Oshi

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Artikel von: Werner Lind
Nachbearbeitet von:

Der Begriff oshi bezeichnet die Lehre, die ein Schüler (deshi) durch den Unterricht bei einem Lehrer (sensei) erhält. Das Training im Sport (renshū) ist nicht damit gemeint, sondern eine weit über die Formperfektion hinausgehende Kunst, deren Übung (keiko) einen Weg () (diese Seite) enthält.

Inhaltsverzeichnis

Grundlagen einer Sensei-Lehre

Der sensei hat eine andere Bedeutung als der Trainer im Sport. Er vermittelt einem Schüler nicht nur Wissen und Können, sondern die Möglichkeit zu seiner gesamtmenschlichen Vervollkommnung. Die Lehre eines sensei ist daher jenen Menschen unzugänglich, die nur die technische Form wollen, denn für einen sensei zählt nicht die Form, sondern die Werdung des Menschen durch die Form.
Obwohl die Formperfektion auch in einer Sensei-Lehre wichtig ist, liegt in ihr nicht der eigentliche Wert, sondern erst im immerwährenden Streben und Suchen nach gesamtmenschlichem Wachsen durch sie. In einem solchen Übungskonzept entsteht Fortschritt von selbst, wie der Apfel vom Baum fällt, wenn er reif ist.
Deshalb erkennt die Sensei-Lehre keine These an, die das Resultat von Nachahmen oder intellektuellem Lernen ist, sondern sie fordert das eigene Sehen, das eigene Denken, den Mut zur Befreiung vom Gefangensein in konventionellen Formen und Systemen, in unüberprüften Meinungen und Vorurteilen, gleich worin sie bestehen. Nichts darf ungeprüft kopiert oder reproduziert werden - alles Gelernte dient als Beispiel zum eigenen Verstehen.
Ohne den ständigen Kampf um persönliches Erfahren und Verwirklichen von Eigenem kann ein Schüler dem sensei in keiner Situation gerecht werden. Mit egoistischem Streben zu einem sensei zu gehen heißt, sich ewigem Unfrieden auszusetzen. Das einzige, was den Meister interessiert, ist der Kampf des Schülers gegen sein Ich und das Ringen um eine persönliche Identität. Vom Wert einer Übung kann man deshalb erst dann sprechen, wenn man den Menschen und seine Absicht betrachtet. Dort, wo sein Wollen nur dem Selbstzweck dient und den Kampf um inneres Werden vermeidet, gibt es keinen Weg, denn ohne Sinn in der Welt gibt es auch keinen Sinn in der Übung.

Bedingungen einer Sensei-Lehre

Wenn ein Interessent die Kampfkünste unter einem sensei erlernen will, muss er in erster Linie zu einer Lehrer-Schüler Beziehung (shitei) bereit sein. Anders als in den sportlichen Systemen ist die Lehre eines sensei weder bedingungslos noch unverbindlich. Kein sensei wird die hintergründigen Komponenten (den) seiner Lehre preisgeben, ohne sich der Loyalität des Schülers zu versichern (Wegübung im BSK).


Studien Informationen

Siehe auch: Budō | Dōjōkun | Kaisetsu | Leitsätze für Übungsleiter |

Literatur

  • Werner Lind: Budo. Der geistige Weg der Kampfkünste. Bern, München, Wien 1992 (S.51 ff)
  • Kai van Eikels: Meisterschaft. Von den Wissenshandlungen zu den Evidenztechniken und weg vom Geliebten. In: Peters, S. & Schäfer, M. J. (Hrsg.): Intellektuelle Anschauung. Figurationen von Evidenz zwischen Kunst und Wissen. Bielefeld 2006, (S.325 ff)

Weblinks