Ryūkyū-Inseln

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沖縄県
Ryūkyū shotō
Ryūkyū-Inseln
Fläche
der Ryūkyū-Inseln
4.700 km2
Bevölkerung
auf den Ryūkyū
1.5 Millionen
90% auf Okinawa
Sprachen
auf den Ryūkyū
nihongo (Japanisch)
ryūkyūgo
Heutige Zugehörigkeit
der Ryūkyū-Inseln
Japanische Inseln
Nansei-Inseln
Frühere Zugehörigkeit
der Ryūkyū-Inseln
Ryūkyū-Inselkette
Ryūkyū-Königreich
Hauptinsel
der Ryūkyū-Inseln
Okinawa
Verwaltungsgliederung
der Inseln (heute)
Präfektur Kagoshima
Präfektur Okinawa

Artikel von: Werner Lind; nachbearbeitet von Stephanie Kaiser

Ryūkyū shotō (jap.: 琉球諸島 - „Ryūkyū-Inselgruppe“ ) bezeichnet die Zusammenfassung aller Inselgruppen der Ryūkyū (Ryūkyū (Begriffsklärung)) (im früheren Sprachgebrauch Riukiu, Liukiu, und Lutschu), die früher das Ryūkyū-Königreich bildeten.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Die Zusammensetzung der Ryūkyū-Inseln ist geschichtlich unterschiedlich. Im Jahre 1372 gründete der okinawanische Fürst Satto das Ryūkyū-Königreich, 1406 gelangte die okinawanische Shō-Familie an die Macht und gründete auf den Inseln der Ryūkyū die Shō-Dynastie. Unter schwierigen Bedingungen hielt diese bis 1879.
Nach der japanischen Neuordnung (1879) gehören die Inseln heute zur Gruppe der Nansei-Inseln und spalten sich in Zugehörigkeiten zur Präfektur Kagoshima und zur Präfektur Okinawa. Zusammenfassend:

  • Früher umfasste die Inselgruppe die Amami-Inseln, Okinawa-Inseln, Miyako-Inseln und Yaeyama-Inseln. Diese Zusammensetzung nannte man Ryūkyū rettō (琉球列島 - Ryūkyū-Inselkette). Die darein enthaltenen Inselgruppen bildeten früher (1372-1879) das unabhängige Ryūkyū-Königreich mit seinem Zentrum auf der Hauptinsel Okinawa.
  • Heute teilt sich die Inselkette und spaltet die Amami-Inseln in die Zugehörigkeit der Präfektur Kagoshima ab. Südlich der Amami-Inseln werden die Inselgruppen Okinawa-Inseln, Miyako-Inseln und Yaeyama-Inseln zur Präfektur Okinawa zusammengefasst. Zur heutigen japanischen Präfektur Okinawa (ab 1879) neu hinzugefügt wurden die Daitō-Inseln und Senkaku-Inseln.

Geographie der Ryūkyū-Inseln

Hauptartikel: Ryūkyū-Geographie

Die Ryūkyū-Inselkette (Ryūkyū rettō) erstreckt sich über 1.200 km zwischen Kyūshū im Norden und Taiwan im Süden, umfasst eine Fläche von 4.7002 und beherbergt ca. 1,5 Millionen Einwohner, von denen 90 Prozent die Hauptinsel Okinawa bevölkern. Die großen Inseln der Kette sind vulkanischen Ursprungs, die kleineren sind Koralleninseln. Alle zeigen jedoch überwiegend Hügel- und Gebirgslandschaften auf. Die Vulkaninseln bilden die Spitzen mehrerer aus dem Meer herausragender Vulkane (letzter Ausbruch 1991) und entspechend tief sind die Gräben ihrer umliegenden Meere (bis 7.507 m wird der östliche Ryūkyū-Graben gemessen). Die Koralleninseln sind organische Gebilde und schwimmen als Festmasse auf dem Meer.

Aktuelle Zusammensetzung der Ryūkyū

Die ehemals 140 Inseln der Ryūkyū-Inselkette werden heute im modernen System von japanischen Präfekturen verwaltet. Dadurch wurde ihre alte Einteilung verändert und die nördliche Gruppe der Amami-Inseln der Präfektur Kagoshima zugeordnet. Die weiteren Inselgruppen (Okinawa-Inseln, Miyako-Inseln und Yaeyama-Inseln) bilden die Präfektur Okinawa. Dieser neu hinzugefügt wurden die Daitō-Inseln und die Senkaku-Inseln. Die vollständige Einteilung der Ryūkyū-Inselkette erstreckt sich von Nord nach Süd:

Präfektur Kagoshima

Präfektur Okinawa

Neu hinzu kommen die östlichen Inselgruppen:

Klima auf den Ryūkyū

Hauptartikel: Japanische Inseln

Die Ryūkyū-Inselkette erstreckt sich von Nord nach Süd über 1.200 km. (vom 24. bis zum 31. Grad nördlicher Breite) und umfasst mehrere Klimazonen. Allgemein herrscht ein subtropisches Klima mit jährlichen Durchschnittstemperaturen von ca. 26 Grad. Die Winter sind mild (ca. 20 Grad) die Sommer erreichen teilweise Temperaturen von 32 Grad und mehr. Extrem ist die hohe Luftfeuchtigkeit von bis zu 98 Prozent.

Geschichtliche Kurzübersicht

Hauptartikel: Ryūkyū-Königreich | Okinawa

Die Ryūkyū-Inseln haben eine eigene Geschichte, die seit altersher von China, ab 1609 von Japan und ab 1945 von den USA beeinflusst wurde. Die Bevölkerung verstand trotz aller Fremdeinflüsse ihren eigenständigen Charakter bis in die Neuzeit zu bewahren.

Frühzeit und Altertum (32000 v.Chr.-1000 n.Chr.)

Die alte Geschichte der Ryūkyū-Inseln ist weitgehend unerforscht. Archäologische Grabungen aus dem Jahr 1963 dokumentieren für die nördlichen Inseln (Amami und Okinawa) einen Kontakt zum japanischen yayoi jidai, die südlichen Inseln (Miyako und Yaeyama) waren davon offensichtlich lange Zeit (bis ins 14. Jahrhundert) isolliert und verweisen auf eine primitive neolithische Kultur. Bemerkenswert ist der prähistorische Fund des Yamashita-Höhlenmenschen (32.000 v.Chr.), der die frühe Besiedlung der Inseln nachweist.

Frühzeit, Altertum und frühes Mittelalter
32000 v.Chr. - Yamashita-Höhlenmensch (archäologischer Neuzeitfund)
2.000 v.Chr.
bis 1.000
- Amami-Inseln und Okinawa-Inseln übernehmen die Yayoi-Kultur
- Miyako-Inseln und Yaeyama-Inseln verbleiben in der neolitischen Kultur
ab 1000 - Beginn sozialer Differenzierungen, Gründung gesellschaftlicher Stände
1186-1237 - Anji (Fürst) Shunten einigt die Landesfürsten unter seiner Führung
1321-1395 - Satto wird erster Herrscher des neu vereinigten Ryūkyū-Königreiches.
- Beginn der Tributzahlungen an China
1372-1439 - Shō Hashi wird König und gründet die erste Shō-Dynastie
- Anerkennung seiner Königswürde durch den chinesischen Kaiser
- Offizieller Beginn des Ryūkyū-Königreiches
1477-1526 - König Shō Shin gründet die zweiten Shō-Dynastie
- erstes Waffendekret (Entwaffnung der Landesfürsten)
- die unabhängige zweite Shō-Dynastie bestand bis 1609
- als japanische Eroberung existierte sie bis 1879
ab 1600 - erstes Goldenes Zeitalter Okinawas

Frühes Mittelalter (1000 n.Chr.-1609 n.Chr.)

Zumindest auf den nördlichen Inselgruppen begannen sich mit dem Anfang des Mittelalters (ca. ab 1.000) gesellschaftliche Strukturen zu entwickeln. Es etablierten sich regionale Landesfürsten (anji), die ihre Rivalitäten untereinander durch militärische Auseinandersetzungen zu lösen begannen. Hauptschauplatz dafür war die Insel Okinawa. Dort gelang es dem lokalen Landesfürsten Shunten (1166-1237) zum ersten Mal seine Rivalen zu unterwerfen und zu einer Einigung unter seiner Herrschaft zu zwingen.

Gründung des Ryūkyū-Königreiches

Doch es dauerte bis ins 14. Jahrhundert, bis der erste okinawanische Herrscher Sato (1321-1395) die rivalisierenden Landesfürsten von Okinawa tatsächlich unterwerfen konnte. Unter ihm wurden diplomatische Beziehungen zu China, Japan und Korea aufgenommen, doch der neu gegründete Inselstaat wurde dem chinesischen Kaiserreich tributpflichtig.

Gründung der beiden Shō-Dynastien

Dem okinawanischen König Shō Hashi (1372-1439) gelang eine definitive Machtkontrolle über die streitigen Landesfürsten. Er einigte die Inseln unter seiner Herrschaft und gründete die erste Shō-Dynastie. Sein Nachfolger, König Shō Shin (1477-1526) gründete die zweite Shō-Dynastie und verabschiedete ein Gesetz, laut dem das Tragen von Waffen für alle Bewohner des Ryūkyū-Königreiches verboten war (erstes Waffendekret). Damit hoffte er die anhaltenden Aufstände der rivalisierenden Landesfürsten einzudämmen. Gleichzeitig zwang er die Oberhäupter dieser Klans als Geiseln in der Hauptstadt Shuri zu leben und ließ ihre Ländereien von Regierungsbeamten verwalten.
Das unabhängige Ryūkyū-Königreich war bis 1609 weitgehend frei vom Einfluss fremdern Mächte. Die Chinesen hatten Okinawa nie besetzt, übten aber einen erheblichen kulturellen Einfluss auf das Inselreich aus. Die chinesische Ming-Dynastie befand die Ryūkyū-Inseln als wichtig genug, um eine Delegation zum kulturellen und politischen Austausch nach Okinawa zu schicken, die als 36 Familien bekannt wurde. Diese siedelten in der Gemeinde Kumemura und beeinflussten nachhaltig die gesamte okinawanische Kultur. Durch ihren Einfluss haben sich letztendlich die okinawanischen Kampfkünste (tōde, okinawate, karate) entwickelt.
Im 16. Jahrhundert umfasste das Ryūkyū-Königreich alle Ryūkyū-Inseln (Amami, Okinawa, Miyako und Yaeyama). Unter der Befehlsgewalt des okinawanischen Königs stand eine eigenständige Armee.
Bis ins 16. Jahrhundert konnte das kleine Königreich Ryūkyū in weitgehender Unabhängigkeit von Japan und China existieren. Das 15. und 16. Jahrhundert bezeichnet man als das zweite goldenes Zeitalter Okinawas. In diesem gelangte das Ryūkyū-Königreich aufgrund seiner günstigen Handelsposition zwischen Japan und China zunächst zu beträchtlichem Wohlstand. Kulturelle Errungenschaften wie z.B. Karate, dessen Beliebtheit durch Waffenverbote verstärkt wurde, sind ein Zeichen dafür. Doch all dies konnte die historische Entwicklung der Folgezeit nicht verhindern.

Spätes Mittelalter (1609-1868)
1609 - Invasion der Satsuma
- die Ryūkyū werden zum Daimyat (han) der Satsuma
17. Jh. - Wirtschaftreformen durch Shō Jōken, Gima Shinjō und Sai On
17.-18. Jh. - zweites Goldenes Zeitalters
1711 - erstes okinawanisches Wörterbuch
1853 - Commodore Perry Calbraith Matthew landet auf Okinawa

Spätes Mittelalter (1609-1868)

In Japan waren die Landesfürsten (daimyō) inzwischen mit internen Machtkämpfen beschäftigt, die in der Schlacht von Sekigahara entschieden wurden. Die Lager teilten sich anschließend in Gewinner (Tokugawa) und Verlierer (Satsuma) und etablierten in Japan eine Neuordnung der Machtkompetenzen des shōgun. Den Satsuma wurde vom bukufu (japanische Militärregierung) erlaubt, das südliche Ryūkyū-Königreich zu erobern und es in seine Lehen (han) zu integrieren.
Den japanischen Angreifern, die über Feuerwaffen (Arkebusen) verfügte, hatten die nur 3.000 Mann umfassenden Streitkräfte des Ryūkyū-Königreichs nichts entgegenzusetzen und wurden in nur zehn Tagen überrannt. Die nördlichen Amami-Inseln kamen unter die direkte Kontrolle der Daimyō von Satsuma (Kyūshū) während man sich ansonsten mit Steuerzahlungen zufriedengab. Zum Schein wurde die Regierung Ryūkyūs aufrechterhalten, so dass die chinesischen Gesandtschaften nichts von der veränderten Lage bemerkten. Die doppelte Abhängigkeit von China und Japan stürzte die Ryūkyū nicht nur in eine wirtschaftliche Krise, sondern führte auch zu politischer und moralischer Konfusion.

Ryūkyū wird zum Daimyat der Satsuma (1609)

Die Satsuma-Invasion im Jahre 1609 beendete die Unabhängigkeit des Ryūkyū-Königreiches. Obwohl es formell bis 1879 weiter bestand, wurde es von den Satsuma-Samurai in demselben Jahr zu ihrem Lehen (daimyat) erklärtbeherrscht und ausgeplündert. Zusätzlich forderten auch die Chinesen weiterhin Tribut. Vor allem auf Okinawa begann sich Widerstand gegen das unmenschliche Regime der Satsuma zu formieren.
Trotzdem gelang es im 17. und 18. Jahrhundert den okinawanischen Königen Shō Jōken, Gima Shinjō und Sai On einige grundlegende soziale und wirtschaftliche Reformen durchzuführen, die das zweite goldene Zeitalter der Ryūkyū einleiteten. Dieses begründete sich vor allem darin, dass durch den Anbau von Süßkartoffeln ("Satsuma-Kartoffeln") und Zuckerrohr, zunächst die große Hungersnot beeinträchtigt wurde. Versuche, die nationale Identität zu stärken, führten 1711 zur Entstehung des ersten Ryūkyū-Wörterbuches.
Die politische und soziale Situation der Ryūkyū-Inseln änderte sich, nachdem im Jahre 1853 Perry Calbraith Matthew (Commodore Perry) auf Okinawa landete und dem Inselstaat neue Perspektiven gab (auf seine Initiative wurde eine gewinnbringende Kohlestation eingerichtet). Obwohl Okinawa nicht sein ausgesprochenes Ziel war, sondern er im Auftrag der amerikanischen Regierung Japan zum weltweiten Handel öffnen sollte, veränderte er auch die Situation der Inselstaaten. Nachdem er den letzten Tokugawa-Shōgun aus Edo zur Öffnung Japans zwang, entstanden Kontakte zwischen den Ryūkyū und mehreren westlichen Mächten.
Zunächst aber waren die weltlichen Staaten nur wenig an den Ryūkyū-Inseln interessiert. Kaiser Wilhelm I. ließ 1878 auf Miyako ein Denkmal für die Rettung der Besatzung eines gekenterten deutschen Schiffes errichten und legte somit als Erster den Grundstein für die Beziehung zwischen den Ryūkyū und Deutschland.

Moderne (1868-1945)
1868 - politische Refomen (meiji isshin) in Japan
1871 - das Ryūkyū-Königreich wird als Satsuma-Lehen Teil der Präfektur Kagoshima
1874 - japanische Taiwan-Expedition
ab 1878 - Kontakte der Ryūkyū zum Ausland (auch Deutschland)
1879 - Auflösung des Satsuma-Lehens (Satsuma-daimyat)
- Entthronung des okinawanischen Königs
- Auflösung des Ryūkyū-Königreichs
- Gründung der eigenständigen Präfektur Okinawa
1894-1895 - Erster Sino-Japanischer Krieg
- Einbindung der Miyako-Inseln und Yaeyama-Inseln in die Präfektur Okinawa
- Zuordnung der Amami-Inseln zur Präfektur Kagoshima

Ryūkyū in der Moderne (1868-1945)

In Folge gravierender Reformen in Japan (meiji isshin) im Jahr 1868, steigerte sich der japanische Anspruch auf die Ryūkyū-Inseln und man beanspruchte ihre Integrierung ins japanische Kaiserreich. Zunächst aber beschränkte die japanische Zentralregierung den Einfluß der Satsuma und gliederte 1871 das gesamte Ryūkyū-Königreich in die neugegründete Präfektur Kagoshima ein.

Ryūkyū wird Teil der Präfektur Kagoshima (1871)

Obwohl die neue Verwaltungsgliederung Japans in Präfekturen (Japanische Präfekturen) die Auflösung aller verausgegangenen Lehen (han) vorsah, war diese Struktur auf den Ryūkyū nicht vollständig durchzusetzen. Es bestand eine lange und enge politische und wirtschaftliche Verbindung zwischen Ryukyu und China, als Folge derer Ryukyu zur Interessensphäre Chinas gehörte. Trotz aller Eroberungsgelüste des imperialistischen Japans konnte man sich einen Krieg gegen China derzeit nicht leisten.
Im Jahr 1874 führte Japan erstmals eine militärische Aktion auf chinesischem Territorium durch. Das japanische Kaiserreich startete eine wenig erfolgreiche Vergeltungsaktion gegen das chinesische Taiwan (Taiwan-Expedition), dessen Einwohner kurz davor ein Massaker an 54 gestrandeten Ryūkyū-Fischern verübt hatten. Dadurch wurde ein Dialog mit China erzwungen, in dessen Folge die Chinesen auf die nördlichen Amami-Inseln und auf die Okinawa-Inseln verzichteten aber weiterhin Anspruch auf die südlichen Miyako-Inseln und die Yaeyama-Inseln erhoben.

Ende des Ryūkyū-Königreiches (1879)

Dieses Abkommen wurde aber von Japan wenig respektiert. Im Jahr 1879 wurde das alte Satsuma-Lehen auf den Ryūkyū aufgelöst, der okinawanische König entthront und die Existenz des Ryūkyū-Königreichs beendet. Es fand eine Neuordnung der Gebiete statt, in der die Amami-Inseln der Präfektur Kagoshima zugesprochen und alle weiteren Ryūkyū-Inseln in der neu gegründeten Präfektur Okinawa zusammengefasst wurden.
Jedoch erst nach dem ersten chinesisch-japanischen Krieg (Erster Sino-Japanischer Krieg, 1894/1895) konnten die beiden südlichen Gruppen (Miyako-Inseln und Yaeyama-Inseln) vollständig in die Präfektur Okinawa integriert werden.

Neuzeit (1945-1972)
1945 - Schlacht um Okinawa
1945 - amerikanische Besetzung aller Ryūkyū-Inseln
- amerikanische Militärregierung auf den Ryūkyū
- Okinawa Advisory Council, eine zivile Pilotregiegung der US-Militärs
- Gründung der USCAR
1950 - Guntō-Regierungen (Einzelregierungen der Inselgruppen)
1951 - Vertrag von San Francisco
1953 - Rückgabe der Amami-Inseln an Japan
1972 - Rückgabe der Präfektur Okinawa an Japan

Amerikanische Besatzung (1945-1972)

Am 1. April 1945 beschäftigte Okinawa das Interesse der Weltöffentlichkeit, da auf dem Territorium der Insel die alles entscheidende Schlacht um Okinawa zwischen Japan und den USA stattfand. In dieser einzigen Landschlacht zwischen den beiden verloren 12.500 Amerikaner und 250.000 Japaner (und zivile Okinawaner) ihr Leben.
Nach dem Weltkrieg (1945) fielen sämtliche Ryūkyū-Inseln südlich des 29. Breitegrades unter eine von den USA installierte Militärregierung. Zwar bemühten sich die Japaner noch in demselben Jahr (1945) um eine eigen zivile Regierung (Okinawa Advisory Council), aus der 1950 die Guntō-Regierungen hervorgingen, die schließlich in die GRI (Government of Ryūkyū-Islands) übergingen. Die Amerikaner richteten jedoch auf den den Inseln eine zusätzlicher Zivil-Regierung (United States Civil Administration of Ryūkyū, USCAR) ein, der ein „Deputy Governor“ (später ein „High Commissioner“) vorstand.
Doch die zilile Regierung hatte keine politische Entscheidungsgewalt, dies hatten allein die Militärs. Die Amerikaner gründeten auf der völlig zerstörten Insel ihren zweitgrößten Marine- und Luftwaffenstützpunkt, zu deren Einrichtung große Landflächen notwendig waren, von denen die rechtmäßigen Besitzer z.T. mit Waffengewalt vertrieben wurden. Nachdem am 8. September 1951 der Vertrag von San Francisco zustandekam, erreichte Japan seine Unabhängigkeit, musste dafür aber die Ryūkyū-Inseln an die USA abtreten, für die die deren geostrategische Inseln immer wichtiger wurde(Korea-Krieg, Vietnam-Krieg, Taiwan-Konflikt).
Die Bevölkerung der Ryūkyū-Inseln wurde bei diesen Entscheidungen nicht miteinbezogen. Die schlechten Erfahrungen über mehrere Jahrhunderte unter der Besatzung der Japaner (Satsuma-Besatzung) setzte sich unter den Amerikanern fort und führte zu einem erheblichen Unmut im Volk und zu anhaltenden Protesten, die bis heute anhalten.
1953 wurden die Amami-Inseln an Japan zurückgegeben. Nachdem die USA sich den Weiterbestand ihrer Militärbasen auf den Ryūkyū vertraglich zusichern ließen, gaben sie 1972 auch die restlichen Ryūkyū-Inseln (die heutige Präfektur Okinawa) in die japanische Verwaltung zurück.
Doch ihre Militärbasen blieben bestehnen und das arrogante Verhalten der amerikanischen Soldaten gegenüber den Okinawanern lässt bis heute keine Freundschaft aufkommen. Immer wieder gibt es Skandale um Rechtsbrüche, Vergewaltigungen und Morde durch Angehörige der US-Streitkräfte. Bis heute gibt es weder von den USA noch von Japan die Bereitschaft, die Eigenständigkeit des Ryūkyū-Volkes zu respektieren.

Gesellschaft und Kultur

Hauptartikel: Ryūkyū-Königreich | Okinawa

Der größte Teil der Ryūkyū-Bevölkerung besteht aus Einheimischen und zugewanderten Japanern (die heute die Mehrheit bilden). Davon leben ca. 90 Prozent auf der Hauptinsel Okinawa. Die Einheimischen bezeichnen sich als reinrassige Okinawaner (uchinānchu) und konzentrieren sich zumeist in den wirtschaftlichen Ballungszentren der okinawanischen Großstädte. Zusätzlich gibt es Minderheiten aus China, Taiwan und Indonesien.

Sprache auf den Ryūkyū

Hauptartikel: Ryūkyū-Sprachen

Die Ryūkyū-Sprachen (ryūkyūgo) bilden zusammen mit japanische Sprachen (nihongo) die japonische Sprachen. Obwohl sie sich in frühester Zeit (yayoi jidai) gegenseitig beeinflussten, begannen sie sich in späteren Zeitaltern voneinander zu unterscheiden und eigene Sprachkulturen zu entwickeln. Heute klassifiziert man die Ryūkyū-Sprachen in fünf hauptsächliche Gruppen, innerhalb derer es mindestens 800 Mundarten gibt:

Ryūkyū-Sprachen - ryūkyūgo

Nach der Eroberung Okinawas durch Japan (1609) wurde auf den Ryūkyū-Inseln die japanische Sprache verbreitet und nach der Meiji-Restauration (1868) als Landessprache eingeführt. Manche Sprachwissenschaftler klassifizieren deshalb heute die Ryūkyū-Sprachen als Dialekt (hōgen, 方言) des Japanischen (nihongo). Doch zwischen den beiden Sprachen gibt keine Verständigung, da die Spachbildung sehr verschieden ist. Durch die Verbreitung des Japanischen als Landessprache sprechen heute die meisten Einwohner Japanisch und sind der Ryūkyū-Sprache nicht mehr mächtig. Sie ist vom Aussterben bedroht, wird aber von verschiedenen Initiativen erneut gefördert.

Wirtschaft der Ryūkyū

Über die gesammte Zeit des Ryūkyū-Königreiches gab es auf den Inseln keine eigenständige Wirtschaft. Das Volk bestand hauptsächlich aus Bauern und Fischern und alles, was nicht dringend im Land gebraucht wurde, floss in Tributzahlungen nach China und Japan. Über viele Jahrhunderte herrschte große Armut und oft auch lebensbedrohliche Hungersnot.
Eine eigenständige okinawanische Wirtschaft gibt es erst seit neuerer Zeit. Darin ist der traditionelle Fischfang von Bedeutung, die Landwirtschaft exportiert Süßkartoffeln, Zuckerrohr und tropische Früchte. Es gibt kaum Industrie, erwähnenswert ist der Export von Textilien.
Neuerdings entwickelt sich zunehmend der Tourismus, vor allem durch die weltweite Verbreitung des karate. Hotelwirtschaft, Gastronomie und Handwerk profitieren von einem wachsenden Strom von Touristen aus der ganzen Welt.

Studien Informationen

Siehe auch: Okinawa | Präfektur Okinawa | Ryūkyū-Königreich | Nansei-Inseln

Literatur

  • George H. Kerr: Okinawa - The Hisory of an Island People. Tuttle 2000.
  • Werner Lind: Lexikon der Kampfkünste. BSK-Studien 2009.
  • Werner Lind: Okinawa Karate. Sportverlag Berlin 1998.

Weblinks