Budō

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Artikel von: Werner Lind
Nachbearbeitet von:

Budō (jap.: 武道) bezeichnet die Summe aller japanischen Kampfkünste, in deren Zentrum die Übung eines Weges () steht. Die Bezeichnung bu (武) steht für das ursprünglich kriegerische Element aus dem bujutsu, während () (道) die zusätzliche Selbstverwirklichung des Übenden auf einem Weg bezeichnet. Budō kombiniert also die alten Kriegstechniken (bujutsu) mit einem individuellen Übungsweg der Selbstperfektion und heißt dementsprechend „Weg der Kampfkünste“ (budō). Entsprechend ist budō also eine Übungsmethode, die den Übenden dazu anhält, seinen Charakter und seine innere Stärke durch entsprechende Methoden der Übung heranzubilden.

Inhaltsverzeichnis

Etymologie

Der Begriff budō (武道) bezeichnet mit dem sino-japanischen kanji bu (武) die militärischen Techniken (bujutsu) als eine Wegübung (, 道) und entwickelte sich mit dieser Kanji-Kombination zu einem Begriff mit schwieriger Deutung. verweist auf eine Wegausbildung im Sinne von shingitai und hara.

Irritationen des Begriffes Budō

vor allen äußeren Aspekten (Virtuosität, Effizienz und Egomanie in der Technik), Budō ist Teil der japanischen Kampfsysteme.

Gegenüberstellung der Kampfsysteme

Die japanischen Kampfsysteme entwickelten durch die Zeiten verschiedene Aspekte...

Kriegskunst

Die japanische Kriegskunst (bujutsu, 武術)...

Kampfkunst

Die japanische Kampfkunst (budō, 武道) ...

Kampfsport

Der japanische Kampfsport (kakugi, 格技)...

Philosophie

Hauptartikel: Budō-Philosophie

Budō 武道 (jap): Überbegriff für die japanischen Kampfkunstmethoden, die sich unter dem Aspekt des Weges () aus dem bujutsu (Technik des Kriegers) entwickelten. Als tödliche Kampfmethoden haben sich die Techniken des bujutsu über Jahrhunderte hinweg geformt, doch erst durch ihre Verbindung zum zen (Anfang des 17. Jahrhunderts, s. takuan) erhielten sie einen ethischen Inhalt und konnten sich zum budō („Weg des Kriegers“) entwickeln.

Die Übung des Weges, gleich ihrem formellen Aspekt, bringt zwei dem menschlichen Leben innewohnende Tendenzen in den Mittelpunkt der bewussten Erfahrung, in deren gegenseitigem Kampf um Harmonie und Ausgleich sich Persönlichkeit und Reife bildet: der aus dem Bewussten kommende Drang, der Verwirklichung persönlichen Lebens und Wachsens und der Urbedingung des Lebens zur Anpassung und Unterordnung in die natürlichen Umstände. In der Disharmonie dieser Extreme ist die menschliche Existenz wie jede andere bewusste Form des Lebens gefährdet. Die Übung des Weges gründet die innere Voraussetzung zum Wachsen und zum Reifen. Sie verdeutlicht und löst die in den Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens rückenden Probleme des modernen Menschen, die zu einer akuten Gefahr in den Gesellschaften geworden sind. Sie lässt den Menschen durch Selbsterkenntnis die beiden Extreme seiner naturgebundenen Bestimmung erkennen, in denen sich die Möglichkeiten seiner Existenz abspielen: Streben und Achten.

Die Erkenntnis über die Existenz dieser Gegenpole im Menschen entstand aus der tiefgehenden Überlegung der alten Meister, deren Ziel es war, sich durch die Übung der Kampfkünste von der grundlegenden Angst vor dem Tod (Budō-Psychologie) zu befreien. Sie erkannten, dass das Töten, wie es im alten bujutsu (武術 - Kunst des Krieges/Technik des Krieges) gelehrt wurde, dieses Problem nicht zu lösen vermochte, und so fanden sie in der angewendeten Philosophie des zen das Mittel, ihr Ziel zu erreichen. Sie beendeten den Kampf gegen ihre Gegner und richteten ihn gegen das eigene Ich (shin budō). Darin besteht auch heute noch der große Wert des budō für seine Übenden (budōka).

Indem die Meister dieselben Methoden, die sie gegen ihre Gegner anwendeten, gegen sich selbst richteten, entstand aus einer tödlichen Kampfkunst eine Kunst des Lebens. Die harte Übung wurde zum Mittel, die körperlichen und geistigen Grenzen herauszufordern und den Menschen dadurch von seiner Gefangenheit im eigenen Ich zu befreien, die dem Ungeübten die klare Sicht des Lebens verwehrt und ihn im Vorurteil des Rechtbewahrens grundlegende Fehler machen lässt. Die Übung des budō kann unter der Aufsicht eines Lehrers (sensei) und unter Beachtung der Gesetzmäßigkeiten der Budō-Lehre (oshi) den Menschen ins Gleichgewicht zu sich selbst und zu seiner Umwelt versetzen. Durch Selbstdisziplin, Treue und Hingabe (dōjōkun) in die Tiefen der Erfahrung, die als die wichtigsten Voraussetzungen zur „Übung des Weges“ () gelten, kann er in der Übung lernen, sich selbst zu erkennen und selbst zu kontrollieren. Lehnt er diese Lernvoraussetzungen, die für das objektive Bewusstsein unwahrnehmbar im Hintergrund jeder Budō-Beziehung (shitei) existieren müssen, jedoch ab und sucht in der Übung des budō statt dessen die Befriedigung des Ich, wird er nie etwas finden. Die Entwicklung wirkungsvoller Techniken in der Übung führt nur dann zum Fortschritt, wenn die Konfrontation mit dem eigenen Ego unter Beachtung der grundsätzlichen Verhaltensregeln (sahō) stattfindet. Durch selbstdisziplinierte Strenge gegen sich selbst und durch die wiederholte Herausforderung seiner eigentlichen Schwächen kann er lernen, wie man elementare Angst überwindet und Persönlichkeit formt. Dazu braucht er hauptsächlich eine innere Haltung der Bekenntnis. In der körperlichen Übung allein (shōsa), ohne die strikte Beachtung der Regeln, verliert die Übung des budō ihren Wert.

Disziplinierte Arbeit an sich selbst muss von einem Lehrer gelenkt werden und darf nicht der Beurteilung des Übenden ausgesetzt sein, weil der Schüler (deshi) durch sein Ich urteilt. In einer solchen Verbindung kann der Übende wachsen und im Laufe der Zeit Qualitäten entwickeln, die ihm im Alltag von Nutzen sein werden.

Der Budō-Wege gibt es viele in Asien, doch sie haben alle das gleiche Ziel: sie lehren den Menschen, seine eigenen inneren Zusammenhänge zu verstehen und sich durch Übung zu vervollkommnen. Jeder einzelne dieser Wege hat seine eigene Technik (waza) entwickelt und hält den Menschen dazu an, seinen Geist (shin) und seine vitale Kraft (ki) zu entdecken. Das Ziel jeder Wegübung ist immer der ganze Mensch. Auf dem Weg zu einem solchen Ziel gibt es drei wichtige Übungskomponenten, die nur im Gleichgewicht zueinander Fortschritt gewähren: waza, die Übung der Form, shin, die Übung der geistigen Haltung, und ki, die Übung der vitalen Kraft.

Aus den Kampfmethoden des bujutsu (buki und jitsu) wurden neben anderen, unter dem Aspekt des Weges folgende wichtige Kampfkünste entwickelt (Beschreibung und Definition siehe unter den einzelnen Bezeichnungen):

BUDŌ - Kampfkunst-Systeme

Japan

Okinawa


Studien Informationen

Siehe auch: Japanische Kampfkunst | |

Literatur

  • J. Hopson: The Armour of Feudal Japan, Chitora Kawasaki. Military Costume of Old Japan, Tōkyō 1893.
  • Oscar Ratti & Adele Westbrook: Secrets of the Samurai. Tuttle 1973.
  • Donn F. Draeger: Modern Bujutsu & Budo. Weatherhill 1974.
  • Donn F, Draeger: Ckassical Budo. Weatherhill 1973.
  • Donn F. Draeger: Comprehensive Asian fighting Arts. Kodansha 1980.
  • Deshimaru Taisen: Zen in den Kampfkünsten. Knaur.
  • Dolin Alexander: Kempō. Sportverlag Berlin.
  • Kim Richard: The Classicak Man. Master Publications 1986.
  • Musashi: Das Buch der fünf Ringe. Knaur 1974.
  • Preston Thomas: Samurai Geist. Kristkeitz 1991.
  • Mitsuo Kure: Samurai, der Weg des Kriegers. Stocker-Schmid AG, Zürich 2006.
  • Thurnbull Stephen: Geschichte der Samurai. Stocker-Schmid AG, Zürich 2005.
  • Sasama, Yoshiko (2003): Nihon Budō-Jiten. Tōkyō 2003.
  • Werner Lind: Budo, der geistige Weg der Kampfkünste. O. W. Barth 1992.
  • Werner Lind: Lexikon der Kampfkünste. BSK 2009.

Weblinks