Okinawa

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沖縄
Okinawa
Okinawa hontō - Hauptinsel
Okinawa Flagge Streifen.png RyuKyo Flagge.svg.png
Flagge Okinawa Emblem Shō-Dynastie
Fläche 2.275,55 2
Hauptstadt Naha
Staatsform Japanische Präfektur
Verwaltungsgliederung 5 Landkreise
41 Bezirke
Bevölkerung 1.4 Mio.
Sprache Japanisch
Okinawanisch

Artikel von: Werner Lind
Nachbearbeitet von:

Okinawa (沖縄), im einheimischen Dialekt Uchinā (沖縄) ausgesprochen (siehe Okinawa (Begriffsklärung), bezeichnet die Hauptinsel Okinawa hontō (沖縄本島, auch Okinawajima, 沖縄島) der Ryūkyū-Inseln. Der Begriff übersetzt sich mit „Tau im offenen Meer“ und bezeichnet die größte Insel (100 km lang / 1.200 km2) in der über 1.100 km langgestreckten Ryūkyū-Inselkette (Ryūkyū rettō, 琉球列島), die sich vom Süden Japans bis nahe zur Türschwelle Chinas ausdehnt und früher das Ryūkyū-Königreich bildete. Die gesamte Inselkette besteht aus ca. 140 Inseln, von denen aber nur wenige bewohnt sind.
Heute ist Okinawa die Hauptinsel der japanischen Präfektur Okinawa, umfasst aber nur noch die Gruppen der Okinawa-Inseln, Miyako-Inseln und Yaeyama-Inseln.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines über Okinawa

Karte von Okinawa

Okinawa ist heute die Hauptinsel der südlichsten japanischen Präfektur (Okinawa ken, 沖縄県, siehe Japanische Präfekturen) und als einzelne Insel von der gleichnamigen Inselgruppe (Okinawa-Inseln) zu unterscheiden. Letztere stand seit Jahrhunderten im Mittelpunkt des Ryūkyū-Königreichs (siehe Ryūkyū (Begriffsklärung)), oft aber wird für die gesamte Inselgruppe der Begriff „Okinawa“ verwendet. Daher ist die Geschichte der Insel Okinawa kaum von der Geschichte der vorausgegangenen Konstellationen (Ryūkyū-Königreich und Ryūkyū-Inseln) zu trennen.
Die Insel Okinawa selbst liegt 525 km südwestlich der japanischen Hauptinsel Kyūshū und ca. 600 km nördlich von Taiwan. Die Einwohner Okinawas (uchinānchu) sind keine Japaner, auch wenn ihr Land heute zum Staatsgebiet Japan gehört. Im Laufe der früheren Geschichte wurden sie vor allem aus dem südpazifischen Raum und aus China beeinflusst. Sie entwickelten eine eigene Kultur und eine eigene Sprache (uchināguchi), die Teil der Ryūkyū-Sprachen ist.

Okinawanische Geschichte

Hauptartikel: Okinawanische Geschichte

Die okinawanische Geschichte ist von der Geschichte Japans und Chinas getrennt zu betrachten obwohl es mit beiden Ländern intensive Kontakte und Beeinflussungen gab.

Frühgeschichte, Altertum und Mittelalter

Der Ursprung der Einwohner Okinawas ist ungeklärt. Es deutet viel darauf hin, dass die ersten Bewohner Überlebende eines gestrandeten Schiffes waren. Dazu kamen gelegentliche Einwanderer aus dem Norden, die Haushaltsgegenstände, Haustiere, Werkzeuge und Kulturgegenstände mitbrachten. Da es auf Okinawa eine Mischung verschiedener Völkerrassen gibt, glaubt man, dass zu diesen früheren Rassen Malayen, Mongolen und die japanischen Ainu gehörten. In den letzten zweitausend Jahren hat es auf Okinawa jedoch keinen größeren Einwandererstrom mehr gegeben, der gravierende Einflüsse auf die Mentalität der Bewohner gehabt hätte. Die hauptsächlichen Verhaltensmuster der Ryūkyū-Kultur wurden bereits vor 2000 Jahren wesentlich durch den Shintōismus geprägt.
Bereits im 3. Jahrhundert v.Chr. gab es Kontakte mit dem Festland, wodurch einige Einflüsse, besonders aus Südostasien, stattfanden. Die okinawanische Kultur ist dementsprechend eine bunte Mischung aus mehreren Elementen. Die äußere Erscheinung der Menschen ähnelt jedoch am meisten den Japanern.

Früher Einfluss aus China (ab 605)

Die ersten Kontakte mit China fanden während der Zeit der Sui-Dynastie (560-618) statt. Dies geschah auf Veranlassung des chinesischen Kaisers Yang Chien, der die Geheimnisse des ewigen Lebens und die Verwandlung von Metall in Gold ergründen wollte. Zu diesem Zweck entsandte er im Jahre 605 eine Expedition auf die Suche nach dem Land der „glücklichen Unsterblichen“, das der Sage nach irgendwo im Osten liegen sollte. Daraufhin gelangten die Chinesen auf die Ryūkyū Inseln. In chinesischen Dokumenten wird danach von den Inseln Liu Ch'iu berichtet, wobei Ideogramme verwendet wurden, die im Japanischen als Ryūkyū ausgesprochen werden. Okinawa - die größte Insel des Archipels - spielte dabei eine zentrale Rolle.
698 und 743 wurde Okinawa von japanischen Expeditionen besucht, woraufhin es an Japan Tribut zahlen musste. Im 7. Jahrhundert gestand China den Japanern offiziell ihre politische Unabhängigkeit zu, und in der Folge entstand ein reger Handelsverkehr zwischen den beiden Ländern. Häufig fuhren Schiffe zwischen Japan und China hin und her, und viele wurden im Laufe der Jahre als vermisst gemeldet. Auf ihnen befanden sich auch oft Gesandtschaften, bestehend aus Priestern, Soldaten und Beamten, und es liegt nahe, dass zumindest einige von ihnen auf Okinawa strandeten und damit einen erheblichen Einfluss auf die primitive Kultur der Insel nahmen.

Einflüsse aus Japan (ab 1165)

Im 7. und 8. Jahrhundert entstand aufgrund des Konfliktes zwischen den rivalisierenden Taira und Minamoto ein reger Reiseverkehr zwischen Japan und Okinawa. Viele dieser Reisenden waren Mitglieder der japanischen Kriegerkaste (samurai), kampfgewandte buddhistische Wanderpriester und Gelehrte. Es kamen auch chinesische Mönche, die in Okinawa blieben. 1165 hielt sich Minamoto no Tametomo mit seinen Truppen auf Okinawa auf. Er etablierte dort eine Armee und bildete die Soldaten in verschiedenen japanischen Kriegstechniken aus. Man vermutet, dass in diesem Zusammenhang das tegumi entstand, das auf die spätere Entwicklung der okinawanischen Kampfkünste Einfluss nehmen sollte. Es ist anzunehmen, dass auch das chinesische quánfǎ bereits in dieser Zeit seinen Weg nach Okinawa fand.
In der Vorzeit gab es auf Okinawa keine Regierung oder herrschende Klasse. Minamoto no Tametomo, der sich zu einem erneuten Angriff auf die Taira wappnete, heiratete ein okinawanisches Mädchen, und sie bekamen einen Sohn, den sie Shunten (Sonton oder Shyun, 1186-1237) nannten. Dieser Sohn sollte ab 1187 der erste einer neuen und fähigen Linie von Herrschern (tensonshi) über die Ryūkyū werden. Zunächst hatte er viele Rivalen, gegen die er sich in kriegerischen Auseinandersetzungen behaupten musste. Zur Verteidigung erbaute er nach dem Vorbild entsprechender japanischer Kriegsführung chikujōjutsu mehrere befestigte Burgen, unter anderen das Schloss von Shuri. Schließlich aber etablierten sich drei hauptsächliche Provinzen, die voneinander unabhängig die Gunst und Anerkennung Chinas suchten.

Drei okinawanische Staaten (ab 1350)

Im 14. Jahrhundert entstanden aus örtlichen Zusammenschlüssen vieler kleinerer Gebiete drei okinawanische Staaten: Chuzan (Gebirge in der Mitte), Nanzan (Gebirge im Süden) und Hokuzan (Gebirge im Norden). Diese Periode nennt man daher sanzan jidai (Zeitalter der drei Gebirge). Die Herrscher Sato (1350-1395) von Chuzan, Ugusato von Nanzan und Hanaji von Hokuzan versuchten voneinander getrennt Kontakt mit China aufzunehmen und durch dessen Unterstützung den gegenseitigen Konkurrenzkampf zu gewinnen.

Gründung des Ryūkyū-Königreiches (1372)

Sato war der erste, dem dies gelang. Ab 1372 verlieh ihm der chinesische Kaiser die Königswürde und die Regierungserlaubnis über das Inselreich der Ryūkyū. 1389 etablierte er als neu ernannter okinawanischer König auch Handelsbeziehungen zu Korea.
Im Jahre 1392, noch während der Regierungszeit von König Sato, veranlasste der chinesische Kaiser, dass eine größere Anzahl von Chinesen dauerhaft auf Okinawa wohnen sollte. Diese Gruppe von Chinesen aus Fuzhou (Fukien), bekannt unter der Bezeichnung „36 Familien“, siedelte sich in der Ortschaft Kumemura, in der Nähe von Naha an. Unter ihnen befanden sich viele Experten des chinesischen quánfǎ, die das okinawanische tegumi und te nachhaltig beeinflussen sollten.
Der Ming-Kaiser Zhu Yuan Zhang beabsichtigte bereits seit 1372 einen intensiven Kulturaustasch mit den Ryūkyū. König Sato akzeptierte 1392 die feste Verbindung zu China und stimmte dem Plan zu, eine chinesische Niederlassung in der okinawanischen Siedlung Kumemura (Kuninda) zu bauen. Mit dem Einzug der chinesischen Delegationen (bestehend aus Diplomaten, Kaufleuten und Kampfkunstexperten aller Art) in Kumemura begann die Geschichte der legendären „36 Familien“, die die okinawanische Kultur, Gesellschaft und Politik nachhaltig beeinflussen sollte.
Im Laufe der Jahre entwickelte sich Kumemura zur bedeutendsten chinesischen Bildungsstätte für aristokratische Okinawaner und galt gleichzeitig als Anlaufstelle für die chinesischen Gesandten und Diplomaten. Zugleich war die Siedlung der wichtigste Ausbildungsort für hochgestellte Okinawaner, die dort die chinesische Sprache und praktische Künste wie Schiffsbau, Navigation, chinesische Verwaltung und auch die chinesischen Kampfkünste quánfǎ lernten.

Chinesische Gesandte und Herrscher auf Okinawa
Chinesische Gesandte - Könige von Okinawa
Kein Gesandter - Shunten (1186-1237)
Kein Gesandter - Shun Bujanki (1238-1248)
Kein Gesandter - Gihon (1249-1259)
Kein Gesandter - Eiso (1260-1299)
Kein Gesandter - Taisei (1300-1308)
Kein Gesandter - Eiji (1309-1313)
Kein Gesandter - Tamagusuku (1314-1336)
Kein Gesandter - Seiji (1337-1349)
Ryūkyū-Königreich (1372-1879)
1392 "36 Familien" - Sato (1350-1395)
1404 Shi Zhong - Bunei (1396-1405)
Erste Shō-Dynastie (1406-1468)
1421 Unbekannt - Shō Shishō (1406-1421)
1425 Cai Shan - Shō Hashi (1422-1439)
1443 Yu Bian - Shō Chu (1440-1444)
1447 Cheng Fu - Shō Shiken (1445-1449)
1452 Giao Yi - Shō Kinfuku (1450-1453)
1456 Yu Cheng - Shō Taikyū (1454-1460)
1463 Pan Yong - Shō Toku (1461-1468)
Zweite Shō-Dynastie (1470-1879)
1473 Guan Rong - Shō En (1470-1476)
1476 Unbekannt -Shō Seni (1477)
1479 Dong Wong - Shō Shin (1477-1526)
1534 Chen Kann - Shō Sei (1527-1555)
1561 Guo Ru Ling - Shō Gen (1556-1572)
1579 Xia Zi Yong - Shō Ei (1573-1588)
Satsuma-Herrschaft (1609-1879)
1606 Xia Zi Yong - Shō Nei (1589-1620)
1633 Du Shan Ce - Shō Ho (1621-1640)
1640 Unbekannt - Shō Ken (1641-1647)
1663 Zhang Xue Li - Shō Shitsu (1648-1668)
1683 Wang Ji - Shō Tei (1669-1709)
1709 Unbekannt - Shō Eki (1710-1712)
1719 Hai Bao - Shō Kei (1713-1751)
1756 Guan Kui - Shō Boku (1752-1794)
1800 Zhao Wen Kai - Shō On (1795-1802)
1421 Unbekannt - Shō Sei (1803)
1803 Gi Kun - Shō Ko (1804-1834)
1838 Lin Hong Nian - Shō Iku (1835-1847)
1866 Zhao Xin - Shō Tai (1848-1879)

Erste Shō-Dynastie (1406-1468)

König Shō Hashi (1422-1439)

Im Jahre 1429 wurde Okinawa zum vereinten Königreich unter der Führung des Königs Shō Hashi (1422-1439). Vor seiner Zeit regierte sein Vater Shō Shisho aus Chuzan. Shō Hashi, damals noch ein unwichtiger Regierungsbeamter, verhalf zunächst seinem Vater zum Sieg über König Bunei und mit Unterstützung der Chinesen zur Königswürde über ganz Okinawa.
Als Shō Hashi selbst an die Macht kam, ernannte er die Mitglieder seiner Familie zu Fürsten (aji) in den drei Regionen Okinawas und änderte deren Namen: Chuzan in Nakagami, Hokuzan in Kunigami und Nanzan in Shimajiri. Der neue König verbot in ganz Okinawa den Besitz von Waffen, denn er wollte die Rivalitäten beenden, um die okinawanische Bevölkerung aus ihrem existenzbedrohenden Elendszustand zu erlösen. Er lud erneut chinesische Beamte ein und begann von ihnen Staatsangelegenheiten zu lernen. Sein erster Schritt war, Okinawas Handelsbeziehungen mit den umliegenden Ländern zu verbessern. Shuri wurde zur Hauptstadt, und bald darauf entwickelten sich Shuri und Naha (die größten Städte des Landes) zu Verkehrszentren im Pazifik und begannen sehr gewinnbringend zu arbeiten. Die Wirkung des ausgedehnten Handels auf die Entwicklung des Karate blieb nicht aus, denn ganz plötzlich hatten die Menschen Okinawas Kontakt zu Arabern, Malayen, Indonesiern und Thailändern, die sich häufig in den Handelszentren aufhielten. Von dort wurden einige Kampftechniken importiert.

Zweite Shō-Dynastie (1469-1879)

König Shō En (1470-1476)

Doch während der Regierungszeit des Königs Shō Toku (1461-1468) kam es zu einem schweren Konflikt in der Shō-Familie und im ganzen Land zu Unruhen. Der Finanzminister des Königs, Kanamaru, konnte sich gegen seine Widersacher durchsetzen und erreichte 1469 die Macht. Er stürzte 1476 die erste Shō-Dynastie, errichtete die zweite Shō-Dynastie und regierte unter dem Namen Shō En (1470-1476). Diese zweite Shō-Dynastie hielt sich über 19 Generationen und bestand bis 1879.

König Shō Shin (1477-1526)

1477 kam König Shō Shin an die Macht. Das erste, was der neue König unternahm, war ein striktes Verbot des Tragens von Schwertern, sowohl für Adelige als auch für Bauern. Er ordnete die Beschlagnahmung aller Waffen an und ließ sie in sein Schloß nach Shuri bringen. Durch seine Verordnung mussten ab sofort auch alle Mitglieder des okinawanischen Adels zusammen mit ihren Familien in der Hauptsstadt Shuri leben. Dadurch erhoffte er sich eine bessere Kontrolle bei Aufständen.
Nachdem König Shō Shin sein Volk entwaffnet hatte, entstand als Konsequenz neben dem te ein zweites Kampfsystem, Ryūkyū-Kobujutsu (Waffenkunst der Ryūkyū), das von Bauern und Fischern entwickelt wurde und landwirtschaftliche Geräte als Waffen gebrauchte. Sowohl das te als auch das kobujutsu standen unter strengster Geheimhaltung. Viele Geschichtsforscher sehen den Anlass zur enormen Entwicklung und Akzentuierung der okinawanischen Kampfkünste in diesem Waffenverbot, das später durch japanische Herrscher erneuert wurde.

Japanische Frühmoderne (Kinsei, 1603-1868)

Hauptartikel: Japanische Geschichte | Japanische Frühmoderne | Japanische Zeitalter

Im Jahre 1603 besiegte Tokugawa Ieyasu den Nachfolger von Toyotomi Hideyoshi (seinen Sohn Toyotomi Hideori) und seine Verbündeten in der Schlacht von Sekigahara, erwarb den Titel des shōgun und errichtete erneut einen zentralistischen Militärstaat. Damit begann die japanische Frühmoderne kinsei und gleichzeitig das edo jidai oder tokugawa jidai.

Satsuma-Herrschaft auf Okinawa (1609-1879)

Okinawa erblühte bis zum 16. Jahrhundert sowohl kulturell als auch wirtschaftlich vor allem durch den Einflus der Chinesen. Das verhängnisvolle Datum der Insel war das Jahr 1609. Damals befand sich der bedeutende Satsuma-Clan von Kyūshū (Japan), der von der Shimazu-Familie angeführt wurde, im japanischen Bürgerkrieg von 1600 auf der Seite der Verlierer. Der Tokugawa-Clan, der die Schlacht von Sekigahara gewonnen hatte, erlaubte den unterlegenen Satsuma, ihre Fürstengebiete zu behalten (als tozama daimyō - Fürst von außerhalb). Wegen der möglichen Bedrohung jedoch, die von den tozama daimyō immer ausging, behielt man die Satsuma im Auge. Eines Tages erließ die Regierung das sogenannte „Tokugawa-Dekret“ (Tokugawa), in dem den Satsuma erlaubt wurde, Okinawa zu erobern. 1609 beendete die Invasion der Satsuma die Unabhängigkeit Okinawas.
Japans allgemeines Interesse an Okinawa geht auf das 12. Jahrhundert zurück und begründet sich zum Teil darin, dass der erste König Okinawas, Shunten, japanischer Abstammung war. Doch Japan begann in der Geschichte Okinawas erst ab 1451 eine Rolle zu spielen. Ab diesem Zeitpunkt mussten die Okinawaner den Japanern und den Chinesen Tribut zahlen. Okinawa, ohne militärische Macht, unterwarf sich den Forderungen beider Länder. Zwischen China und Japan gab es diesbezüglich kaum Konflikte, obgleich zwischen diesen Ländern eine alte Rivalität bestand.
Erst im Jahre 1609, 158 Jahre nach Beginn der Tributzahlungen, richtete Japan zum ersten Mal militärische Streitkräfte gegen Okinawa. Der Grund dafür war nicht nur, dass die Tokugawa-Regierung dem Satsuma-Clan die Möglichkeit geben wollte, die Schande des verlorenen Krieges abzuwaschen, sondern Japan wollte die Okinawaner dafür bestrafen, dass diese im vorausgegangenen China-Krieg Japan nicht unterstützt hatten. Die Invasion des Satsuma-Clans auf Okinawa störte die Chinesen jedoch nur wenig. China wusste, dass es zur Zeit nicht in der Lage war, einen Krieg gegen Japan zu gewinnen, zumal es in der vorausgegangenen Schlacht den Großteil seiner Flotte verloren hatte.
Nachdem der Satsuma-Clan Okinawa besetzt und unterworfen hatte, beanspruchte er gleichzeitig auch die Vorherrschaft über alle Ryūkyū-Inseln. Der okinawanische König Shō Nei (1589-1620) wurde festgenommen und als Geisel nach Japan gebracht. Die Einwohner Okinawas arbeiteten jedoch nur im allergeringsten Maß mit den Japanern zusammen, was zu harten Einschränkungen ihrer Freiheiten führte.

Zusammenstöße von Bauern und Satsuma Samurai

Eine ganze Reihe von beschränkenden Verordnungen, die von Shimazu Iehisa verkündet wurden, beinhalteten auch eine Erneuerung des alten Waffenverbotes. Dennoch gab es zahlreiche Zusammenstöße zwischen den japanischen samurai und den Inselbewohnern. In jener Zeit fanden die Kampfkünste einen enormen Aufschwung. Verschiedene Quanfa- und Te-Gemeinschaften trafen sich in geheimen Konferenzen, und schließlich wurden die Stile 1629 zu einer gemeinsamen Front gegen den Feind mobilisiert. Dies hatte zur Folge, dass sich aus der Kombination zwischen te und quánfǎ ein neuer Kampfstil entwickelte, der tōde genannt wurde. Es war ein chinesisch beeinflusster Kampfstil, dessen Ansatz auf der „echten“ Anwendung der Te-Techniken beruhte. Das tōde verwendete tödlich effektive Methoden, die gegen die japanischen Unterdrücker angewendet wurden. Auch begann man den Gebrauch verschiedener Werkzeuge als Waffen zu studieren, und damit nahm auch die Weiterentwicklung des kobujutsu einen ungeheuren Aufschwung. Diese Entwicklung im 17. Jahrhundert ist der erste überlieferte Beweis für die okinawanische Selbstverteidigung te, die von den chinesischen Systemen quánfǎ beeinflusst wurde und später zum tōde und okinawate, den Vorläufern des modernen karate führen sollte.
Alle Systeme waren geheim und natürlich gab es Konzepte, die ihre Schwerpunkte mehr im te hatten, und andere, die stärker vom quánfǎ beeinflusst wurden. Die Kampfkunstmeister übten sich entsprechend dem alten okinawanischen Kodex (kikotsu), laut dem sie ihre Kampfkraft zur Verteidigung ihrer Heimat einsetzen mussten. Sie bildeten geheime Widerstandsgruppen und bekämpften die japanischen samurai mit allen Mitteln. Viele starben in diesen Auseinandersetzungen, da die unbewaffneten Okinawaner nur wenige Chancen gegen die Waffen der samurai (buki) hatten. Manche entwickelten auch unscheinbare Waffen (, nunchaku, tonfa, sai, kama, usw.), die sie als Landwirtschaftsgeräte mit sich trugen und im Kampf gegen die samurai einsetzen konnten. Sie überfielen die samurai überall wo sie sie trafen, töteten sie und zogen sich unbemerkt zurück.
Bald wurde der Satsuma-Regierung klar, dass die okinawanische Kampfkunst eine starke Beeinträchtigung ihrer Macht bedeutete. Daher wurde jeder Okinawaner, der sich in den bewaffneten oder unbewaffneten Künsten übte, gefangengenommen oder getötet. Die samurai untersuchten die Bauern nach Zeichen von Makiwara-Training an den Fäusten, nach waffenverdächtigen Arbeitsgeräten, kontrollierten ihre Häuser und versuchten ihre geheimen Treffpunkte aufzuspüren. Sie blieben immer in größeren Gruppen zusammen, um die beständigen Angriffe der Okinawaner abzuschwächen. Doch viele von ihnen starben im Kampf gegen okinawanische Bauern, die im tōde und kobujutsu ausgebildet waren.

Als die japanischen Besatzer merkten, dass sie durch Kontrollmaßnahmen die Entwicklung nicht stoppen konnten, belegten sie das ganze Land mit schweren Strafen. Zuerst wurden die Steuern erhöht. Die japanischen Beamten fanden immer neue Wege, von der Bevölkerung enorme Produktionsleistungen zu erzwingen, so dass für die Menschen kaum noch etwas zum Leben übrig blieb. Die Okinawaner wurden im wahrsten Sinne des Wortes terrorisiert. Auf Yonaguni (Nebeninsel im Südwesten Japans) z.B. gab es inmitten der Insel einen Gong, den die Satsuma-Samurai schlugen, wenn sie alle Inselbewohner zum Rapport antreten lassen wollten. Dann mußten die Bewohner so schnell es ging übers Feld zur Sammelstelle laufen, die man isshōda nannte. Die Älteren und Kranken, die dies nicht mehr konnten, wurden getötet.
Am Strand von Kubuwari (Nebeninsel) gab es einen 3,60 m breiten Spalt in einem Felsen. Alle schwangeren Frauen mußten auf Anordnung der Satsuma darüberspringen. Diejenigen, die dies nicht schafften, stürzten sich dabei in den Tod. Die Bewohner waren gezwungen, äußerste Härten zu ertragen, um erhöhte Produktionen an Reis, Korn und anderen Waren zu erbringen, die die Satsuma forderten. Gleichzeitig mussten sie auch noch den Chinesen Tribut zahlen. Solche und viele andere Begebenheiten fanden zu jener Zeit auf der Insel statt.
Die Geheimgruppen hatten das Ziel, ihren gefangenen okinawanischen König zu befreien. Erst zwei Jahre nach der Invasion kam dieser wieder nach Okinawa zurück, nachdem ein Vertrag mit der Tokugawa Regierung geschlossen wurde, der Okinawa als das Alleineigentum der Satsuma garantierte. Der König wurde erneut in sein Amt eingesetzt, blieb jedoch unter ständiger Aufsicht und war eine Marionette der Satsuma.

König Sho Tei (1669-1709)

So hatten die Okinawaner auch weiterhin allen Grund, ihren Widerstand gegen die japanischen Satsuma aufrechtzuerhalten. Ihr bestes Mittel dazu waren die Kampfkünste. Obwohl es niemals zu einem organisierten Aufstand kam, gab es überall auf der Insel tätliche Auseinandersetzungen. Das tōde, das in diesen Auseinandersetzungen angewendet wurde, blieb bis ca. 1900 von äußerster Geheimhaltung umgeben. In den ersten dreißig Jahren der Besetzung wurden die Kampfkünste so geheim gehalten, dass es nur nahen Verwandten gelang, von einem Meister unterrichtet zu werden. Wären diese Meister bekannt geworden, hätte man sie mit dem Tod bestraft. In dieser Zeit wurde auch die geschriebene Chronik der okinawanischen Kampfkünste angehalten und erst um 1700 wieder aufgenommen. So blieb diese Zeit von fast 90 Jahren, in der der Grundstein des okinawanischen tōde und kobujutsu gelegt wurde, in der Geschichte des Landes praktisch inexistent.
Erst ab 1724 gibt es erneute Informationen über die Geschichte der okinawanischen Kampfkünste. Es hatte sich viel von der anfänglichen Spannung gelegt, wofür besonders König Shō Tei (1669-1709) sorgte, obwohl auch er nur eine Marionette der Satsuma war. Doch er setzte es durch, dass höhere Stellungen im Staat wieder für Okinawaner zugänglich wurden und dass Okinawaner nach China reisen durften. Außerdem hatten viele der Satsuma-Samurai okinawanische Frauen geheiratet, was zu einer Annäherung der beiden Völker führte. Keineswegs jedoch gab es Freundschaft, sondern bestenfalls einen Waffenstillstand.

Japanische Moderne - (Kindai, 1868-1989)

Hauptartikel: Japanische Geschichte | Japanische Moderne | Japanische Zeitalter

Die japanische Moderne beginnt 1886 mit der Entmachtung des letzten shōgun zugunsten der Reinstallation der Kaiser-Regierung der Familie Meiji. Den Vorgang nennt man meiji isshin, das Zeitalter ihrer Regierung nennt man meiji jidai. Für Okinawa und die Ryūkyū-Inseln kennzeichnet dieses Datum die vollständige Integration ins japanische Kaiserreich.
Nach dem verlorenen Weltkrieg wurden die Ryūkyū-Inseln jedoch von den USA besetzt, ein Zustand, der bis heute anhält.

Angliederung an Japan (ab 1879)

In der Mitte des 19. Jahrhunderts erreichten verschiedene Expeditionen aus dem Westen (Britannien, Frankreich, Niederlande) Okinawa und seine umliegenden Inseln, die nach wie vor vom Satsuma-Klan beherrscht wurde. 1853 landete der amerikanische Flottenkommendant Perry Calbraith Matthew, auch bekannt als „Kommodore Perry“ mit seiner Flotte in der okinawanischen Hafenstadt Tomari und bot Freundschaft, Handel und Hilfe an, was die Satsuma erstmals gewährten.
Doch 1868 trat Japan im Zuge der Meiji-Restauration (meiji isshin) in ein neues Zeitalter ein meiji jidai in dem der shōgun (Militärdiktator) entmachtet wurde und der tennō (Kaiser) erneut die Regierungsgewalt erhielt. Gleichzeitig wurde der Gesellschaftsstand der samurai aufgehoben und und eine neue Klassenstruktur (Japanische Verwaltugsgliederung) gegründet.
Bereits 1871 gab es Versuche, die Ryūkyū vollständig an Japan anzugegliedern. Doch diese Bemühungen ergaben zunächst Schwierigkeiten, denn auch die Chinesen beanspruchten Einflüsse auf die Inseln (siehe dazu Ryūkyū-Königreich).Schließlich wurde der Ryūkyū-König 1879 von den Japanern abgesetzt und nach Tokyo gebracht, wo man ihm eine hohe Beamtenstellung und eine beträchtliche Pension gewährte. Gleichzeitig unterbanden die Japaner auch die Tributzahlungen an China. Der japanische Kaiser wurde 1879 zum alleinigen Herrscher auf Okinawa ausgerufen. Damit endete die 259jährige Herrschaft der Satsuma, und Okinawa wurde 1895 offiziell zur 47. Präfektur Japans (Präfektur Okinawa) erklärt. Zwar blieben die wichtigsten Regierungsposten in den Händen der Satsuma, aber all ihre früheren Edikte wurden durch den Kaiser aufgehoben.
Die japanische Regierung schickte nun Unterstützung nach Okinawa, um die Lebensbedingungen der Menschen zu verbessern. Ein umfassendes Programm der Erziehung und des Unterrichtes in japanischer Sprache wurde eingeleitet. Das Land wurde industrialisiert und viele Einrichtungen modernisiert.

USA-Besatzung (ab 1945)

Japan verlor der Zweiten Weltkrieg (Zweiter Weltkrieg) in dessen Folge die Ryūkyū-Inseln von den Amerikanern besetzt wurden. Die USA errichteten auf den Inseln amerikanische Militärbasen, die bis heute bestehen.

Okinawanische Verwaltung

Hauptartikel: Okinawanische Verwaltung

Mit dem Begriff „Okinawa“ (siehe Okinawa (Begriffsklärung)) verbinden sich mehrere Bedeutungen (siehe auch Ryūkyū (Begriffsklärung)). Als Einzelbegriff bezeichnet „Okinawa“ die Insel Okinawa (Okinawajima), auch Hauptinsel Okinawa (Okinawa hontō) genannt, aus dem Archipel der Okinawa-Inseln. Oft aber steht die Bezeichnung „Okinawa“ generell für das gesamte Ryūkyū-Königreich, daher an dieser Stelle die gekürzte Wiederholung der wichtigsten Daten.
Früher bildeten die Ryūkyū-Inseln das Ryūkyū-Königreich (1372-1879), ab 1879 wurden Teile der Inselgruppen zur japanischen Präfektur Okinawa, andere fielen der Präfektur Kagoshima zu. Aus diesem Grund muss man Okinawas Geschichte, Gesellschaft und Verwaltung unter der Perspektive der zeitlichen Veränderungen betrachten und unterscheidet jeweils zwischen dem vergangenen Ryūkyū-Königreich und der modernen Präfektur Okinawa.

Verwaltung im Ryūkyū-Königreich (1372-1879)

Hauptartikel: Ryūkyū-Königreich | Okinawa

Das Ryūkyū-Königreich (1372-1879) erstreckte sich über das gesamte Gebiet der Ryūkyū-Inseln und setzte sich aus folgenden Inselgruppen zusammen:

Verwaltung der Präfektur Okinawa (ab 1879)

Hauptartikel: Präfektur Okinawa

Die moderne Präfektur Okinawa teilt sich in fünf Landkreise (gun), in denen 41 Verwaltungsbezirke organisiert sind. Drei der fünf Landkreise befinden sich auf der Hauptinsel Okinawa und entsprechen der Organisation aus dem sanzan jidai:

  • Kunigami - Landkreis auf der Hauptinsel Okinawa hontō, mit vollständiger Bezeichnung Kunigami-gun, früher Hokuzan (Gebirge aus dem Norden).
  • Nakagami - Landkreis auf der Hauptinsel Okinawa hontō, mit vollständiger Bezeichnung Nakagami-gun, früher Chūzan (Gebirge in der Mitte).
  • Shimajiri - Landkreis auf der Hauptinsel Okinawa hontō, mit vollständiger Bezeichnung Shimajiri-gun, früher Nazan (Gebirge aus dem Süden).

Die beiden weiteren Landkreise bezeichnen die Zuordnung der Inselgruppen:

  • Miyako-Inseln - Landkreis auf der Inselgruppe Miyako mit vollständiger Bezeichnung Miyako-gun.
  • Yaeyama-Inseln - Landkreis auf der Inselgruppe Yaeyama mit vollständiger Bezeichnung Yaeyama-gun.

Die moderne Präfektur Okinawa wurde 1879 gegründet und ist heute die südlichste Präfektur Japans (Japanische Präfekturen). Sie entstand durch eine Spaltung der früher zusammengehörenden Ryūkyū-Inseln aus denen die genannte Präfektur aus Teilen des alten Ryūkyū-Königreiches herausgelöst und neu gegründet wurde. Aus der alten geographischen Ordnung der ursprünglichen Ryūkyū fehlen die Amami-Inseln, die der Präfektur Kagoshima zugeteilt wurden. Heute gehören zur Präfektur Okinawa drei hauptsächliche Inselgruppen:

  • Okinawa-Inseln - Inselgruppe mit der Hauptinsel Okinawa hontō, die der heutigen japanische Präfektur ihren Namen gibt. Früher war die okinawanische Hauptinsel und ihre vielen Nebeninseln das Zentrum eines alten Königreiches (Ryūkyū-Königreich). Dieses verlor aber (1609) seine Unabhängigkeit in Folge eines Eroberungskrieges der japanischen Satsuma.
  • Miyako-Inseln - Inselgruppe (1 Hauptinsel, 7 Nebeninseln), im Südwesten der okinawanischen Inseln, östlicher Teil der Sakashima-Inseln (Sakashima shotō) ist eine Sammelbezeichnung für die Inselgruppen Miyako, Yaeyama und Senkaku).
  • Yaeyama-Inseln - Inselgruppe (2 Hauptinseln, 7 Nebeninseln), Teil der Sakashima-Inseln (Sammelbezeichnung für die Inselgruppen Miyako, Yaeyama und Senkaku).

Hinzu kamen im Zuge der Neuordnung mehrere weitere Inselgruppen (z.T. unbewohnt):

  • Daitō-Inseln - diese unbewohnte Inselgruppe ist heute Teil der Präfektur Okinawa. Sie liegt ca. 350 km von den okinawanischen Inseln in südöstlicher Richtung entfernt.
  • Senkaku-Inseln - ca. 400 km östlich der okinawanischen Inseln gelegene Inselgruppe mit 5 bewohnten Inseln.
  • Iōtorishima - einzelne Insel, ca. 110 km nördlich der Inselgruppe Okinawa.

Hauptinsel Okinawa hontō

Die größte der Inseln der Ryūkyū ist Okinawa. Der Begriff bezeichnet die Hauptinsel Okinawa (Okinawa hontō), die sowohl im Ryūkyū-Königreich als auch in der späteren Präfektur Okinawa im Focus weltweiter Interessen stand. Sie war und ist das Kernland der Ryūkyū-Inseln und somit von hauptsächlicher Bedeutung für des gesamte Inselgebiet. Im 14. Jahrhundert teilte sich das Gebiet der Hauptinsel in drei konkurrierende Machtbezirke (sanzan jidai - "drei Gebirge"):

Die Fürsten der drei Regionen versuchten voneinander getrennt Kontakt mit China aufzunehmen und durch dessen Unterstützung den gegenseitigen Konkurrenzkampf zu gewinnen. Schließlich setzte sich Sato durch und wurde 1372 vom chinesischen Kaiser zum König des Inselstaates gekrönt.

Landkreise (gun)

Auf der Hauptinsel (Okinawa hontō) befinden sich drei der insgesamt fünf Landkreise (gun) der modernen Präfektur Okinawa:

Verwaltungsbezirke (chō)

Die großen Städte der Insel bilden heute zumeist eigene Verwaltungsbezirke und sind unten nach ihrer Größe angeordnet:

Gemeinden
auf Okinawa hontō
Einwohner
Oktober 2000
Einwohner
Oktober 2005
Naha 301.032 312.308
Okinawa (Stadt) 119.686 125.869
Uruma 109.992 113.574
Urasoe 102.734 106.047
Ginowan 86.744 89.775
Nago 56.606 59.440
Itoman 54.974 55.822
Tomigusuku 50.198 52.507

Okinawanische Gesellschaft

Hauptartikel: Okinawanische Gesellschaft

Gleich den Verwaltungsmodellen unterscheidet sich auch die Gesellschaftsstruktur der Ryūkyū-Bewohner in zeitgeschichtlichen Etappen. Entsprechend wichtig sind die Gesellschaftsstrukuren im Ryūkyū-Königreich und ihre Neuordnung in der Präfektur Okinawa.

Gesellschaft im Ryūkyū-Königreich (1372-1879)

Hauptartikel: Ryūkyū-Königreich | Okinawa

Das Ryūkyū-Königreich wurde 1372 von König Sato (1350-1395) gegründet und identifiziert sich ab 1406 mit den beiden okinawanischen Shō-Dynastien:

Die okinawanische Gesellschaft wurde in der Zeit der Shō-Dynastien durch eine genau abgegrenzte Klassenstruktur gekennzeichnet. An der Spitze standen der König der Shō-Dynastie (1406-1879) und seine Familie (Shō-Familie), die mit den Brüdern und Söhnen des Königs und deren Müttern die höchste Gesellschaftsgruppe bildeten.
Ihnen folgte die privilegierte Adelsklasse shizoku (Begriffsklärung), die aus den O-, Ba - und Mo-Familien bestand und die Ränge anji (Prinzen) und oyakata (Nachkommen der anji) etablierte. Die anji waren Prinzen, die oyakata waren adelige Verwandte der königlichen Familie.
Direkt danach kam der bürgerliche Adelsstand der peichin. Die peichin waren hohe Regierungsbeamte im Dienste des Ryūkyū-Königs. In der Zeit von 1509-1879 waren sie weitgehend für die Regierungsverwaltung und für Polizeiaufgaben zuständig. Sie teilten sich in die Senior-Ränge satonushi peichin und in die Junior-Ränge chikudon peichin.
Aus dem Lager der Bürgerlichen kamen auch die satonushi, ein bürgerlicher Adelsrang, der ebenfalls in Senior- und Junior-Ränge geteilt war.
Ihnen folgten die chikudon, ein bürgerlicher Halbadel ebenfalls mit Senior- und Junior-Rängen.
Alle bürgerlichen Adelsränge waren leistungsabhängig und konnten vom König vergeben oder aberkannt werden. Menschen, die in der Gesellschaft Besonderes leisteten, wurden vom König mit diesen Titeln geehrt. Die Titel zogen sich durch alle Gesellschaftsklassen und umfassten Soldaten, Gelehrte, Priester und normale Bürger mit besonderen Leistungen. Auch manchen Meistern der Kampfkünste wurden Titel aus der halbadeligen Klasse zugesprochen. Sakugawa, Makabe und Okuda hatten den Titel satonushi, während Takahara, Maeda, Kiyuna u.a. den Titel peichin trugen. Matsumura, Azato und Matsumoto hatten den Titel chikudon erreicht.
Am Ende der Gesellschaftshierarchie gab es die Klasse der heimin (unteres Volk), die hauptsächlich aus Bauern und Fischern bestand.

Gesellschaftsordnung Okinawas
Königliche Shō-Familie
König - Oberhaupt des Staates
- König der Shō-Dynastie
Shō-Familie - Brüder / Söhne des Königs
- Mütter der Prinzen
Privilegierte Klasse (Shizoku)
O, Ba und Mo-Familien -
Anji (aji) - Verwandte der Shō-Familie
- mächtige Landbesitzer
Oyakata (uekata) - jüngere Söhne der anji
- Verdiente Staatsmänner
- höchster Samurai-Rang
Klasse der Bürger (Heimin)
Peichin - bürgerlicher Hochadel
Satonushi Peichin - hoher (Senior) Peichin-Rang
Chikudon Peichin - niederer (Junior) Peichin-Rang
Satonushi - bürgelicher Adel
Saka Satonushi - bürgelicher Adel
Chikudon - bürgerlicher Halbadel
Chikudon Zashiki - unterer Samurairang
Untere Gesellschaftsklasse (Heimin)
Nija - normale Bürger

Gesellschaft der Präfektur Okinawa (ab 1879)

Hauptartikel: Präfektur Okinawa

Nachdem Okinawa ab 1879 (Okinawa-Inseln, Miyako-Inseln und Yaeyama-Inseln) zur japanischen Präfektur erklärt wurde, änderte sich der gesellschaftliche Status seiner Einwohner und passte sich dem neuen System des japanischen meiji jidai an. Gleich der Neuordnung in der japanischen Gesellschaftstruktur wurden die alten adeligen Klassenstände aufgelöst und in neuen Strukturen geordnet. Die Krieger (samurai) verloren ihren Status zugunsten eines allgemeinen Bürgertums.

Okinawanische Kultur

Hauptartikel: Okinawanische Kultur

Trotz der jahrhundertelangen Besatzung unter fremden Mächten (China, Japan, USA) bewahrte das okinawanische Volk eine weitgehend eigenständige Kultur und etablierte mehrere einheimische Traditionen. Dazu gehören die Ryūkyū-Sprachen (auf Okinawa uchināguchi) die traditionellen okinawanischen Tänze (odori), die okinawanischen Kampfkünste (karate) und die Tradition der okinawanischen Trommeln (eisa).
Doch viele weitere Rituale wurden aus den Besatzungsländern importiert, wie z.B. das Festival der Kirschlüte (sakura), das aus Japan stammt. Unter der amerikanischen Besatzung hielt erneut ein fremder Lebensstil Einzug auf Okinawa, der heute vor allem die Jugend betrifft. Durch den zunehmenden Verfall der traditionellen Werte zugunsten amerikanischer Lebensauffassungen, droht die okinawanische Kultur zu verschwinden.

Okinawanische Sprache

Hauptartikel: Japanische Sprachen | Ryūkyū-Sprachen

Auf Okinawa wurde über Jahrhunderte uchināguchi gesprochen, was ein Dialekt der Ryūkyū-Sprachen ist. Durch die japanische Besatzung geriet die einheimische Sprache zugunsten des nihongo (japanische Sprache) allmählich ins Hintertreffen, zumal Japanisch als Landessprache festgelegt und in den Schulen unterrichtet wurde. Während der amerikanischen Besatzung wurde kaum noch Okinawanisch gesprochen. Heute gibt es auf Okinawa nur noch alte Menschen, die fließend uchināguchi sprechen. Doch es gibt fruchtbare Bemühungen zum Erhalt der alten Sprache von Okinawa.

Okinawanische Tänze

Hauptartikel: Okinawanische Tänze

Der Begriff odori bezeichnet traditionelle okinawanische Tänze (okinawanisch udui), die vermutlich ein wichtiges Element in der Entwicklung der okinawanischen Kampfkünste waren. Seit frühester Zeit wurden sie öffentlich (ähnlich der heutigen kata) vorgeführt und zeigten versteckte Kampfkunsmethoden, vor allem mit praktisch angewendeten Arbeitsgeräten (kobujutsu). Unter dem Vorwand, okinawanische Lebenskultur zu zeigen, wurden sie von den Besatzern tolleriert und durften öffentlich vorgegeführt werden.

Okinawanische Kampfkünste

Hauptartikel: Okinawanische Kampfsysteme

Die okinawanischen Kampfkünste entwickelten sich über viele Jahrhunderte von einheimischen Systemen (te) bis zum heutigen karate. Stets waren sie Einflüssen aus China und Japan ausgesetzt, verbesserten sich jedoch ständig, indem sie sowohl vom chinesischen quánfǎ als auch vom japanischen bujutsu lernten. Untenstehend sind sie in geschichtlicher Reihenfolge aufgelistet:

Tegumi und Te

Vom Ende der chinesischen Tang-Dynastie (907 n.Chr.) bis zum Anfang der Ming-Dynastie (1368) lag über 450 Jahre zunächst ein unerklärliches Schweigen über der Entwicklung der Kriegskultur auf den Ryūkyū, obwohl die Inseln bereits ab 605 mit China (erste China-Expedition nach Okinawa) und ab 698 mit Japan in Verbindung standen. Über diese Zeit gibt es keine Schriften und keine mündlichen Überlieferungen. Es steht lediglich fest, dass vor allem die chinesische Kampfkunst quánfǎ während der Sui-Dynastie (581-618) nach Okinawa kam und Einfluss auf die dort existierende Kampfmethode tegumi und te nahm. Doch auch Japan hatte einen Anteil an der Entwicklung der okinawanischen Kriegskultur.
Im 7. und 8. Jahrhundert entstand aufgrund eines internen japanischen Konfliktes zwischen den rivalisierenden Taira und den Minamoto ein interessenbedingter Reiseverkehr zwischen Japan und Okinawa. Viele Reisende waren Mitglieder der japanischen Kriegerkaste (samurai), kampfgewandte buddhistische Wanderpriester, Gelehrte und Mönche. 1165 hielt sich Minamoto no Tametomo mit seinen Truppen auf Okinawa auf und rekrutierte auch okinawanische Krieger, die er in verschiedenen japanischen Kriegstechniken ausbildete. Man vermutet, dass in diesem Zusammenhang das tegumi entstand, das auf die spätere Entwicklung der okinawanischen Kampfkünste Einfluss nehmen sollte.
Die ursprünglichen Inhalte des okinawanischen Kampfsystems sind heute jedoch weitgehend unbekannt. Man nimmt an, dass das te als eine rein einheimische Kampfkunst auf Okinawa entstand, ein starkes eigenes Element beibehielt und vom quánfǎ und bujutsu lediglich beeinflusst wurde. Geschichtsforscher stellten fest, dass diese Systeme mit den traditionellen okinawanischern Tänzen (odori) seit altersher eng verbunden waren.

Tōde

In früher Zeit (ca. 900 bis 1300) existierte auf der Insel Okinawa eine Selbstverteidigungsmethode, die man te (auch ti oder de) nannte. Wahrscheinlich wurde sie aus dem japanisch beeinflussten tegumi abgeleitet oder zumindest von diesem beeinflusst.
Mündliche Überlieferungen besagen, dass am Anfang des 14. Jahrhunderts auf Okinawa überall karateähnliche Kampfmethoden geübt wurden. Diese wurden stark von den chinesischen Gesandten angeregt, die der Ming-Kaiser Chu Yuen Cheang ab 1372 in Abständen von zwei Jahren nach Okinawa (Kumemura) schickte. Aus der daraus entstandenen Kombination bildete sich auf Okinawa das Konzept des tōde.
Tōde war ein kombiniertes Kampfsystem aus den einheimischen Kampfmethoden Okinawas und den aus China importierten Systemen. Es entstand während der chinesischen Ming-Dynastie, in deren Zeitraum (1368-1644) ein intensiver Kontakt zwischen China und Okinawa stattfand. China installierte auf Okinawa die Enklave Kumemura und der okinawananische König Sato ließ auf dem chinesischen Festland in der Provinz Fukien eine okinawanische Siedlung errichten, in der diejenigen Landsleute von ihm wohnen konnten, die in China studierten oder Handel trieben. Durch diese Verbindung kamen viele chinesische Kunstwerke und chinesische Gebräuche zu den Inseln zurück. In dieser Zeit entstand die große Verehrung der chinesischen Kultur durch die Okinawaner und auch die Überzeugung, dass alle Dinge, die von China kamen, der okinawanischen Kultur überlegen waren. Dieser kulturelle Einfluss hielt 500 Jahre an.

Okinawa te und Kobujutsu (Okinawa)

Im 17. Jahrhundert bildeten sich drei führende Systeme des tōde, die man nach den Städten benannte, in denen sie haptsächlich ausgeübt wurden: shuri te, naha te und tomari te. Sie entwickelten sich etwa zur gleichen Zeit, jedoch unter verschiedenen Bedingungen. Die Stile aus Shuri und Tomari bezeichnete man als shōrin ryū. Der erste Name, der in Shuri genannt wird, ist der von Sakugawa. Ihm folgten in Reihenfolge Matsumura Sōkon, Itosu Yasutsune, Chibana Chōshin, Kyan Chōtoku u.a. In Tomari lebten Matsumora Kōsaku, Ōyadomari Peichin u.a. Die Kampfkunst aus Naha nannte man shōrei ryū. Der erste bekannte Name war Yara Chatan und Higashionna Kanryō, danach kam Miyagi Chōjun, der das gōjū ryū gründete.
Bald darauf bezeichnete man das tōde als okinawate, um seine okinawanische Eigenständigkeit besser zu verdeutlichen.
Im Jahre 1905 wurde karate durch Meister Itosu als offizieller Teil des Unterrichtes an den Schulen Okinawas eingeführt. Wann der Begriff okinawate durch karate (kara) ersetzt wurde, ist nicht genau bekannt. Erst 1936 wurden die alten Ideogramme durch die neuen ersetzt.

Karate

Im Jahre 1921 brachte Meister Funakoshi Gichin das okinawanische karate nach Japan. Danach kamen mehrere Meister Okinawas nach Japan (Miyagi, Mabuni, u.a.) und gründeten ihre eigenen Stile. In den fünfziger Jahren begann die weltweite Verbreitung des karate als Sport.

Karatedō und Kobudō (Okinawa)

Studien Informationen

Siehe auch: Portal:Okinawa | Japanische Präfekturen | Präfektur Okinawa | Nansei-Inseln | Ryūkyū-Inseln | Ryūkyū-Königreich

Literatur

Weblinks

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