Den

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25px-Disambig-dark.svg.png Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig, weitere Informationen auf: Den (Begriffsklärung)

Artikel aus: Lexikon der Kampfkünste
Nachbearbeitet von: Werner Lind

Den (jap.: 伝) bezeichnet die Übermittlung/Weitergabe einer Lehre (oshi) vom Meister (sensei) an den Schüler (deshi) und ist ein zentraler Begriff im alten Lizenzsystem menkyo für die vierstufige Überlieferung der Lehre (shoden, chūden, okuden und kaiden). Die Entwicklung erfolgt nach dem Prinzip des shuhari.

Inhaltsverzeichnis

Zwei Wege der Überlieferung

  • Densho (伝書): wörtlich „Überlieferungschrift“ oder „geschriebene Weitergabe“, bezeichnet eine vom Lehrer (sensei) niedergeschriebene Schriftrolle (makimono) und ist als solche eine von mehreren Übertragungsarten der okuden (Hintergründe) in den alten Stilen (koryū). Den heißt „übermitteln“, „überliefern“ und sho bezeichnet ein Buch, ein Schriftstück oder einen geschriebenen Text.
  • Denshō (伝承): "Überlieferung" bezeichnet eine vom Meister überlieferte Lehre und ist als solche eine von mehreren Übertragungsarten der okuden. Den heißt „übermitteln“, „überliefern“ und shō bezeichnet „zuhören“ oder „etwas bekommen“. Denshō ist nur für Schüler auf der Linie der uchi deshi (innere Schüler) bestimmt und resultiert letztendlich in der Übertragung einer Kampfkunst vom Lehrer auf den Schüler (menkyo kaiden 免許皆伝 - Urkunde der endgültigen Meisterschaft). Diejenigen, die außerhalb der Übertragungslinie stehen (soto deshi), haben nur eine geringe Chance, den Kern einer Kampfkunst zu erfassen, da sie in der Übersetzung der formalen Techniken nicht unterrichtet werden. Sie lernen nur Formen. Für den uneingeweihten soto deshi bezeichnen die denshō lediglich vage Erläuterungen und rätselhafte Aphorismen: z.B. „Kämpfen gegen Osten“ oder „Blick in den Himmel“.

Wenn die okuden preisgegeben werden, gleich ob durch schriftliche Überlieferung oder durch direkte Anleitung im Training, sind sie sicher nicht so kompliziert, dass sie den Verständnishorizont eines soto deshi (äußerer Schüler) überschreiten würden. Doch sie bedürfen nach wie vor der langjährigen Nähe zu einem sensei, der sie im Verständnis des Schülers sichtbar machen kann und letztendlich in der Praxis übersetzt. Sie sind nichts anderes als die im Kern versteckte Essenz der Technik des kihon. Versteckt sind sie nur deshalb, weil sie so einfach sind - sie sind das Zentrum einer Spirale, durch deren Windungen ein Übender zum Kern durchdringen muss.

Omote und Ura

Die Techniken der Kampfkünste wurden vor allem in verschlüsselten Bewegungsabläufen (kata) überliefert, die vor Uneingeweihten geschützt und durch Verschlüsselung geheimgehalten wurden. Die Entschlüsselung der Techniken und ihrer philosophischen Inhalte bezeichnete man als okuden (versteckt Überliefertes, den), die unentschlüsselten Formen selbst als omote (offensichtiche Vorderseite). Anfänger durften nur die Formen (omote) lernen, Fortgeschrittenen wurden manchmal auch die Forminhalte (ura) beigebracht. Übende, die sich besonders bemühten, erreichten die Stufe der technischen Experten (kaiden), während wenigen inneren Schülern (uchi deshi) durch das menkyo kaiden der Titel sensei zustand.

Funakoshis Kommentar zum Bubishi

Untenstehend Auszüge aus der lange Zeit geheimen (gokuhi und hiden) Abhandlung aus dem Bubishi, ursprünglich in altchinesischer Sprache, die dem Original der „Anleitungen zum Karate“ von Funakoshi Gichin beigelegt war. Heute gilt als bewiesen, dass Funakoshi eine Kopie des Bubishi besaß, die er eingehend studierte. Hier ein Kommentar, der an die Philosophie des Bubishi anlehnt:

  • Diese Kunst soll man nur zum Wohle der Menschen anwenden und niemals, um ihnen Schaden zuzufügen. Nur derjenige, der mit seiner Seele die menschliche Natur versteht, kann der Lehre teilhaft werden.
  • Diese Kunst untergliedert sich in eine leichte (oberflächliche, omote) und in eine schwere (tiefgehende, okuden). Deshalb muss man, um die wahre Meisterschaft in vielen Formen zu erlangen, sie stets gleichzeitig im Zusammenhang mit der Lehre festigen. Wenn man hier unachtsam ist, wird man viele Schwierigkeiten haben, denn die unachtsamen Schüler verdienen es, dass man mit ihnen wie mit Verbrechern umgeht, die unschuldige Menschen geprügelt haben. Solche muss man in Ketten legen.
  • Bedenke, der Kampf ist kein Spiel mit einem Spielzeug! Sobald du die Lücke siehst, stoße in sie hinein. Sobald du siehst, dass der Gegner zurückweicht, setze ihm nach. Wichtig ist es, immer richtig zu berechnen. Sei stets darum besorgt, die geistige Berührung mit dem Gegner nicht zu verlieren.
  • Solche, die zufällig zusehen, machen sich lustig über meine kleinkarierte Kunst, dass ich immer wieder nach oben blicke und nach unten, nach rechts und nach links und dabei die Bewegungen des Gegners betrachte. Doch genau dies ist die echte Kunst des Nahkampfes.
  • Den Regeln zufolge muss man plötzlich einen Gegenangriff starten. Hat der Gegenangriff sein Ziel erreicht, so muss man den zurückweichenden Gegner hart verfolgen. Sobald der Gegner sich öffnet, schlag auf ihn ein. Versetze ihm einen Schlag, weiche zurück und nähere dich dann von neuem. Die Regel besagt, dass man sich dem Gegner abwechselnd nähern und von ihm zurückweichen soll. Oben müssen die Bewegungen an zwei flatternde Schmetterlinge erinnern; unten muss man wie ein geschickter Fischer handeln, der einen Fisch an der Angel hat.
  • Kräftig und ungestüm wie ein Tiger und ein Wolf; ungestüm wie ein wilder Tiger, so müssen wir uns im Zweikampf verhalten.
  • Sehr wichtig ist es, die Mittel zum Ansetzen der Kraft zu begreifen, das Gesetz der Kombination von Härte und Sanftheit, so wie die Wirklichkeit es erfordert. Das Harte geht über in das Sanfte, das Sanfte geht über in das Harte. Wo das Harte gebrochen wird, tritt das Sanfte zutage. Der Körper schwankt von einer Seite zur anderen, die Füße treten von einem Ort auf den anderen und tragen dabei den Körper - und so kannst du in tausend Tore eindringen. Doch die Gesetze des Angreifens und des Zurückweichens kann man nicht mit den üblichen Sinnen fassen.“

Die acht Regeln als Anleitung zur Kunst des Kämpfens im báihèquán aus dem Bubishi:

  1. Der Geist des Menschen ist eins mit Himmel und Erde.
  2. Unser Blutkreislauf entspricht den Zyklen von Sonne und Mond.
  3. Einatmung repräsentiert Weichheit (), Ausatmung repräsentiert Härte ().
  4. Der Körper folgt der Zeit und passt sich Veränderungen an.
  5. Die Techniken geschehen in der Abwesenheit von bewusstem Denken.
  6. Zurückhaltung und Gestik bestimmen den Ausgang eines Zusammentreffens.
  7. Sehe, was unsichtbar ist.
  8. Erwarte, was unerwartet ist.

Die Philosophie von Sūnzǐ

Sūnzǐ oder Sunzu (jap. Shunzi oder Son Bu Shi) oder Sun Tsu, war ein berühmter chinesischer General, der ein Standardwerk über die taktische Kriegsführung (Die Kunst des Krieges - Sūnzǐ bīngfǎ, „Sun Zi über die Kriegskunst“) geschrieben hat. Seine Philosophie wurde im Bubishi aufgegriffen und zusammengefasst. Die untenstehenden Sätze galten über Jahrhunderte als die Maxime für alle Kampfkunstanhänger. Im Bubishi steht geschrieben:

Son Bu Shi (Sunzi) spricht so:

1. Wenn du dich selbst und deinen Gegner kennst, dann siegst du in zehn von zehn Kämpfen. 2. Wenn du dich selbst kennst, aber deinen Gegner nicht kennst, dann siegst du einmal und verlierst du einmal. 3. Wenn du weder dich selbst noch deinen Gegner kennst, dann verlierst du zehn von zehn Kämpfen. 4. Sei ernstzunehmen aber flexibel, verwende Nachgiebigkeit so, dass du nicht ihr Opfer wirst. 5. Zu gewinnen ohne zu kämpfen, ist das höchste Ziel eines Krieges.

Bubishi - Artikel 16: Greifen und Befreien

  • Körpersprache und Täuschungsmanöver sind wichtige Punkte des Kämpfens. Lese in deinem Gegner und schaffe schwache Stellen.
  • Wenn du das Gleichgewicht deines Gegners störst, wirst du größere Chancen zum Sieg haben. Wachsamkeit und Wahrnehmung sind starke Waffen.
  • Wenn du von vorn angegriffen wirst, versuche die Leistengegend zu attackieren.
  • Wenn du dich gegen einen Griff von hinten ins Haar verteidigst, senke dich ab und drehe dich schnell in den Gegner, wobei deine Hände dein Gesicht schützen, dann stürme auf ihn zu und nehme ihm seine Balance.
  • Sollte jemand versuchen, auf deinen Fuß zu treten, bereite dich darauf vor, mit den Händen zu kontern.
  • Gegen starkes Ziehen an den Haaren, greife das Daumengelenk an und bringe ihn zu Boden.
  • Niedrige Konter sind die Regel bei hohen Angriffen.
  • Verwende hohe Konter gegen niedrige Angriffe.
  • Im Umgang mit einem fähigen Fußtechniker ist die Strategie sehr wichtig. Beschränke dich nicht nur darauf, sein Gleichgewicht zu stören. Versuche seine Absicht vorauszuahnen, unterbreche den Tritt und fange das Bein.
  • Sei schnell darin, Vorteil aus einem Gegner zu ziehen, der emotional, zu sehr aufgeregt oder verwirrt ist, indem du immer seine mentale Fassung abschätzt.
  • Wenn du von hinten angegriffen wirst, verwende deinen Gefühlssinn und seine Körpersprache, um seine Absichten vorauszuahnen. Gebe dein Bestes, um dich hiter deinen Gegner zu manövrieren.
  • Wenn du nach Osten angreifen willst, bewege dich zuerst nach Westen. Zeige niemals deine wahren Absichten. Wenn du dich entscheidest, dich direkt nach vorn zu bewegen, wisse immer, was hinter dir ist.
  • Wenn dich ein Angreifer beißt, greife direkt seine Kehle an.
  • Wenn du gewürgt wirst, kontere, indem du auf seine Ohren schlägst oder tief in seine Rippen stößt.
  • Wenn du einem Stampftritt ausweichst, gehe zur Seite und kontere mit derselben Technik.
  • Führe niemals eine Technik aus, wenn du aus dem Gleichgewicht bist, da ein fähiger Kämpfer aus dieser Situation mit ziemlicher Sicherheit Vorteile ziehen wird.
  • Ein überlegender Stratege verwendet zu seinem Vorteil eher Attacken verschiedener Level, als einzelne Tritte oder Schläge.
  • Wenn jemand deine Kleidung ergreift, stoße ihn mit dem Knie.
  • Einatmung repräsentiert Weichheit und Ausatmung Härte. Sei dir immer dieses Gleichgewichtes gewahr und nutze es zu deinem Vorteil.
  • Behalte dein Gleichgewicht während und nachdem du einen Gegner geworfen hast, da es unerläßlich wichtig ist, darauf mit einem beendenden Schlag zu folgen.
  • Beim Kampf gegen einen Gegner, der die Methode der Betrunkenen Faust verwendet, muß eine besondere Aufmerksamkeit vorhanden sein, da er unberechenbar ist. Da er sehr irreführende Beinmanöver gebraucht, schließ dieser Stil unorthodoxe Techniken mit ein.
  • Obwohl die tiefe Stellung eines Gegners seine Beweglichkeit einschränken und seine Fußtechniken behindern könnte, sei achtsam, da dies die Stärke seiner Hand verbessert. Versuche in die hohe Stellung eines Gegners hineinzugehen.
  • Es gibt bei hohen Fußtechniken einen gewißen Grad der eigenen Gefährdung, besonders der Genitalien. Achte darauf, dich nicht zu weit nach vorne oder nach hinten zu lehnen und schütze jederzeit deine Genitalien.
  • Wenn du den Fuß deines Gegners mit deinem eigenen Fuß fängst, schlage sofort mit deinen Händen. Dann führe sie von oben nach unten und ziehe seine Beine unter ihm weg.
  • Wenn du zu Boden gebracht wirst, mache jeden nur möglichen Versuch, die Genitalien deines Gegners anzugreifen.
  • Sollte dich jemand von hinten mit einer starken Umarmung angreifen, zerschmettere sein Gesicht mit deinem Hinterkopf ehe du konterst.
  • Ein sicherer Weg, Leute daran zu hindern, sich selbst in einem Kampf zu töten ist, ihre Halsschlagader anzugreifen.
  • Wenn ein Gegner in dich stürzt und deinen Unterkörper greift, verwende beide Hände, um auf seine Ohren zu schlagen oder attackiere die Spitze seines Kopfes.
  • Wenn du einen Gegner zu Boden bringen möchtest, bleibe in Bewegung und mache eine Finte zu seinem Schatten, ehe du den Wurf ansetzt.

Studien Informationen

Siehe auch: Dentō | Kyūdan | Dankyū seido |

Literatur

  • Patrick McCarthy: Bubishi. Charles E. Tuttle Company.
  • Francis Didier: Karate dō - L´Esprit Guerrier. Sedirep 1988.
  • Werner Lind: Karate Grundlagen. Kihon, Kata, Kumite. BSK 2005.
  • Werner Lind: Budo - Der geistige Weg der Kampfkünste. O.W. Barth 1993.
  • Werner Lind: Lexikon der Kampfkünste. BSK 2010.

Weblinks

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