Waza

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Artikel aus: Lexikon der Kampfkünste
Nachbearbeitet von: Werner Lind

Der Begriff waza (jap.: 技, auch gi) bedeutet Fähigkeit, Technik, Kunstfertigkeit, Geschicklichkeit, Paralellbegriff zu jutsu (gesamtmenschliche Fähigkeit); gijutsu - Technik; ginō - Fähigkeit, Geschicklichkeit, engi - Aufführung, Darstellung, Spiel, kyōgi - Wettkampf. Jutsu bezieht sich auf ein Techniksystem ninjutsu, karatejutsu, aikijutsu, kenjutsu, u.a.) während waza die Techniken innerhalb des Systems bezeichnet (kihon waza, kansetsu waza, nage waza, u.a.).

Inhaltsverzeichnis

Definition und Gliederung

In den Kampfkünsten steht waza (gi) für die Übung der körperlichen Technik innerhalb der ryū des bujutsu und budō und bezeichnet eines der drei Grundprinzipien in jeder gesamtmenschlichen Übung (geiko und renshū):

  • Gi - der Begriff gi (waza) bedeutet „Technik“, „Fähigkeit“, „Kunstgriff“. In den Wegkünsten (geidō) steht der Begriff für die Übung der körperlichen Technik und bildet damit eines der drei Grundelemente in der Verwirklichung des hara.
    Gi/waza bedeutet aber nicht nur Technik, sondern kann sich unter korrekter Anleitung in die Interpretation jutsu (technische Kunst) erweitern. In diesem Fall wird die Technik Mittel zum Zweck und dient der Ganzwerdung des Menschen.


SHIN GI TAI - Geist, Technik, Körper

In allen Künsten des budō ist waza ein wichtiges Element der körperlichen Übung. Bis zum Erreichen des ersten Schwarzgurtes (shodan) steht sie für jeden Übenden als formelles System im Vordergrund. Es gibt keine Möglichkeit, sie mit selbst interpretierten Philosophien zu ersetzen, denn jede intellektuelle Analyse des budō führt ins Abseits, wenn die körperliche Erfahrung fehlt. In der Tradition gilt dieses Prinzip, solange der Alt-Meister am Leben ist.

Um über die bloße Form hinaus gehen zu können, braucht jeder Lernende einen sensei, der ihn orientiert und jahrelang begleitet. Der moderne (heutige) Anfänger haftet untrennbar im Formsystem (shu) und gründet stets „neue Stile“, eine Kombination aus dem, was er für das Beste hält. Eine psycho-physische Befreiung durch Erfahrung in die Stufe der Selbsterkennung (ha) ist ihm nicht möglich. Wenn er das nicht ändert, wird er immer ein Anfänger bleiben, gleich wie sehr er sich um bloße Formen bemüht.

Die erste Phase der technischen Kampfkunstübung (omote) erstreckt sich deshalb ausschließlich auf das Erlernen spielraumloser Grundformen, die als Voraussetzung für jeden weiteren Fortschritt gelten. Diese kommen aber erst nach vielen Jahren unter einem sensei.

Man kann waza in zwei Komponenten einteilen. (Erläuterungen zu den einzelnen Begriffen siehe unter den Bezeichnungen):

WAZA - Formen der Übung

Im Gegensatz zu jutsu, das vielmehr den komplexen Stil bezeichnet, meint waza die rein technischen Methoden innerhalb eines Stils. Sie werden alle als kihon waza formal gelernt, als jiyū waza interpretiert und als jissen tatsächlich angewendet:

WAZA - Technik-Gruppen

Philosophie

Um Zugang zum Weg des budō zu finden, muss der Übende jedoch letztendlich das elementare Formsystem überschreiten, denn das ausschließliche Befassen mit der Formvielfalt hält ihn ewig gefangen im System. Die heutzutage häufige Vorstellung, dass die Jagd nach beständig neuen Formen im Shu-Abschnitt Fortschritt gewährt, ist falsch. Die früheren Meister beschränkten sich, entsprechend den Lehren aus dem zen, auf wenige Formen und gingen in die Tiefe. Die Intensivierung der Formvielfalt ist vergleichbar mit der Vorstellung, dass das Werk eines Dichters dadurch besser wird, wenn er mehrere Sprachen lernt.

Der Meister ist nicht abhängig vom System - er hat es überschritten - selbst wenn er es auf das Genaueste beachtet. Der Schüler jedoch muss das System lernen, weil ihm jede darüber hinausgehende Möglichkeit fehlt. Für den Meister besteht die Übung nicht aus dem Nachahmen vorgegebener Formaspekte, ebenso wie der Dichter seinen Sinn nicht darin sieht, fremde Gedichte abzuschreiben. Der Meister des Weges übt die Technik als Mittel zum eigenen Sinn. Diese Technik hat über die zu erlernende Form hinaus einen Übungsinhalt, der nach innen zielt. Darin besteht der Unterschied zwischen der bereits „vollendeten Technik“ (okuden) und der nur „gekonnten Technik“ (omote). Die wahre Technik des budō muss nicht schneller, höher, stärker, besser usw. als eine andere sein, sondern sie muss richtig sein. Um richtig sein zu können, reicht die Formperfektion nicht aus.

Deshalb ist waza im budō nicht dasselbe wie Technik im Sport. In den Kampfkünsten ist waza ein Mittel, im Sport ist es ein Ziel. Der Unterschied liegt nicht in der Form selbst, sondern im Sinn, den der Mensch sich selbst gibt. Weitere Erläuterungen undō, shisei und shitai undō.

Studien Informationen

Siehe auch: Jutsu |

Literatur

  • Gichin Funakoshi: Karate-Dō Kyohan. Kodansha.
  • Morio Higaonna: Traditional Karate do. (3. Vol.) Japan Publications.
  • Hisataka Masayuki: Scientific Karate do. Japan Publications.
  • Hirokazu Kanazawa: Kanazawas Karate. Dragon Books.
  • Shoshin Nagamine: Okinawan Karate do. Tuttle.
  • Masatoshi Nakayama: Karate perfekt. (8. Vol.) Falken.
  • Masatoshi Nakayama: Karate do. Budo Verlag.
  • Hidetaka Nishiyama: Karate, die Kunst der leeren Hand. Schlatt.
  • Teruyuki Okazaki: Modernes Karate. Falken.
  • Masutatsu Oyama: Advanced Karate. Japan Publications.
  • Albrecht Pflüger: Karate do. Falken.
  • Gogen Yamaguchi: Goju ryu Karate do Kyohan. Masters.
  • Hironori Otsuka: Wado ryu Karate. Masters.