirken der aus den kokushu, jitō und shugo entstandenen daimyō organisierten, entstand im sengoku jidai (1482-1568) zwischen ihnen ein hundert Jahre lang anhaltender Krieg um Macht und Einfluss. Dieser gipfelte schließlich im unentschiedenen Onin-Krieg (ōnin no ran, 1467-1477), in dem die Kaiserhauptstadt Kyōto fast völlig zerstört wurde. Auch die späteren Nutznießer des Krieges (Oda Nobunaga, Hideyoshi Toyotomi) im Azuchi-Momoyama jidai (1568-1603) konnten die Rivalität der daimyō nicht endgültig befrieden und führten anhaltende Kriege gegen ihre Rivalen. Unter Hideyoshi Toyotomi (1537-1598), dem Nachfolger von Oda Nobunaga, wurden die Ländereien der daimyō 1568 erstmals als eigenständige Machtbezirke legalisiert und die alten Provinzen (kuni) durch die neu entstandenen Gebiete abgelöst.
  • Han (feudale Landlehen) - im edo jidai (ab 1603) entstanden daraus die han (Landlehen der daimyō). In diesem Zeitalter (edo jidai) wurden alle daimyō unter die strikte Kontrolle des bakufu unterworfen und hatten keine eigenen Machtbefugnisse.

Verwaltung in der Frühmoderne (1603-1868)

In der japanischen Frühmoderne (kinsei) dominierten die shōgun des edo jidai als Militärdiktatoren die japanische Politik. Die Tokugawa regierten das Land ausgehend von Edō (heute Tōkyō) mit straffer Hand, die Gesellschaft reorganisierte sich im System der "„vier Stände“ (shinōkōshō), die Verbindungswege (kaidō) zu den Provinzen wurden auf fünf Straßen (gokaidō) reduziert.

Verwaltung in der Frühmoderne
Shi - Krieger
- Bauern
- Handwerker
Shō - Händler
Tōkaidō - Küstenstraße von Edo nach Kyōto
Nakasendō - Gebirgsstraße von Edo nach Kyōto
Kōshū kaidō - Straße von Edo nach Kōfu (Kōshū)
Ōshū kaidō - Straße von Edo nach Shirakawa (Fukushima)
Nikkō kaidō - Straße von Edo nach Nikkō

Verwaltung in der Moderne (kindai, 1868-1989)

Im meiji jidai wurden die han zuerst als administrative Einheiten übernommen, bald aber durch das neue Konzept der Präfekturen ersetzt.

  • Japanische Präfekturen (todōfuken) - am 14. Juli 1871 wurden die han direkt in das heutige System der Präfekturen umgewandelt. Entsprechend der bestehenden han gab es zunächst 304 Präfekturen, die sich inoffiziell in 68 Provinzen (kuni) gliederten. Die Provinzen blieben Teil des japanischen Adress-Systems, hatte jedoch keine verwaltungspolitische Bedeutung. Bis 1888 wurden die Präfekturen immer mehr den Provinzen (kuni) angepasst und ihre Anzahl auf 47 verringert. Doch ihre Grenzen waren nicht identisch. Die modernen 47 Präfekturen (todōfuken) werden zentralistisch verwaltet und unterteilen sich nach der Art ihrer Bestimmung in to (Präfektur Tōkyō), (Präfektur Hokkaidō), fu (Präfekturen Ōsaka und Kyōto) und ken (alle weiteren 43 Präfekturen).

Japanische Religion (nihon shūkyōgaku)

→ Hauptartikel: Japanische Religion | Japanische Tradition

Die in frühester Zeit (genshi) entstandene japanische Religion ist der Shintōismus (shintō). Doch bereits im kofun jidai (ca. 400 n.Chr.) wurde aus China der Buddhismus übernommen und im folgenden asuka jidai (552) als Japanischer Buddhismus (bukkyō) zur Staatsreligion erklärt. Zur gleichen Zeit fand auch die staatspolitische Lehre des chinesischen Konfuzianismus (rujia) als Japanischer Konfuzianismus (jukyō) ihren Einzug in die aristokratischen Kreise Japans, so wie auch die Lehre des Daoismus, der in Japan als dōkyō („Lehre vom Weg“, ) bekannt wurde. Diese drei aus China übernommenen Konzepte (Buddhismus, Konfuzianismus und Daoismus) wurden als die „drei Lehren“ (chin. sānjiào (三教), jap. sangyō) bezeichnet und prägen bis heute alle japanischen Religionen und Philosophien. Bereits zu einem frühen Zeitpunkt vermischten sie sich miteinander (shinbutsu shūgō) und gründeten aus ihren Kombinationen eine Vielzahl von japanischen Glaubensrichtungen, die noch heute relevant sind. Betrachtet man sie im Zusammenhang, sind folgende Grundlagenkonzepte von Bedeutung:

SHŪKYŌ - Religion
  • Shintō - japanische Volksreligion
Shintō (Shintōismus) - japanische Urreligion
Mikkyō - esoterischer Buddhismus
- Tendai shū (von Dengyō Daishi, Kurzname Saichō)
- Shingon shū (von Kōbō Daishi, Kurzname (Kūkai)
Jōdo (11. Jhr.) - Amida-Buddhismus
- Nichiren shū - Nisshō, Nichirō, Nichiji
- Nichiren shōshū - wahre Nichiren-Schule
Zen-Buddhismus - philosophischer Buddhismus
- Sōtō shū von Dōgen Kigen (1200-1253)
- Rinzai shū von Mōyan Eisai (ab 1191)
- Fuke shū von Sanji Kakushi (1207-1298)
- Ōbaku shū von Ingen Ryūki (ab 1654)
- Sanbō kyōda - modernes Zen
Weitere Schulen
- Hossō shu - Bewußtseins-Schule
- Hokke shū - Lotos-Schule
- Kogaku - originaler Konfuzianismus
- Shushigaku - neokonfuzianische Schule
- Yōmeigaku - neokonfuzianische Schule
Juka shintō - Synkretismus shintō / jukyō
- Kokugaku - Synkretismus
- Mitogaku - Synkretismus
Shinbutsu shūgo - Shintō & Buddhismus
- Shingon shū - Schule des wahren Wortes
- Tendai shū - esoterischer Buddhismus
Juka shintō - Konfuzianismus & Shintō
- Kokugaku - Synkretismus
- Mitogaku - Synkretismus
- Kokka shintō - Staats-Shintō
- Jinja shintō - Schrein-Shintō
- Kyōha shintō - Sekten-Shintō
Kyōha shintō - Sekten-Shintō
  • Ausländische Randreligionen
- Kirisuto kyō - Christentum
- Isuramu kyō - Islam

Seit jeher entstanden in allen Epoche der japanischen Geschichte neue Religionslehren oder die alten wurden reformiert. Die religiösen Praktiken der Japaner waren nie an einheitliche Konfessionen gebunden, sondern bevorzugten ein kombiniertes System (shinbutsu shūgō), innerhalb dessen Bekenntnisse zu mehreren Religionen möglich waren. Das 1868 erlassene Gesetz zur Trennung des Buddhismus vom Shintōismus (shinbutsu bunri) und zur Gründung einer einheitlichen shintōistischen Staatsreligion (kokka shintō) änderte im Religionsbewusstsein der Japaner nur wenig. Die aus China importierten Religionen (Buddhismus, Konfuzianismus und Daoismus) waren seit altersher im Glauben der Japaner tief verankert und konnten nicht durch eine willkürliche Gesetzesbestimmung verändert werden.

Shintoismus - shintō

Der Shintōismus (shintō) ist ein japanischer Urglaube an mystische Götter (kami), der mit Amaterasu die Entstehungsgeschichte der Japaner (jindai und nindai) und ihres späteren Reiches (nihon / nippon) begründete. Der shintō entwickelte sich später in einer ungeheuren Vielfalt, vor allem durch die Beeinflussung der drei großen Religionen (sangyō) vom asiatischen Festland: Buddhismus (jap. bukkyō), Konfuzianismus (jap. jukyō) und Daoismus (jap. dōkyō), mit denen er sich über die Zeit von vielen Jahrhunderten vermischte und vielfältige Synkretionen (shinbutsu shūgō) hervorbrachte. Im meiji jidai (1868) wurde der shintō durch eine gesetzliche Verordnung (shinbutsu bunri) von allen Fremdeinflüssen getrennt und zur einzigen japanischen Staatsreligion (kokka shintō) erklärt. Aus den vielen Shintō-Interpretationen entwickelten sich im Laufe der Zeit shintōistische Sekten (kyōha shintō und shūha shintō), von denen im beginnenden meiji jidai zunächst 13 Glaubensrichtungen (shintō jūsanpa) offiziell anerkannt wurden. Doch bereits 1882 wurden sie zugunsten des kokka shintō und des jinja shintō verboten, existierten jedoch im Untergrund weiter. Nachdem 1946 der Staats-Shintō (kokka shintō) abgeschafft und die religiöse Kultur Japans liberalisiert wurde, entwickelte sich aus ihnen in Abgrenzung zum traditionellen Schrein-Shintō (jinja shintō) eine agressive Sektenmentalität, die shintōkei shinshūkyō (vereinfacht shinshūkyō) genannt wird.

Buddhismus - bukkyō

Der japanische Buddhismus wurde vom asiatischen Kontinent (Indien, China, Korea und Tibet) importiert und in Japan zu einer einheimischen Religion (bukkyō) entwickelt. Später entstanden daraus kombinierte Systeme (shinbutsu shūgō). Bereits im kofun jidai (ca. 400 n.Chr.) erreichten erste buddhistische Lehren Japan und beeinflussten nachhaltig die bislang vom shintō geprägte japanische Glaubenswelt. Unter dem Machteinfluss der Soga wurde der Buddhismus 552 zur Staatsreligion. Darauf folgende Glaubenskämpfe, wie unter den Fujiwara (ab 645), gaben dem shintō erneut mehr Bedeutung. Statistisch betrachtet gab es in Japan mehrere Zeitperioden des Buddhismus.

Konfuzianismus - jukyō

Der Konfuzianismus (japanisch jukyō) kam früh nach Japan und entwickelte auch dort Tendenzen zur Religion (nihon shūkyōgaku). Ursprünglich in China bezeichnete der Begriff eine staatspolitische Lehre des Konfuzius, die weitgehend politische Maßstäbe bezüglich der Organisation des Staates und der Gesellschaft lehrte. Der authentische Konfuzianismus (chin. rujia) ist vor allem eine Ethik-Lehre für zwischenmenschliche Beziehungen, aufgebaut auf fünf grundlegende Tugenden (Liebe, Rechtschaffenheit, Gewissenhaftigkeit, Ehrlichkeit und Gegenseitigkeit), aus denen drei soziale Pflichten entstehen (Loyalität, Pietät, und Sittenhaftigkeit). Durch die Verwirklichung der Tugenden in der Handlung entsteht Menschlichkeit (ren). Diese ermöglicht ein harmonisches Zusammenleben, sowohl in der Familie, in den Dörfern, in den Provinzen und im Reich.

Obwohl Konfuzius nie selbst etwas niederschrieb, hielt er seine Schüler zum Studium der alten chinesischen Schriften an, sagte aber gleichzeitig, dass Weisheit nicht allein durch Lernen entstehen kann. Der Weisheit legte er stets das eigene Denken zugrunde, worauf erlerntes Wissen erst aufgebaut werden muss: „Lernen ohne zu denken ist sinnlos, denken ohne zu lernen ist gefährlich“. Seine wichtigsten Schüler (Mengzi und Xunzi) setzten mit unterschiedlichen Auffassungen seine Lehre fort, was in der Song-Dynastie (960-1279) zur Gründung des Neokonfuzianismus führte. In dieser Zeit wurden die alten neun Schriften (jap. shisho gokyō) des Konfuzianismus kommentiert und neu verfasst. Bereits zur Zeit der chin. Han-Dynastie (hàn cháo, 206 v.Chr.-220 n.Chr.) wurden die Gedanken des Konfuzius nach Japan gebracht. Im 15. und 16. Jahrhundert wurde die konfuzianische Lehre zum unabdingbaren Bestandteil jeder Gelehrtenbildung. Zuerst entstanden zwei metaphysische Schulen des Neokonfuzianismus, shushigaku (nach der Lehre des Chinesen Zhu Xi) und yōmeigaku (nach der Lehre des Chinesen Wang Yang Ming).

Im tokugawa jidai (1600-1868) begann sich ein von Zen-Mönchen aus China importierter Neokonfuzianismus (jap. juka shintō) in Japan zu etablieren und erhebliche Kritik an den bestehenden Glaubensrichtungen zu üben. In diesem neuen Trend entstanden die beiden bedeutenden Schulen der kokugaku (neokonfuzianische Interpretation des shintō) und mitogaku (Einheit zwischen shintō und jukyō). Die kokugaku entwickelte über Yamaga Sokō, Nakae Tōju, Kumazawa Bankan, Kaibara Ekiken, Miwa Shissai, u.a. eigene Interpretationen, während sich in der mitogaku Richtungen wie ritō shinchi shintō (Hayashi Razan) watarai shintō (Watarai Nobuyoshi) yoshikawa shintō (Yoshikawa Koretari) und suika shintō (Yamazaki Ansai) entwickelten. Gegen Ende des 17. bis ins 18. Jahrhundert hinein entstand in Japan ein Trend zur reinen philosophischen Lehre (tetsugaku) als Wissenschaft (kagaku). Man widmete sich erneut den alten Schriften des Konfuzianismus, wodurch die Schule kogaku (Lehre vom Alten) neu entstand. Sie sollte den Japanern ein Standard für die klaren Regeln der Tugend und Charakterbildung sein und ihre Mentalität von metaphysischen Gedanken des Daoismus und Shintōismus befreien. Diese neokonfuzianischen Richtungen lehrten vor allem auch die mentale Rückkehr der Krieger (samurai) zu ihrer längst vergangenen Krieger-Ethik (bushidō) und konstruierten in den Friedenszeiten der Tokugawa einen neuen Kriegerkult auf der Basis des authentischen Konfuzianismus. Der samurai Yamaga Sokō (1622-1685) veröffentlichte dazu eine erste Schrift (hagakure), die zur Neuordnung des bushidō führte. Ihm folgten Itō Jinsai (1627-1705) und Ogyū Sorai (1666-1728). Im späten 18. Jahrhundert entstand die kokugaku, die Japan in das moderne Zeitalter führen sollte.

Daoismus - dōkyō

Der Daoismus (in Japan dōkyō) ist eine weitgehend philosophische Lehre, die das Zusammenleben der Menschen mit dem Prinzip des ewigen „Werden und Vergehens“ zur Grundlage hat. Das Konzept lehrt die Anpassung des Menschen an die Natur, an die übergeordnete Gesetzmäßigkeit des Universums, an die nicht erfassbare Ordnung () aller sichtbaren Veränderungen, die alle Dinge dem ewigen Zyklus der Veränderung unterwirft.

Der Daoismus („Lehre vom Weg“) entstand im 4. Jahrhundert v.Chr. in China auf der Grundlage des Buches dàodéjīng (tao te king) von Laozi (Lao tse oder Lao-tzu), der gleichzeitig als Gründer des Daoismus gilt. Darauf folgten weitere daoistische Veröffentlichungen, wie das nanhua chen jing (Das wahre Buch vom südlichen Blütenland) von Zhuangzi, einem Weisen (zhenren) aus Nanhua. Der Daoismus beeinflusste in China nahezu alle Bereiche der Politik, Religion, Kultur, Philosophie, Literatur und auch alle philosophischen Bewegungskünste (quánfǎ und qìgōng). Er bezeichnet die ureigene Lehre der Chinesen und wird vage in dàojiào (religiöser Daoismus) und dàojià (philosophischer Daoismus) unterschieden. Zusammen mit dem Buddhismus und Konfuzianismus bildet er das Konzept der sānjiào (jap. sangyō - drei Lehren), die zusammen genommen bis in die heutige Zeit das gesamte religiöse und philosophische Konzept aller ostasiatischen Kulturen bestimmen. Darüber hinaus beeinflussten sie sich auch gegenseitig und brachten in allen ostasiatischen Ländern unzählige Kombinationen hervor. So entstand z.B. chan (jap. zen) aus der Auseinandersetzung zwischen dem Buddhismus und Daoismus oder der Neokonfuzianismus aus kombinierten Lehren zwischen Konfuzianismus, Daoismus und Buddhismus. Der chinesische Daoismus entwickelte zum Zwecke der Vereinigung der sānjiào sogar eine eigene Schule (quanzhen - Schule der vollkommenen Wirklichkeit).

Obwohl der Daoismus alle asiatischen Philosophien beeinflusste, entwickelte er in Japan kaum eigenständige Richtungen. Doch sein Einfluss ist in jedem Bereich des japanischen Lebens deutlich spürbar.

Christentum - kirisuto kyō

Das Christentum in Japan (japanisches Christentum) hat heute nur wenig Bedeutung. Es etablierte sich als Randreligion (nihon shūkyōgaku) in der Zeit von Oda Nobunaga, (1534-1582), der ab 1549 vor allem die Technologie der von christlichen Missionaren (Xaver Franz) eingeführten Schusswaffen (arkebuse und teppo) nutzte, um damit seine Machtposition gegenüber seinen Rivalen zu sichern. Da aber viele hochranginge Fürsten (daimyō) den christlichen Glauben annahmen, wurden die christlichen Missionare und ihre Anhänger jahrhundertelang verfolgt.

Neue Religionen - shin shūkyō

Bereits im tokugawa jidai (ab 1600) begann sich in Japan eine vielfältige Religionskultur herauszubilden (shin shūkyō, shinshin shūkyō, shintōkei shinshūkyō), die auch die Gründung verschiedener Sekten (kyōha und shūha) begünstigte. Neben traditionellen Richtungen wie tenrikyō oder sōka gakkai entwickelten sich manche zu extrem nationalistischen Strömungen, wie die ōmu shinrikyō, die im religiösen Wahn 1995 einen Giftgasanschlag auf die japanische Bevölkerung in der U-Bahn von Tōkyō verübte.

Japanische Kultur (nihon bunka)

Hauptartikel: Japanische Kultur

Die japanische Kultur (nihon bunka, kurz bunka) und die dazugehörige Kunst (bijutsu) wurden zeitgeschichtlich entscheidend vom asiatischen Festland (China und Korea) beeinflusst.

Japanische Sprache - nihongo

Hauptartikel: Japanische Sprachen

Die Amtssprache Japans nennt man nihongo (Japanisch) oder auch kokugo (Landessprache). Sie entwickelte sich über die Jahrtausende in verschiedenen Etappen, unter verschiedenen Einflüssen und ist verwandt mit den Sprachen der Ryūkyū (ryūkyūgo). Ähnlichkeiten gibt es auch zum Koreanischen und zu den altaischen Sprachen. Obwohl die traditionelle Sprache auf Okinawa (uchināguchi) im Vergleich zum Japanischen große Unterschiede aufweist, wird sie heute von japanischen Dialektforschern als ein japanischer Dialekt (hōgen) eingestuft. Die Sprache der Ainu ist mit dem Japanischen nicht verwandt. Weltweit sprechen heute ca. 128 Mio. Menschen (2,4 % der Erdbevölkerung) Japanisch und besetzen damit den neunten Platz im internationalen Sprachgebrauch. In den Kommunikations-Medien (z.B. Internet) beansprucht die japanische Sprache ca. 4,9 % aller Webseiten (Platz 4 hinter Engisch, Deutsch und Französisch). Trotzdem zählt Japanisch nicht zu den Weltsprachen, da es zu sehr auf Japan begrenzt ist und im Vergleich zu anderen Sprachen zu wenige Zweitsprachler (vor allem Englisch) hat.

NIHONGO - japanische Sprache

Nihongo (kokugo) - japanische Sprache

Jōko nihongo (Altjapanisch) - Nara jidai
Chūko nihongo (Klassik) - Heian jidai
Chūsei nihongo (Mitteljapanisch) - Kamakura jidai
Kinsei nihongo (Neujapanisch) - Edo jidai
Gendai hyōjungo (Gegenwart) - Meiji jidai

Hōgen - Dialekte

Ryūkyūgo - Sprache auf den Ryūkyū
Ainugo (Hokkaidō) - Sprache der Ainu

Hōji - japanische Schrift

Hànzì - chinesische Schrift
- Kanbun - chinesische Schriftsprache
- Bungo - japanische Schriftsprache

Kana - moderne Schrift

Kanji - vereinfachte chin. Schriftzeichen
Hiragana - japanische Silbenschrift
Katakana - Silbenschrift für Fremdwörter
Romaji - Transkription ins Lateinische

Japanische Schrift - hōji

Hauptartikel: Japanische Schrift

Die moderne japanische Schrift (hōji) setzt sich aus mehreren Schriftbildern zusammen: kanji, hiragana, katakana und rōmaji. Ihre Vorgeschichte beruht jedoch auf chinesischen Einflüssen.

Die erste japanische Schrift (kanbun) begann sich im späten Altertum (genshi) aus rein chinesischen Schriftzeichen (hànzì) zu entwickeln und diente der frühen Veröffentlichung literarischer Werke (z.B. kojiki und nihonshoki). In ihr wurden ausschließlich chinesische Schriftzeichen verwendet, die mit einer japanischen Lesung (manyōgana) belegt waren. Im späten heian jidai wurden kana (Silbenschriften) (hiragana, katakana) eingeführt, die eine genaue Darstellung der japanischen Grammatik ermöglichten.

  • Kanbun (chinesische Zeichen) - die rein chinesische Schriftsprache (kanbun) bezeichnet die japanische Literatur der Frühzeit (nara jidai und frühen heian jidai), die mit ausschließlich chinesischen, unveränderten Schriftzeichen (hànzì) verfasst wurde.
  • Bungo (klassische japanische Schrift) - die klassische Schriftsprache Japans basiert ebenfalls auf den chinesischen Schriftzeichen (hànzì). Im heian jidai wurden zusätzlich hiragana und katakana eingeführt, anhand derer auch die japanische Grammatik dargestellt werden konnte. In bungo wurden in Japan teilweise bis 1945 Texte (klassische Literatur, wissenschaftliche und administrative Texte) verfasst.

Durch die stetige Vereinfachung der chinesischen Zeichen (hànzì) entstanden bereits im heian jidai (794-1192) eigene japanische Logogramme (kanji), die durch ein zusätzliches Schriftsystem (kana) unterstützt wurden (hiragana, katakana und rōmaji).

  • Kanji (japanische Schriftzeichen) - die kanji sind Ableitungen von den ursprünglich aus China stammenden Schriftzeichen (hànzì), die in Japan übernommen und teilweise verändert, vereinfacht und der japanischen Schriftsprache angepasst wurden. Ergänzend zu ihnen gibt es hiragana und katakana, die beides Silbenschriften sind und allgemein als kana bezeichnet werden.
  • Hiragana (Grammatik) - entwickelten sich aus kanji, anhand derer überwiegend die Grammatik der geschriebenen Sprache dargestellt wird. Bezeichnet eine zu den kanji zusätzliche und parallel verwendete Silbenschrift (kana und hiragana).
  • Katakana (Fremdwörter) - eine weitere, zu den kanji verwendete japanische Silbenschrift (kana und katakana), durch die hauptsächlich aus dem Ausland eingeführte Fremdwörter in die japanische Sprache umgeschrieben werden. Entwickelten sich ebenfalls aus kanji.
  • Rōmaji (Transkription) - die rōmaji bezeichnen die Transkription japanischer Begriffe in die lateinischen Spachen, entsprechend dem lateinischen Alphabet.

Japanische Literatur - nihon bungaku

Hauptartikel: Japanische Literatur

Die japanische Literatur (nihon bungaku) ist sehr vielfältig und unterteilt sich in geschichtliche und inhaltstypische Abschnitte. Man kann sie grundsätzlich in bungei (Dichtung) und sanbun (Prosa) unterscheiden. Zusätzlich wichtig ist bunki (Kriegsliteratur).

Japanische Kunst - nihon bijutsu

Hauptartikel: Japanische Kunst

Die japanischen Künste (nihon bijutsu) wurden hautsächlich vom Buddhismus (besonders vom zen) und vom Shintōismus beeinflusst.

NIHON BIJUTSU - japanische Künste
  • Buddhistische Wegkünste ()
Budō - Weg der Kampfkünste
Ikebana - Blumenarrangieren
Kadō - Weg der Blumen
Chadō - Weg des Tee
Shodō - Weg der Kalligraphie
  • Shintōistische Künste
- japanisches Theater des Adels
Kabuki - japanisches Theater für Bürger
Bunraku - japanisches Puppentheater
Odori - Tanz
Kodō - Kunst der Trommeln
Kyōgen - humoristisches Theaterstück zwischen zwei Nō-Aufführungen
  • Weitere Künste
Teienjutsu - Gartenkunst
Ongaku - Musik
Bungei - Dichtkunst
Shoga - Malerei, Handschriften
Origami - Papierfalten

Japanische Kampfsysteme

Hauptartikel: Japanische Kampfsysteme

Die japanischen Kampfsysteme unterteilt man in Japanische Kriegskunst, Japanische Kampfkunst und Japanischer Kampfsport. Ihre Inhalte sind jeweils verschieden und entsprechen dem Geist der Zeit, in der sie entstanden.
Die im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert erfolgte Änderung des Suffixes für bestimmte Kampfkünste von jutsu (bujutsu) zu (budō) kann als Orientierung an der von Kanō Jigorō gegründeten „Kampfkunst-Modernisierung“ verstanden werden. Doch sie wird heute oft falsch gedeutet. Zum einen wird dieses Begriffspaar häufig zur Unterscheidung zwischen „alten“ (jutsu) und „neuen“ () japanischen Kampfsystemen herangezogen. Dies ist insofern falsch, als dass auch die mit bezeichneten Künste eine uralte Tradition haben. Eine andere Fehlinterpretation ist, dass den mit jutsu bezeichneten Künsten per se die werterzieherischen Qualitäten des abgesprochen werden. Dazu ist zu bemerken, dass mit der Umbenennung von jutsu zu die Wertevermittlung in den Kampfkünsten keineswegs eingeführt, sondern nur verbal in den Vordergrund gerückt wurde. Heute sind in den Kampfkünsten beide Begriffe fast synonym. Am jeweils verwendeten Suffix kann man nicht erkennen, ob es sich um eine alte Kriegskunst (bujutsu), um eine Kampfkunst (budō) oder um einen Kampfsport (kakugi) handelt. Die Unterscheidung liegt allein in der Absicht und im Ziel der Übung (keiko / renshū) und im dementsprechenden Trainingsaufbau der Technik (jutsu / waza).

Japanische Kriegskunst

Hauptartikel: Japanische Kriegskunst | bujutsu | kobujutsu

Der Begriff Japanische Kriegskunst umfasst die gesamte Breite der kriegerischen Methoden Japans und unterteilt sich vorneweg in bujutsu (Systeme der proffessionellen Krieger) und in kobujutsu (Systeme des gemeinen Volkes). In einer weiteren Betrachtung gibt es innerhalb dieser Systeme sowohl bewaffnete Methoden (buki hō), als auch unbewaffnete Methoden (kara hō). Außer den Waffen (buki), gehören zu diesem System auch japanische Rüstungen (yoroi, gusoku) und sonstige Gerätschaften (bugu, dōgu), die ein Krieger zur Ausübung seines Handwerkes benötigte. Auch Strategie, Kriegstaktik und Psychologie (bushidō) gehören in diesen Bereich.
Da die beiden Begriffe sowohl in Japan als auch auf Okinawa (heute eine Präfektur Japans) verwendet wurden, sich jedoch im Inhalt voneinander unterscheiden, verwenden wir in budopedia die Begriffe Bujutsu (Japan), Bujutsu (Okinawa) und gleichfalls Kobujutsu (Japan) und Kobujutsu (Okinawa).

Japanische Kampfkunst

Hauptartikel: Japanische Kampfkunst | budō | kobudō

Der Begriff Japanische Kampfkunst (jap. budō), bezeichnet eine Methode der persönlichen Selbstperfektionierung durch die Übung der alten Kriegskünste (bujutsu) unter dem Aspekt des Weges (). Besonders unter dem Einfluss des zen entwickelte sich diese Methode bereits im 17. Jahrhundert zu Künsten der Selbstbetrachtung und Selbstperfektion. Die rein kriegsorientierten Systeme des bujutsu verwandelten sich in friedliche Übungsmethoden innerhalb der Lehre des und nutzten ihr Potenzial zur Reflektion über Leben, Sinn und Sein. In diesem Sinn veränderte sich z.B. aikijutsu zu aikidō, jūjutsu zu jūdō, kenjutsu zu kendō, kyūjutsu zu kyūdō, karatejutsu zu karatedō, kobujutsu zu kobudō, u.a.

Japanischer Kampfsport

Hauptartikel: Japanischer Kampfsport | kakugi

Im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert drängten die japanischen Kampfsysteme als Wettkampfsport auf den Markt und verbreiteten sich um die ganze Welt. Den japanischen Kampfsport, ausgeführt nach europäischen Regeln des Wettkampfes, nennt man in Japan kakugi. Der Begriff bezieht sich auf die aus den Systemen bujutsu (kobujutsu) und budō (kobudō) abgeleiteten und weltweit verbreiteten Wettkampfsystemen, wie z.B. jūdō, sumō, kendō, karate dō u.a. aber auch auf den importierten Kampfsport, wie z.B. Boxen, Ringen, Fechten u.a. Ausschlaggebend für die Verbreitung und Anerkennung dieser Diszipinen waren die Olympischen Spiele, an denen Japan teilnehmen wollte.

Japanische Wissenschaft (nihon kagaku)

Hauptartikel: Japanische Wissenschaft

In Japan wurden Wissenschaft (kagaku) und Bildung seit jeher hauptsächlich durch die Lehren des Konfuzianismus (jukyō) beeinflusst. Heute beginnt die schulische Bildung bereits im Kindergarten und setzt sich danach in der Grundschule (sechs Jahre), in der Mittelschule (drei Jahre) und in der Oberschule (drei Jahre) fort. Ein folgendes Studium an einer japanischen Universität ist teuer und mit schwierigen Aufnahmeprüfungen belegt. Studenten in Japan unterliegen einem enormen Leistungsdruck, es gelten hierarchische Strukturen, die Einordung des Einzelnen entsprechend seiner Herkunft ist wichtig.

Seishin kagaku - Geisteswissenschaften

Hauptartikel: Japanische Geisteswissenschaft

Im Bereich japanische Geisteswissenschaft gibt es eine jahrtausende alte Evolution verschiedener Glaubens- und Meinungs-Richtungen.

  • Tetsugaku - die Philosophie in Japan entwickelte sich früh....

Shizen kagaku - Naturwissenschaften

Hauptartikel: Japanische Naturwissenschaft

Im industriellen Japan liegt die Ausrichtung der gesamten naturwissenschaftlichen Forschungen auf der Entwicklung neuer Produkte für die Industrie. Zu diesem Zweck arbeitet die Wirtschaft eng mit den Universitäten zusammen und sortiert die Besten bereits zu Studienzeiten aus. Durchschnittliche Studenten haben in der Gesellschaft auch später kaum eine Chance.

Ijutsu - Gesundheitswesen

Hauptartikel: Japanisches Gesundheitswesen

Das japanische Gesundheitswesen (nihon ijutsu, 日本医術) stammt überwiegend aus der chinesischen Medizin, ist heute dreigeteilt und beinhaltet die moderne westliche Medizin (igaku), die traditionellen Heilsysteme (shiatsu, seifuku, seikotsu) und die ursprünglichen Kampfkunstsysteme der ersten Hilfe (kuatsu, kappō, sappō).

MEDIZIN und GESUNDHEIT

Moderne Japanische Medizin

Igaku - moderne Medizin

Traditionelle Japanische Medizin

Shiatsu - traditionelle Heilsysteme
Seifuku - erste Hilfe nach Verletzungen
Seikotsu - Einrenkung von Knochen

Kampfkunstmethoden

Kappō - Wiederherstellung der Gesundheit
Kuatsu - Wiederbelebung nach Verletzung
Sappō - negative Stimulationen
  • Shiatsu (traditionelles Heilsystem) - mit shiatsu bezeichnet man vorzugsweise die japanische Fingerdrucktherapie, die im 19. Jahrhundert aus dem chinesischen ànmó (Anmo-Massage), tuīná und dōin abgeleitet wurde. Sie beruht im Allgemeinen auf den Grundlagen der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), spaltete sich jedoch aus politischen Gründen von dieser ab und erhielt eine neue Identität unter dem übergeordneten Begriff shiatsu (shi - Finger, atsu - Druck). Ausgehend von den beiden traditionellen Original-Linien des japanischen shiatsu (von Tokujiro Namikoshi und Shizuto Masunaga), entwickelte shiatsu danach viele Methoden. Die Unterscheidung zu den chinesischen Systemen besteht vor allem darin, dass shiatsu nicht nur die Vitalpunkte (tsubo), sondern den ganzen Menschen entlang seiner Vitalpunktlinien (keiraku) behandelte. Doch auch viele Kombinationen mit westlichen Massagemethoden kamen in Gebrauch.
  • Seifuku / Seikotsu (Wiederherstellung nach physischen Verletzungen) - die Schriftzeichen sei (in Ordnung bringen oder regeln) und fuku (wiederbringen, wiederherstellen oder wiedereinrichten) führen zu der Kanji-Kombination, die mit „Wiederherstellen“ übersetzt wird. Dies betrifft durch Kampfhandlungen verletzte Knochen (kotsu), Gelenke (kansetsu) und durch Treffer geschädigte innere Organe (naizō). Seifuku behandelt heute sowohl nach westlichen als auch nach traditionellen Methoden und greift auf Akupressur, Wasserbehandlungen (Hydrotherapie), heiße Packungen (sota), ganzkörperliche Bewegungstherapien aber auch auf Techniken aus dem traditionellen kuatsu zurück.
  • Kuatsu / Kappō / Sappō (Wiederbelebung nach inneren Verletzungen) - für die Anwendung der Stimulation von Reflexzonen (kuatsu - positiv und sappō - negativ) wird in Japan auch der Begriff kappō verwendet. Der Begriff kappō kombiniert die Ideogramme kuatsu („am Leben sein“) und (auch - Methode), während der Begriff kuatsu eine phonetische Kontraktion zweier Schriftzeichen darstellt, von denen kua Leben und tsu (eine Silbe aus jutsu) Technik bedeutet - also Technik des Lebens, Rückkehr des Lebens oder Wiederbelebung.

In allen japanischen Systemen gebraucht man die Einwirkung von Finger-, Faust- oder Händedruck auf kombinierte Vitalpunkte (tsubo, keiraku und kyūsho), die sich mit entsprechenden Methoden im Kampf negativ (sappō) und in der Wiederbelebung (kuatsu, kappō) positiv auf die Gesundheit auswirken. Entgegen den Lehren aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und seinem Vitalpunktprinzip (diǎnxuè), werden in den japanischen Systemen kaum einzelne Punkte, sondern zumeist Vitalpunktgruppen (Reflexzonen) stimuliert. Diese Methoden sind seit altersher in die Praktiken der japanischen Kampfkünste eingebunden und gehen fließend ineinander über. Sie wurden nur im Geheimen innerhalb der einzelnen ryū (Stile) gelehrt, doch es gab auch in sich geschlossene Systeme, die eigenständige Formen des Kämpfens und des Wiederbelebens entwickelten. Bis heute ist mit der Einführung in diese Kunst ein strenges Dōjō-Ritual verbunden, das nur für Fortgeschrittene zugänglich ist. Grundsätzlich kann man sagen, dass die chinesischen Kampfkünste (jap. kenpō) die Punktstimulationen der Akupunktur bevorzugen, während die meisten japanischen Stile mit der Methode des kappō arbeiten. Beide Methoden sind sehr ähnlich.

Studien-Informationen

Verweise

Literatur

  • Kuno Maurer: Samurai., Econ Verlag 1981.
  • Hans A. Dettmer: Grundzüge der Geschichte Japans. Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1985.
  • Jean Bollack: Das japanische Kaiserreich. Fischer Weltgeschichte 1968.
  • Jean Mazenod: Japan. Herder 1981.
  • Sir G. B.Sansom: A History of Japan.(3 Bände) Stanford 1958/1963.
  • Martin Hürlimann: Japan. Atlantis Verlag Zürich 1970.
  • Kazuyuki Kitamura & Tadashi Kitamura: Japan heute. Mondo Verlag 1983.
  • Hisako Matsubara: Weg zu Japan. Knaur 1983, bzw. Bastei Lübbe 1986.
  • Hans Jürgen Mayer & Manfred Pohl (Hrsg.): Länderbericht Japan. Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1998.
  • Shunpei Ueyama:Japanische Denker im 20. Jahrhundert. Ludicium 2000.
  • Werner Lind: Lexikon der Kampfkünste. BSK-Studien 2009.

Webseiten

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