Karate

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Inhaltsverzeichnis

Geschichte des Karate

Hauptartikel: Karate-Geschichte

Okinawanischer Ursprung

Hauptartikel:Te

Von China nach Okinawa

Hauptartikel: Tōde | Okinawate

Von Okinawa nach Japan

Kata in Japan

Dies waren die politischen Zustände, mit denen das okinawanische karate konfrontiert war, als es ab 1921 durch verschiedene Lehrer nach Japan kam. Die Meister der ersten Generation (Funakoshi Gichin, Miyagi Chōjun, Mabuni Kenwa, Motobu Chōki, u.a.) trafen auf eine imperialistische Haltung, die sich danach verzehrte, die chinesische Mandschurei in das japanische Reich zu integrieren. In diesen Jahren war den Japanern alles Chinesische verhasst, und eine Kampfkunst, die als tōde (Hand aus China) bezeichnet wurde, hatte daher in dieser von Nationalismus und Militarismus geprägten Umgebung kaum eine Chance, etabliert oder gar verbreitet zu werden. So wurde die Bezeichnung tōde (Hand aus China) in karate (leere Hand) geändert. Auch viele der traditionellen kata erhielten neue, japanische Namen:

Es war abzusehen, dass der dai nippon butokukai keine okinawanisch/chinesische Kampfkunst akzeptieren würde. Um die Anerkennung dieser Organisation zu erreichen, war es notwendig, karate als typisch japanische Kampfkunst zu definieren. Dafür war eine Reihe von Auflagen zu erfüllen, die schließlich zu vielen Veränderungen des karate in Japan führten sollten. Darunter war die bereits erwähnte Veränderung des ersten Schriftzeichens, die Übernahme des vom butokukai vorgegebenen Graduierungssystems (dankyū seido), das damit verbundene Tragen schwarzer (später auch farbiger) Gürtel, das Üben in Uniformen (karategi) und später die Veränderung des karate in einen Wettkampfsport. Alle Auflagen wurden nach und nach erfüllt. 1933 wurde karate vom butokukai anerkannt und 1936 wurde der entscheidende Schritt zur Japanisierung des karate durch ein Übereinkommen mehrerer maßgeblicher Karatemeister vollzogen. Karate dō wurde zur japanischen Kampfkunst erklärt und der butokukai errichtete sogar auf Okinawa eine Zweigstelle, durch die er neben jūdō und kendō das karate als japanische Kunst in sein Mutterland reimportierte.

Viele der auf Okinawa verbliebenen Meister waren zunächst mit den Bestimmungen des butokukai nicht einverstanden und ignorierten diese weitgehend. Doch die politische Macht lag längst beim butokukai. Offiziell wurden in Japan die Stile shōtōkan ryū, shitō ryū, gōjū ryū und wadō ryū als die Hauptstile des karate erklärt. Im Dezember 1941 wurde eine Statistik über die Wirksamkeit der einzelnen Budō-Disziplinen erstellt, und im folgenden Jahr wurden sie direkt den Regierungsministerien (Erziehung, Krieg, Marine, Wohlfahrt und nationale Angelegenheiten) unterstellt. Heute kann die - zumindest äußerliche - Japanisierung des karate auf Okinawa als fast abgeschlossen betrachtet werden: weißer dōgi, schwarze und farbige Gürtel sowie Graduierungssysteme und die Bezeichnung karatedō (Weg der leeren Hand) sind in den meisten Stilen zur Selbstverständlichkeit geworden.

Veränderte Strukturen

Trotz der Veränderungen in Japan, die das karate wegen der politischen Wirren jener Zeit machen musste (butokuden), ist es unverständlich, warum es nach seiner weltweiten Verbreitung all jene Werte aufgegeben hat, die es über zwei Jahrtausende überleben ließ. Wir glauben, dass der Grund dafür in der Entmündigung der ryū und in ihrer Abhängigkeit von machtorientierten Organisationen liegt, die nach dem Weltkrieg eigene Interessen vor Wert und Inhalt zu stellen begannen.

Die kata hat seit zwei Jahrtausenden einen inneren Sinn und eine äußere Form. Der innere Sinn ist durch die Form verdeckt, und das Wesen der Kampfkunstübung bestand seit jeher darin, durch die Übung der Form den Sinn zu suchen. Man nennt ihn gokuhi (innere Geheimnisse) oder okuden (versteckt Überliefertes). Die gokuhi überlieferten sich durch die Zeiten immer im Hintergrund der Formen über die ununterbrochene Erbfolge der Meister, die aus den Reihen der „inneren Schüler“ (uchi deshi) oder „Schüler im Schatten“ (kage deshi) kamen. Die Form (waza) hingegen wurde seit altersher immer schon von jenen Schülern überdreht, die sich dadurch persönliche Vorteile erhofften.

Bis zur Unterordnung der Kampfkunst-Ryū unter die großen Organisationen konnte aber diese Tendenz keinen Fuß fassen, denn die Person des Meisters war die Kontrollstation in der Kampfkunstüberlieferung. Ohne menkyo kaiden konnte niemand die Kampfkünste unterrichten. Die traditionellen Überlieferungslinien, die den Stammbaum der Kampfkunstahnen aufzeigen und in den ryū von Generation zu Generation weitergeführt wurden, ließen keinen Nichtmeister zu. Heute haben sich solche Entscheidungen in die oberen Etagen der Organisationen verlagert, in denen selten Meister, dafür aber umso mehr Funktionäre sitzen. Die Kampfkünste sind zum Geschäft geworden und brauchen keinen Inhalt, sondern eine glänzende Hülle.

So gibt es seit dem Bestehen der großen Föderationen zwei Überlieferungslinien in den Kampfkünsten - die äußere Linie der Föderationen und die innere Linie der Meister. Auf der äußeren Linie gibt es die kata nur als Form und wird von den Übenden als Überbleibsel einer überholten Tradition angesehen, weil niemand sie übersetzen kann.

Als die Kata nach Japan gelangten und sich dort die Wettbewerbstendenz entwickelte, wurden die bunkai verändert. Die inneren Aspekte wurden vernachlässigt, und da die nur formelle Technik dadurch unglaubwürdig wurde, musste sie anders interpretiert werden. Die auf Vitalpunkte zielenden subtilen Techniken der Selbstverteidigung wurden ohne psychologischen Hintergrund unterrichtet, und die kyūsho (Körperpunkte, jintai kyūsho) wurden überhaupt nicht mehr gelehrt. So wurde der Selbstverteidigungsinhalt zusammen mit allen esoterischen Aspekten der kata vernachlässigt und ihre Form auf ähnliche Bewertungskriterien wie beim Bodenturnen ausgerichtet. Dadurch verlor das karate seine Eigenschaft als Selbstverteidigungskunst und gewann durch die Gründung des wettbewerbsorientierten Kämpfens einen rein sportlichen Inhalt. Die Übenden begannen in diesem Konzept eigene Auffassungen des Kämpfens zu entwickeln, die nicht mehr konform mit der Jahrtausende alten Lehre der kata waren. Diese Kampfauffassungen (jiyū kumite) werden heute in nahezu allen dōjō der Welt als karatedō bezeichnet.

Das wahre karatedō konzentriert sich nach wie vor auf die kata. In dieser Übung (geiko und kata geiko) wird der Weg () mit all seinen vielfältigen Inhalten im Selbst nachvollzogen und in Erfahrungen umgesetzt. Viele der heutigen Karate-Trainer wissen nicht, dass der Karate-Wettkampf erst in Japan entstand und in den traditionellen dōjō in dieser Weise überhaupt nicht existierte. Die Gründung der modernen Kumite-Auffassung durch die Japan Karate Association (JKA) führte damals zum endgültigen Bruch mit Meister Funakoshi (shōtōkan) und entwickelte sich zu jener Abzweigung, die sich danach weltweit als Sport-Karate verbreitete.

dōjō

OKINAWA JAPAN

Pinan Heian

Naihanchi Tekki

Passai Bassai

Kūshankū Kankū

Wanshū Enpi

Seisan Hangetsu


OKINAWA JAPAN


Niseishi Nijūshiho

Useishi Gojūshiho

Rōhai Meikyō

Chintō Gangaku

Pechurin Sūpārinpei

Seienchin Saipa


Ankunft in Japan

Trotz angestrengter Bemühungen der traditionellen okinawanischen Lehrer, die ab 1922 karate in Japan zu unterrichten begannen (Funakoshi, Mabuni und Miyagi), erfuhr die kata in Japan einen gewaltigen Verlust an traditionellen Werten und durch die darauffolgende Versportlichung einen vollkommenen Niedergang in den Bereichen ihrer esoterischen Struktur (gokuhi).

Als das okinawanische karate in den zwanziger Jahren nach Japan kam, war das Inselreich eifrig bestrebt, den später im Weltkrieg gipfelnden japanischen Imperialismus auszubauen (butokukai). Nationalistische Tendenzen wurden von den politischen Organisationen eifrig geschürt, denn man bereitete sich auf die politische und wirtschaftliche Einflussnahme auf den asiatischen Kontinent vor. Besonders die Mandschurei war für japanische Interessen vorrangig. Die Takushoku-Universität bildete eigens dafür Experten aus. In dieser Zeit der nationalistischen Überheblichkeit, besonders gegenüber den Chinesen, kam Meister Funakoshi von Okinawa nach Japan.

In den dreißiger Jahren, als der Krieg gegen China vorbereitet wurde, waren alle Bezeichnungen chinesischen Ursprungs in Japan verboten. Dies veranlasste den Meister, die alten chinesischen Kata-Namen (einschließlich der Bezeichnung karate) in japanische Begriffe umzuändern, was in Okinawa zwar zu großem Aufruhr führte, sich jedoch letztendlich durchsetzte (kara). Dies ist der Grund, warum heute eine kata unter drei verschiedenen Namen bekannt sein kann: die ursprüngliche chinesische Bezeichnung, die okinawanische phonetische Wiedergabe der chinesischen Bezeichnung und die japanische Veränderung des Begriffes. So wurde z.B. die kūshankū (chinesisch) in kōsōkun (okinawanisch) und dann in kankū (japanisch) umbenannt.

Nicht alle der heute bekannten kata haben japanische Namen. Meister Funakoshi benannte nur jene kata um, die er vor dem Weltkrieg als stilspezifisch lehrte. So konnten viele jener kata, die erst nach dem Krieg nach Japan kamen, ihre chinesischen oder okinawanischen Bezeichnungen behalten.

Die Bezeichnungen der kata sind jedoch nicht immer identisch oder auch nur annähernd ähnlich mit dem alten chinesischen Dao, was die Erforschung ihrer Geschichte sehr erschwert. Manchmal wurden sie auf Okinawa nicht unter ihren ursprünglichen Bezeichnungen, sondern unter den Namen derer, die sie aus China mitbrachten, weitergeführt (z.B. kūshankū). Als man sie in Japan umbenannte, suchte man nach einer Bezeichnung, die auf den äußeren Anschauungsaspekt der kata passte. Das alte chinesische Dao trug immer eine Bezeichnung, die sich auf die innere Struktur bezog.

So wird z.B. in Japan die kata chinte mit „seltene Hand“ übersetzt, und man sagt, dies käme daher, dass sie selten geübt wird. Doch das chin in der chinte ist die okinawanische Bezeichnung für die chinesischen diǎnxué. Dasselbe Ideogramm existiert noch in den kata sanchin, sōchin, seienchin, shisōchin und chinto (gankaku), die alle auf die Schulen der chinesischen diǎnxué verweisen.

Von Japan in die Welt

Philosophie des Karate

Hauptartikel: Karate-Philosophie

Die Lehre vom Weg (dō)

Hauptartikel: Budō |

Kontemplative Philosophie

Die kaisetsu

Shōtō nijūkun (20 Regeln)

Dōjōkun - Verhaltensregeln im Dōjō

Etikette des Karate

Hauptartikel: Karate-Etikette

Meditative Zeremonien

Karate-Kleidung

Training des Karate

Hauptartikel: Karate-Training

Karate-Kihon

Hauptartikel: Karate-Kihon

Karate-Kumite

Hauptartikel: Karate-Kumite

Karate-Kata

Hauptartikel: Karate-Kata

Methoden des Karate

Hauptartikel: Karate-Methoden

Karate als Weg ()

Karate als Sport

Lehrer des Karate

Hauptartikel: Karate-Lehrer

Stile des Karate

Hauptartikel: Karate-Stile

Organisationen des Karate

Hauptartikel: Karate-Organisationen

Graduierungen im Karate

Hauptartikel: Karate-Graduierungen

Studien Informationen

Siehe auch: Portal: Karate | Okinawanische Kampfsysteme | Karate | Karate-Geschichte | Karate-Etikette | Karate-Philosophie | Karate-Methoden | Karate-Training | Karate-Lehrer | Karate-Stile | Karate-Organisationen | Karate-Graduierungen | Karate-Ausdrücke

Literatur

  • Werner Lind: Lexikon der Kampfkünste, BSK-Studien 2010.
  • Werner Lind: Budo - der geistige Weg der Kampfkünste, Scherz 1991.
  • Werner Lind: Okinawa Karate, Sportverlag Berlin 1998.
  • Werner Lind: Karate Grundlagen, BSK 2005.
  • Werner Lind: Karate Kihon, BSK 2007.
  • Werner Lind: Karate Kumite, BSK 2010.
  • Werner Lind: Karate Kata, BSK 2011.
  • Shoshin Nagamine: The Essence of Okinawan Karate, Tuttle 1976.
  • Richard Kim: The Weaponless Warriors, Ohara 1974.
  • Morio Higaonna: Okinawa Goju ryū, Minamoto Research, 1985.
  • Mark Bishop: Okinawan Karate, A & B Black 1989.
  • Pierre Portocarrero: Tode les origines du Karate do, Sedirep.
  • George W. Alexander: Okinawa Island of Karate, Yamazato 1991.
  • Kenji Tokitsu: Histoire du Karate do, SEM 1979.
  • Hokama Tetsuhiro: Timeline of Karate history, 2007.

Weblinks