Giri

Aus Budopedia
Wechseln zu: Navigation, Suche

Artikel aus: Werner Lind
Nachbearbeitet von:

Giri (jap.: 義理) bezeichnet die Pflicht des Schülers, sich zu den von der Lehre (oshi) des Weges () geforderten Grundregeln zu bekennen. Giri ist ein Prinzip der Meister-Schüler-Beziehung (shitei) im budō und bushidō und erfordert ganz im Besonderen die Übung der rechten inneren Haltung (shisei), sowohl im dōjō als auch im Alltag, ohne die kein Erfahrungsweg im budō möglich ist.
Der Fortschritt im budō hängt von der Verwirklichung der rechten Haltung mehr ab, als von der Perfektion der Technik. Die Pflicht, die mit giri gemeint ist, besteht darin, daß der Schüler der Weglehre () vertraut und seinen Fortschritt durch die Verwirklichung der rechten Haltung sucht.

Inhaltsverzeichnis

Gishi im Bushidō

In der sinngemäßen Übersetzung bedeutet giri, "rechtes Denken" und leitet sich aus dem früheren Bushidō-Begriff gishi (Mann der rechten Haltung) ab. Der Begriff bezeichnet die im Inneren zu realisierenden Grundvoraussetzungen, die die rechte Haltung (shisei) ermöglichen. Diese durch Übung zu verwirklichenden Charakteristiken als Pflicht und Auftrag auf dem Weg anzunehmen, wurde zur Grundregel auch im späteren budō.
Im mittelalterlichen bushidō bezeichnete der Begriff gishi eine Lebensweise, in der ein Mensch die "rechte Einsicht" in die übergeordneten Zusammenhänge der Wirklichkeit besitzt. Der Zugang dazu entstand durch die Verwirklichung mehrerer Tugenden, unter denen Aufrichtigkeit (makoto), Gerechtigkeit (seigi), Barmherzigkeit (jihi), Großzügigkeit (ansha), Demut (ninyo) und Mut (yuki) die wichtigsten sind. Sie alle zusammen bewirken in einem Menschen die Fähigkeit, die rechte Haltung intuitiv zu erfassen und sich in der unmittelbaren physikalischen Wirklichkeit angemessen zu verhalten.
Im mittelalterlichen bujutsu war gishi ein fester Bestandteil in der Samurai-Erziehung, auf die sich bushi no ichigon (das Wort eines samurai) begründete. Doch als das bushidō in seinen Grundmauern zu wanken begann und man gishi in der aufkommende Korruption des tokugawa jidai (ab 1600) in seiner Bedeutung verdrehte, gründeten treue Anhänger des bushidō die Ideologie des giri, um das umfangreiche gishi durch konkrete Anleitungen (hagakure) verständlich zu machen.

Giri im Budō

Im späteren budō wurde giri als Teil der Lehre (oshi) und als zu erfüllende Pflicht an den Schüler herangetragen, im Lehrer/Schüler Verhältnis (shitei) durch ein gegenseitiges Versprechen abgesichert und danach vom Lehrer bedingungslos gefordert.
Der Weg des budō begründet sich vor allem auf die rechte Haltung (shisei) der Übenden. Sich darauf und nicht bloß auf seine Formen zu konzentrieren, ist jene Pflicht des Schülers, zu der er sich gegenüber dem Lehrer verbindlich bekennt. Deshalb übersetzt man den Begriff giri manchmal mit „Pflicht“ oder „Pflichtgefühl“.
Würde man das bushidō mit dem Christentum vergleichen, so wäre gishi die christliche Grundlehre und giri die Gebote. Giri bezeichnet die Pflicht zum Einhalten der Gebote und gleichzeitig das Verbot, sie durch persönliche Interpretationen in ihrer Bedeutung zu verdrehen.

Studien Informationen

Siehe auch: Shitei | Nesshin | Jitoku |

Literatur

  • Werner Lind: Lexikon der Kampfkünste. BSK-Studien 2010.
  • Inaze Nitobe:

Weblinks